Kommentar von CHRISTIAN RATH
Shit happens. Die angebliche Amokankündigung von Tim K. hat sich offenkundig als Fake entpuppt. Das eigentliche Problem ist dabei aber weniger, dass die Polizei auf eine solche Fälschung hereingefallen ist - das kann mal passieren. Kaum zu entschuldigen ist jedoch, dass Innenminister Heribert Rech (CDU) zur Verteidigung seiner Polizisten eine Lüge verbreitet hat.

CHRISTIAN RATH ist rechtspolitischer Korrespondent der taz. Foto: privat
Natürlich muss man Hinweisen auf eine Amokankündigung nachgehen, insbesondere wenn die Meldung nicht anonym eingeht, sondern von einem offen auftretenden Familienvater kommt. Der Mann sagte, sein Sohn hätte die Ankündigung nachts im Internet gelesen, jedoch nicht ernst genommen. Klar ist, dass die Polizei solche Hinweise überprüfen muss.
Bedenklich wurde das Verhalten der Ermittler aber, als sie die vermeintliche Amokankündigung in einer Pressekonferenz als echt präsentierten, obwohl der Betreiber des entsprechenden Internet-Imageboards bereits von einer Fälschung sprach. Da es nach Amokläufen häufig zu derartigen "Scherzen" kommt, wäre hier deutlich mehr Vorsicht angebracht gewesen.
Doch dann versuchte der Innenminister, kritische Nachfrager ruhigzustellen, und behauptete, auch auf dem beschlagnahmten Rechner von Tim K. lasse sich der Forumseintrag nachvollziehen. Das war aber einfach falsch - wie die Polizei Stunden später mitteilte.
Zwar verweist die Polizei jetzt auf die theoretische Möglichkeit, dass Tim K. die ominöse Ankündigung auch mit einem anderen Computer hätte schreiben können. Mag sein. Das ändert aber nichts daran, dass sich auf dem beschlagnahmten Rechner keine entsprechenden Hinweise fanden - obwohl Minister Rech und die Stuttgarter Staatsanwaltschaft genau das behauptet hatten.
Man kann der baden-württembergischen Polizei zugute halten, dass sie die Lüge am Donnerstag nach ein paar Stunden korrigierte. Auch hatte die Falschauskunft keine irreparablen Folgen; Tim K. ist ja tot, und sonst wurde nach niemandem gefahndet. Es bleibt aber der bestürzende Eindruck, dass der Sicherheitsapparat, wenn er einen Fehler gemacht hat, erst einmal frei zu fabulieren beginnt.
Bei seinem Besuch in Israel hat Gauck die Merkel’sche Formel von der Sicherheit Israels als deutsche Staatsräson vermieden. Realpolitisch war das unklug. von Rafael Seligmann
Echte Stars, begeisterte Fans, prima Shopping-Tipps - wir freuen uns auf die Fußball-Europameisterschaft.

Starre Rituale, öde Debatten, ein Haus der Langeweile? Nicht in der Ukraine! Hier werden Parlamentsdebatten noch mit Leidenschaft, Herzblut und handfesten Argumenten geführt!

Weltraumtouristen, Satelliten und Versorgungsflüge zur ISS – die Raumfahrt wird privatisiert und kommerzialisiert.

Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
16.03.2009 14:15 | ohno
@amos (obwohl ich Mühe habe, Ihren "Kommentar" ernstzunehmen): ...
15.03.2009 17:57 | Amos
Auf der ganzen Welt mehren sich die Gewalttaten. ...
14.03.2009 18:02 | Daniel W.
"Zwar verweist die Polizei jetzt auf die theoretische Möglichkeit, dass Tim K. die ominöse Ankündigung auch mit einem ander ...