Kolumne von Klaus Bittermann

„Hass und Tod“ und krumme Finger. Bild: dpa
Derbys gehören zu den ewigen Mythen des Fußballs. Aber die Fans brauchen nun mal eine unverwechselbare Identität, die sich wie immer am besten negativ herstellen lässt, also darüber, was man nicht sein will, nämlich der andere, der Konkurrent, am besten der Konkurrent in der Nähe.
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Also spielen auch die Verantwortlichen der Vereine das in Zeiten der Globalisierung des Fußballs komische Spielchen mit und sagen, dass man kein Schalker sein könne, wenn man Dortmunder ist und umgekehrt.
Dabei gibt es viele Spieler, die für beide Mannschaften gespielt haben, sogar so sympathische Menschen wie Metzelder. Seit Schalke schon fast ins Mittelfeld abgesackt ist, hat sich ihr Ziel auf einen Sieg gegen die Schwarzgelben fokussiert, um die bis jetzt eher durchwachsene Saison zu retten. Punktgenau zum Derby jedenfalls waren die Schalker wieder top in Form und lieferten wie schon zur Hinrunde ihr seit langem bestes Spiel ab.
Aber die erneute 2:1-Niederlage dürfte sich für die Dortmunder weit weniger dramatisch anfühlen als die Niederlage, die Schalke in der Saison 2006/2007 in Dortmund die Meisterschaft kostete. Die Schale ist für die Dortmunder schon lange weg und Leverkusen lässt jede Steilvorlage der Dortmunder aus, um den 2. Platz zu erobern.
Hatte Klopp in der Hinrunde mit einer gewagten Taktik zur Niederlage seiner Elf beigetragen, so war diesmal in der ersten Halbzeit einfach der Wurm drin, denn der gerade von einer Grippe genesene Hummels spielte wie abwesend und blieb zur Pause in der Kabine.
ist Verleger und Autor der taz.
In der zweite Hälfte kippte das Spiel, und die Dortmunder schnürten die Schalker phasenweise in ihrer Hälfte ein, wobei der überragende Matip alles abräumte, was es abzuräumen galt. Den Schalkern ermöglichte das zwar einige gute Konterchancen, aber das Spiel hatte wieder diese Hochklassigkeit, für die Dortmund mittlerweile berühmt ist und die sich bis nach England herumgesprochen hat, wo der BVB als der heißeste Klub in Europa gehandelt wird.
Wie der große Vorsitzende des Klubs, Jürgen Klopp, allerdings gesagt hat, gelingt einem nicht jedes Mal so ein souveräner und traumhafter Auftritt wie gegen Donezk, aber in einem sollte man ruhig ein wenig konsequenter sein und deutlicher vorgehen, und zwar gegen die rechtsradikalen Fans im Verein.
Die Verantwortlichen dazu aufgefordert hat jetzt eine Gruppe von Fans um den Dichter und Kabarettisten Fritz Eckenga, die keine Lust mehr hat sich anzuhören, wie „schwarz-gelbe Brüllaffen“ den Schalkern „Hass und Tod“ wünschen, den gegnerischen Torwart mit „Arschloch, Wichser, Hurensohn“, oder Spieler anderer Teams als „Scheißneger“, „Juden“ oder „Kanacken“ beschimpfen.
Das mag bei anderen Vereinen nicht besser sein, aber gerade in Dortmund kann man sich das nicht mehr erlauben, wenn man die Sympathien nicht schnell wieder verlieren will, die einem von überallher zuströmen.
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Leserkommentare
10.03.2013 15:53 | reblek
"Aber die Fans brauchen nun mal eine unverwechselbare Identität, die sich wie immer am besten negativ herstellen lässt..." ...