Iranische Menschenrechtsanwältin

Nasrin Sotoudeh erneut verhaftet

Die Sacharow-Preisträgerin verteidigt im Iran politisch Verfolgte und Aktivistinnen für Frauenrechte. Das passt dem Regime nicht.

Nasrin Sotoudeh

Wieder im Knast: die iranische Anwältin Nasrin Sotoudeh Foto: Abedin Taherkenareh

Die iranische Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotoudeh befindet sich erneut in Haft. Ihr Mann Resa Chandan teilte auf Facebook mit, dass die 55-Jährige am Mittwoch von Sicherheitsbeamten aus ihrer Wohnung verschleppt und ins berüchtigte Teheraner Evin-Gefängnis gebracht worden sei.

Zu den Gründen der Festnahme machte er keine Angaben. Er warf dem iranischen Staat vor, Kritiker festzunehmen, anstatt sich um das Wohl der Bevölkerung zu kümmern.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Anwältin, die sich zwischenzeitlich auch als Journalistin für die Rechte von Frauen und Kindern einsetzte, ins Gefängnis muss. Die 1963 geborene Sotoudeh ist eine der wenigen Frauen im Iran, die den Mut aufbringen, Menschenrechtsaktivisten und Dissidenten vor Gericht zu verteidigen.

Nicht selten werden in der Islamischen Republik Anwälte von Dissidenten selbst gerichtlich verfolgt. Zuletzt leistete Sotoudeh den jungen Frauen Rechtsbeistand, die in der Öffentlichkeit demonstrativ ihr Kopftuch abnahmen, um gegen die strikten Bekleidungsregeln im Mullahregime zu protestieren. Laut Polizei wurden dabei 29 Frauen festgenommen.

6 Jahre Haft, 10 Jahre Berufsverbot

Sotoudeh selbst hatte es 2011 getroffen. Wegen „Verstoß gegen die nationale Sicherheit und Propaganda gegen die Islamische Republik“ wurde sie zu sechs Jahren Haft und zehnjährigem Arbeitsverbot verurteilt. Zweimal trat sie im Gefängnis aus Protest gegen die schlechten Haftbedingungen in Hungerstreik. Sie war vollkommen isoliert, durfte nicht einmal ihre Tochter und ihren Sohn sehen.

Der tatsächliche Grund ihrer Verhaftung war wohl, dass die Anwältin Gefangene vor Gericht verteidigte, die 2009 im Zuge der Proteste gegen die umstrittene Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad festgenommen worden waren.

Gegen dieses harte Urteil legte das Europaparlament scharfen Protest ein und forderte die Islamische Republik Iran auf, Sotoudeh und alle anderen politischen Gefangenen sofort und ohne Bedingung freizulassen. 2013, kurz nach der Wahl von Präsident Hassan Rohani, wurde sie aus der Haft entlassen, 2014 ihr Arbeitsverbot aufgehoben.

Sacharow-Preisträgerin

Für ihren Mut und ihren Einsatz für politisch Verfolgte erhielt Sotoudeh im Jahr 2012 gemeinsam mit dem iranischen Filmemacher Jafar Panahi den Sacharow-Preis für Menschenrechte des Europäischen Parlaments. Bereits 2008 war sie von einer italienischen Menschenrechtsgruppe mit dem International Human Rights Award ausgezeichnet worden.

2011 erhielt sie vom florentinischen Stadtrat den Menschenrechtspreis der Stadt Florenz für ihren Kampf gegen rechtliche Diskriminierung von Frauen, ihre Verteidigung zum Tode verurteilter jungendlicher Straftäter und ihren Kampf für die Gleichberechtigung der Geschlechter in Iran.

Amnesty International verurteilte die Festnahme Sotudehs und sprach von einer empörenden Angriff auf eine mutige und produktive Verteidigerin von Menschenrechten.

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