Klüngel bei Bahn-Projekt "Stuttgart 21"
Schwäbische Verflechtungen
Bei "Stuttgart 21" ist aus den Beziehungen von Politik und Wirtschaft ein hartleibiger Filz entstanden. Die Strippenzieher verloren erst die Bodenhaftung, dann die Menschen aus dem Blick. von Josef-Otto Freudenreich
Leserkommentare
04.10.2010 09:13 Uhr
von Kopfschüttler:
@maulwurf:
9000 Euro/m² Sanierungskosten? Gerüchteweise?
Der bekannte Analyst N.O'Brain sprach in seinem Gutachten von 500-1000 Fantastilliarden Mega-Euro pro Liter ausgehobenem und gereinigtem Erdreich. Dazu kommen die 18 Milliarden Baukosten, die Vieweg & Partner prognostizieren - zusammen mit geschätzter Inflation von etwa 15% jährlich, von denen Wall-Street-Analysten gerüchteweise für den Euro-Raum ausgehen - ergibt das bei einer Bauzeitverlängerung auf 15 Jahre über 146 Milliarden Baukosten zusätzlich. Zum Glück nur "Peanuts" vor dem Hintergrund der Bodensanierungskosten ...
Sie sehen: mit den richtigen Zahlen kann trefflich argumentiert werden. Gerüchteweise, versteht sich. Berufen Sie sich auf mich - selbst Luftholen ist demnächst nicht mehr finanzierbar.
29.09.2010 13:38 Uhr
von Albert Bremmekamp:
@Orlev
Wer sitzt den im Baden-Württembergischen Gemeindetag?
Bürgermeister aus den Gemeinden – richtig! Hier kann man sie nachlesen:
http://www.gemeindetag-bw.de/php/downloads/organeundgremien2009.pdf
Ich möchte Ihnen die Redlichkeit gar nicht absprechen, bezweifle aber das sie von den Projektverantwortlichen mit genügend Informationen versorgt wurden, um sich ein wirkliches Bild von S21 zu machen. Wenn schon dem Verkehrsausschuss im Bundestag Zahlen und Fakten unter dem Vorwand der Geheimhaltung vorenthalten wurden, wird man die Zahlen und Fakten sicherlich nicht dem ehem. Bürgermeister von Wernau am Neckar unter die Nase reiben.
Aber warum sprechen sich diese honorigen Männer und Frauen für S21 aus?
Ich habe mir jetzt nicht die Mühe gemacht, die Vita jedes Einzelnen nachzuprüfen, würde aber meinen rechten Arm wetten, die meisten haben ein Parteibuch der Tunnelparteien. Und denen geht angesichts der bevorstehenden Landtagswahl die verlängerte Wirbelsäule auf Grundeis. Also wird auf allen Parteiebenen für S21 getrommelt. So einfach kann Politik sein.
29.09.2010 13:19 Uhr
von Albert Bremmekamp:
@ Erich Holzwarth:
Sehr geehrter Herr Holzwarth:
Auf die in ihrem Kommentar gestellten Fragen möchte ich gerne antworten:
1. Niemand hat etwas gegen eine schnelle ICE-Verbindung. Aber die Zeitvorteile werden ausschließlich durch die Neubaustecke Wendlingen-Ulm-Augsburg-München erreicht. Diese Neubaustrecke ist aber weder planfestgestellt noch finanziert. Noch ist sie nichts als ein feuchter Traum von Herrn Grube und irgendwelchen Architekten. Ob sie jemals gebaut wird, ist bei der Schuldenbremse im Grundgesetz fragwürdig. Also warum wird das Dach gebaut, wenn man für das Fundament kein Geld hat?
Übrigens: vor 20 Jahren konnte man mit den ICE bereits so schnell nach München fahren, wie es durch den Bau von S21 in 20 Jahren erreicht werden soll! Totaler Irrsinn!
2. Es geht nicht um ein sichtbares Symbol für Stuttgart – das kann auch der Fernsehturm sein. Es geht darum, dass ein einmaliges Baudenkmal ohne triftigen Grund zerstört wird. Wenn ich mich an das Geschrei der Denkmalschützer erinnere, als vor ein paar Jahren der Plenarsaal des ebenfalls denkmalgeschützten Landtagsgebäudes mit Tageslicht! versorgt werden sollte, wundere ich mich nun über deren Schweigen.
Ein Schelm der Böses dabei denkt!
3. Ich kann verstehen wenn sich Anwohner an der bestehenden Bahnstrecke über Lärmminderung durch Tunnelbau freuen würden. Aber da die Neubaustrecke zu steil für den Güterverkehr ist, wird der weiterhin die alte Strecke benutzen. Auch wird der Regionalverkehr in Richtung Göppingen wohl nicht den Umweg über Ulm nehmen. Übrigens wohne auch ich direkt an einer Bahnstrecke in Stuttgart.
28.09.2010 20:38 Uhr
von maulwurf:
Man könnte stundenlang über die Pleite Stuttgart 21 reden. Neutrale Infos gibt es in der Zeitschrift Der Fahrgast der Vereinigung PRO BAHN.
Abgesehen von den technischen Problemen handelt es sich bei Stuttgart 21 um eine gigantische Immobilienspekulation. 12000 - 15000 Neubürger sollen auf 20 ha angesiedelt vweren, damit die Stadt endlich die 600000 Einwohner-Marke knackt. Wieviel sind 20 ha ? Das ist ein Geviert von ca. 450m*450m.
Die Sanierung des Geländes soll gerüchweise 9000EUR/m² betragen. 2000000m²*9000EUR/m² macht schlappe 1,8 Mrd.EUR. Daraus folgt, dass, um die anteiligen Grundstückskosten in einigermaßen erträglichen Rahmen zu halten, die Gebäude mindestens neun Stockwerke hoch gebaut werden müssen.
Wenn man für eine Familie 2,2 Personen ansetzt, sind mindestens 5400 Wohnungen erforderlich. Setzt man pro Wohngemeinschaft 100m² an und einen Quadratmeterpreis von 3000EUR/m² und dass ist nicht überzogen, so hat das Projekt Ansiedlung einen Wert von 1,6 mrd.EUR.
Die 20 ha geschenkter Park kosten ebenfalls 1,8 Mrd.EUR. Die bezahlt der Steuerzahler.
25.09.2010 15:05 Uhr
von BiFi:
@orlev
Zu Beginn der Demonstrationen ging es nicht ausdrücklich darum, S21 nicht zu bauen sondern um ein Moratorium, damit alle Fakten und Zahlen endlich auf den Tisch kommen und dann demokratisch entschieden werden kann, ob die Vorteile wirklich überwiegen. Und diese Fakten sind immer noch nicht einsehbar. Und wenn dann in der Stuttgarter Presse zu lesen ist, dass das Projekt durch Abzug von 900 Mio.€ Einsparungen durch nicht genehmigte Änderungen an z.T. planfestgestellten Maßnahmen auf 4,1 Mrd.€ schöngerechnet wird (also jetzt schon über den 4,5 Mrd.-Kosten, welche angeblich zum Projektstop führen, liegen)- wer denkt dann nicht an Filz, Klüngel, persönliche Vorteilnahme oder schlicht und ergreifend Unfähigkeit? Für wie dumm soll man eigentlich verkauft werden??? OBEN BLEIBEN
15.09.2010 22:21 Uhr
von Erich Holzwarth:
Wirklich eine billige Stimmungsmache. Die 2 Seiten hätte die Redaktion besser der Verlängerung der Laufzeten bei den AKW's gewiedmet.
Keine Fakten zu den eigentlichen Fragen zum Projekt S21:
Warum sollen wir in BW auf eine schnelle ICE Strecke verzichten, die dringend erforderlich ist?
Das sichtbare Symbol für Stuttgart das Hauptgebäude des Bahnhofes bleibt erhalten.
Über Tunnelstrecken freut man sich an andern Bahnbaustellen, weil sie den Lärm reduzieren.
In Stuttgart werden dadurch Gleisneubauten im dicht besiedelten Neckartal vermieden.
Über Politiker kann man sich mitunter ärgern, aber ein Projekt wie Stuttgart 21 wird dadurch noch lange nicht unsinnig!
15.09.2010 17:59 Uhr
von Otto Nix:
Ihren Kommentar hier eingeben
Wann begreift der Bürger dieser "Zivilgesellschaft" was diese "Republik" den "Demokraten" vor allem denen mit "passivem
Wahlrecht" wert ist. In Tagen wo die Regierung unverfroren über den Staatshaushalt selbstherrlich verfügt: Sich und anderen Lobbyisten die Taschen vollstopfen mit Mandaten, Pöstchen, Ämtern und Euros nicht zu knapp, dass alles in hochherrschaftlichen Händen bleibt - und - den Parteidiktatoren nichts mehr verrutscht oder gar entgleitet: "Verdienen" tun sie wie die großen Lobbyisten aus all´ihren Ämtern gejagt zu werden - und dann irgendwann bei Peter Hartz dem IV. anklopfen zu müssen, wenn er bis dahin nicht schon verschieden ist! Unsere Erkennnis:" Nix ist absurd genug um wahr zu sein und von Politikern, unseren neoliberalen Superstars auf´s Schild gehoben zu werden-oder ein´s auf die Fresse wahlloses Volk-Volk ohne Wahl ? es folgt immer Qual- unabhängig davon wer derzeit "gestaltet" und "verunglimpft"!
15.09.2010 16:35 Uhr
von Hartei:
Sollte das obengenannte Unternehmen nicht "Göttinger Gruppe" heißen? Ansonsten ein sehr schöner Überblick
15.09.2010 14:37 Uhr
von Rudi:
Phantastisch. Wunderbare satirische Analyse. Guter Lesestoff über die Schwaben-Mafia.
15.09.2010 13:54 Uhr
von Drusus:
Was das Durchrechnen angeht scheinen wir aber nur noch politische Projekte im Lande zu haben - ob das nun die Gesundheitsreform, Steuersenkungen oder Privatisierungen sind.
Mehr direkte Demokratie!
15.09.2010 13:08 Uhr
von ausländer:
Eine Super-Recherche!!! Danke taz!!!
Auf zur nächsten Demo, denn wir beugen uns nicht!!!
15.09.2010 12:03 Uhr
von orlev:
Ist das wirklich so ?
Heute hat der Gemeindetag und Städtetag Baden-Württemberg´s vor einem Ausstieg aus Stuttgart 21 gewarnt. Das sind Kommunalpolitiker aus den Dörfern und aus den Städten. Sind denn wirklich alle inkompetent, die über 15 Jahre an der geeigneten Lösung mitgearbeitet und mitentschieden haben ? Und sind denn wirklich alle unehrlich ? Und sind denn wirklich alle unter der Kontrolle von Bankern und Immobilienspekulanten ? Puppen an den Fäden von Strippenziehern ? Der erste Eisenbahn-Tunnel Württemberg´s befindet sich übrigens in Stuttgart unter dem Schloss Rosenstein. Das ist mitten im Park. Tunnel wurden schon damals (1846) aus sachlichen Gründen als notwendig erachtet. Wo Hügel sind, da sind auch Tunnel.
15.09.2010 12:00 Uhr
von Martin Edelmann:
Eine sehr schöne Zusammenfassung der Situation hier.
Leider ist es genau so wie Sie schreiben.
15.09.2010 11:50 Uhr
von Der Wache:
Und warum fällt euch allen das erst jetzt auf ihr Schnarchnasen? 1998 schrieb ich an die Parteien im Ländle: Leute, da läuft was schief. Die wollen unseren Bahnhof weghauen. Alle zuckten mit den Schultern. Die Grünen besonders hoch, war man doch gerade erst Bundesregierung geworden! Da kümmert man sich nicht mehr um Pipifax.
So vergeßlich verlogen verdreht ist unsere Zeit, ob grün, rot, gelb, schwarz, von lila und blutrot ganz zu schweigen.
BÜRGER WEHRT EUCH! Ihr seid die streitbare Demokratie.
Es ist nie zu spät ...
15.09.2010 11:43 Uhr
von Solala:
Mittelmäßiger Artikel mit viel gefährlichen Halbwissen, Spekulationen und nicht belegten Zusammenhänge die sich ganz gut anhören. Naja..