Die Opfer der Piraten-Erpresser sind selten ehrbare Kaufleute. Sie fahren häufig unter Billigflaggen, zahlen Hungerlöhne und missachten Umweltbestimmungen.von CHRISTIAN SEMLER
Alle lieben die Totenkopffahne. Dafür sorgt die langdauernde mediale Piratenverehrung vom strahlenden Helden Errol Flynn bis zum melancholischen Ironiker Johnny Depp. Allerdings wird die echte Piraterie vor den Küsten Somalias nicht hauptsächlich von verzweifelten Fischern ausgeübt, die von den Riesenschiffen der Industriestaaten um ihren Fang gebracht wurden. Sie ist ein professionell betriebenes Geschäft, unternommen von Gangstern und finanziert von seriösen Geschäftsleuten.
Die Opfer der Piraten-Erpresser sind jedoch selten ehrbare Kaufleute. Sie fahren häufig unter Billigflaggen, zahlen, wenn überhaupt, Hungerlöhne, missachten Umweltbestimmungen und/oder transportieren Kriegsgeräte in Krisengebiete. Sollte nicht, wer Schutz begehrt, den vorgegebenen Mindeststandards folgen? Davon ist keine Rede. Erst recht hört man nichts über die Verantwortung der Großmächte für den Staatszerfall Somalias, Voraussetzung der jetzigen Piraterie.
Völkerrechtlich sind seit Sommer dieses Jahres kraft einer Resolution des UNO-Sicherheitsrates Kriegsschiffe ermächtigt, die Piraten anzugreifen und auch bis in die Hoheitsgewässer Somalias zu verfolgen - die Zustimmung der (machtlosen) somalischen Übergangsregierung liegt vor. Innerstaatlich steht in Deutschland der Entsendung von Kriegsschiffen allerdings der Umstand entgegen, daß die Verfolgung von Verbrechen ausschliesslich Sache der Polizei ist. Piraterie ist ein Verbrechen und es kann nach dem Weltrechtsprinzip auch außerhalb Deutschlands verfolgt werden. Keinesfalls dürfen der Bundesmarine polizeiliche Befugnisse übertragen werden. Damit würde die Trennung beider Bereiche weiter aufgeweicht.
Das Verteidigungsministerium sucht dieser Problematik dadurch zu entrinnen, dass die Marine Bundespolizei an Bord nimmt, ihr die festgesetzten Piraten zwecks Festnahme übergibt und die für Verbrechen auf See zuständige Hamburger Staatsanwaltschaft einschaltet. Angesichts dieser fragwürdigen Hilfskonstruktion muss die Frage erlaubt sein, warum niemand die einfachste Lösung ins Auge fasst - die Fahrt im geschützten Konvoi übers Krisenmeer.
Bei seinem Besuch in Israel hat Gauck die Merkel’sche Formel von der Sicherheit Israels als deutsche Staatsräson vermieden. Realpolitisch war das unklug. von Rafael Seligmann
Echte Stars, begeisterte Fans, prima Shopping-Tipps - wir freuen uns auf die Fußball-Europameisterschaft.

Starre Rituale, öde Debatten, ein Haus der Langeweile? Nicht in der Ukraine! Hier werden Parlamentsdebatten noch mit Leidenschaft, Herzblut und handfesten Argumenten geführt!

Weltraumtouristen, Satelliten und Versorgungsflüge zur ISS – die Raumfahrt wird privatisiert und kommerzialisiert.

Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
21.11.2008 11:40 | Hugo
Interessante Logik. Weil die philippinischen (und chinesischen, indonesischen usw.) Seeleute schlecht bezahlt und möglicher ...