Kommentar von Daniél Kretschmar

"...und dann sind wir links abgebogen." Erika Steinbach auf dem 24. Bundesparteitag der CDU. Bild: dapd
Seit bald 15 Jahren lebe ich ohne Fernseher und Radio. Ende der 90er Jahre begann das Internet zu einem Ort zu werden, der beide Medien an Informationsdichte und -vielfalt bei Weitem übertreffen sollte.
Der Unterhaltungswert vieler Angebote im Netz kann es ebenfalls locker mit Vorabendserien und Spielshows aufnehmen. Während andere sich bei Gottschalk amüsieren oder bei Anne Will ärgern, schaue ich mir obskure Kunstfilmchen aus den 70ern an, scrolle mich durch Blogs für Herrenbekleidung, erfreue mich an Katzenbildern oder folge interessanten Konversationen in Blogs und auf Twitter.
Seit diverse PolitikerInnen ihre Accounts dort eingerichtet haben, ist auf Twitter bald jeden Abend so etwas Ähnliches wie Anne Will zugange. Leute, die ich nicht unbeaufsichtigt allein mit meinem Portemonnaie oder der Weisungsbefugnis über den Verfassungsschutz lassen würde, zeigen sich auf Gegenseitigkeit beruhenden, mangelnden Respekt.
Das kann durchaus anregend sein. Das Abendprogramm des 1. Februar 2012 beispielsweise bot einer der letzten genuinen Kreuzritterinnen, Erika Steinbach (Präsidentin des Bundes der Vertriebenen und CDU-Abgeordnete im Bundestag), die Gelegenheit, ihrem keineswegs nur wohlwollenden Publikum einen ordentlichen Brocken Kalter-Kriegs-Rhetorik hinzuschmeißen. "Die NAZIS waren eine linke Partei. Vergessen? NationalSOZIALISTISCHE deutsche ARBEITERPARTEI....."
Hat die CDU etwa ihre Parteilinie geändert? Bislang waren Nazis und Linke zwar das gleiche, nämlich beides Extremisten, sich aber eben doch in unterschiedliche Richtungen von der bürgerlichen Mitte wegbewegende. Solche Gedanken treiben den unbeteiligten Zuschauer um, und wenn er will, kann er Steinbachs Bonmot favorisieren, retweeten oder ihr Zuspruch, Ablehnung oder Beleidigungen zukommen lassen.
Das ist hundertmal besser als der Fernseher. Das ist kommunikativ, das ist interaktiv, das fördert politische Bildung und Teilhabe. Das ist mit einer Handvoll Followern auch viel intimer als diese ganzen unpersönlichen Massenmedien, wo Millionen Menschen nur frontal berieselt werden.
Für ihren wunderbaren Impuls für die politische Diskussion an jenem Abend gebührt Erika Steinbach also Dank und Anerkennung. Den Sendeverantwortlichen in Funk und Fernsehen hingegen ist dafür zu danken, dass sie die kampfeslustige Berufsvertriebene nicht mehr so oft in Talkshows einladen und sie so für diese große Aufgabe freigestellt haben.
Die Musikerin Amanda Palmer sammelte im Netz viel Geld für ihr neues Musikprojekt. Sie will, wie viele andere Crowdfunder auch, in der Kunst unabhängig sein. von Meike Laaf

Echte Stars, begeisterte Fans, prima Shopping-Tipps - wir freuen uns auf die Fußball-Europameisterschaft.

Starre Rituale, öde Debatten, ein Haus der Langeweile? Nicht in der Ukraine! Hier werden Parlamentsdebatten noch mit Leidenschaft, Herzblut und handfesten Argumenten geführt!

Weltraumtouristen, Satelliten und Versorgungsflüge zur ISS – die Raumfahrt wird privatisiert und kommerzialisiert.

Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
07.02.2012 18:04 | Christa
Das dürfte dann wohl die logische Konsequenz sein, Erika:http://www.youtube.com/watch?v=k-KkNOUt-mQ
04.02.2012 15:43 | Gerd Haida
Genosse Adolf marschierte mit den anderen Roten hinter dem Sarg von Kurt Eißner. ...
03.02.2012 14:12 | Antifaschist
Es ist doch längst ein alter Hut, dass die NSDAP in ihrem Programm und auftreten rechte und linke Elemente vereinte und sic ...