• 19.11.2008

Interview über Primatenforschung

"Affen sind keine Nutztiere"

Tierversuche stoßen auf mehr Empörung als Schlachthöfe, sagt der Kulturwissenschaftler Thomas Macho. Ein Gespräch über das Verhältnis von Mensch und Tier, Folter und Tierliebe, Darwinismus und Religion.

  • 11.01.2009 14:09 Uhr

    von Elisabeth Petras:

    Wenn wir Tierrechtler darauf hinweisen, dass noch vor kurzer Zeit auch einigen Menschengruppen Rechte abgesprochen wurden, die ihnen selbstverständlich zustehen(!!!), so ist dies natürlich nicht als Abwertung dieser Menschengruppen zu verstehen.
    Es dient vielmehr als Hinweis darauf, dass das Bewusstsein von Menschen sich zum Positiven verändern kann. Darauf hoffen wir auch in Bezug auf die Tiere! Im Übrigen ist ein Quälen von Tieren schlimmer als das reine Töten und der Widerstand gegen die Massentierhaltung ist mindestens so groß wie der gegen Tierversuche.

  • 23.11.2008 21:23 Uhr

    von Ava Odoemena:

    Es ist dumm nicht nur Macho als Tierrechtler zu bezeichnen, sondern auch Tierrechtlern Rassismus zu unterstellen, nur weil wir die kulturell konstruierte Dichotomie Mensch/Tier ablehnen. Menschen *sind* Tiere, Säugetiere, seit wann ist die Nennung von biologischen Fakten rassistisch? Wie blöd muss man eigentlich sein, wenn man, wenn jemand die ethischen Rechte auf Nichtmenschen *ausdehnt*, diesen als Rassisten zu bezeichnen? Es wird Zeit, dass dieser Diffamierungsunsinn mal vor Gericht geklärt wird damit die Speziesisten so langsam zu erwägen beginnen, dass man in Leute nicht einfach hineintreten kann, nur weil sie Veganer sind. Es reicht!

    Der Vorwurf ist absurd: Es ist, als würde mich jemand als Sexist bezeichnen, weil ich von Frauenrechten auf Kinderrechte extrapoliere. So etwas kann nur jemand behaupten, der Kindern auch nicht die geringsten Rechte zugesteht, aus "gutem" Grund: Wer etwas wie ein Stück Objekt benutzen darf, hat sehr wenig Interesse dieses Privileg gegen Rechte (juristische oder ethische) für dieses "Objekt" einzutauschen.

    Die Ironie des Vorwurfs also: Es handelt sich um eine Projektion. Der Speziesist projiziert seinen "Tierrassismus" (also Speziesismus) auf vegane Tierrechtler, in dem er seinen Opfern die Rechte abspricht, die er eventuell für Menschen noch in Erwägung zieht.

    So entfernt ist der Speziesist, Tiere als Inhaber ethischer Rechte wahrzunehmen, dass er in einem Vergleich deren *Situation* mit der *Situation* von Menschen Rassismus vermutet! Das muss man sich mal reinziehen. Das machen die Tierbenutzer noch nichteinmal immer aus reiner Boshaftigkeit und Heimtücke, sondern rein aus einer kulturellen Selbstverständlichkeit heraus. Der Rassismus gegen Tiere ist so weit verbreitet, dass er unsichtbar ist. Die Reaktion gegen Tierrechtler ist also der heuchlerische Versuch, die Sichtbarmacher zum Schweigen zu bringen.

    Ein Tierrechtler der diese Bezeichnung zu Recht trägt, *kann* jedoch gar nicht rassistisch sein, da er eben die ethischen Rechte *aller* Tiere, *inklusive* des Menschen wahrnimmt und entsprechend handelt. Menschen sind Tiere. Wer diese simple Tatsache zur Kenntnis zu nehmen vermag, kann auch in dem Vergleich von Situationen nichts mehr anstößiges finden.

    Jedoch ist weder der Begriff vegan noch Tierrechte geschützt, es verwenden ihn viele Leute die das mit den Tierrechten noch rein gar nicht verstanden haben. Vor allem Tier*schützer* kolonisieren gerne die Tierrechte, obwohl das was sie wollen, die "schönere Ausbeutung", mit den Tierrechten nicht vereinbar ist.

    Was die Aussagen Machos bez. Veganismus betrifft: Hinter dem unsäglichen Rechtfertigungsgefasel winkt die Vorsteinzeit zum Gruße... Als ob es einer Frau was nützte, wenn der Täter sich bei ihr bedankt nachdem er sie vergewaltigt hat. Es ist bizarr die Übertretung ethischer Rechte zu rechtfertigen, indem man danach ein Phrasenritual abhält.

    Und eben die Kritik an derlei Analogien ist nichts weiter als der unlegitime Versuch, Tierrechtlern einen Maulkorb zu verpassen, denn gerade die Vergleiche machen schmerzhaft deutlich wie groß die Schande ist, die Tierbenutzer auf sich laden.

  • 22.11.2008 11:25 Uhr

    von Barbara:

    Es gelingt Herrn Macho nicht, aus dem sog. Mensch-Tier-Verhältnis schlüssige Folgen zu ziehen, da er die vermeintlichen Vorteile aus der Nutzung von Tieren nicht aufgeben will. Hier sind irrationale Gefühle und Affektiertheiten am Werk, weit weniger eine mit einem gesunden Empfindungsvermögen ausbalancierte Rationalität als Basis jeder humanen Entscheidung. Macho behauptet, dass es früher keine veganen Kulturen gegeben hätte. Doch noch heute findet man sie, z.B. die indischen Jainas oder das Wüstenvolk der Bishnoi. Je konkreter die mit der Nutzung einhergehende Ausbeutung der anderen Tiere angesprochen wird, an der man selbst zumindest partiell festhalten will, um so bröckliger wird das gesellschaftliche Selbstbild vom humanen Menschen als Norm. Deshalb vermeidet das Macho, erkennt aber, dass ein tierbenutzender Mensch sich keine Emotionen zum Tier erlauben darf, die die „Erlaubnis“ zur konkreten Benutzung in Frage stellen. Und die vermeintlich höheren Ziele des Menschen verbieten ihm ein konsequentes Hinterfragen nach dem Recht dieser Nutzung. Wer realisieren kann, was aus der Erde durch diese Denkweise bis heute geworden ist, kann vor dieser Arroganz nur den Kopf schütteln. Politisch unerwünschte Wahrnehmungsempfindungen werden ideologisch bis in ihr Gegenteil bearbeitet. Die Nazis benutzten dazu Tiere als Antipoden zum vermeintlich minderwertigen Menschen. Es ging den Nazis dabei lediglich um die Idealisierung ihrer eigenen vermeintlichen Höherwertigkeit und der Schaffung eines idealen Feindbildes. Wer auf dieser Skala spielen will, darf sich über die Folgen nicht wundern. Macho entlarvt seinen Standort durch diffamierende Begriffe wie „veganisch“ und „Zwangsneurotiker“. Was versteht er denn unter einem humanen Wesen? Seine ambivalente Haltung zeigt, dass er den künstlich geschaffenen Graben zwischen Menschen und anderen empfindenden Tieren noch längst nicht übersprungen hat und dies wohl auch nicht will. Deshalb muss er auch den fundamentalen Daseinsinteressen jeder Art nicht nachgehen. Tierrechte haben alleine über den zoologischen Faktor den größeren gemeinsamen Nenner als Menschenrechte, und sie ihnen gegenüber abzuwerten bedeutet nichts anderes, als sie jenseits des gemeinsamen Fundaments ansiedeln zu wollen, um die elitäre Ideologie der Menschenrechte behalten zu können. Wenn das menschliche Gehirn zudem kühl-berechnenden Abstraktionen und Zahlen, die den berücksichtigungsfähigen Verwandtschaftsgrad festlegen, Vorrang vor dem gibt, was am Menschen noch das beste wäre – nämlich seine grundsätzlich ausgeprägte Fähigkeit zur artübergreifenden Empathie und den dadurch ausgelösten Gerechtigkeitssinn - fragt man sich, ob im Elfenbeinturm der Wissenschaft diese Fähigkeiten inzwischen noch in ausreichendem Maß vorhanden sind.

  • 21.11.2008 17:41 Uhr

    von sunny:

    Ich bin Biologe, töte Stechmücken bin trotzdem veganer und kein Zwangsneurotiker.

    In seinem Interview wird Herr Macho wenig konkret wie er sich nun die Neugestaltung des Mensch Tier Verhältnis vorstellt. Er spricht sich dafür aus ein Folterverbot so scharf wie möglich zu fassen, wie das im Moment in einer nicht veganen Welt möglich ist verstehe ich aber nicht. Es sei denn wir lebten tatsächlich wieder wie Indianer, ich glaube dazu ist der Planet aber inzwischen zu dicht besiedelt und wie ich dem Opfer, dass hinter dem Trockenei im Aluminumverpackten Schokokuchen steckt Respekt entgegenbringen soll ist mir durch den Artikel auch nicht klar geworden.

  • 19.11.2008 16:04 Uhr

    von Andreas:

    ..unterirdisch bigotte Kommentare, für Genozide in Ruanda und anderswo interessiert sich keiner der achso mitfühlenden Europäer, Tier-Afrikaner-Vergleiche werden nicht einmal bemerkt und von wissenschaftlicher Argumentation hat hier auch noch nie jemand etwas verstanden, wahrscheinlich liegt am Ende auch noch das Steak auf dem Teller: geläuterte neue Welt, Deutsche, die hybriden Tierlieber.

  • 19.11.2008 13:41 Uhr

    von Heike-ingeborg Karwatzki:

    Als ich im Jahre 2003 mit meiner Presseerklärung erstmalig an die Öffentlichkeit gegangen bin, bestand meine Intention als Contergan-Opfer und Tierversuchsgegnerin vor allem darin, meine Mitmenschen für das unsägliche wie völlig unsinnige Leid sowohl der menschlichen Pharma-Opfer als auch derPharma-"Versuchs"-Tiere zu sensibillisieren. Anhand meiner schmerzlichen Erfahrungen mit der Wissenschaft, Industrie, Justiz, Politik, Medien und Presse komme ich unweigerlich zu dem Schluss:

    Tierschutz ist Menschenschutz!

    Niemand hat das Recht, sein Glück und Wohlbefinden auf das Unglück und Leid anderer Lebewesen (schließt alle Tiere mit ein) aufbauen. Unschuldiges, gesundes Leben gnadenlos auszubeuten, einzusperren, misszubilden bzw. bewusst und mutwillig auszulöschen, welches der Mensch nicht im Stande ist wieder hervorbringen zu können, ist und bleibt ein Verbrechen und eine christliche Schande dem Schöpfer und dem Leben gegenüber.Wir alle (einschließlich der Kirchen) tragen Verantwortung und Verpflichtung dafür, dass dieser lebensverachtenden Entwicklung unverzüglich ein Ende gesetzt wird - und jeder Mensch kann, nein, muß sogar auf seine Weise seinen Beitrag solidarisch dazu leisten.

    Aus diesem Grund möchte ich Sie herzlich wie eindringlich dazu ersuchen: Informieren Sie sowohl sich als auch Ihre Kollegen, Bekannte, Verwandte und Freunde fundiert über tierversuchsfreie Produkte, -Methoden etc..

    Bitte bedenken Sie: Sich fundiert zu informieren ist der erste und wichtigste wie konstruktivste Schritt, damit dieses kranke und vor allem desulate System überhaupt zerstört werden kann.

    Meine persönliche Meinung und Erfahrung teile ich mit Jane Goodall (Primaten Expertin) voll umfänglich:

    ZITAT

    "Die Tatsache,
    dass Tierversuche nicht aufhören,
    obwohl wir heute ein anderes Verständnis
    für das Wesen der Tiere haben,
    ist eine traurige wie beschämende Anklage gegen die Menschheit."
    (Jane Goodall)

    Gerade als Contergan-Opfer habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, mich mit aller Entschiedenheit für die Unversehrtheit des Lebens einzusetzen un die
    Menschen sehr eindringlich auf die Gefahren/Machenschaften von Tierversuchen bzw. REACH hinzuweisen bzw. dafür zu sensibilisieren.


    Ich hoffe daher inständig, dass das Ziel bald erreicht sein wird, für immer auf sämtliche Tierversuche zu verzichten. Mein persönliches Schicksal als Contergan-Opfer
    steht als eindringliche Mahnung und Warnung:

    Tierversuche sind keine Garantie für "das Wohl des Menschen!"

    Ich war und bin nicht dazu bereit, Tierversuche mitzufinanzieren und mit zu verantworten, da ich selbst als "Versuchstier missbraucht worden bin - darunter leide ich noch heute immens.

    Als ehemaliges menschliches "Versuchstier" gebe ich den Tieren meine Stimme! Darum möchte ich meine Mitmenschen ebenfalls sehr eindringlich ersuchen. Denn sowohl die Contergan-"Story " als auch Tierversuche bzw. REACH sind wissenschaftlicher, politischer und juristischer Betrug! Mit zusätzlichen Tierversuchen wäre Contergan in jedem Fall auf den Markt gekommen und die menschliche Tragödie - die absolut einem Verbrechen gleichzusetzen ist - wäre trotzdem passiert! Wir, die "Contergan"-Opfer wurden nämlich ganz bewusst von der Pharmaindustrie, Politik und Justiz verkauft.

    Mit freundlichen Grüßen

    Heike-Ingeborg Karwatzki - Contergan-Opfer & Tierversuchsgegnerin

  • 19.11.2008 10:02 Uhr

    von Jöran:

    Bereits an der Verwendung des nicht existenten Wortes "veganisch" kann man sehen, dass sich hier nicht wirklich mit dem Thema befasst wurde und scheinbar keinerlei Hintergrundwissen zugrunde liegt. Da verkommen Veganer leider schnell zu Zwangsneurotikern und die Linke zu einem engstirnigem Haufen voller Halbweisen mit Scheuklappen.

    Enttäuschend!

  • 19.11.2008 08:52 Uhr

    von Tobias Hagenbäumer:

    Das Einbeziehen der Tiere in den „Empathiekreis“ der eigenen Wahrnehmung sollte dazu führen, dass Verhältnis vom sog. Mensch und vom sog. Tier zu überdenken. Dieses wäre der erste Schritt zu einem ethischen Bewusstsein. Das Akzeptieren der Verwandtschaft zwischen den „Lebenden“ sollte dabei nicht bei der Verantwortung, sich für Gewalt gegen schwächere Individuum zu entschuldigen, stehen bleiben. Vielmehr sollte ein ethisches Bewusstsein uns dahin führen, Gewalt als eine universelle Ungerechtigkeit aller „Lebenden“ zu empfinden und abzulehnen. Wer also Verantwortung für Tiere und ihr trauriges Leben in unserer Gesellschaft zwischen Massentierhaltung und Schlachthof übernehmen will, sollte sich vegan ernähren.

  • 19.11.2008 07:28 Uhr

    von Antonietta:

    Versuche an Affen sind aus ethischen Gründen zu verbieten. Es gibt keine Rechtfertigung für diese Experimente. Versuche an Affen liefern keine Ergebnisse, die vorbehaltlos auf den Menschen übertragen werden können. Versuche an Affen führen in der Forschung nicht weiter und müssen deshalb auch aus methodischen Gründen abgeschafft werden. Denn die falschen Rückschlüsse, die aus Tierexperimenten gezogen werden, dienen nicht selten der Rechtfertigung, für den Menschen schädliche Produkte oder Technologien auf den Markt zu bringen. Wir brauchen nicht mehr Tierversuche, sondern neue, intelligente Lösungsansätze. Tierversuchsfreie Forschungsmethoden bieten solche Möglichkeiten. Deshalb müssen finanzielle und personelle Mittel, die bisher ganz selbstverständlich in Tierexperimente geflossen sind, für eine tierversuchsfreie Forschung freigegeben werden.

  • 18.11.2008 18:46 Uhr

    von Andreas:

    "..so wie ehemals die Afrikaner"- bezeichnend, dass die taz solche Interviewpointen unkommentiert laesst, das Rodolf-Bahro-Gespenst lebt noch immer an der Humboldt-Uni und die rassistischen Implikationen der Tierrechtler muss man heute mit akademischen Weihen 'goutieren', unaushaltbar.

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