Kämpfe um Kobani

Türkei lässt kurdische Kämpfer durch

Erstmals hat das US-Militär Waffen an die kurdischen Kämpfer per Luftweg bereitgestellt. In der nordsyrischen Stadt toben schwere Kämpfe mit der IS-Miliz.

Von der Türkei aus beobachten Kurden ihre Landsleute in Kobani. Bild: dpa

WASHINGTON/ISTANBUL/BEIRUT afp/dpa | Die Türkei lässt nach Angaben der Regierung kurdische Peschmerga-Kämpfern aus dem Nordirak zur Verstärkung der syrischen Kurden in die bedrängte Stadt Kobani passieren.

Die Türkei unterstütze die Peschmerga dabei, nach Kobani zu gelangen, sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu der Nachrichtenagentur Anadolu zufolge am Montag in Ankara. Zugleich schloss er weiter jede direkte Unterstützung für die syrisch-kurdische Partei PYD aus, deren Volksschutzeinheiten in Kobani gegen die Terrormiliz IS kämpfen.

Die Türkei pflegt ein gutes Verhältnis zu den Kurden im Nordirak. Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete die syrische PYD dagegen am Wochenende als „Terrororganisation“, die sich nicht von der verbotenen türkischen Kurdischen Arbeiterpartei PKK unterscheide.

Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ziehen sich im Irak nach Medienberichten aus der nördlich der Hauptstadt Bagdad gelegenen Provinz Salaheddin zurück. Dutzende Anhänger hätten zuvor kontrollierte Gebieten rund um die Stadt Tikrit in Richtung der nordirakischen Provinz Ninive verlassen, berichtete die unabhängige irakische Nachrichtenseite Al-Sumaria News unter Berufung auf lokale Quellen am Montag. Die Region um das 160 Kilometer nördlich Bagdads gelegene Tikrit war in den vergangenen Tagen verstärkt von Flugzeugen der internationalen Allianz bombardiert worden.

Die irakische Armee rückt nach Angaben von Al-Sumaria News jedoch aufgrund vielerorts vom IS hinterlassener Sprengfallen nur langsam in die Region vor. Bei Gefechten am Sonntag seien insgesamt 40 IS-Kämpfer getötet und 18 Fahrzeuge der Miliz zerstört worden, sagte der Polizeichef von Salaheddin dem Nachrichtenportal Al-Mada. Zudem seien 30 Sprengsätze entschärft worden. Die IS-Extremisten waren Mitte Juni nach der Einnahme der nordirakischen Stadt Mossul über Tikrit in Richtung Bagdad vorgerückt. (dpa)

Die irakisch-kurdische Nachrichtenseite Rudaw meldete am Montag unter Berufung auf eine ungenannte Quelle, die Türkei erfülle mit der Passage eine Bitte des Präsidenten der kurdischen Autonomieregion im Nordirak, Massud Barsani. Barsanis Plan sei mit der PYD und den Volksschutzeinheiten (YPG) abgesprochen.

Nachschub aus der Luft

Das US-Militär hat die Kurden in der Umgebung der umkämpften syrischen Grenzstadt Kobani zum ersten Mal aus der Luft mit Nachschub an Waffen, Munition und medizinischem Material versorgt. Das US-Militärkommando Centcom sprach am Sonntag von „mehreren“ erfolgreichen Versorgungsflügen, die mit Transportmaschinen vom Typ C-130 ausgeführt worden seien. Demnach wurde das Material, darunter auch Kleinwaffen, von den kurdischen Behörden im Irak bereitgestellt.

Auf Widerstand seien die Maschinen nicht gestoßen, sagte ein ranghoher US-Regierungsvertreter. Die syrischen Kurden haben bestätigt, dass sie über das US-Militär mit Waffen zur Verteidigung der Stadt Kobane versorgt wurden.

Der Sprecher der Volksschutzeinheiten, Boulat Jan, sagte nach Angaben der kurdischen Agentur Welati: „Eine große Menge Waffen und Munition hat Kobane erreicht.“ Rami Abdel Rahman, der Leiter der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, teilte am Montag mit: „Ohne Zweifel wird die Ankunft der Waffen den Verlauf des Kampfes verändern.“ Geliefert worden seien leichte und mittelschwere Waffen, Maschinengewehre, panzerbrechende Waffen, Munition und medizinische Hilfsgüter.

Mit dem Nachschub könnten die um Kobani kämpfenden Kurden der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) weiterhin „Widerstand leisten“, teilte Centcom weiter mit. Die Stadt Kobani an der Grenze zur Türkei ist schwer umkämpft. Eine US-geführte Militärallianz bombardiert dort seit Wochen mutmaßliche IS-Stellungen. Am Wochenende gab es Centcom zufolge erneut elf Luftangriffe.

Die Versorgung der Kurden durch die USA könnte nun vor allem die Türkei verärgern: Noch am Sonntag hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan eine Bewaffnung der kurdischen Kämpfer in Syrien erneut abgelehnt. Die syrische Kurdenpartei PYD, deren bewaffneter Arm in Kobani gegen den IS kämpft, sei ebenso eine „Terrorgruppe“ wie die in der Türkei verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), sagte Erdogan.

Ein US-Regierungsvertreter sagte dazu, er könne die Bedenken der Türkei gegenüber auch kurdischen Gruppen verstehen. Allerdings sei der IS ein „gemeinsamer “ der Türkei und der USA.

Australien schickt Spezialkräfte

Unterdessen ist der Weg für den Einsatz von 200 australischen Spezialkräften im Kampf gegen den IS frei: Die Regierungen in Canberra und Bagdad einigten sich mit Verzögerung auf die Rechtsgrundlage, wie Australiens Außenministerin Julie Bishop am Sonntag in der irakischen Hauptstadt bekanntgab. „Ich habe ein Abkommen für den rechtlichen Rahmen zum Einsatz unserer Truppen abgeschlossen“, sagte Bishop.

Die Aufgabe der Spezialkräfte sei es, der irakischen Regierung bei der Stärkung ihres Militärs zu helfen. Australien war eines der ersten Länder, das sich der US-geführten Koalition gegen die Dschihadisten anschloss.

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