Pakistans Bevölkerung ist zutiefst verärgert

Routine reicht nicht

Kommentar von GEORG BLUME

Jetzt kommt bald der Moment, in dem sich entscheidet, ob die westliche Welt den Pakistanern in der größten Katastrophe ihrer Landesgeschichte nur den kleinen Finger oder die ganze Hand reicht. Ob man nur das Nötigste für das erste Überleben schickt oder dem Land auch gezielt beim Wiederaufbau hilft.

Bisher können die westlichen Helfer, die zumeist die Einsätze der Organisationen der Vereinten Nationen, des Roten Kreuzes und vieler NGOs leiten, von sich allenfalls behaupten, ihre Pflicht zu tun. Sie ignorierten die Not der Flutopfer in den ersten Wochen der Katastrophe genauso lange wie die pakistanische Regierung. Dann kam das Aufwachen, die Einsicht in die "nie da gewesene" (UN-Generalsekretät Ban Ki Moon) Natur der Flut. Zumindest die Experten schlugen nun Alarm. Langsam folgte die große Politik in aller Welt, zuletzt Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihren lobenswerten Spendenaufrufen im ZDF und in der Bild-Zeitung. Besser spät als gar nicht.

Doch die Dimension der Herausforderung wird in der westlichen Öffentlichkeit auch heute noch nicht erfasst. Die pakistanische Bevölkerung ist zutiefst verängstigt und verärgert. Wo Hilfe bisher kam, kam sie immer spät, nie für alle und nie auf gut organisiertem, Ruhe und Vertrauen stiftendem Wege.


				GEORG BLUME

Georg Blume ist Indien-Korrespondent der taz.

Im Jahr 2005 schafften Hubschraubereinsätze der USA nach dem großen Erdbeben in Kaschmir bei vielen Pakistanern neuen Glauben in ein Bündnis mit dem Westen. Nichts dergleichen ist bisher geschehen, dazu ist die Katastrophe immer noch zu groß.

Betroffen ist nicht Haiti, sondern der Staat mit der sechstgrößten Bevölkerung der Welt. Hunger und Unterernährung beginnen erst jetzt. Für die Übel der Welt machen die Pakistaner im Zweifelsfall Indien und die Vereinigten Staaten von Amerika verantwortlich. Um das zu ändern, bedarf es aber viel mehr als des bisherigen Routineeinsatzes der internationalen Helferbrigaden.

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