Kommentar Preispolitik der Bahn

Bahnfahren muss Spaß machen

Trotz neuer Sparpreise bleibt es teuer, mal eben in den Zug zu springen. Die Bahn darf KundInnenfreundlichkeit nicht nur simulieren.

Ein voller ICE-Bahnsteig

Bahnfahren ist Stress. Daran ändern auch Supersparpreise nichts Foto: REUTERS/Fabrizio Bensch

Die ManagerInnen der Bahn sind in der falschen Branche unterwegs. Sie wollen allen Ernstes, dass die Bahn Billigfliegern und Fernbussen Paroli bietet, indem sie deren Preispolitik kopiert. Den Supersparpreis der Bahn, bislang nur manchmal im Angebot, soll es ab August dauerhaft geben. Wer früh plant, bekommt schon ab 19,90 Euro eine Fernfahrkarte – wenn er oder sie lange vor Fahrtantritt bucht und ein bisschen Glück hat. Denn das Angebot ist begrenzt.

So wird die Bahn Billigflieger und Fernbusse nicht abhängen und auch AutofahrerInnen nicht zum Umsteigen bewegen. Wer früh plant, der oder die nimmt wohl weiterhin eher den Flieger. Denn der ist schneller. Und den billigen Fernbus muss man nicht Monate im Voraus buchen. Das Auto ist ohnehin allzeit bereit.

Mal eben in den Zug zu springen, bleibt kostspielig. Mit ihrer Preispolitik bringt sich die Bahn um ihre Vorteile. Bahnhöfe sind viel besser zu erreichen als Flughäfen und Fernbushaltestellen, weil sie zentral liegen. Züge fahren regelmäßiger und öfter – genug Gründe gerade für kurzentschlossen Reisende, den Zug zu nehmen. Wäre da nicht der Preis. Es läuft etwas grundsätzlich falsch, wenn es billiger ist, von Berlin nach Lissabon zu fliegen als von Hamburg nach München mit dem Zug zu fahren.

Die BahnmanagerInnen wollen mit den Supersonderangeboten bislang nicht ausgelastete Züge voll bekommen. Denen droht, was auf anderen Strecken gerade zu beliebten Reisezeiten die Regel ist: überfüllte Wagons, Verspätungen, gestresste PassagierInnen. Dabei muss Bahnfahren attraktiver werden, aus ökologischen Gründen und um Unfallzahlen im Straßenverkehr zu senken.

Aber das gelingt nur, wenn die Bahn KundInnenfreundlichkeit nicht nur simuliert. Dazu müssen die Ticketpreise drastisch sinken und die Angebote insgesamt besser werden. Bahnfahren muss Spaß machen, mit pünktlichen Zügen, guten Anschlüssen, genug Sitzplätzen, sauberen Wagons und gutem Service.

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Buchveröffentlichungen: „Die verlogene Politik. Macht um jeden Preis“ (Knaur Taschenbuch Verlag, 2010), „Die Angstmacher. Wie uns die Versicherungswirtschaft abzockt“ (Lübbe Ehrenwirth, 2012).

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