Kommentar von STEPHAN KOSCH
Das waren bizarre Bilder und Töne, die am Donnerstag live über eine mobile Webcam aus dem Stuttgarter Schlosspark auf tausenden von Computermonitoren der Republik herumruckelten. Zunächst das aus Gorleben und anderen Orten mit Protestgeschichte gewohnte Bild: Hier die Demonstranten, die sich einem Polizeifahrzeug in den Weg setzten, dort die in absurd martialischer Rüstung auftretenden Polizisten, die den Weg für ihre Kollegen freiräumen wollten und dabei am Ende auch auf Wasserwerfer nicht verzichteten.
Doch was aus dem Kopfhörer kam, irritierte. Eine offenbar nennenswerte Zahl von Demonstranten skandierte nicht nur den Klassiker "Wir sind das Volk", sondern begann, die Nationalhymne zu singen.
Ein weiterer Beleg also dafür, dass sich der Protest auch aus dem konservativen Milieu speist. Denn schließlich gilt es auch etwas zu bewahren: knapp 300 zum Teil sehr alte Bäume und einen Stadtpark, der zur Großbaustelle zu werden droht.

Stephan Kosch ist Redakteur im Ökologie- und Wirtschaftsressort der taz. Foto: taz
Die sonst braven Bürger, die im Angesicht der Wasserwerfer die Nationalhymne intonieren, sehen sich selbst als legitime Vertreter des Staates und sprechen nunmehr diese Rolle gleichzeitig denjenigen ab, die die Polizisten in den Park geschickt haben. Das konservative Milieu sieht sich durch die Landes- und Bundesregierung nicht mehr vertreten.
Die Reaktion von Ministerpräsident Mappus, der durch Polizei und Kettensägen Fakten schaffen will, wird diesen Rollentausch zementieren. Und die Parkschützer, die nun mit Gewalt aus ihrem konservativen Paradies vertrieben wurden, werden ihm bei der Landtagswahl im kommenden Frühjahr die entsprechende Antwort geben. Dieses harsche Vorgehen gegen seine eigene Klientel dürfte Mappus das Amt kosten.
Bei seinem Besuch in Israel hat Gauck die Merkel’sche Formel von der Sicherheit Israels als deutsche Staatsräson vermieden. Realpolitisch war das unklug. von Rafael Seligmann
Echte Stars, begeisterte Fans, prima Shopping-Tipps - wir freuen uns auf die Fußball-Europameisterschaft.

Starre Rituale, öde Debatten, ein Haus der Langeweile? Nicht in der Ukraine! Hier werden Parlamentsdebatten noch mit Leidenschaft, Herzblut und handfesten Argumenten geführt!

Weltraumtouristen, Satelliten und Versorgungsflüge zur ISS – die Raumfahrt wird privatisiert und kommerzialisiert.

Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
01.10.2010 18:35 | vic
Mappus, dieser hinterhältige Scheindemokrat, schickte vom ersten Moment an Blackwater in die Schlacht. Die reguläre Polizei ...
01.10.2010 13:45 | sole
Die ehemalige FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda kann auch als Marionetten-Kanzlerin nur DDR und sucht sich entspr ...
01.10.2010 13:28 | Andreas
Ob Stefan Mappus nun im Amt bleibt, oder nicht. Sein Gastspiel in der Landespolitik und seine Position im Streit um den neu ...