Katholische Kirche unterliegt vor Gericht
Entschädigung wegen Hasssprache
Die Erzdiözese Kattowitz muss Entschädigung zahlen. Ihr Kirchenblatt hatte eine Frau, die aus Gesundheitsgründen abtreiben lassen wollte, mit KZ-Mördern in Auschwitz verglichen.von Gabriele Lesser
Leserkommentare
28.09.2009 22:04 Uhr
von Jan Schöche:
Will nicht viel zum Thema sagen, aber wem gehört der Bauch?
So, wie es mir scheint dem Staat, der Religion und, wo wird eigentlich über den Mann berichtet, der eigentlich auch über die Folgen einer weiteren Schwangerschaft informiert hätte sein sollen?
28.09.2009 17:37 Uhr
von Miche:
Zur Information:
Die katholische Morallehre lässt sehr wohl Abtreibung in Ausnahmefällen zu, z.B. wenn das Leben der Mutter gefährdet ist. Bedingung ist allerdings, dass der Tod des Kindes nicht direkt gewünscht wird.
Im beschriebenen Fall wäre vermutlich sogar Verhütung mit Hilfsmitteln zugelassen, auch wenn natürlich die Verhütung durch Disziplin (Enthaltsamkeit während der fruchtbaren Tage)vorgezogen würde.
Leider ist dies zu wenig bekannt!
Das liegt zum einen an der schlechten Wissensvermittlung innerhalb der Gemeinden. Und andererseits an den - von den Medien gepuschten - allgemeinen Stellungnahmen der Bischöfe gegen Abtreibung als Tötung eines unschuldigen Lebewesens - worum es sich ja tatsächlich handelt!
Mit etwas mehr Differenzierung in solchen Diskussionen wäre der Kirche deutlich geholfen.
Erschütternd ist für mich, dass es bei den genannten kirchlichen Instanzen scheinbar am Willen fehlt, sich mit den Dokumenten des Lehramts auseinanderzusetzen, und das Richten über die Nächstenliebe gestellt wird.
26.09.2009 14:00 Uhr
von Karl:
Es steht niemandem frei, Christ zu werden: man wird zum Christentum nicht "bekehrt" - man muss "krank genug" dazu sein... F. Nietzsche
Was können wir schon von einer Religion erwarten, deren Symbol ein Folterwerkzeug ist.
26.09.2009 13:48 Uhr
von Britt:
Das zeigt mal wieder, wieviel Wert die katholische Kirche dem Leben einer Frau zumisst. Die Entschädigung sollte höher ausfallen, denn es muss WEH tun, bevor sich etwas ändert. Diese Erzdiözese ist ein Schandfleck für die gesamte christliche und atheistische Welt.
26.09.2009 11:34 Uhr
von Abt von Treibung:
Egal wann und wo, man nehme ihren Fall als Exempel
in irgendeinem unverfänglichen Diskurs im Netz,
und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bekommt man dann "sein Fett weg". Bliebe zu hoffen das sei wegen alten marginalisierten alten Knackern, und nicht von jungen "christlichen" "college" schnöseln vorangetrieben. All diese Kirchenjünger haben eins gemein, sie fabulieren um dieses Thema in schamlos expliziter Form, als sei es die einzige Möglichkeit sich über Sexualität zu äussern. Die Diskurse die das Thema andernorts begleitet haben und die Tatsache das es so ist wie es ist, das ficht sie nicht an, und diese "Bewegung" nutzt einander.
26.09.2009 11:14 Uhr
von PowerMayo:
Ich denke, dass es das gute Recht des Arztes ist, eine Abtreibung zu verweigern. Sehr wahrscheinlich wird es dann einen anderen Arzt geben, der dies durchführen würde, aber man kann ihm nicht vorwerfen, dass er seinem Gewissen folgt. Man kann niemanden, auch nicht einen Arzt, zwingen gegen sein Gewissen zu handeln. Und wenn man es auch gut begründen kann, in diesem Beispiel aus religösen Motiven, hat er meiner Meinung nach nichts falsch gemacht.
Nebenbei, in Deutschland dürfen Ärzte auch bestimmte Behandlungen/Operationen verweigern. Vielleicht können sie auch jede Behandlungen/Operationen verweigern(nicht im Sinne von, garnichts mehr tun), doch da kenn ich mich nicht so gut aus.
25.09.2009 22:56 Uhr
von tommi:
mit erschrecken lese ich eure kommtare:
"...solch rückständiges Land nichts (!) in der EU verloren..."
"... bildungsferne Frauen praktiziert..."
"... Wie der Islam stammt auch die christliche Ideologie aus dem Orient; sie ist angeblich ein Ableger des Judentums ... "
ich bin wirklich erschüttert, fast noch mehr als über den Artikel selber...
25.09.2009 22:07 Uhr
von Warschauer:
Vom wissenshcaftlichen Standpunkt aus existiert ein Mensch vom Zeitpunkt seiner Empfängnis an und nicht vom Zeitpunkt seiner Geburt oder von der ersten Sekunde der 13. Schwangerschaftswoche an. So gesehen ist Abtreibung das Töten eines Menschen. Die Katholische Kirche hat also auch aus wissenschaflticher Sicht Recht.
In diesem Fall muss man noch hinzufügen, dass Frau Tysiac noch vor seiner Schwangerschaft von den Ärzten gewarnt worden war, dass sie nicht schwanger werden soll, weil das sich negativ auf ihre Gesundheit auswirken könnte. Trotz der Warnungen wurde sie schwanger. Sie wollte dann ihr Kind töten. Die Ärzte haben es nicht zugelassen. Und nun geht Frau Tysiac ab und zu hier und da vor Gericht, um daraus Kapital zu schlagen. Irgendwann wird ihr im Endergebnis gerettetes Kind der Mutter heimzahlen, nachdem es erfahren hat, dass es dermaßen ungewollt war.
25.09.2009 20:11 Uhr
von David:
@Felix Nagel & Magnar Hirschberger:
Entweder haben sie nicht richtig gelesen oder ich muss ihnen antipolnisches (rassistisches??) Gedankengut unterstellen!! Klar hat Polen ein Problem mit dem großen konservativen Flügel (Toruner Kirche) der katholischen Kirche im Land. Davon mal abgesehen, dass ich religiöse Dogmen durchweg ablehne für die die Institution Kirche im allgemeinen steht, ist es dennoch falsch die "polnische Gesellschaft" als ganze zu verurteilen! Wenn mensch Polen einmal für längere Zeit besucht hat, dann stellt mensch fest, dass die Realität wie immer komplexer ist, als ihre stumpfen Parolen. UND, die polnische Justiz hat die Kirche verurteilt und der Frau zu recht Recht gegeben!! Ist die polnische Justiz laut Verfassung nicht das Rechtsorgan der polnischen Gesellschaft??!!
Rückständige Gesellschaft?? Mit ihrer "Argumentation" könnte ich die italienische Gesellschaft als der EU unwürdig erklären, weil sie immer wieder einen narzistischen, demokratiefeindlichen Mafiosi zum MP wählt. Oder Deutschland, weil hier nach nur 60Jahren wieder Nazis in den regionalen Parlamenten sitzen. Oder ist die EU nicht auch der EU unwürdig, weil sie im Mittelmeer Menschen aus Afrika absaufen lässt, deren Armut sie in nicht geringem Maße mitverursacht hat. Das Leben ist so viel komplizierter als ihr platter Populismus!!
25.09.2009 17:16 Uhr
von Gerda:
Diese Ereignisse in Kattowitz zeigen, wie seit über 1500 Jahren, dass es eben doch nicht so leicht ist mit der Multikultur, wie es sich viele Leute naiverweise gedacht haben: Wie der Islam stammt auch die christliche Ideologie aus dem Orient; sie ist angeblich ein Ableger des Judentums, aber offenkundig ohne dessen Geistesreichtum und ohne dessen Freiheitsdrang, dafür mit römischem Imperialismus, d.h. mit militärischem Befehlston, versetzt.
Anders gesagt: Der Gott ist angeblich gut, die Göttin ist angeblich teuflisch und solcher Männerkult ist frauenfeindlich, auch wenn ihn unverständlicherweise bildungsferne Frauen praktizieren.
Wenigstens hat diese Frau vor dem Gericht gesiegt, was zeigt, wie wichtig ein aufgeklärter Rechtsstatt mit unabhängiger Justiz für die Emanzipation und Selbstbestimmung ist.
25.09.2009 14:06 Uhr
von Freya:
Römische Katholen, Islamisten, Nazis - immer der gleiche Terror gegen Frauen!
Frauen kommen in diesen Ideologien nicht als eigenständig und eigenursprünglich vor, sondern sind darin kategorial nur Gebärmaschinen für den Androzentrismus.
Bezeichnend für die Funktionalisierung der Frau ist das (als Gebet benutzte) Märchen von der "Gottesgebärerin" im "Totalitären Herrenhaus" (= lateinisch-deutsche Übersetzung von "Katholische Kirche").
25.09.2009 14:03 Uhr
von Flo:
Mir fehlen die Worte. Der Artikel hat es echt geschafft mich sprachlos zu machen. UNGLAUBLICH!
Davon abgesehen sollte die Frau auch das Recht haben, abzutreiben, selbst wenn sie nicht um ihre Gesundheit fürchten muss.
Aber gut das ich dran erinnert werde, dass ich bereits seid einiger Zeit aus der Kriche austreten wollte...
25.09.2009 13:49 Uhr
von tazleser:
am 26.9. (morgen) beginnt um 12:30 vor dem Roten Rathaus eine gegenkundgebung gegen den (auch in deutschland nicht unverbreiteten) christlichen fundamentalismus von 'lebensschützern' statt, die morgen gegen abtreibung demonstrieren wollen.
25.09.2009 12:47 Uhr
von Magnar Hirschberger:
Angesichts solcher "Jagdszenen aus Polen" frage ich mich fast schon, was eine solche Gesellschaft in der EU verloren hat? Diese Priester als die "Schweinepriester" zu bezeichnen ist unser gutes freiheitliches Recht.
Der Arzt und gehört vor ein Gericht, das ihn strafrechtlich verurteilt und ihm die Zulassung entzieht. Die verantwortlichen Priester gehören wegen Volksverhetzung* verurteilt. Nur so kann Polen sich als Rechtsstaat beweisen. Auch in Polen muss klar sein: Gott (was und wer immer das auch sein mag) hat der Demokratie zu weichen!
Das Recht auf Leben und körperlicher Unversehrtheit gebürt zuerst den jenigen, die dieses Welt bevölkern. Es ist nicht menschlich, das ungeborene Leben besser als das der bereits Geborenen zu schützen.
Auch stellt die Gleichsetzung der Abtreibung mit dem Holocaust eine unzulässige Verharmlosung der Verbrechen des NS-Regimes dar. Erschütternd, derart abstruse Vergleiche aus Polen hören zu müssen - fiel 1939 - 1945 doch jeder zweite Pole dem faschistischen Terror zum Opfer!
Wie können wir deutlich gegenüber Menschenrechtsverletzungen etwa in China auftreten, ignorierten wir diese in unserem Nachbarland? Und wie hat die katholische Kirche ihre lange und oft unseelige Vergangenheit aufgearbeitet, wenn solche Verfolgungen und Grundrechtseigriffe in Ländern wie Polen oder Irland noch möglich sind?
Magnar Hirschberger
25.09.2009 12:47 Uhr
von Felix Nagel:
Mit Schrecken lese ich zum wiederholten Mal solche Artikel über Polen und ihre leicht gestörte Religiosität. Meiner Meinung nach hat ein solch rückständiges Land nichts (!) in der EU verloren.