Kolumne von Andreas Rüttenauer

Liebe in Zeiten des Hoffenheim-Hasses: zwei Ausgburger herzen sich. Bild: dpa
Was für ein Tag für den FC Augsburg! Selten wurde der Klub der bayerischen Schwaben so sehr geliebt wie an diesem Spieltag. Alle Verächter des Oligarchenfußballs, alle Werksklubhasser, alle Traditionsklubtraditionalisten – und derer gibt es jede Menge in diesem Land – haben Liebesgrüße in den Süden Deutschlands geschickt, nachdem die Augsburger die TSG Hoffenheim auf einen Abstiegsplatz geschossen haben. Für sie scheint es, nachdem die Meisterschaft entschieden ist, nichts Wichtigeres in dieser Restsaison zu geben als die Eliminierung der verhassten Emporkömmlinge aus der Bundesliga.
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In Augsburg wird man sich nicht schlecht gewundert haben über die plötzliche Zuneigung. Noch vor einem Jahr empfanden es nicht wenige als Frechheit, dass es der Klub, der mit dem Geld des Billigklamotten-Millionärs Walter Seinsch in die Bundesliga gehievt wurde, doch tatsächlich die Frechheit besaß, um den Klassenerhalt mitzuspielen.
Und nicht wenige Tränen flossen vor allem in Köln, Kaiserslautern und Berlin, nachdem das die Parvenüs aus der Fuggerstadt tatsächlich geschafft haben. Es wird nicht lange dauern, bis den Augsburgern die alte Abneigung der Kurvennostalgiker aus den schlecht geführten Klubs mit mehr oder weniger großer Vergangenheit wieder zuteil wird. Da hilft es dem Ansehen des Klubs auch gar nicht, dass es jetzt sogar schon Fans des FC Augsburg als Flaschenwerfer, Busentglaser und Hooligans in die Zeitung geschafft haben.

Andreas Rüttenauer
ist Redakteur im Leibesübungen-Ressort der taz.
Foto: tazDer Angriff der Augsburger Fans auf einen Bus mit Anhängern von Schalke 04 am vorvergangenen Wochenende wirkte beinahe wie ein Hilferuf von ewig Verkannten: Bitte, nehmt uns endlich ernst, wir können auch böse sein! Man wird die Bitten nicht erhören. Sollte Augsburg nach der Saison in der Relegation gegen den 1. FC Kaiserslautern um einen Platz im Oberhaus spielen, dann werden landauf, landab wieder die Hymnen auf den schlafenden Riesen aus der Pfalz gesungen werden, der es verdient hätte, endlich aufgeweckt zu werden.
Doch noch sind die Augsburger die Guten. Jetzt gilt es erst einmal, die Hoffenheimer auf dem Müllhaufen der Bundesligageschichte zu entsorgen, Orts- und Regionalbezeichnungen wie Sinsheim, Zuzenhausen oder Kraichgau aus dem Wortschatz zu streichen. Und wenn in der nächsten Saison wieder zum großen Werksklubjagen, an dem sich Borussia Dortmunds Boss Aki Watzke und Eintracht Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen ja gerne beteiligen, geblasen wird, kann es gut sein, dass neben dem VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen auch der FC Augsburg ins Visier gerät. Der Augsburger Fußballreligionsfrieden wird nur bis zum 34. Spieltag andauern.
Auch anderen Klubs, ganz anderen sogar, wird in diesen Tagen des ungebremsten Hoffenheim-Hasses Liebe für einen Spieltag zuteil. Unter denjenigen, die am nächsten Wochenende dem FC Bayern einen Sieg in Hoffenheim wünschen, werden gewiss etliche sein, die im Stadion schon mal „Tod und Hass dem FCB!“ gebrüllt haben.
Für Kaiserslautern wird's eng. Die Turn- und Sportgemeinschaft 1899 Hoffenheim e.V. hat das Relegationshinspiel gegen den FCK deutlich gewonnen.

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Leserkommentare
25.02.2013 10:38 | Luciana01
Selten so einen Blödsinn gelesen! ...
25.02.2013 01:12 | Hoppo
Die TSG Hoffenheim ist deswegen so extrem unbeliebt, weil der Verein mittlerweile für gar nichts mehr steht. Als der Verein ...