Kommentar von GEREON ASMUTH
Nun wird Religion zur Terminfrage. Der Senat muss entscheiden, ob die Berliner eigens für den Volksentscheid gegen Ethikunterricht für alle Schüler an die Urnen gebeten werden oder ob sie zeitgleich ein Parlament wählen dürfen. Bei der Terminwahl wird der Senat eigene Interessen berücksichtigen. Das ist sein Recht. Doch dass er dieses Recht überhaupt hat, ist ein katastrophaler Fehler im System.
Denn beim Volksentscheid geht es nie nur um ein bloßes Ja oder Nein. Die Initiatoren müssen stets zunächst eine Mindestzahl von Befürwortern an die Urnen treiben - in Berlin mindestens 25 Prozent der Wahlberechtigten. Das fällt wesentlich leichter, wenn der Bürger eh schon zur Abstimmung pilgert, weil gerade ein Parlament gewählt wird. Die Terminentscheidung wäre unproblematisch, bliebe sie Unbeteiligten überlassen. Doch Volksentscheide richten sich quasi naturgemäß immer gegen die Politik der Regierung. Wenn Betroffene aber den Ausgang einer Entscheidung beeinflussen können, muss das demokratische System dringend repariert werden.
Um den Einfluss des Senats zu minimieren, könnte festgeschrieben werden, dass ein Volksentscheid entweder nie zeitgleich mit anderen Abstimmungen stattfinden darf - oder zeitgleich stattfinden muss, wann immer möglich. Das ließe strategisch denkenden Initiativen noch die Möglichkeit, ihr Begehren parallel zu Wahlen zu terminieren. Auch das ist nicht wirklich gerecht.
Bleibt nur eine Lösung: die Abschaffung der Mindestbeteiligung. Dann wäre jede Abstimmung gültig, egal was sonst noch zur Wahl steht. Das wäre radikaldemokratisch. Und wird leider genau deshalb am Widerstand der Politiker scheitern.
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Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
22.01.2009 12:44 | H. Martin
Ich wähle eine Partei, weil ich ihr zutraue in meinem Sinn vier Jahre Politik zu betreiben. Bin ich enttäuscht wähle ich eb ...
20.01.2009 16:35 | Uwe Sak
An H. Martin: Sie gehen also zur Wahl um dann ...
20.01.2009 15:57 | Gereon Asmuth
Sehr geehrter Herr Lindvail, ...