Die Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit ist kein böser Onkel, der sich Deutschland als Watschenmann ausgesucht hat. Was die Pariser Statistiker festhalten, sind nüchterne Zahlen.
die überschrift und der untertitel sind dämlich. die studie inhaltsleer wie flasche leer.
09.09.2009 01:06 Uhr
von Makeze:
Ich bin '99 aus Deutschland nach Schottland gezogen, wo die Schule lediglich verlangte, dass ich zuvor auf einem Gymnasium war. Auf die Frage welche Noten ich denn mitbringen müsse, sagte man mir dies sei völlig egal. Das niveau auf deutschen Gymnasien halte man zwar für sehr hoch, soll heißen ich kann ja nicht völlig verblödet sein wenn ich schonmal drauf war, jedoch hinken Lehrplan sowie Didaktik mindestens 30 Jahre hinterher. Soweit so gut. 2002 war ich dann mit meiner "Scottisch Highers Qualification" auf Studienplatzsuche. In den Niederlanden bewarb ich mich, indem ich einen zweiseitigen Bewerbungsbogen ausfüllte und eine einfache Kopie meines "Abi" verschickte. Zwei Wochen später hatte ich die zusage. Dort gilt bei der Studienplatzvergabe: wer zuerst kommt malt zuerst. Leider war das Studium nichts, und ich suchte nochmal in Deutschland. Hier musste ich amtlich beglaubigte Kopien einer Übersetzung meiner Hochschulzugangsberechtigung durch eine staatlich anerkannte Übersetzerin an das jeweilige Kultusministerium des entsprechenden Bundeslandes schicken, die für zwischen 80,- und 130,- Euro meinen Notendurchschnitt "errechnen", was bedeutet, dass sie auf den Schnitt eine ganze Note drauf setzen (schliesslich kann man ja nicht davon ausgehen, dass man ausserhalb der BRD den selben anspruchsvollen Bildungsstand erreichen könnte, siehe PISA), und als Bildungsausländer trotz 10 Jahre deutscher Schule, meinem Personalausweis und geleistetem Wehrdienst, noch einen Deutschtest absolvieren. Haben wohl nicht gemerkt das ich die Sprache spreche als ich mich mit ihnen unterhalten habe. Dies könnte ich ja alles noch als unglücklichen Mix von typisch deutscher Bürokratie und nationaler (könnte auch in anderen Ländern vorkommen) Arroganz abtun. Allerdings sollte mir dann noch der Zugang zu meinem Wunschfach Rechtswissenschaft verwehrt werden. Auf der Konferenz der Kultusminister hat man nämlich mal eine Richtlinie entwickelt, nach der bestimmt wird wer aus welchem Land denn noch bestimmte Mindestanforderungen für bestimmte Studienfächer mitbringen müsse. Nur für selten belegte Nischenfächer wie Jura, und für Menschen aus fernen exotischen Ländern wie EU-Partner Großbrittanien gilt eine pauschale Losung: Du musst das, was du studieren möchtest auch als Schulfach gehabt haben. Haha Freunde, jetzt stellt euch mal vor ihr müsstet einer Beamten-Tante in der Stelle für Zulassungsangelegenheiten erklären, dass dies völlig unlogischer Quatsch ist. Wie, es gibt kein Jura als Schulfach? Manche Wirtschaftsgymnasien haben immerhin Arbeitsrecht! Auch dass das britische Rechtssystem grundlegend ander ist als das deutsche ist egal. Und auch wenns nur eine Richtlinie ist, daran hat man sich stets zu halten! Deutschland muss hier endlich die Scheuklappen ablegen und schleunigst eine grundlegende Reformbereitschaft an den Tag legen. Änderungen im Bildungssystem brauchen eine Generation um Wirkung zu zeigen.
08.09.2009 19:47 Uhr
von Nikolas:
PISA ist alles andere als nüchtern, sondern ein Programm der OECD, um der Bildungsindustrie ein lukratives neues Geschäftsfeld zu bieten.
PISA misst nicht Bildung (ist die überhaupt messbar?), sondern schlicht Kompetenzen und das auch nur in scheinbar für die Wirtschaft wichtigen Fächern (alle anderen Fächer fallen einfach unter den Tisch und werden immer weiter marginalisiert).
Und Deutschland schneidet bei PISA auch nur deshalb so schlecht ab, weil unser Bildungssystem einfach nicht auf den PISA-Test ausgerichtet ist.
Eine etwas kritischere Haltung zu PISA hätte ich von der taz doch erwartet, da kann man ja gleich die FAZ lesen.
Leserkommentare
09.09.2009 10:48 Uhr
von OhA:
die überschrift und der untertitel sind dämlich. die studie inhaltsleer wie flasche leer.
09.09.2009 01:06 Uhr
von Makeze:
Ich bin '99 aus Deutschland nach Schottland gezogen, wo die Schule lediglich verlangte, dass ich zuvor auf einem Gymnasium war. Auf die Frage welche Noten ich denn mitbringen müsse, sagte man mir dies sei völlig egal. Das niveau auf deutschen Gymnasien halte man zwar für sehr hoch, soll heißen ich kann ja nicht völlig verblödet sein wenn ich schonmal drauf war, jedoch hinken Lehrplan sowie Didaktik mindestens 30 Jahre hinterher.
Soweit so gut. 2002 war ich dann mit meiner "Scottisch Highers Qualification" auf Studienplatzsuche. In den Niederlanden bewarb ich mich, indem ich einen zweiseitigen Bewerbungsbogen ausfüllte und eine einfache Kopie meines "Abi" verschickte. Zwei Wochen später hatte ich die zusage. Dort gilt bei der Studienplatzvergabe: wer zuerst kommt malt zuerst. Leider war das Studium nichts, und ich suchte nochmal in Deutschland. Hier musste ich amtlich beglaubigte Kopien einer Übersetzung meiner Hochschulzugangsberechtigung durch eine staatlich anerkannte Übersetzerin an das jeweilige Kultusministerium des entsprechenden Bundeslandes schicken, die für zwischen 80,- und 130,- Euro meinen Notendurchschnitt "errechnen", was bedeutet, dass sie auf den Schnitt eine ganze Note drauf setzen (schliesslich kann man ja nicht davon ausgehen, dass man ausserhalb der BRD den selben anspruchsvollen Bildungsstand erreichen könnte, siehe PISA), und als Bildungsausländer trotz 10 Jahre deutscher Schule, meinem Personalausweis und geleistetem Wehrdienst, noch einen Deutschtest absolvieren. Haben wohl nicht gemerkt das ich die Sprache spreche als ich mich mit ihnen unterhalten habe.
Dies könnte ich ja alles noch als unglücklichen Mix von typisch deutscher Bürokratie und nationaler (könnte auch in anderen Ländern vorkommen) Arroganz abtun. Allerdings sollte mir dann noch der Zugang zu meinem Wunschfach Rechtswissenschaft verwehrt werden. Auf der Konferenz der Kultusminister hat man nämlich mal eine Richtlinie entwickelt, nach der bestimmt wird wer aus welchem Land denn noch bestimmte Mindestanforderungen für bestimmte Studienfächer mitbringen müsse. Nur für selten belegte Nischenfächer wie Jura, und für Menschen aus fernen exotischen Ländern wie EU-Partner Großbrittanien gilt eine pauschale Losung: Du musst das, was du studieren möchtest auch als Schulfach gehabt haben. Haha Freunde, jetzt stellt euch mal vor ihr müsstet einer Beamten-Tante in der Stelle für Zulassungsangelegenheiten erklären, dass dies völlig unlogischer Quatsch ist. Wie, es gibt kein Jura als Schulfach? Manche Wirtschaftsgymnasien haben immerhin Arbeitsrecht! Auch dass das britische Rechtssystem grundlegend ander ist als das deutsche ist egal. Und auch wenns nur eine Richtlinie ist, daran hat man sich stets zu halten!
Deutschland muss hier endlich die Scheuklappen ablegen und schleunigst eine grundlegende Reformbereitschaft an den Tag legen. Änderungen im Bildungssystem brauchen eine Generation um Wirkung zu zeigen.
08.09.2009 19:47 Uhr
von Nikolas:
PISA ist alles andere als nüchtern, sondern ein Programm der OECD, um der Bildungsindustrie ein lukratives neues Geschäftsfeld zu bieten.
PISA misst nicht Bildung (ist die überhaupt messbar?), sondern schlicht Kompetenzen und das auch nur in scheinbar für die Wirtschaft wichtigen Fächern (alle anderen Fächer fallen einfach unter den Tisch und werden immer weiter marginalisiert).
Und Deutschland schneidet bei PISA auch nur deshalb so schlecht ab, weil unser Bildungssystem einfach nicht auf den PISA-Test ausgerichtet ist.
Eine etwas kritischere Haltung zu PISA hätte ich von der taz doch erwartet, da kann man ja gleich die FAZ lesen.