Die Charts heute mit: Michael Braungart, Daryl Hannah, Ypsilanti-Berichterstattung, Georg Danzer und Marcel Schäfervon Peter Unfried

Peter Unfried ist stellvertretender Chefredakteur der taz.Foto: marco limberg
Michael Braungart: Während die Umweltverbände sich nach wie vor schwertun, den Anforderungen der Ökonomie der Aufmerksamkeit zu genügen, hat das Nachhaltigkeitsportal utopia.de am Samstag die Schauspielerin und Ökoaktivistin Daryl Hannah ("Kill Bill") aus Hollywood zu einem Kongress in Berlin einfliegen lassen. Die Rede war nicht die beste, aber das schmälert den Coup nicht. Inhaltlicher Star war eindeutig Michael Braungart. Er ist Professor für Verfahrenstechnik, geboren in Schwäbisch Gmünd, verheiratet mit der SPD-Politikerin Monika Griefahn.
Das klingt nicht annähernd so spannend wie das, was er sagt. Das Ziel seiner Arbeit sind Produktkreisläufe, in denen kein Abfall mehr entsteht. Vorbild sind ihm die Ameisen. CO2-Verringerung als Ziel von Konsumprozessen und Lebensstil sei "Schuldmanagement" und bringe nicht die richtigen Ergebnisse: "Wenn wir etwas falsch machen, und wir machen den Prozess effizienter, dann machen wir es nur richtig falsch." Weder gebe es "zu viele Menschen", noch müsse sich der Mensch, "dafür entschuldigen, dass er da ist."
Vereinfacht gesagt: Während die andere Strategie darauf zielt, innerhalb des Systems weniger Energie und CO2 zu verbrauchen, will er das System umwälzen. Das heißt: etwas nicht "weniger kaputt" zu machen, sondern anders und besser. Braungart hielt einen Vortrag, der vor Intelligenz und Witz sprühte, lehnte Ethik als Antrieb für verändertes Handeln von Wohlstandsmenschen ab - und erwies sich selbstverständlich als großer Moralist. Die Top-Drei-Sätze: 1. Zu George W. Bush: "Mr President, Sie brauchen nicht in den Irak einzumarschieren, um nach chemischen Waffen zu suchen - hier sind sie." Damit überreicht er ihm Spielzeugpuppen von Mattel. 2. Zu Ex-Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne): "Weißt du, Jürgen, warum du den Nobelpreis nicht gekriegt hast? Weil du nur sieben Jahre nichts getan hast." Im Gegensatz zu Preisträger Al Gore, der als Vizepräsident seiner Meinung nach acht Jahre "nichts" tat. 3. Über den Schauspieler Brad Pitt, der Braungarts Bibel "Cradle to Cradle" eines der "drei wichtigsten Bücher, die ich gelesen habe", nannte: "Ich weiß gar nicht, ob Pitt tatsächlich schon drei Bücher in seinem Leben gelesen hat."
Inmitten einer lethargischen Konsens-, Moderations-, Schleim- und Angstgesellschaft macht dieser Mann offenbar keine Gefangenen. Toll.
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FAZ: Als ich mich eines Morgens in die Jahre gekommen vorfand, dachte ich, jetzt sei es an der Zeit, nicht nur beruflich, sondern auch persönlich ein FAZ-Leser zu sein. Der Fußballteil schien mir jetzt besser als der in der SZ, es machte Spaß, den Kulturteil zu scannen; sogar Hanfeld. Und die "Politik"? Wir waren doch selbst auch postideologisch. Außerdem steht eine Menge drin. Zum Beispiel über schwarz-grüne Projekte und Probleme, eines der zentralen Themen der Zeit. Warum also soll das moderne Bürgertum sich nicht von taz und FAZ informieren und inspirieren lassen? Das Gute sehe ich nach wie vor. Das Problem ist: Ich kann derzeit bei der "Berichterstattung" und Kommentierung Ypsilanti/Hessen-SPD kaum noch unterscheiden, ob das Franz Josef Wagner (Bild) hingeschmiert hat - oder ein Herausgeber oder Politikchef der FAZ. Ich bin weder ein Freund der SPD noch von verkrusteter PC: Aber diese Mischung aus Frauenfeindlichkeit, Wirtschaftsfreundlichkeit und Scheinheiligkeit ist selbst mir zu atemberaubend. Würde mich wirklich interessieren, ob die Redakteure der FAZ sich damit wohlfühlen.
Die Charts im November:
Begriffe: "Ausgewiesener Wirtschaftsexperte". Wie wird man das? Offenbar, indem man nie was mit Wirtschaft zu tun hat, irgendwann Politiker wird, sich umgehend für den Ausbau von Flughäfen usw. ausspricht und sich niemals wirtschaftskritisch äußert.
Songs: "Zehn kleine Fixer", "War das etwas Haschisch?" "Sex-Appeal" und einiges mehr von Georg Danzer.
Fußball: Marcel Schäfer, linker Außenbahnspieler. Jetzt hat's Jogi Löw offiziell gemacht.
Fragen zu Braungart? kolumne@taz.de Morgen: Josef Winkler in der ZEITSCHLEIFE
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Leserkommentare
17.11.2008 00:29 | Maurice Morell
Gut getroffen, ich war auch im Saal. Wie habe ich mich über Prof. Dr. Michael Braungarts Vortrag gefreut. Ein Schnell- und ...