• 13.03.2010

Nur weil die Uniangehörigen nun auch angehört werden, heißt das nicht, dass die unternehmerische Hochschule ein Konzept der Vergangenheit ist.

Unternehmen Uni 2.0

KOMMENTARvon Martin Kaul

  • 13.03.2010 01:15 Uhr

    von MoritzH:

    Ich habe heute mit einem Amt telefoniert und mir fiel auf, dass andauernd von "Kunden" die Rede war. In ähnlicher Art sprach mein Onkel neulich davon, dass sich die Ämter darum bemühen sollten, den Kundenwünschen gerecht zu werden, sowie seine Firma auch. In diesem Kommentar findet sich dieselbe ökonmistische Sprache in Bezug auf das Bildungssystem.

    Der Punkt ist: ein gesellschaftliches Subsystem wird nicht zu einem ökonomischen System, nur weil man es mit einer der Wirtschaftslehre entlehnten Sprache beschreibt. Sicher, der Kommentar "Unternehmen Uni 2.0" sieht die ökonomistische Selbstbeschreibung der Universitäten kritisch - doch bedient er sich ihrer ebenso, als wenn es überhaupt möglich wäre, ein Bildungssystem wirtschaftlich zu strukturieren.

    Nur: Ein Verständnis des Bildungssystems wird durch sprachliche Verirrungen nur behindert. Natürlich ist staatlich finanzierte und organisierte Bildung strukturell an die Wirtschaft gekoppelt. Studenten absolvieren Ausbildungen, mit denen sie auf dem Arbeitsmarkt antreten wollen. Wirtschaftsunternehmen und die Bundesregierung finanzieren Forschungsprojekte, weil sie glauben, dass Innovation die wirtschaftliche Produktivität fördert. Es wird aber gleichzeitig wird auch offenkundig, dass ein Bildungs- und Forschungssystem, wie es das deutsche und das europäische Bildungswesen ist, nicht wie ein Wirtschaftssystem funktioniert. Nicht Geld stellt das symbolische Medium dar, sondern Erkenntnis. Die Bewährtheit einer wissenschaftlichen These hat keinen varierenden Marktpreis, lediglich ihre Förderung hat abhängig vom Inhalt größere oder geringere wirtschaftliche Priorität. Sowie Menschen, die sich mit dem Job Center auseinandersetzen, keine Kunden sind, die sich mit Preisen herumschlagen müssen, sondern Staatsbürger die mit der Auswirkung von Gesetzen konfrontiert sind, deren Inhalt nicht von Angeboten Gütern oder ähnlichem abhängt.

    Die Kritiker der Bologna-Reform müssen anerkennen, dass die Kopplung von Bildung und Wirtschaft vernünftig organisiert und stärker berücksichtigt werden muss, weil Bildung eben nicht mehr wie zu Humboldts Zeiten bloß eine Sache staatstragender Kultur und prestigereiches Metier einer Elite ist. Die Technokraten aber werden einsehen müssen, dass man nur begrenzt viel erreicht, wenn man das Konzept eines Bildungssystem, auf einer ökonomistischen Annahme der Verhältnisse aufbaut.

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