• 19.03.2010

Interview mit einem Experten für erzieherische Hilfen

"Heimerziehung wird wieder härter"

Nach Niedersachsen debattiert nun Schleswig-Holstein über ein geschlossenes Heim. Josef Koch, Experte für erzieherische Hilfen, sieht darin keinen Sinn und fürchtet negative Folgen für alle Heime.von Kaija Kutter

  • 20.03.2010 23:07 Uhr

    von Daniel J. K.:

    Hallo, mein Name ist Daniel und bin 29 Jahre alt. Ich war von 96 bis 99 in einem Heim für schwer erziehbare Jugendliche untergebracht. Warum? Ich lebte zehn Jahre bei Pflegeeltern , die haben dann auf einmal ein eigenes Kind bekommen. So war ich für die Gesellschaft und den Staat schwer erziehbar.
    Zum Tehma:
    Ich bin der Meinung das man schwer erziehbare Jugendliche für einige Zeit mal etwas mehr kontrollieren sollte, wenn ich das so sagen darf.
    Aber nicht um sie zu bestrafen! Sondern um die Kids zu schützen!

    Die Heimerziehung wird so nicht härter, dafür sorgen die Jugendlichen schon selber.
    Geschlossenes Heim hin oder her, wenn ein Jugendlicher gehen will, dann geht er (einfach).
    Wenn der Staat das unterbinden wollte, dann müsste er die Jugendlichen in das Gefängnis sperren.

    Solche Kids brauchen intensive Betreuung und vor allem Respektspersonen. Betreutes Freizeitangebot und Psychologische Unterstützung.
    Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen das die Fähigkeiten der Betreuer sehr zu wünschen übrig gelassen haben. Die sind einfach überfordert, was ich auch verstehen kann. Einigen von den Betreuern sind auch einfach nur die Hände gebunden...
    In meinen dreieinhalb Jahren hat mich nie ein Erwachsener gefragt wie es mir geht oder so.

    Die Soziale Herkunft, die schnellebige Gesellschafft, mediale Reizüberflutung und vorallem die fehlenden Respektspersonen, das sind genau die Sachen die den Kids heute zu schaffen machen.
    Wir haben ein Gesellschaftsproblem...!


    ich lese jeden Tag die taz, weil sie zweimal nach fragt. Weiter so....

  • 20.03.2010 10:43 Uhr

    von Markus Enser:

    Sehr geehrte Fr. Kutter,

    ich fände es hilfreich für eine angemessene Diskussion über die sogenannte geschlossene Unterbringung nach 1631 b BGB, wenn Sie nicht nur einen Kritiker dieser Sonderform der Jugendhilfe interviewen würden. Ich lade Sie gerne ein, eine Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung zu besuchen, die diese Jugendhilfemaßnahme anbietet, damit Sie sich ein differenziertes Bild machen können, ansonsten wirkt die Berichterstattung sehr einseitig.

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. Markus Enser
    Leiter des Pädagogisch-Therapeutischen-Intensivbereichs der Rummelsberger Dienste für junge Menschen (bei Nürnberg)

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