Kommentar Abbas und Gaza-Eskalation

Schmutziges Spiel

Während Hamas und Netanjahu planlos eskalieren, betreibt Palästinenserpräsident Abbas ein schmutziges Spiel. Der Westen könnte es stoppen.

Trümmer eines Gebäudes

Gefährliche Eskalation: die Überreste des Hamas-nahen TV-Senders Al-Aksa nach einem israelischen Luftangriff Foto: dpa

Eigentlich sollte die Hamas froh sein. Ihre finanziell ausgeblutete Regierung hat 15 Millionen US-Dollar erhalten, die katarische Diplomaten in Koffern via Ben-Gurion-Flughafen und von einem israelischem Sicherheitskonvoi begleitet in den Gazastreifen liefern durften – das übertrifft die wildesten Träume der islamistischen Machthaber im Gazastreifen. Und viele weitere Dollars sollen noch kommen. Wie das Geld verwendet wird, kontrolliert niemand. Aus Sicht der Hamas wäre es an Dummheit kaum zu übertreffen, sollte sie diesem Geldregen mit einem neuen Krieg ein vorzeitiges Ende bereiten.

Dumm gelaufen ist nur, dass die geheime Operation des israelischen Sonderkommandos aufgeflogen ist, und bei den Kämpfen anschließend wieder Palästinenser starben. Die toten Brüder müssen gerächt werden. Das ist Ehrenkodex der islamistischen Kämpfer, und so steht das Schicksal der Menschen im Gazastreifen trotz allem erneut auf auf dem Spiel. Dass es bei dem Raketenangriff auf die israelische Stadt Aschkelon ausgerechnet einen Palästinenser traf – der einzige Tote bei den Raketenangriffen ist ein Arbeiter aus Hebron im Westjordanland – erscheint beinah wie eine göttliche Warnung, ein Wink an die Kommandeure in Gaza, mit den Angriffen aufzuhören.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu war am Ende kaum noch eine Alternative geblieben, als den Finanzspritzen aus Katar zuzustimmen, um die Lage in der israelischen Grenzregion zu Gaza rasch zu beruhigen. Er ist unter den starken Druck der Bürger dort geraten, die seit Monaten die Angriffe mit Raketen, Mörsergranaten und Brandsätzen aushalten müssen. Auch im eigenen Sicherheitskabinett hat Netanjahu mit Gegenwind zu kämpfen. Ginge es nach Verteidigungsminister Avigdor Lieberman müsste Israels Armee der Hamas ein für allemal den Garaus machen. Doch was kommt dann? Selbst Israels Rechte würde nicht gern erneut und auf Dauer Truppen in den Gazastreifen schicken.

Netanjahu mangelt es ein einer Strategie. Er sitzt das Problem aus und macht es damit nur noch schlimmer. Solange Palästinenserpräsident Mahmud Abbas den Gazastreifen finanzierte, war gesichert, dass die Gelder nicht in die Taschen der Terroristen flossen. Was die Hamas mit dem Geld aus Katar anstellt, bleibt dagegen allein ihr selbst überlassen.

Überhaupt scheint Abbas der einzige in dem Drama der drei Gegner zu sein, der ein klares Ziel vor Augen hat: Er will mit dem Aushungern des Gazastreifens einen Krieg zwischen Israel und der Hamas provozieren, um am Ende dort selbst wieder die Kontrolle zu übernehmen. Warum kann er das? Das Budget der Autonomiebehörde finanzieren ausländische, vorwiegend westliche Regierungen. Da müsste es doch möglich sein, dem schmutzigen Spiel des Palästinenserpräsidenten einen Riegel vorzuschieben.

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Seit 1999 taz-Nahostkorrespondentin in Israel und Palästina, Jahrgang 1961

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