Schläge, Demütigungen, Zwangsarbeit: 35 Jahre haben sie darüber geschwiegen was sie in Glückstadt erlitten. Nun brechen ehemalige Insassen ihr Schweigen.von Heike Haarhoff
Eigentlich ist die Heimerziehung in der Nachkriegszeit bis Mitte 1975 ein systematisches Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Dieser unrühmliche Abschnitt gelebter westdeutscher Demokratie gehört eigentlich vor ein unabhängiges Tribunal nach Den Haag. Der Staat,die Kirchen und die Zwangsarbeitsfirmen müßten eigentlich eine Wiedergutmachung zahlen.
Ich bin auf das Ergebnis (Ende 2010) des runden Tisches in Berlin gespannt.
Der Zwischenbericht im Januar 2009 läßt grausames erahnen.
25.10.2008 10:54 Uhr
von Heidemarie Winkler:
Grüß Gott! Hätte gern Ihren Artikel gern auf meiner Website ins Netz gestellt. Warum gelingt mir das NICHT? Ich war selbst Erzieherin in der DDR und habe mich leider den unqualifizierteren Pädagogen aus Vorsatz entzogen.
28.01.2008 12:21 Uhr
von Alexander Markus Homes:
Zum Thema Heimerziehung habe ich im Mai 2006 das Buch "Heimerziehung: Lebenshilfe oder Beugehaft? Gewalt und Lust im Namen Gottes" veröffentlicht, das bei Books on Demand GmbH, Norderstedt (ISBN 3-8334-4780-X), erschienen ist. Dort habe ich auch mein Buch "Von der Mutter missbraucht. Frauen und die sexuelle Lust am Kind" (ISBN 3-8334-1477-4) veröffentlicht.
In einem Kapitel geht es beispielsweise um Heimkinder, die in den fünfziger und sechziger Jahren ? bis Anfang der siebziger Jahre ? insbesondere in christlichen Heimen schwer misshandelt wurden (so beispielsweise im Eschweiler Kinderheim St. Josef und Kinderheim St. Hedwig in Lippstadt). Im Fall St. Hedwig liegen mir zwei eidesstattliche Erklärungen von Betroffenen vor, die versichern, von der damaligen Kinderärztin mittels Injektionen im Genital ? und Blasenbereich misshandelt worden zu sein.
Es waren insbesondere Nonnen ? nicht alle ?, die, wie zahlreiche Betroffenenberichte in diesem Buch aufzeigen, im Namen Gottes Heimkinder prügelten, malträtierten, quälten, erniedrigten und entwürdigten, um ihnen Disziplin, Gehorsam, Fleiß, Sauberkeit, Unterordnung und den Glauben an ihren Gott aufzuzwingen. Die ?Bräute Jesu Christi? gehörten Schwestern-Orden an wie beispielsweise der ?Ordensgemeinschaft der Armen Dienstmägde Jesu Christi? in Dernbach, dem ?Orden der Hedwigschwestern? in Berlin und dem ?Paderborner Vincentinerinnen-Orden?.
Nicht nur in früheren Jahrzehnten wurden Heimkinder gequält, sexuell missbraucht und gedemütigt. Ich beschreibe auch zahlreiche Fälle aus den 90er Jahren ? beispielsweise schwere Misshandlungen, sexueller Missbrauch, Freiheitsberaubung im St. Joseph-Haus in Seligenstadt (1992), St. Josef-Stift in Eisingen bei Würzburg (1995), Don Bosco-Internat in Bendorf bei Neuwied (1995) und St. Kilian in Walldürn bei Mosbach (1995). Und ich beschreibe einen Fall aus Anfang 2001 (Außenwohngruppe des Vereins Lebensgemeinschaft Meineringhausen in Frankenberg ? nähe Marburg) und einen weiteren Fall aus Anfang 2006 (Kinderheim Martinshof in Wachtberg bei Bonn).
Im Buch enthalten ist auch ein Interview, das ich mit einer Nonne vom ?Orden der Armen Dienstmägde Jesu Christi? geführt habe. Die Nonne berichtet ganz offen und ehrlich, wie ?im Namen Jesu Christi? Kinder in einem katholischen Heim, in dem sie arbeitete, körperlich und seelisch gequält, gedemütigt, bestraft wurden. Mit dem Straf- und Unterdrückungsinstrument ?Gott?, so die Nonne, wurde den Kindern Gehorsam, Willigkeit, Anpassung und Unterwerfung abverlangt. Sie selbst bekennt sich dazu, Kinder auf das Schwerste misshandelt zu haben.
Leserkommentare
01.02.2010 16:19 Uhr
von Franky:
Eigentlich ist die Heimerziehung in der Nachkriegszeit bis Mitte 1975 ein systematisches Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Dieser unrühmliche Abschnitt gelebter westdeutscher Demokratie gehört eigentlich vor ein unabhängiges Tribunal nach Den Haag.
Der Staat,die Kirchen und die Zwangsarbeitsfirmen
müßten eigentlich eine Wiedergutmachung zahlen.
Ich bin auf das Ergebnis (Ende 2010) des runden Tisches in Berlin gespannt.
Der Zwischenbericht im Januar 2009 läßt grausames erahnen.
25.10.2008 10:54 Uhr
von Heidemarie Winkler:
Grüß Gott!
Hätte gern Ihren Artikel gern auf meiner Website ins Netz gestellt. Warum gelingt mir das NICHT? Ich war selbst Erzieherin in der DDR und habe mich leider den unqualifizierteren Pädagogen aus Vorsatz entzogen.
28.01.2008 12:21 Uhr
von Alexander Markus Homes:
Zum Thema Heimerziehung habe ich im Mai 2006 das Buch "Heimerziehung: Lebenshilfe oder Beugehaft? Gewalt und Lust im Namen Gottes" veröffentlicht, das bei Books on Demand GmbH, Norderstedt (ISBN 3-8334-4780-X), erschienen ist. Dort habe ich auch mein Buch "Von der Mutter missbraucht. Frauen und die sexuelle Lust am Kind" (ISBN 3-8334-1477-4) veröffentlicht.
In einem Kapitel geht es beispielsweise um Heimkinder, die in den fünfziger und sechziger Jahren ? bis Anfang der siebziger Jahre ? insbesondere in christlichen Heimen schwer misshandelt wurden (so beispielsweise im Eschweiler Kinderheim St. Josef und Kinderheim St. Hedwig in Lippstadt). Im Fall St. Hedwig liegen mir zwei eidesstattliche Erklärungen von Betroffenen vor, die versichern, von der damaligen Kinderärztin mittels Injektionen im Genital ? und Blasenbereich misshandelt worden zu sein.
Es waren insbesondere Nonnen ? nicht alle ?, die, wie zahlreiche Betroffenenberichte in diesem Buch aufzeigen, im Namen Gottes Heimkinder prügelten, malträtierten, quälten, erniedrigten und entwürdigten, um ihnen Disziplin, Gehorsam, Fleiß, Sauberkeit, Unterordnung und den Glauben an ihren Gott aufzuzwingen. Die ?Bräute Jesu Christi? gehörten Schwestern-Orden an wie beispielsweise der ?Ordensgemeinschaft der Armen Dienstmägde Jesu Christi? in Dernbach, dem ?Orden der Hedwigschwestern? in Berlin und dem ?Paderborner Vincentinerinnen-Orden?.
Nicht nur in früheren Jahrzehnten wurden Heimkinder gequält, sexuell missbraucht und gedemütigt. Ich beschreibe auch zahlreiche Fälle aus den 90er Jahren ? beispielsweise schwere Misshandlungen, sexueller Missbrauch, Freiheitsberaubung im St. Joseph-Haus in Seligenstadt (1992), St. Josef-Stift in Eisingen bei Würzburg (1995), Don Bosco-Internat in Bendorf bei Neuwied (1995) und St. Kilian in Walldürn bei Mosbach (1995). Und ich beschreibe einen Fall aus Anfang 2001 (Außenwohngruppe des Vereins Lebensgemeinschaft Meineringhausen in Frankenberg ? nähe Marburg) und einen weiteren Fall aus Anfang 2006 (Kinderheim Martinshof in Wachtberg bei Bonn).
Im Buch enthalten ist auch ein Interview, das ich mit einer Nonne vom ?Orden der Armen Dienstmägde Jesu Christi? geführt habe. Die Nonne berichtet ganz offen und ehrlich, wie ?im Namen Jesu Christi? Kinder in einem katholischen Heim, in dem sie arbeitete, körperlich und seelisch gequält, gedemütigt, bestraft wurden. Mit dem Straf- und Unterdrückungsinstrument ?Gott?, so die Nonne, wurde den Kindern Gehorsam, Willigkeit, Anpassung und Unterwerfung abverlangt. Sie selbst bekennt sich dazu, Kinder auf das Schwerste misshandelt zu haben.