• 15.04.2010

Jeff Jarvis über neuen Journalismus

Liebt Eure Leser!

Leserkommentare verbessern den Journalismus, sagt Jeff Jarvis. Man müsse nur die Guten fördern. Ein Gespräch mit dem renommierten Journalistik-Professor über bessere Medien, Google und Datenschutz.von Julia Seeliger

  • 22.05.2010 16:24 Uhr

    von Winfried Sobottka:

    Viele unbestreitbar richtige Ansätze im Interview. Dabei muss man sehen, dass die Zeitungen nicht mehr die Gate-Keeper-Funktion haben, die sie früher hatten. Das Internet erlaubt es, bei praktisch lächerlichen Kosten zu einer Konkurrenz für Zeitungen zu werden, was früher nicht möglich war.

    Entsprechend sind Zeitungen, die überleben wollen, gezwungen, sich mehr und mehr auf die journalistischen Tugenden zurück zu besinnen und sich mehr und mehr auch der öffentlichen Diskussion zu stellen.

    Es war auf breiter Front erkennbar geworden, dass die Medien sich den Wünschen des Kapitals, von dessen Werbeaufträgen sie zunehmend abhängiger geworden waren, unter Aufgabe der journalistischen Tugenden verpflichtet fühlten.

    Diese Strategie, die im Übrigen einer äußerst unsäglichen Rolle der Medien gleichkommt, kann in Zeiten des Internets nicht leicht aufrecht erhalten werden. Projekte wie "Ruhrbarone" oder "Wir-in-NRW" machen das sehr deutlich.

    Winfried Sobottka, United Anarchists

  • 19.04.2010 15:05 Uhr

    von Kiki:

    Herr Jarvis hat also Probleme damit, sein Gemächt fünf Leuten in der Gemischtsauna zu präsentieren, würde aber ohne weiteres Fotos von selbigem ins Netz stellen? Das kann nun wiederum ich nicht verstehen.

    Zum restlichen Interview: Ich gehe mal davon aus, dass konstruktive Kommentare von Journalisten ohnehin zur Kenntnis genommen werden. Das ist weder neu noch auf das Internet beschränkt. Wenn wir aber schon bei diesem Thema sind, sollte Herr Jarvis auch zur Kenntnis nehmen, dass ein Programm nicht gleich Open Source ist, nur weil es von jedem installiert werden kann.

  • 18.04.2010 06:06 Uhr

    von gaijinette:

    Ich finde, das war ein gutes Interview. Mißverständnisse hat es aber wohl nicht nur seitens der Interviewerin gegeben.


    Ich bin übrigens aus eigenem Interesse dagegen, daß Kommentatoren geblockt werden können...

    Und eine Bewertungsfunktion lädt geradezu zu Mißbrauch bzw. Manipulation ein (ich würd's mal 'Cybermobbing' nennen, aber wenn's organisierte Gruppen sind, paßt das Wort schon nicht mehr).

    Ich gehöre übrigens zu denen, die keineswegs auf alle Argumente eingehen, die irgend ein anderer Kommentator schreibt, und dieses Recht werde ich mir auch weiterhin vorbehalten. Dann bin ich eben nicht so nett... yo my!

    Das Argument, man müsse auf Gegenargumente eingehen, ist dogmatischer Unsinn. Es erinnert mich daran, wie man als Protestbewegung von einschlägiger Seite disqualifiziert wird, wenn man kein Gegenkonzept hat. Jedoch: Manchmal ist es einfach wichtig, 'dagegen' zu sein. Ich meine... auch die Polizei kennt das ja... man hat zwar noch keine Beweise, aber man hat das Ermächtigungsmittel Gefahr im Verzug...


    Ich warne die taz eindringlich davor, sich von Kommentaren abhängig zu machen -- die allermeisten sind anonym und niemand weiß, was dann an organisiertem Versuch der Beeinflussung dahinterstecken kann (kleine verschwörungstheoretische Anmerkung). Wenn etwa im aktuellen Artikel über Gorleben / Greenpeace beinahe mehr Kommentare zu dem Wort 'getürkt' vorkommen als on-topic-Einträge, dann muß das keineswegs Empörung ausdrücken. Seht einfach mal genau hin, Ihr werdet das sicher besser beurteilen können als ich, aber ich sage einfach, beachtet mal die Funktion einer solchen Menge an nicht sachbezogenen Kommentaren, die Textmenge, die visuelle Störung: Man liest, ermüdet, hat keine Zeit mehr, verliert das Interesse, und wenn man überlesen will, muß man auch erst mal lange scrollen, bis ein Kommentar sich wieder mit der Sache beschäftigt -- nichts dagegen, das Wort 'getürkt' zu thematisieren, aber in diesem Ausmaß angesichts der Bedeutung des eigentlichen Inhaltes?


    Privatsphäre.

    Also ich bin durchaus amüsiert von dem frischen angloamerikanischen Humor von Jeff Jarvis, die Selbstironie geht zuweilen unter (die Ergänzung '(lacht)' erinnert allerdings in seiner Hinweisfunktion durchaus an das amerikanische 'kidding') -- Mit 'Ja, [...] Datenschutz, [...] aber [...] Gemischtsauna. Das kann ich als Amerikaner nicht verstehen' hat Jeff Jarvis wohl auf das Klischee der US-amerikanischen Prüderie angespielt, war doch niedlich...

    Jeff Jarvis polemisiert natürlich. Aber dennoch meine ich, er ist ein wenig blind gegen den Wert des Datenschutzes.

    Wenn ich selber mich hier exhibitioniere (wer will, findet ohne weiteres meine Adresse heraus), ist das meine Sache, es ist meine Konsequenz aus der Tatsache, daß (sorry, die 3-Buchstaben-Firma wieder zu erwähnen) der BND 'alles' über mich weiß -- wenn die, die mir größten Schaden zufügen wollen (lethalen), soviel wissen, ist mir der Rest schlicht egal... und es macht frei... nein, es ist auch Strategie: Öffentlichkeit verhindert nicht alles, aber erschwert manches. -- Aber: Das ist nur auf Fälle wie mich beschränkt. Allen anderen, die noch etwas zu verlieren haben, sei dringend davon abgeraten, sich im Netz zu entblößen. Etwas besseres als virtuelle Netzwerke, Blogs, Twitter, stets sendebereite Handys mit audiovisuellen Funktionen und Locating-Funktion konnte den Geheim-'Diensten' nicht passieren. Sollte Professor Jeff Jarvis daran wirklich nicht gedacht haben?

    Ein Satz wie 'Privatisierung ist Diebstahl' ist nett als Überschrift für eine Debatte. Aber Jarvis widerspricht sich kurz darauf: Er fordert, wir sollten selbst die Kontrolle / Entscheidungen über unsere Daten haben. Wenn das aber so ist, dann sollten wir auch Nein sagen können ohne Sanktionen befürchten zu müssen, denn sonst wäre diese Forderung ja wohl absurd.

    Außerdem ist Jarvis' Position sowieso überflüssig, denn die Privatsphäre kommt uns mit oder ohne unser Zutun abhanden. Wenn wir nicht aktiv dagegen vorgehen.


    Zum Thema taz-Kommentare:

    Ich habe mich damit arrangiert, daß es, besonders an Wochenenden, größere Abstände bis zur Veröffentlichung gibt. Ist wohl auch eine ökonomisches Frage, schon von daher kein Druck meinerseits.

    Ich habe auch keine Schwierigkeit damit, mit anderen Kommentatoren zu kommunzieren.

    Ein Problem allerdings sehe ich dennoch im Zusammenhang mit verzögerter Veröffentlichung: Man findet die Artikel, und gar erst die Kommentare, kaum noch, wenn man sie vorher nicht verlinkt hat, das hat Christian sehr richtig gesagt. Also, ich finde sie und die Mitarbeiter der taz und zumindest die Kommentatoren, die die Artikel verlinkt haben, aber wer sonst, wenn einmal drei Tage ins Land gegangen sind?

    Ach ja, Referenzen gehen doch schon auch mal kaputt, beziehungsweise werden falsch suggeriert, etwa, wenn mehrere Kommentare dasselbe ausdrücken, ist das eben keineswegs eine Wiederholung sondern wenn man so will, Kongenialität oder... als Nichtlateiner weiß jetzt nicht, was 'gleichzeitige Dummheit' als Gegenmöglichkeit heißen würde... und wenn man nicht ausdrücklich die Kommentatoren nennt, könnte der Anschein eines Fehlbezugs entstehen. Da hat also auch der Kommentator 'Name' recht, falls er das meinte...

    Darum ein Hinweis: Als ich dies schrieb, war der letzte Kommentar 16.04.2010 16:03 tazitus. Soderle.

    Bloß, weil jetzt Negatives am Ende steht, soll dieses Negative aber kein besonderes Gewicht bekommen, gell?


    Alles Gute weiterhin für die taz-Mitarbeiter. Eines Tages werde ich sie auch wieder papiern (also: ich Fleisch, taz Papier) haben...

    --gaijinette
    (Sorry, etwas lang geraten...)

  • 17.04.2010 12:42 Uhr

    von swan:

    ja liebe taz,


    nehmt euch ein beispiel an den artikel und verbessert das zeitliche einsetzen jener kommentare.
    es macht echt kein spaß zur spamvermeindung 50mal sand oder gras zu tippen.vielleicht ein zeichen für den kommentator ,daß der text registriert wurde.ist lebenszeit.und wir hängen schon genug unseres lebens im internet rum.

  • 17.04.2010 09:30 Uhr

    von Lulu:

    Von wegen Google ist nicht böse und steht auf für die Menschen in China.
    Vor vier Jahren hat Google alles zensiert, was die chin Regierung vorgegeben hat, aber als der wirtschaftliche Erfolg ausblieb, tat man so als stütze man solch ein System nicht.
    Es zeigt nur wie böse und mächtig Google ist, wenn alle Zeitungen nicht müde werden zu betonen, wie wichtig Menschenrechte und Informationsfreiheit für Google sind.
    Erschreckend

  • 17.04.2010 08:36 Uhr

    von Ex-taz-Leser:

    Auch hier wird Jarvis wieder regelrecht angehimmelt, er darf blumige und völlig unrealistische Gedanken ausbreiten (die arbeitslosen Journalisten in Berlin, hui, die hat er wahrgenommen) und Frau Seeliger hakt nie nach und stellt endlich mal diesen "Guru" selbst infrage. Aber das wäre ja Journalismus.

  • 16.04.2010 18:59 Uhr

    von hyttynen:

    Meinen aufrichtigen Dank für dieses Interview.

    Mich persönlich haben Jeff Jarvis Antworten auf einige neue Ideen zum Ausbau der eigenen Websites gebracht, die ich gleich am Wochenende in Angriff nehmen werde.

  • 16.04.2010 16:03 Uhr

    von tazitus:

    "Argh! Google ist nicht böse!.." [..] "Niemand weiß mehr über das Netz als Google, keiner ist da kompetenter. Wenn du sagst:" „Google ist böse“, hörst du dich an wie Axel Springer."

    Darf ich mal?
    Niemand weiß durch das Netz mehr als Google, keiner ist da konsequenter. Google ist nicht böse, Google ist (bereits) zu mächtig. Und darum ist Google wie Axel Springer.


  • 16.04.2010 14:59 Uhr

    von Name:

    Nun, daran könnte sich auch die taz ein Beispiel nehmen. Das veröffentlichen von Kommentaren könnte schneller vorangehen. Wenn nach mehreren Stunden ein Kommentar immer noch nicht freigeschaltet ist, dieser aber Bezug zu einem anderen Kommentar nimmt und sich daraus durchaus ein Meinungsaustausch stattfinden könnte, so wird dies durch die langen Zeiten unterbunden.

    Und zum Datenschutz äußert sich Jarvis doch vernünftig. Wir müssen die Entscheidungsgewalt besitzen, was mit unseren Daten passiert. Dann können wir Daten freigeben oder auch wieder "privatisieren" ohne, dass es Probleme gibt. Das Abtreten der Kontrolle über unsere Daten ist das Problem und nicht die mögliche Verfügbarkeit derselben. Denn wenn ich meine Daten kontrollieren kann, muss ich mich auch nicht sorgen, ob die korrekte Angabe meiner Daten z.B. in Kommentarfunktionen nicht letztlich zum Nachteil werden könnten. Aber dass Meinungsaustausch und Diskussion öffentlich sein müssen, ist doch eine gute Forderung.

    Was Google Street View angeht, so ist dies auf der einen Seite ein gutes Projekt, auf der anderen Seite muss aber auch hier jeder die Möglichkeit haben über seine Daten zu entscheiden. Diesen Spagat aus Öffentlichkeit und Privat müssen wir lernen, d.h. aber auch, dass wir erst mal Modelle brauchen, die uns da helfen könnten...

  • 16.04.2010 14:53 Uhr

    von Roboter:

    Sehr geehrte Kommentatoren und Mitleser

    Danke an Julia Seeliger für das INTERVIEW!(a penny for your thoughts)

    Zurück zu Jarvis.

    Ja! Herr Jeff Jarvis.

    Hier ein Beispiel warum sich Deutsche und Italiener nicht verstehen:

    italienisch Il sole (männlich) -> deutsch Die Sonne (weiblich)

    italienisch La luna (weiblich) -> deutsch Der Mond (männlich)

    Und noch was in englisch:

    Dear Mr.Jarvis

    You should stop talking before you talk yourself into a corner!


    Yours faithfully

    Robot

  • 16.04.2010 14:22 Uhr

    von Christian:

    Im ersten Teil stehen ein paar gute Tipps. Wann setzt die taz sie um? Es gibt hier kaum Interaktion zwischen Kommentatoren, wenn ich mir nicht aufschreibe, wo ich kommentiert habe und regelmäßig alle diese Artikel absuche, werde ich auch nie erfahren, wenn jemand auf einen meiner Kommentare reagiert hat. Die Artikelautoren tun das sowieso so gut wie nie, soviel zur Wertschätzung des Lesers. Eine Ignore- oder Bewertungsfunktion gibt es auch nicht. Übrigens wäre das für die Artikel genauso wertvoll wie für die Kommentare. Aber welcher taz-Autor lässt sich schon vom Pöbel reinreden?

  • 16.04.2010 13:31 Uhr

    von hto:

    Die Ursache aller Probleme unseres "Zusammenlebens" wie ein Krebsgeschwür, ist der im Zeitgeist nun "freiheitliche" Wettbewerb mit "gesundem" Konkurrenzdenken, für eine Menschheit in gleichermaßen unverarbeiter / MANIPULIERBARER Bewußtseinsschwäche in Angst, Gewalt und "Individualbewußtsein" / für eine multischizophrene "Gemeinschaft" in Neurosen und Psychosen, die für Kommunikation zahlt - "Als der Mensch anfing seine Toten zu bestatten, wurde er zum Mensch. Als er anfing auch daraus ein Geschäft zu machen, war seine Entwicklung für den Arsch!?"

  • 16.04.2010 13:30 Uhr

    von hto:

    Die Ursache aller Probleme unseres "Zusammenlebens" wie ein Krebsgeschwür, ist der im Zeitgeist nun "freiheitliche" Wettbewerb mit "gesundem" Konkurrenzdenken, für eine Menschheit in gleichermaßen unverarbeiter / MANIPULIERBARER Bewußtseinsschwäche in Angst, Gewalt und "Individualbewußtsein" / für eine multischizophrene "Gemeinschaft" in Neurosen und Psychosen, die für Kommunikation zahlt - "Als der Mensch anfing seine Toten zu bestatten, wurde er zum Mensch. Als er anfing auch daraus ein Geschäft zu machen, war seine Entwicklung für den Arsch!?"

  • 16.04.2010 13:21 Uhr

    von P.Haller:

    "Ja, bei euch liebt man den Datenschutz, geht aber in die Gemischtsauna. Das kann ich als Amerikaner nicht verstehen."

    Kann man diesen Menschen ernst nehmen ?
    Ich kann auch sehr viele Amis nicht verstehen, aber das hat andere Gründe.
    Ich denke, dass das z.B. hier in der taz bzgl. Kommentaren ganz gut funktioniert. Blöde Kommentare wird's immer geben, aber das ist auch gut so, denn dann hat man wenigstens mal was worüber man sich so richtig aufregen kann.
    Was habe ich denn davon, wenn die Kommentarseiten nur dazu da sind, um sich gegenseitig den Bauch zu pinsel ??

  • 16.04.2010 13:18 Uhr

    von W.Lorenzen-Pranger:

    "Leserkommentare verbessern den Journalismus, sagt Jeff Jarvis."

    *
    Warum lasst ihr denn dann so viele wichtige Kommentare erst gar nicht erscheinen?

  • 16.04.2010 13:17 Uhr

    von hto:

    Welcher Journalismus? Den der mit gegebener journalistischer "Neutralität" funktioniert?
    Was wird als Gut / was als Normal bezeichnet?

    "Wenn da welche sind, die einfach ihre Meinung an die Wand schmieren und dann davonrennen, ohne auf Gegenargumente einzugehen, dann wird es kritisch. Die netten Leute machen dann irgendwann nicht mehr mit. So sieht's zurzeit aus mit Leserkommentaren."

    Die "netten Leute" sind konsumautistisch an die konfusionierende Überproduktion von systemrationalem Kommunikationsmüll für den "freiheitlichen" Wettbewerb gewöhnt, und kapitulieren stets leichtfertig in gebildeter Suppenkaspermentalität vor allen systematischen Symptomatiken, vor allem vor den "Treuhändern und Experten" ihrer "demokratischen" Übertragung von Verantwortung durch Kreuzchen auf dem Blankoscheck!

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