KMK-Präsident über Abschlussprüfungen
"Jeder wünscht sich das Abitur"
Ties Rabe, neuer Präsident der Kultusministerkonferenz, über die Pläne für einheitliche Standards fürs Abi, anspruchsvolle Aufgaben und Grundvertrauen ins Schulsystem.von Kaija Kutter
Leserkommentare
31.01.2012 14:26 Uhr
von Geissen_Petra:
Ich weiss nicht- will wirklich jeder Abitur?
Ich wollte es nicht, ich wollte eine Lehre machen und Geld verdienen. Im Gegensatz zu manchen Sozialpädagogen oder Philosoph war ich seit 22 Jahren, die ich im Berufsleben stehe, auch nicht arbeitslos.
22.01.2012 08:25 Uhr
von orangata:
Im Speckgürtel von Berlin haben wir Übergangsquoten von 70% zum Gymnasium.
Dies ist jetzt für der Abiturienten nicht unbedingt förderlich, wenn auch der letzte Schüler, der vielleicht ein guter Handwerker geworden wäre, unbedingt zum Abitur geprügelt werden muss.
22.01.2012 01:46 Uhr
von flujo:
"Sicher kann man sagen, dass die Zahl der Abiturienten derzeit nicht ausreicht, wenn Deutschland auf dem Weltmarkt weiter Spitze sein will."
Achso, es geht bei der Bildung, die Kinder und Jugendliche zu verantwortlichen, kritischen und selbstständig denkenden Individuen machen will - so zumindest das selbsterklärte Ziel - darum, im ´Weltmarkt´ konkurenzfähig zu sein? Bildung als Konkurenzfaktor auf dem ´Weltmarkt´der verrantwortlichen, kritischen und selbstständig denkenden Individuen? Wer die Absurdität diese Statements erkennt, begreift sogleich die Denke, die diese(n) Menschen und seine KULTUS- Ministerkonferenz umtreibt, Stichwort homo oeconomicus.
Buona notte, Aufklärung
22.01.2012 00:43 Uhr
von G. Fiege:
Ich kann als neulicher Abiturient "einheitliche[re] Standards" ganz und gar nicht gutheißen. Zentralabitur, die Aufgabe von sinnvoller Vertiefung zugungsten eines Einerlei aus Nicht-Mathematik, Nicht-Physik, Nicht-Geschichte jeweils auf jedermann zugeschnitten und den noch-so-guten Lehrern noch einmal gestutzte "Lehrpläne" - vor allem in der gymnasialen Oberstufe: Schulen werden dem Anspruch Einsichten zu vermitteln nicht mehr gerecht werden können.
21.01.2012 15:47 Uhr
von Martin:
Abitur für alle!
Was das dann noch wert ist? Egal!
Das Studium wird ja niveautechnisch auch bereits seit geraumer Zeit angepasst. In Zukunft dann Studiengänge wie "Videorekorderprogrammieren" oder ähnliches.
Was da für Gestalten in der KMK über die Zukunft unserer Gesellschaft entscheiden, unfassbar.
21.01.2012 14:55 Uhr
von Der Heinz:
Da geht mir doch schon wieder das Messer in der Tasche auf.
"Dafür müssten wir die Ferien bundesweit zusammenlegen. Denn ein Zentralabitur kann man nur an einem Tag schreiben, sonst werden die Aufgaben sofort verraten."
- Wo liegt das Problem??
Wenn ich höre, dass in manchen Bundesländern z.b. in Geschichte der Zeitraum zwischen 1933-1945 komplett ausgeblendet wird, während er in anderen Ländern intensiv behandelt wird und dann beiderlei Abiturienten eventuell ein Geschichts-Studium, am besten noch auf Lehramt, aufnehmen wollen, dann ist ein Zentralabitur obsolet!
Das gleiche gilt für den Lehrplan in Mathematik.
Es ist ungerecht, dass sich die Schüler in manchen Bundesländern ihr Abitur bequem schönbasteln können, während andere dafür wirkliche Leistungen erbringen müssen und sie kaum Möglichkeiten zur Abwahl von ungeliebten Fächern haben. (Ich weiß wovon ich rede, denn ich habe auf dem Zweiten Bildungsweg mein Abitur in Sachsen erreicht.)
Da kommen sie dann an unsere Unis, die bequemlichen 1.x-Durchschnittler und rasseln konsequent durch's Studium, weil sie den Anforderungen nicht gerecht werden und besetzen Studienplätze derer, die eine reelle Chance und den Willen haben, das gewählte Fach zu bestehen.
Diese Kleinstaaterei muss ein Ende haben, schon aus Gründen der Gleichbehandlung und der Gerechtigkeit.
Mich wundert sowieso, dass dieses Abitursystem überhaupt mit dem Grundgesetz vereinbar ist.
21.01.2012 12:21 Uhr
von Pisa:
50% Abiturquote, Billigabitur "ökonomisch" sinnvoll, dazu 08/15-Akademiker für Jobs, die früher gleichwertig von Realschülern mit Ausbildung absolviert wurden. Schöne neue Welt..
21.01.2012 10:26 Uhr
von janela:
Leidtragende eines Billig-Abiturs werden Begabte aus bildungsfernen Familien sein. Denn wenn fast jeder das Abitur hat, setzen Ausbildungsstätten zusätzliche Filter ein, um geeignete Kandidaten auszuwählen. Ein 1,x-Abitur ist nur noch eines von vielen, die Nase vorn haben Bewerber, die ein 1,x-Abitur +Auslandsjahr +Musikinstrument +soziales Engagement +den richtigen Habitus und die Fähigkeit zur Selbstdarstellung mitbringen. Wer sich in einem bildungsfernen Milieu das Abitur hart erkämpfen musste, sieht demgegenüber alt aus.
21.01.2012 09:20 Uhr
von Wolfgang Banse:
Einheitliches Zentralabitur für alle
Buindesweit sollte es ein einheitliches Zentralabitur geben,beziehungsweise eingeführt werden.
Bildung sollte für alle gelten.
Bildung,ist das Kapital der Nation und dem entsprechend sollte es auf diesem Berreich keine Sparrunden geben.
Die wikhekmische Zeit sollte der Vergangenheit angehören,was das Durchlaufen der gymnasialen Schiulzeit betrifft.Finanzielle Mittel was das Durchlaufen auf dem Gymnasium betrifft,sollten kein Hindernis sein,diese schulart zu besuchen.Nicht für die Schule lernen wir,sondern für das Leben,praxis-und lebensorientiert,dies sollte auch auf dem gymnasialen Zweig einen hohen Rang haben.
21.01.2012 09:13 Uhr
von systemix:
Typisch für die Sichtweise in der KMK. Diese Nichtfachleute schwadronieren über das hohe Niveau der Abschlussprüfungen. Nun mag ja für ein schlichtes Gemüt, welches sich in Parteien hochgearbeitet hat, die Reifeprüfung in Deutschland sehr anspruchsvoll sein, aber es ist dann eher der Vergleich zwischen unterdurchschnittlicher Bildung und Durchschnittsbildung. Tatsache ist: die jetzt geltenden Anforderungen in der Reifeprüfung reichen zum erfolgreichen Beginn eines naturwissenschaftlichen oder eines ingenieurwissenschaftlichen Studiums nicht aus. Man befrage im Gegenzug einmal die Fachdidaktiker an den Hochschulen über das Wissen der Erstsemester. Die derzeitigen Abschlussprüfungen befähigen eben nur zu solchen Berufen wie: Juristerei (die prudentia ging schon lange verloren), BWL (mit ständiger Nachhilfe in Mathematik) oder "irgendwas mit Medien". Abitur bedeutet an der Schule Bulimielernen und fördert diese Juristen- und BWLschwemme. Das schlägt sich dann in steigender Anzahl von Abmahnanwälten oder Discountertyrannen mit Bätschelerabschluss nieder.
Die Vorreiterrolle Deutschlands besteht doch nur aus der Tatsache einem toten Pferd eine neue Außenhaut zu geben und es als deutsches Spitzenprodukt zu verkaufen. Denn nicht nur die Deindustrialisierung hat den Bedarf an Akademikern mehr als dezimiert, sondern auch die Kostensenkungsorgie von Betriebs- und Volkswirten hat Entwicklungsabteilungen atomisieren lassen, eine komplette Generation im mittleren Alter wurde in den Vorruhestand geschickt.
Nirgendwo wird mehr gelogen, als in der Bildungspolitik. Durch die erfolgreiche Volksverdummung scheint das aber kaum jemand mehr zu bemerken.
21.01.2012 09:12 Uhr
von Thomas Sch.:
Das deutsche Schulsystem ist unreformierbar. Zu Viele schrauben an zu vielen Orten an viel zu vielen Schrauben. Und unser typisch deutscher Wille zur maximalen Einzelfallgerechtigkeit steht dem auch noch entgegen. D.h., egal, was verändert werden soll, es gibt sofort jemanden, der klipp und klar beweisen kann, daß gerade das überhaupt nicht geht. Und so mäandert das deutsche Schulsystem mit der Geschwindikeit wandernder Wüstendünen so vor sich hin. In einigen hundert Jahren, wenn die Einheitsschule und das Allgemeinabitur als normaler Schulabschluß über das Land gekommen sein werden wird, dann wird es möglicherweise einen Professor geben, der auf die kommen wird, ob es nicht eine fabelhafte Idee wäre, unterschiedliche Schulen für die unterschiedlich begabten Schüler zu schaffen und ob so das nicht alles viel gerechter wäre: So mit einer Sonderschule für die Lernschwächeren, einer Hauptschule für die durchschnittlich begabten und/oder die einfacheren Berufe, einer Mittelschule für die, die weitergehende Interessen haben, einem Gymnasium für die stark Begabten und solche, die sich auch längerfristig der Bildung hingeben wollen und zuguterletzt vielleicht sogar Bildungsstätten für Überflieger und Hochbegabte. Bin gespannt, was man diesem Professor dereinst antworten wird.
21.01.2012 08:59 Uhr
von drubi:
Es ist sehr trübe zuzusehen, wie unser Förderalismus im Wesentlichen dazu missbraucht wird, einem wenig leistungsorientierten Beamten- und Politikerapparat möglichst viele Futtertröge bereitzustellen. Es ist mal wieder recht auffällig, dass von den Lehrern, den Kultusbehörden und der Wirtschaft die Rede als entscheidende ist. War da nicht noch was ? Wem soll den das Bildungssystem zuvorderst zugute kommen ? Wofür zahlen wir eigentlich Steuern ?
Ich kann's nicht mehr hören: seit 30 Jahren immer die gleiche Leier: Reformen, Reformen, Reformen, ... und jedesmal wird das System noch dysfunktionaler, zumindest für jene, die es am unmittelbarsten betrifft: Schüler und Eltern.
Zwanzig Jahre um etwas in Ordnung zu bringen, das es eigentlich gar nicht geben dürfte ! Wenn Arbeitnehmer z.B. Ingenieure in der Industrie solche Innovations- und Produktentwicklungszyklen hätten, wären wir längst auf dem wirtschaftlichen Niveau von z.B. Griechenland.