Kommentar von Christian Füller
Die Karlsruher Entscheidung über die Professorengehälter ist an Dreistigkeit schwer zu überbieten. Keine Frage, die neue W-Kategorie von Profs, 2005 unter Edelgard Bulmahn eingeführt, soll ruhig mehr verdienen. Darum geht es aber nicht.
Erstens haben Professoren praktisch über sich selbst geurteilt. Verfassungsrichter kommen ja beinahe ausnahmslos selber von Lehrstühlen. Ihnen war die überfällige Reform des Professorenstandes schon immer ein Dorn im Auge. Jetzt war Gelegenheit, zurückzuschlagen. Der von juristisch geschulten Beamten durchtränkte und beherrschte Staat zementiert seine eigene Macht – und sorgt dafür, dass das auch künftig so bleibt.
Man muss sich die Schlüsselworte des Urteils in den Ohren klingen lassen, um zu wissen, was hier, zweitens, gespielt wird: Alimentationsprinzip, Leistungsgehälter im Sinne des Beamtenrechts. Die Welt verändert sich rasend schnell, niemand kann mehr auf lebenslängliche Beschäftigung hoffen – aber das Verfassungsgericht kramt beamtenrechtliche Prinzipien aus der preußischen Gruft hervor. Alles wird anders – nur die Professoren schützen sich selbst und das "hergebrachte Berufsbeamtentum" vor den Unbilden der Veränderung.
Vor allem für das Politikfeld mit dem größten Modernisierungsrückstand ist das Urteil ein Desaster: für die Bildung. Karlsruhe sendet das unmissverständliche Signal aus, dass das Berufsbeamtentum an den Hochschulen und Schulen am besten so bleiben soll, wie es immer war: lebenslänglich, mit der spezifischen Leistung, wie sie unter dem Alten Fritz eingeführt wurde, anwesend und loyal zu sein. "Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Oberrat" – in diese Richtung zeigt das Karlsruher Urteil wieder. Die zahllosen Beamten-Spezis in den Landesparlamenten werden die Botschaft wohl verstehen: Auch der Lehrer bleibt Beamter, abgeschottet von der realen wie der virtuellen Welt, mit dem quasi gesetzlichen Anspruch aufs Rechthaben.
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Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
16.02.2012 10:59 | Dr. Doom
Glückwunsch, Herr Füller: ich glaube, das nennt man "Shitstorm", was sie hier mit ihrem Kommentar losgetreten haben... ...
15.02.2012 19:16 | ulschmitz
nur soviel: Herr Füller "lebt", so könnte man den Eindruck gewinnen, von halluzinierten Klischees & selbstgebastelten Gespe ...
15.02.2012 16:53 | oranier
Eine gewisse historische Bildung ist dem Autor ja nicht abzusprechen. Aber wofür hier der "Alte Fritz" nicht alles herhalte ...