Kommentar von ANDREAS ZUMACH
Mohammed al-Baradei, der Direktor der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) hat völlig recht: Die internationale Politik der letzten fünf Jahre gegenüber Iran ist gescheitert und hat kontraproduktive Wirkung. Das war absehbar, seit die EU im Frühjahr 2005 auf Vorschlag des damaligen Bundesaußenministers Fischer die iranische Führung ultimativ zur vollständigen Einstellung der Urananreicherung aufforderte und nach Teherans Weigerung gemeinsam mit den USA im UNO-Sicherheitsrat Sanktionen gegen Iran durchsetzte. Al-Baradeis öffentliche Feststellung des Scheiterns dieser Politik erleichtert jetzt hoffentlich die längst überfällige Kurskorrektur in Washington, Berlin und anderen Hauptstädten. Eine Kurskorrektur, mit der eine politische Lösung der Konflikte mit Teheran möglich wird und deren militärische Eskalation verhindert werden kann.

Andreas Zumach ist taz-Korrespondent bei den UN in Genf. Foto: kristin flory
Der künftige US-Präsident Obama scheint zu einer Kurskorrektur bereit, zu der ihm (links)liberale ExpertInnen in Washington ebenso raten wie jene aus dem Lager der realpolitischen Falken. Sollte Obama sein wichtigstes außenpolitisches Wahlkampfversprechen wahr machen und sich ohne Vorbedingungen zu einem Gespräch mit dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad treffen, wäre das bereits der halbe Weg zu einer politischen Lösung des Konflikts um das iranische Atomprogramm und anderer Streitfragen.
Der neue US-Präsident muss schnell handeln. Die Warnungen von Außenministerin Livni und anderen israelischen Politikern vor Gesprächen Obamas mit Ahmadinedschad werden immer lauter. Und sollte Netanjahu die Wahlen im Februar gewinnen, wächst die Gefahr, dass Israel mit einem präventiven Luftschlag eine militärische Reaktion Irans provoziert, die Washington dann unter Zugzwang setzt, "zur Verteidigung Israels" einzugreifen. Bundeskanzlerin Merkel, die sich im März 2006 schon einmal für einen sehr vernünftigen russischen Kompromissvorschlag zum Teheraner Atomprogramm zwar intern gegenüber Putin, aber, um einen Konflikt mit der Bush-Administration zu vermeiden, nicht öffentlich einsetzte, sollte Obama jetzt in seiner Gesprächsbereitschaft unterstützen.
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