• 27.05.2010

Internationaler Radprofiverband

Meister Proper-Propaganda

Lance Armstrong ist beim Giro dItalia nicht am Start. Doch er ist omnipräsent. Es geht um einen angeblichen Positivtest und eine Spende an den internationalen Verband.von TOM MUSTROPH

Das Erdbeben, das Floyd Landis' Dopingbekenntnis ausgelöst hat, hinterlässt inzwischen auch beim Giro d'Italia seine Spuren. Zwar ist nicht jede Aussage des Amerikaners von bestechender Präzision. Sein Landsmann Lance Armstrong kann im Jahr 2002 gar keine positive Dopingprobe bei der Tour de Suisse mit Hilfe der UCI vertuscht haben, wie Landis ihm dies per Rundmail vorwarf. Armstrong gewann die Schweizer Landesrundfahrt 2001 und nahm 2002 nicht an ihr teil. Dennoch fühlte sich UCI-Präsident Pat McQuaid höchstpersönlich bemüßigt, dem Giro d'Italia ausgerechnet auf dem nur mit Hubschrauber, Zweirad oder Seilbahn zu erreichenden Kronplatz seine Aufwartung zu machen und dort darzulegen, dass es weder 2002 noch 2001 eine vertuschte positive Probe gegeben haben könne. Der Ire brachte einen ganzen Packen Papier mit, der den ordnungsgemäßen Meldeweg aller positiven Analyseergebnisse der Kontrolllabors aus Chatenay-Malabry und Lausanne belegte.

Eine andere Papierspur ließ allerdings beträchtlichen Interpretationsspielraum zu. McQuaid bestätigte eine Spende in Höhe von 100.000 Dollar von Armstrong an die UCI. Die soll allerdings nicht zeitnah zur verdächtigten Tour de Suisse 2001 geflossen sein, sondern 2002. "Lance Armstrong und Johan Bruyneel besichtigten damals das kurz zuvor eröffnete Radsportzentrum der UCI in Aigle. Sie waren beeindruckt von der Anlage und offerierten eine Spende von 100.000 Dollar. Die UCI erwarb 2002 von diesem Geld eine Sysmex-Maschine für ca. 88.000 Dollar", erklärte McQuaid am Kronplatz. Die Firma Sysmex stellt medizinische Analyse-Apparate her. Interessant ist nun aber, dass die UCI erst 2005 feststellte, dass die 100.000 Dollar von Armstrong gar nicht auf den Konten des Weltverbandes eingegangen waren. Armstrong zahlte erst 2005. Aus welchem Etat die Sysmex-Maschine drei Jahre zuvor gekauft worden war, erzählte McQuaid nicht. Diese lässige Haushaltsführung trägt nicht unbedingt zur Vertrauensbildung bei. Und die offensichtliche geschäftliche Nähe zwischen einem der wichtigsten, aber eben auch mit zweifelhaftem Ruf versehenen Protagonisten der Szene und einem Verband, der eigentlich Äquidistanz zu allen Beteiligten wahren sollte, wirft weiteres schlechtes Licht auf die Szene.

Auf das Geld, das die UCI laut der nach der Operacion Fuentes eingeführten Ethik-Klausel von den ertappten Dopingsündern der letzten Jahre zu erwarten hat, bemüht sich der Weltverband im Übrigen eher zögerlich. "Wir warten die Entscheidung des Cas bezüglich einer Klage von Michael Rasmussen ab", sagte McQuaid beim Giro. Rasmussen ficht das Recht der UCI auf Geldstrafen bei Verletzungen des Ethik-Codes vor dem Internationalen Sportgerichtshof an. Wie viel erwischte Doper überhaupt schon gezahlt haben, war von der UCI nicht zu erfahren.

Immerhin deutete McQuaid an, den US-amerikanischen Radsportverband zu Untersuchungen im Falle Armstrong bewegt zu haben. "Getreu seinen Statuten hat der amerikanische Verband diese Aufgabe der Antidopingagentur USADA übertragen", sagte er. Landis behauptet, Armstrong - und Teamchef Johan Bruyneel - hätten ihn in die Praxis des Dopings eingeführt. Auf Initiative der UCI werden jetzt auch der belgische Verband im Falle Bruyneels, der französische im Falle John Lelangues, der kanadische bezüglich Michael Barrys und der australische bezüglich Matthew Whites tätig, erklärte McQuaid. Landis beschuldigt seine früheren Fahrerkollegen Barry und White, mit ihm gemeinsam gedopt zu haben. Ex-Phonak-Manager Lelangue soll von Landis' Dopingaktivitäten gewusst haben. Lelangue, der jetzt beim Giro das Team BMC Racing betreute, darf sich der vollen Unterstützung seines neuen Arbeitgebers erfreuen. "Das Team will ihm helfen, die Beschuldigungen von Landis zu entkräften", sagte BMC-Direktor Jim Ochowicz. Team Sky, das in diesem Jahr mit einem Saubermann-Image in die Rennszene eingestiegen ist, vertraut weiter Michael Barry als Fahrer. Matthew White, jetzt sportlicher Leiter bei Team Garmin - ebenfalls ein Rennstall mit Meister Proper-Propaganda -, sagte beim Giro: "Zum jetzigen Stand der Ermittlungen sage ich nichts."

Da wirkte es geradezu rührend, dass UCI-Boss Pat McQuaid die Dominatoren der letzten Tage des Giros, den BMC-Profi Cadel Evans und den Dopingsperrenzurückkehrer Ivan Basso, als "hundertprozentig sauber" deklarierte. Wenn sie im gleichen Maße sauber sind, wie das Finanzgebaren der UCI transparent ist, dann hat sich im Radsport wirklich nicht viel geändert.

Dieser Artikel ...

ist mir was wert!