Kommentar von JAN KAHLCKE
Im Streit um die Berieselung der Osnabrücker Fußgängerzone geht es um einen Territorialkonflikt: Dürfen Nicht-Konsumenten das Einkaufsvergnügen der Mehrheitsgesellschaft stören - oder ihm auch nur beiwohnen?
Manchen Geschäftsleuten ist das schon zu viel soziale Wirklichkeit, und das ist weder neu noch besonders überraschend. Viele Kommunen versuchen das "Problem" herumlungernder Jugendlicher und Erwachsener auf die unterschiedlichste Weise zu "lösen": Trinkerverordnungen, Trinkerräume, Platzverweise und so weiter - damit alles ordentlich aussieht. Wenigstens dort, wo das Geld gemacht wird.
Am Vorgehen der Osnabrücker Wiederholungstäter, die Jugendliche auch schon mit hochfrequentem Piepen zu vertreiben versucht hatten, ist zynisch, dass sie wieder auf eine technische "Lösung" setzen - als handele es sich schlicht um Dreck vor ihrer Tür, den man wegspülen müsse. Da ist Nicolas Sarkozys Vorschlag, mal durch die Pariser Vorstädte zu "kärchern", nicht weit. Zum Glück durchschauen die Betroffenen das dahinter stehende Menschenbild und haben genug Humor, sich über die "Sozialhygieniker" lustig zu machen. Und zum Glück ist die Stadt diesen noch rechtzeitig in den Arm gefallen.
Wenn den echten Dreck bald echte Menschen wegschrubben, könnte am Ende auch noch jemand Arbeit finden, statt auf der Straße rumzulungern.
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Leserkommentare
03.07.2010 22:16 | IThomas
Klar würde sich jemand finden, den Dreck wegzumachen. Nur wäre es niemand aus dem Kreis der dort "herumlungernden" Punks, d ...
03.07.2010 11:31 | Thomas
"Sie reden, trinken Bier, manchmal schnorrt einer von ihnen die Passanten an." Ein etwas verzerrtes Bild, dass uns hier die ...
03.07.2010 10:55 | Volker
Wenn Sozialhygiene für den Autor nur Grenzen hat, beruhigender Weise sehr niedrige (beim Begriff "Duschen" assoziere ich i ...