• 17.12.2009

Der Klimawandel ist längst im Gange, in Kopenhagen ging es um Schadensbegrenzung. Der Gipfel war ein Anfang.

Der Gipfel der Einsicht

KOMMENTARvon Reiner Metzger

  • 18.12.2009 12:52 Uhr

    von Torsten Steinberg:

    Nichts verstanden?

    „Der Gipfel der Einsicht“. Das ist eine ganz falsche Überschrift, denn mit diesem Kommentar macht sich Reiner Metzger zum Fürsprecher gerade der Uneinsichtigen. Sogar die in Kopenhagen versammelten Politiker sind ja schon weiter, wenn sie sich wenigstens auf das Ziel verständigen können, dass die Erwärmung der globalen Durchschnittstemperatur unbedingt auf 2 Grad beschränkt werden muss. Nicht 3 Grad oder 4, wie Metger schreibt. Die Wissenschaft hat eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür errechnet, dass bei stärkerer Erwärmung Prozesse in Gang gesetzt werden, wie zum Beispiel die Freisetzung riesiger Mengen von Methangas durch das Auftauen des sibirischen Permafrostbodens, durch die sich der Klimawandel noch beschleunigt und eine unumkehrbare Dynamik gewinnt. Und das mit weitaus schlimmeren Konsequenzen als dass die in ihrer Skurilität schon wieder lustige Vorstellung von „Kakteenwäldern in den deutschen Mittelgebirgen“ auch nur annähernd als angemessen bezeichnet werden könnte. Eine 100%ige Gewissheit, dass sei zugegeben, gibt es dafür nicht, doch niemand sollte wirklich darauf erpicht sein, als Zeitzeuge dabei zu sein, wenn die Natur doch den Tatsachenbeweis antritt. Wir bleiben doch auch an einer uneinsehbaren Kreuzung bei roter Verkehrsampel stehen und geben nicht noch Gas, weil uns der Beweis fehlt, das gerade jetzt wirklich jemand von der Seite kommt.

    Der Klimawandel bedroht nicht nur und nicht einmal in erster Linie die Geschäfte, die am wenigsten. Denn Geschäfte machen kann man bei jeder Temperatur. Verkaufen wir halt weniger Heizöl und weniger Skiausrüstungen, dafür um so mehr Klimaanlagen und Taucheranzüge. Und ähnlich bestellt ist es um den Lebensstil. Man ist doch flexibel. Mir egal, ob der Hopfen für mein Bier aus der Holledau oder später mal aus Island kommt. Wein soll jetzt sogar schon auf Sylt wachsen, da stört es wenig, wenn die Trauben in Australien zu hohem Klimastress ausgesetzt sind. Und überhaupt, der Winter ist schon lange nicht mehr, was er einmal war. Weiße Weihnacht Fehlanzeige! Wen stört es da schon, wenn er ersatzlos gestrichen wird und endlich diese unentschieden trübe und nasskalte Dezemberwitterung richtig molliger Wärme weichen muss? Wenn das alles ist, dann soll er doch kommen, der Klimawandel.

    Doch die eigentliche Gefahr des Klimawandels liegt darin, dass er durchaus das Potential hat, dem relativ friedlichen Leben der Menschheit auf diesem Planeten ein Ende zu setzen. Oh ja! Diese mistige Zeit wird uns als eine relativ friedliche in Erinnerung bleiben, wenn wir zulassen, dass die Klimakatastrophe sich Bahn bricht. Viele Politiker sehen die große Gefahr von Verteilungskriegen und Klimaflüchtlingen. Es geht nicht allein um viel Geld, um „Billionen Euro pro Jahr“, mit denen sich ganz bestimmt manches auch im Nachhinein wird regeln lassen. Es geht, wenn auch nicht gerade hier in Deutschland, für viele Menschen um Leben und Tod. Und ich unterstelle einer Vielzahl derer, die sich in Kopenhagen versammelt haben, ernsthaftes Bemühen darum, einen konkreten, für alle gangbaren Ausweg aus der Misere zu finden.

    Einsicht ist definitiv zu wenig, und wenn der Gipfel es dabei belassen sollte, dann erweist sich womöglich der eine Satz in Reiner Metzgers Kommentar als wahr, der alle anderen Worte ad absurdum führt: „Es ist aber auch klar: Die große Politik kommt zu spät – und sie ist zu langsam.“

  • 18.12.2009 10:26 Uhr

    von Johannes Rohr:

    Reiner, mich wundert ein wenig der positive Dreh, den Du der Bewertung des Gipfels gibst. Keine Bewertung ist vollständig, wenn sie nicht den beispiellosen fast vollständigen Ausschluss der Zivilgesellschaft erwähnt sowie die massive Einschränkung bis hin zur Abschaffung von Grundrechten auf den Straßen Kopenhagens. Willkommen zurück im 19. Jahrhundert!

    Aber auch die Versprechen der Staaten sind bei genauerem Hinsehen nicht nur sehr mager sondern auch teils sehr gefährlich, so etwa die Entwicklung des REDD-Programmes (Reduced emissions through avoided deforestation and degradation), das letztendlich Regenwaldzerstörung und Baumplantagen fördern wird oder der Umstand dass der größte Teil der von der EU versprochenen Reduktion fiktiv ist, da nicht wirklich der CO2-Ausstoß unserer Autos und Industrien gemindert werden soll sondern Maßnahmen in Entwicklungsländern gefördert werden sollen, dort eine oft rein hypothetische Minderung des CO2-Ausstoßes zur Folge haben sollen. Das kann heißen, dass eine Firma Regenwald vernichtet, dann anschließend eine Palmölplantage auf dem Gelände eröffnet und behauptet wird, neu angepflanzte schnell wachsende Bäume würden extra viel C02 beseitigen. In der Bilanz wird so aus Regenwaldzerstörung eine C02-Minderung der EU. Solche Dinge und viele andere Grausamkeiten werden hier gerade beschlossen. Da wäre ich mit der Bewertung doch etwas kritischer...

  • 17.12.2009 18:12 Uhr

    von reblek:

    "Denn die Regierungschefs der Industrieländer, also die Verursacher des Klimawandels..." Na, na, Herr Metzger, die Regierungschefs sind die Verursacher des Klimawandels? So sagt es zumindest die Grammatik Ihres Satzes. Ober wollten Sie schreiben "der Verursacher des Klimawandels". Ja, nicht wahr?

    "Damit wir vielleicht bei 4 Grad durchschnittlicher Erderwärmung landen und nicht bei Kakteenwäldern in den deutschen Mittelgebirgen." Ob Sie das richtig verstanden haben? Es könnte sein, dass es angesichts der Abkühlung des Golfstroms bei uns nicht wärmer wird, sondern kälter. Obwohl die Erderwärmung insgesamt zunimmt.

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