Schon 1952 wusste der BND-Vorgänger "Organisation Gehlen", dass der Holocaust-Organisator Adolf Eichmann in Argentinien lebte. Doch es geschah nichts.von KLAUS HILLENBRAND

Adolf Eichmann am ersten Tag seines Prozesses in Jerusalem 1961. Bild: dpa
BERLIN taz | Der bundesdeutsche Geheimdienst wusste bereits im Jahre 1952, dass der gesuchte Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann unter falschem Namen in Argentinien lebte, unternahm aber nichts. Das geht aus einer Karteikarte des Bundesnachrichtendienstes (BND) hervor, die die Bild am Samstag veröffentlichte.
Danach war der "Organisation Gehlen", dem Vorgänger des BND, auch bekannt, wie man die Adresse Eichmanns hätte herausfinden können: "Die Adresse von E. ist beim Chefredakteur der deutschen Zeitung ,Der Weg' bekannt", heißt es auf der Karte. Als Deckname des ehemaligen SS-Obersturmbannführers nennt die BND-Karteikarte "Clemens". Tatsächlich nannte sich der Organisator des Mordes an sechs Millionen Juden im SS-Reichssicherheitshauptamt damals Ricardo Clement.
Die BND-Informationen blieben für Eichmann ohne Folgen. Dabei befand sich die Bundesrepublik in guter Gesellschaft. Der als "Nazijäger" bekannte Simon Wiesenthal informierte die israelischen Behörden 1953, dass Eichmann in Argentinien und nicht, wie damals vielfach behauptet, in Ägypten lebte. Nach Recherchen des israelischen Historikers Tom Segev blieb die Information aber unbeachtet und verlor sich in der Tel Aviver Bürokratie.
Tatsächlich kamen die Ermittlungen gegen Eichmann erst 1957 durch einen Zufall in Gang: Die Tochter eines in Buenos Aires lebenden ehemaligen KZ-Häftlings hatte einen Sohn Eichmanns kennen gelernt. Der Überlebende Lothar Hermann informierte daraufhin den hessischen Staatsanwalt Fritz Bauer, der die Nachricht an die israelische Regierung weitergab. Eichmann wurde daraufhin im Mai 1960 durch Zielfahnder des israelischen Geheimdienstes Mossad ergriffen und nach Israel gebracht. 1961 wurde er unter anderem wegen "Verbrechen gegen die Menschheit" zum Tode verurteilt. Am 31. Mai 1962 wurde Eichmann hingerichtet - das bisher einzige vollstreckte Todesurteil in Israel bis heute.
Die Bild hatte auf Herausgabe der BND-Akte über Eichmann geklagt. Ein Teil des Materials sei jetzt freigegeben worden, so die Zeitung. Ein Großteil soll aber vernichtet worden sein.
KLAUS HILLENBRAND
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Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
10.01.2011 12:36 | Querulant
@atypixx ...
10.01.2011 10:40 | Querulant
Klar, eine Krähe hackt der anderen doch kein Auge aus!
10.01.2011 10:37 | atypixx
Januar 2011. Die Karawane zog schon lange weiter. Steig aus dem Vorvorgestern aus, liebe taz. Es wird Zeit.