Kommentar von INES KAPPERT
Als Jafar Panahi im Sommer nicht zum Filmfestival nach Cannes reisen durfte, meldete er sich aus seinem Hausarrest - mit einer, nennen wirs ,Filmsache' - zu Wort: "This is not a film". So lautete der beredt surrealistische Titel. In diesem Nicht-Film dokumentiert Panahi ein Telefonat mit seiner Anwältin.
Die ging damals davon aus, dass das 20-jährige Berufsverbot gegen ihren Mandanten aufgehoben und die sechsjährige Haftstrafe zumindest reduziert würde. "Also kann ich schon mal meine Koffer packen und an die Tür stellen?" Panahi hat sich im Griff, der Schock zeichnet sich trotzdem auf seinem Gesicht ab. Ja, erläutert die Frauenstimme kühl, es gäbe in der letzten Zeit keine Fälle, bei denen das Urteil komplett revidiert worden wäre. Panahi schluckt trocken.
Die Familie meldet nun, dass Panahi unmittelbar vor der Inhaftierung stehe; das Berufsverbot wurde nicht nach unten korrigiert. Alles kommt also noch schlimmer als erwartet. Der Arabische Frühling hat die Machthaber im Iran weiter brutalisiert. Unerbittlich führt das Regime seinen Kampf gegen alle, deren Interessen es nicht bedienen mag oder kann und die noch nicht hirntot sind.

INES KAPPERT leitet das Meinungsressort der taz. Foto: Wolfgang Borrs
Panahi hatte ja nur vor, einen Film zur grünen Bewegung zu drehen. Man kann es sich gar nicht oft genug klarmachen: Bereits die Möglichkeit, dass er schmerzhafte Fragen aufwerfen könnte, reichte aus, um ihn in seiner beruflichen Existenz zu vernichten.
International gab es einige Bemühungen, das skandalöse Urteil breitenwirksam zu verurteilen. Umsonst. Umso wichtiger ist es jetzt, sich dem Willen des Regimes nicht zu beugen und das Schicksal dieses Künstlers weiter sorgsam zu verfolgen. Auch wenn das jetzt richtig schwierig wird. Doch das letzte Wort über die Zukunft eines Regimes, das so brutal gegen jedwede kreative Regung vorgehen muss, ist noch nicht gesprochen.
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