Journalisten sollten nicht Mitglied in einer Partei sein, das mache sie angreifbar. Da sind sich viele Kollegen einig. Aber warum eigentlich? Ein Bekenntnis.von Felix Dachsel
Ein Glück, dass wir in einer Demokratie leben, wo der Stimmzettel entscheidet und nicht die durch linke journalisten veröffentlichte Meinung. Ihre Meinung zu Arbeitgebern, McKinsey und Co. strotzt nur so von unangebrachten Vorurteilen und hat mit realen Gegebenheiten nichts zu tun. Ob Sie sich zu einer Partei bekennen oder nicht, ist eigentlich egal. Denn das kommt ohnehin relativ schnell durch, so dass der Leser sie schon ganz gut einordnen kann. Ob sie sich schon vorab in eine Schublade stecken lassen wollen, ist natürlich ihre Sache. Denn das ist die Konsequenz, wenn man sich als Journalist "outet".
09.01.2013 10:35 Uhr
von JuriM:
In einer Demokratie sollte eine Unvereinbarkeit von Parteimitgliedschaft und der Berufsausübung eigentlich undenkbar sein. Und richtig, Äquidistanz ist eine Illusion, genausi wie die Annahme, dass ein Mitglied stets auf Parteinilie ist und nicht auch manchmal auch mit anderen Parteien oder Politikern sympathisiert. Kompliziert wird es allerdings, wenn zugleich Amt oder Mandat ausgeübt werden. Hier kann tatsächlich ein Interessenwirrwar entstehen, dass hier oder dort der Glaubwürdigkeit abträglich ist. Gerade in politiknahen Berufen ist insofern zumutbar, sich aus professionellen Gründen zunächst auf eine Karriere zu konzentrieren.
09.01.2013 09:25 Uhr
von Ute Finckh:
Ich freue mich über den Artikel bzw. die Tatsache, dass Felix Dachsel sich als SPD-Genosse outet, weil damit klar gestellt ist, dass - bei aller berechtigten Kritik an manchem, was die SPD oder ihre Spitzenpolitiker zu verantworten haben - auch SPD-Genossinnen wie ich als taz-Leserinnen, taz-Mitabonnentinnen und taz-Genossinnen willkommen sind.
08.01.2013 15:28 Uhr
von Martin Zenker:
Danke für diesen Beitrag. Wird Zeit, dass das einmal jemand ausspricht.
Ob ein Journalist in einer Partei Mitglied ist oder nicht, hat auf seine Berufsausübung, sofern er ihr ernsthaft nachgeht, keinerlei Auswirkungen. Die Mitgliedschaft in einer Partei ist lediglich die Manifestation einer persönlichen Haltung, von Werten und Ideen, die dieser Journalist oder diese Journalistin vertritt. Die Mitgliedschaft in einer Partei als ein Hindernis am journalistischen Arbeiten anzunehmen bedeutete ja, dass zum guten Journalisten nur Menschen taugten, die ohne Haltung, ohne Werte und ohne Ideen bzw. Ideale sind. Ich wage dies zu bezweifeln.
Im Gegenteil: Wenn es in diesem Land an einem fehlt, dann an Journalisten mit einer politischen Meinung. Politische Lokalberichterstattung? Ist doch oftmals lachhaft. Da wird politisches Handeln nirgends eingeordnet und bewertet, da werden Beiträge schön paritätisch verteilt gebracht, damit man ja keine Partei bevorzugt. Außer politisch aktive Feuerwehren und Karnevalsvereine oder die ach so freien Freien Wähler und Bürgerinitiativen gegen Schweinemasten und Durchgangsverkehr... die finde medial statt. Sind ja keine Parteien. Sind ja nicht bäh und pfui. Verfolgen ja keine Interessen. Sind also unverdächtig...
Könnte man durchaus weiter ausführen - insofern wie bereits gesagt: Danke für das Anstossen der Diskussion.
08.01.2013 12:55 Uhr
von Dominik:
@Kommt, Stefan, Jörn, etc.: Was bitte ist denn wertfreie Berichterstattung und wo gibts die denn zu lesen??
Über ein Erdbeben kann man vielleicht so berichten (7,9 auf der Richterskala und 123 Tote), aber wie will man denn über politische Entscheidungen wertfrei schreiben? Wer legt denn fest, ob Politik "gut" oder "schlecht" ist? Kann man das objektiv messen?
Wenn dem so ist, dann können wir ja die Parteien und dieses Demokratiegedöns gleich abschaffen und irgendeinen - sehr schönes Wort übrigens - "Technokraten" einsetzen, der dann nur noch objektiv richtige Entscheidungen trifft.
Wenn dem aber nicht so ist, dann brauchen wir nicht weniger, sondern mehr miteinander streitende Meinungen in der Gesellschaft, in der Öffentlichkeit und in den Medien. Und Journalisten, die sich trauen, Farbe zu bekennen.
Danke, Herr Dachsel!
08.01.2013 12:05 Uhr
von Rüdiger Kalupner:
Das 'Parteienproblem' löst sich auf ganz andere Weise als dies Herr Dechsel denkt. Die gewachsene Politik-/Machtkampf- und Parteienlandschaft wird revolutioniert werden.
In Zeiten einer Systemkrise verhindern die gewachsenen, sog. Systemparteien die notwendige, evolutionssystem-logische, 'kreative' Problem- und Systemlösung, weil diese ihr Untergang bedeutet.
In einer solchen Zeit leben wir. Alle etablierten Parteien werden die aktuelle Systemkrise n i c h t überleben. Eine (r)evolutionäre Systemlösungspartei (= die sog. revolutionäre Gruppe) wird die Systemparteien wie SPD, Grüne, Linke, CSU, CDU in dem Moment ausselektieren, in dem die krisenbeendende, projektfähige und dominomächtige Systemlösung in die öffentliche Diskussion kommt. Das nennt man selbstläuferisch à la 'Fall der Berliner Mauer'.
Die Befangenheit und die Abneigung gegenüber einer solchen Systemlösungspartei eint alle Journalisten. Mit der evolutionsprozess-eigenen, revolutionär-emergenten Systemlösung kippt ja auch die gewachsene Konfliktkampf- und Konfliktausbeutungs-Landschaft weg. Es geht um die Existenzfrage vieler Medien und gewachsenen vorpolitischen Kampfinstitutionen wie NGOs - und nicht nur um die Vormacht der Kapitalinteressen. Eine Demokratie mit einer KREATIVEN, evolutionsprojekt-informierten Partei braucht diese Kampforganisationen nicht. In ihr werden die Fehlentwicklungen durch die geniale Auflösung der verursachenden Konfliktstrukturen (= Antagonismen á la Marx) beendet.
08.01.2013 07:51 Uhr
von Brahms:
Interessanter Artikel. Früher hätte ich wahrscheinlich auch gesagt, dass eine Parteimitgliedschaft und journalistisches Arbeiten unvereinbar wären. Mittlerweile schreiben Journalisten ohne Parteibuch quer durch die Presselandschaft parteipolitisch gefärbte Artikel, dass einem die Haare zu Berge stehen. Lieber ein parteipolitisch festzumachender Journalist, der eine Meinung hat, als ein parteiloser Journalist, der wegen Klicks und Auflagen täglich seine Meinung und parteipolitische Brille ändern kann. Und überhaupt: Wie tief will sich diese Gesellschaft noch erniedrigen, dass es mittlerweile peinlich sein muss, sich zu einem politischen Standpunkt zu bekennen.
08.01.2013 04:46 Uhr
von Stimme der Demokratie:
Über 80% der Journalisten hängen rot-grünen Gedanken an. Ob mit oder ohne Parteibuch: Sie sehen einen Volkserziehungsauftrag.
08.01.2013 04:06 Uhr
von ingmar f:
Gehen Sie bitte trotzdem zur Linkspartei, wenn Ihnen Ihre Ideale etwas wert sind. Die SPD war und ist nunmal nur "die Vorhaut der Arbeiterschaft - wenn es ernst wird, zieht sie sich zurück." (wie mal ein bekannter Kabarettist korrekt analysierte)
08.01.2013 02:41 Uhr
von Uwe Eybächer:
Moin, mein Jung. Ischa spannend zu lesen, dass Du auch mir auf die Füße treten musst. Vielleicht bin ich nicht der Prototyp eines Arbeitgebers Deines Weltbildes, aber etwas sehr platt ist der Klassenkampfzwang nun doch. Ich möchte nicht langweilen mit unendlichen Ausführungen und versuche, kurz und knackig zu widersprechen. Komm vorbei und arbeite eine Weile bei mir im Betrieb, atme die Welt meiner Mitarbeiter und urteile anschließend erneut. (Auch meine Welt wird Dir nicht versperrt sein) Solltest Du vier Wochen durchhalten, hast Du große Chancen, die Welt aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Deal?
08.01.2013 01:10 Uhr
von Kommt:
Kommt ganz auf die Journalistische Darstellungsform an. Kommentar, Glosse usw. Meinung ja, alles andere: streng nein.
Außerdem mag niemand Journalisten, die ihre Meinung in an sich objektive Darstellungsformen einfließen lassen.
08.01.2013 00:31 Uhr
von Stefan:
also in Kommentaren ist das vielleicht in Ordnung, die Berichterstattung sollte doch bitteschön möglichst wertfrei sein. Ach ja, die taz besteht ja weitestgehend aus Kommentaren ;-)
08.01.2013 00:11 Uhr
von Lenchen:
Das Problem istnicht eine Parteimitgliedschaft, sondern die fast ausschließliche Orientierung der schreibenden Klasse Richtung linke Gruppierungen. Umfragen unter Journalisten ergeben das regelmäßig und stimmen nachdenklich.
Wie kann eine fast ausschließlich links/grün orientierte Presse der Demokratie dienlich sein? Wie wird so Meinungsvielfalt hergestellt?
Die Antwort äußert sich, denke ich, am derzeitigen Zeitungsterben. Die Leute haben es satt!
08.01.2013 00:07 Uhr
von Denis:
Als ich Mitglied der SPD war, stand ich tatsächlich am Infotisch mit SPD-Materialien in einer ex-Arbeitergegend im Osten Hamburgs, als mir ein Rentner aufbauende Worte zukommen lassen wollte - er sagte: "Ich war ja auch so lange in der NSDAP - willst Du einen Kaffee." Ich glaube, er meinte tatsächlich die SPD, aber na ja ... es gibt also durchaus Ansätze für Witz und Lustigkeit, wenn man in der SPD ist. Nach den Hartz-Reformen bin ich aber ausgetreten, jetzt sollen Infotische auch deswegen noch erlebnisreicher geworden sein.
08.01.2013 00:01 Uhr
von Ralf:
Sehr schöner Artikel :-) ... und alle anderen (politischen) Journalisten, die sich gegen eine Parteimitgliedschaft aussprechen: Die meisten politischen Menschen haben auch ohne Parteimitgliedschaft Symathien für eine oder mehrere Parteien und sind oft weniger reflektiert - und damit vielleicht auch weniger kritisch - in der Bewertung ihrer Haltung zu dieser Partei. Wer glaubt, ein Parteimitglied würde jede Position seiner Partei teilen/übernehmen, hat keine Ahnung von bzw. Erfahrung mit der Realität in Parteien. Die Mitgliedschaft macht die politische Einstellung transparent.
07.01.2013 22:36 Uhr
von tazitus:
Dass ich das noch erleben darf. Wo mir doch die SPD zur Zeit das Herz bricht. ;-)
07.01.2013 22:34 Uhr
von Jörn:
Von einem Journalisten erwarte ich objektive Fakten und keine Parteiwerbung oder Bekenntnisse. Gefärbte Texte sind für mich absolut wertlos.
07.01.2013 21:55 Uhr
von KarlK:
Lieber Felix, Sie glauben wir brauchen mehr Streik, mehr mutige Betriebsräte und mehr Aufstand der Belegschaften? Dann glauben Sie mir: Sie sind definitiv Mitglied der falschen Partei!
07.01.2013 21:36 Uhr
von Kitty:
Danke für Deine Worte! Ich arbeite bei der SPD und mag es manchmal nicht öffentlich sagen, und dann schäme ich mich, weil ich nicht zu meinem Glauben stehe. Deshalb: Vielen Dank für Dein Bekenntnis. Sind wir nicht eigentlich genau deshalb in dieser Partei, weil wir offen zu unseren Überzeugungen stehen wollen können?
07.01.2013 21:02 Uhr
von Lars vom Mars:
Danke. Schreiben Sie.
07.01.2013 19:56 Uhr
von Peter:
Sauber! Ich bin selber nicht in einer Partei, freue mich aber über einen Artikel, der die Parteien verteidigt!
Viel zu selten wird berichtet, welche Rolle Parteien in der Gesellschaft spielen, wie sie Menschen mit unterschiedlichen Meinungen zu einem Diskurs und schließlich zu einem Kompromiss zwingen. Das Besuchen von Parteiveranstaltungen kann ich nur empfehlen! Ich war zwar bisher nur bei einem Seminar einer Jugendorganisation einer Partei, aber um so überraschter war ich von dem Engagement und der Professionalität: politische Bildung auf extrem hohem Niveau autonom und mit geringen Ressourcen organisiert. Ich wünschte alle Menschen hätten die Möglichkeit an solchen Seminaren teilzunehmen, zu lernen so etwas selbst zu organisieren, Netzwerke zu bilden um politisch zu mobilisieren, das Zuhören und das Streiten zu lernen und interessante Menschen kennen zu lernen.
Warum bin ich in keiner Partei? Die Medien und die gesellschaftliche Tabuisierung von Parteien spielen sicher eine Rolle! Meine Emanzipation dauert wohl noch ein bisschen, aber irgendwann werde ich mich überwinden und Verantwortung übernehmen anstelle einfach immer nur zu meckern.
07.01.2013 19:34 Uhr
von pfuideibel:
Herr Dachsel, Sie haben fertig. ("Ich bin stolz blablabla ...") Ein solcher Beitrag kurz vor der Wahl in Niedersachsen. Sie sind für mich als Journalist erledigt.
Leserkommentare
12.01.2013 19:27 Uhr
von Kopfschüttelnd:
Ein Glück, dass wir in einer Demokratie leben, wo der Stimmzettel entscheidet und nicht die durch linke journalisten veröffentlichte Meinung. Ihre Meinung zu Arbeitgebern, McKinsey und Co. strotzt nur so von unangebrachten Vorurteilen und hat mit realen Gegebenheiten nichts zu tun. Ob Sie sich zu einer Partei bekennen oder nicht, ist eigentlich egal. Denn das kommt ohnehin relativ schnell durch, so dass der Leser sie schon ganz gut einordnen kann. Ob sie sich schon vorab in eine Schublade stecken lassen wollen, ist natürlich ihre Sache. Denn das ist die Konsequenz, wenn man sich als Journalist "outet".
09.01.2013 10:35 Uhr
von JuriM:
In einer Demokratie sollte eine Unvereinbarkeit von Parteimitgliedschaft und der Berufsausübung eigentlich undenkbar sein. Und richtig, Äquidistanz ist eine Illusion, genausi wie die Annahme, dass ein Mitglied stets auf Parteinilie ist und nicht auch manchmal auch mit anderen Parteien oder Politikern sympathisiert. Kompliziert wird es allerdings, wenn zugleich Amt oder Mandat ausgeübt werden. Hier kann tatsächlich ein Interessenwirrwar entstehen, dass hier oder dort der Glaubwürdigkeit abträglich ist. Gerade in politiknahen Berufen ist insofern zumutbar, sich aus professionellen Gründen zunächst auf eine Karriere zu konzentrieren.
09.01.2013 09:25 Uhr
von Ute Finckh:
Ich freue mich über den Artikel bzw. die Tatsache, dass Felix Dachsel sich als SPD-Genosse outet, weil damit klar gestellt ist, dass - bei aller berechtigten Kritik an manchem, was die SPD oder ihre Spitzenpolitiker zu verantworten haben - auch SPD-Genossinnen wie ich als taz-Leserinnen, taz-Mitabonnentinnen und taz-Genossinnen willkommen sind.
08.01.2013 15:28 Uhr
von Martin Zenker:
Danke für diesen Beitrag. Wird Zeit, dass das einmal jemand ausspricht.
Ob ein Journalist in einer Partei Mitglied ist oder nicht, hat auf seine Berufsausübung, sofern er ihr ernsthaft nachgeht, keinerlei Auswirkungen. Die Mitgliedschaft in einer Partei ist lediglich die Manifestation einer persönlichen Haltung, von Werten und Ideen, die dieser Journalist oder diese Journalistin vertritt. Die Mitgliedschaft in einer Partei als ein Hindernis am journalistischen Arbeiten anzunehmen bedeutete ja, dass zum guten Journalisten nur Menschen taugten, die ohne Haltung, ohne Werte und ohne Ideen bzw. Ideale sind. Ich wage dies zu bezweifeln.
Im Gegenteil: Wenn es in diesem Land an einem fehlt, dann an Journalisten mit einer politischen Meinung. Politische Lokalberichterstattung? Ist doch oftmals lachhaft. Da wird politisches Handeln nirgends eingeordnet und bewertet, da werden Beiträge schön paritätisch verteilt gebracht, damit man ja keine Partei bevorzugt. Außer politisch aktive Feuerwehren und Karnevalsvereine oder die ach so freien Freien Wähler und Bürgerinitiativen gegen Schweinemasten und Durchgangsverkehr... die finde medial statt. Sind ja keine Parteien. Sind ja nicht bäh und pfui. Verfolgen ja keine Interessen. Sind also unverdächtig...
Könnte man durchaus weiter ausführen - insofern wie bereits gesagt: Danke für das Anstossen der Diskussion.
08.01.2013 12:55 Uhr
von Dominik:
@Kommt, Stefan, Jörn, etc.:
Was bitte ist denn wertfreie Berichterstattung und wo gibts die denn zu lesen??
Über ein Erdbeben kann man vielleicht so berichten (7,9 auf der Richterskala und 123 Tote), aber wie will man denn über politische Entscheidungen wertfrei schreiben? Wer legt denn fest, ob Politik "gut" oder "schlecht" ist? Kann man das objektiv messen?
Wenn dem so ist, dann können wir ja die Parteien und dieses Demokratiegedöns gleich abschaffen und irgendeinen - sehr schönes Wort übrigens - "Technokraten" einsetzen, der dann nur noch objektiv richtige Entscheidungen trifft.
Wenn dem aber nicht so ist, dann brauchen wir nicht weniger, sondern mehr miteinander streitende Meinungen in der Gesellschaft, in der Öffentlichkeit und in den Medien. Und Journalisten, die sich trauen, Farbe zu bekennen.
Danke, Herr Dachsel!
08.01.2013 12:05 Uhr
von Rüdiger Kalupner:
Das 'Parteienproblem' löst sich auf ganz andere Weise als dies Herr Dechsel denkt. Die gewachsene Politik-/Machtkampf- und Parteienlandschaft wird revolutioniert werden.
In Zeiten einer Systemkrise verhindern die gewachsenen, sog. Systemparteien die notwendige, evolutionssystem-logische, 'kreative' Problem- und Systemlösung, weil diese ihr Untergang bedeutet.
In einer solchen Zeit leben wir. Alle etablierten Parteien werden die aktuelle Systemkrise n i c h t überleben. Eine (r)evolutionäre Systemlösungspartei (= die sog. revolutionäre Gruppe) wird die Systemparteien wie SPD, Grüne, Linke, CSU, CDU in dem Moment ausselektieren, in dem die krisenbeendende, projektfähige und dominomächtige Systemlösung in die öffentliche Diskussion kommt. Das nennt man selbstläuferisch à la 'Fall der Berliner Mauer'.
Die Befangenheit und die Abneigung gegenüber einer solchen Systemlösungspartei eint alle Journalisten. Mit der evolutionsprozess-eigenen, revolutionär-emergenten Systemlösung kippt ja auch die gewachsene Konfliktkampf- und Konfliktausbeutungs-Landschaft weg. Es geht um die Existenzfrage vieler Medien und gewachsenen vorpolitischen Kampfinstitutionen wie NGOs - und nicht nur um die Vormacht der Kapitalinteressen. Eine Demokratie mit einer KREATIVEN, evolutionsprojekt-informierten Partei braucht diese Kampforganisationen nicht. In ihr werden die Fehlentwicklungen durch die geniale Auflösung der verursachenden Konfliktstrukturen (= Antagonismen á la Marx) beendet.
08.01.2013 07:51 Uhr
von Brahms:
Interessanter Artikel. Früher hätte ich wahrscheinlich auch gesagt, dass eine Parteimitgliedschaft und journalistisches Arbeiten unvereinbar wären. Mittlerweile schreiben Journalisten ohne Parteibuch quer durch die Presselandschaft parteipolitisch gefärbte Artikel, dass einem die Haare zu Berge stehen. Lieber ein parteipolitisch festzumachender Journalist, der eine Meinung hat, als ein parteiloser Journalist, der wegen Klicks und Auflagen täglich seine Meinung und parteipolitische Brille ändern kann. Und überhaupt: Wie tief will sich diese Gesellschaft noch erniedrigen, dass es mittlerweile peinlich sein muss, sich zu einem politischen Standpunkt zu bekennen.
08.01.2013 04:46 Uhr
von Stimme der Demokratie:
Über 80% der Journalisten hängen rot-grünen Gedanken an. Ob mit oder ohne Parteibuch: Sie sehen einen Volkserziehungsauftrag.
08.01.2013 04:06 Uhr
von ingmar f:
Gehen Sie bitte trotzdem zur Linkspartei, wenn Ihnen Ihre Ideale etwas wert sind.
Die SPD war und ist nunmal nur "die Vorhaut der Arbeiterschaft - wenn es ernst wird, zieht sie sich zurück." (wie mal ein bekannter Kabarettist korrekt analysierte)
08.01.2013 02:41 Uhr
von Uwe Eybächer:
Moin, mein Jung.
Ischa spannend zu lesen, dass Du auch mir auf die Füße treten musst. Vielleicht bin ich nicht der Prototyp eines Arbeitgebers Deines Weltbildes, aber etwas sehr platt ist der Klassenkampfzwang nun doch.
Ich möchte nicht langweilen mit unendlichen Ausführungen und versuche, kurz und knackig zu widersprechen.
Komm vorbei und arbeite eine Weile bei mir im Betrieb, atme die Welt meiner Mitarbeiter und urteile anschließend erneut. (Auch meine Welt wird Dir nicht versperrt sein)
Solltest Du vier Wochen durchhalten, hast Du große Chancen, die Welt aus einer neuen Perspektive zu betrachten.
Deal?
08.01.2013 01:10 Uhr
von Kommt:
Kommt ganz auf die Journalistische Darstellungsform an. Kommentar, Glosse usw. Meinung ja, alles andere: streng nein.
Außerdem mag niemand Journalisten, die ihre Meinung in an sich objektive Darstellungsformen einfließen lassen.
08.01.2013 00:31 Uhr
von Stefan:
also in Kommentaren ist das vielleicht in Ordnung, die Berichterstattung sollte doch bitteschön möglichst wertfrei sein.
Ach ja, die taz besteht ja weitestgehend aus Kommentaren ;-)
08.01.2013 00:11 Uhr
von Lenchen:
Das Problem istnicht eine Parteimitgliedschaft, sondern die fast ausschließliche Orientierung der schreibenden Klasse Richtung linke Gruppierungen.
Umfragen unter Journalisten ergeben das regelmäßig und stimmen nachdenklich.
Wie kann eine fast ausschließlich links/grün orientierte Presse der Demokratie dienlich sein? Wie wird so Meinungsvielfalt hergestellt?
Die Antwort äußert sich, denke ich, am derzeitigen Zeitungsterben. Die Leute haben es satt!
08.01.2013 00:07 Uhr
von Denis:
Als ich Mitglied der SPD war, stand ich tatsächlich am Infotisch mit SPD-Materialien in einer ex-Arbeitergegend im Osten Hamburgs, als mir ein Rentner aufbauende Worte zukommen lassen wollte - er sagte: "Ich war ja auch so lange in der NSDAP - willst Du einen Kaffee." Ich glaube, er meinte tatsächlich die SPD, aber na ja ... es gibt also durchaus Ansätze für Witz und Lustigkeit, wenn man in der SPD ist. Nach den Hartz-Reformen bin ich aber ausgetreten, jetzt sollen Infotische auch deswegen noch erlebnisreicher geworden sein.
08.01.2013 00:01 Uhr
von Ralf:
Sehr schöner Artikel :-)
... und alle anderen (politischen) Journalisten, die sich gegen eine Parteimitgliedschaft aussprechen: Die meisten politischen Menschen haben auch ohne Parteimitgliedschaft Symathien für eine oder mehrere Parteien und sind oft weniger reflektiert - und damit vielleicht auch weniger kritisch - in der Bewertung ihrer Haltung zu dieser Partei. Wer glaubt, ein Parteimitglied würde jede Position seiner Partei teilen/übernehmen, hat keine Ahnung von bzw. Erfahrung mit der Realität in Parteien. Die Mitgliedschaft macht die politische Einstellung transparent.
07.01.2013 22:36 Uhr
von tazitus:
Dass ich das noch erleben darf. Wo mir doch die SPD zur Zeit das Herz bricht. ;-)
07.01.2013 22:34 Uhr
von Jörn:
Von einem Journalisten erwarte ich objektive Fakten und keine Parteiwerbung oder Bekenntnisse.
Gefärbte Texte sind für mich absolut wertlos.
07.01.2013 21:55 Uhr
von KarlK:
Lieber Felix, Sie glauben wir brauchen mehr Streik, mehr mutige Betriebsräte und mehr Aufstand der Belegschaften? Dann glauben Sie mir: Sie sind definitiv Mitglied der falschen Partei!
07.01.2013 21:36 Uhr
von Kitty:
Danke für Deine Worte!
Ich arbeite bei der SPD und mag es manchmal nicht öffentlich sagen, und dann schäme ich mich, weil ich nicht zu meinem Glauben stehe. Deshalb: Vielen Dank für Dein Bekenntnis.
Sind wir nicht eigentlich genau deshalb in dieser Partei, weil wir offen zu unseren Überzeugungen stehen wollen können?
07.01.2013 21:02 Uhr
von Lars vom Mars:
Danke. Schreiben Sie.
07.01.2013 19:56 Uhr
von Peter:
Sauber! Ich bin selber nicht in einer Partei, freue mich aber über einen Artikel, der die Parteien verteidigt!
Viel zu selten wird berichtet, welche Rolle Parteien in der Gesellschaft spielen, wie sie Menschen mit unterschiedlichen Meinungen zu einem Diskurs und schließlich zu einem Kompromiss zwingen. Das Besuchen von Parteiveranstaltungen kann ich nur empfehlen! Ich war zwar bisher nur bei einem Seminar einer Jugendorganisation einer Partei, aber um so überraschter war ich von dem Engagement und der Professionalität: politische Bildung auf extrem hohem Niveau autonom und mit geringen Ressourcen organisiert. Ich wünschte alle Menschen hätten die Möglichkeit an solchen Seminaren teilzunehmen, zu lernen so etwas selbst zu organisieren, Netzwerke zu bilden um politisch zu mobilisieren, das Zuhören und das Streiten zu lernen und interessante Menschen kennen zu lernen.
Warum bin ich in keiner Partei? Die Medien und die gesellschaftliche Tabuisierung von Parteien spielen sicher eine Rolle! Meine Emanzipation dauert wohl noch ein bisschen, aber irgendwann werde ich mich überwinden und Verantwortung übernehmen anstelle einfach immer nur zu meckern.
07.01.2013 19:34 Uhr
von pfuideibel:
Herr Dachsel, Sie haben fertig.
("Ich bin stolz blablabla ...")
Ein solcher Beitrag kurz vor der Wahl in Niedersachsen.
Sie sind für mich als Journalist erledigt.