• 04.11.2009

Ikea-Ansiedlung

Ein Bürgerbegehren zu viel

Ikea-Gegner sprechen den Ikea-Befürwortern die Berechtigung ab, ein Bürgerbegehren durchzuführen. Sie wollen dieses juristisch verhindern.von Marco Carini

  • 31.12.2009 16:21 Uhr

    von Lothar de Decker:

    In der Benachrichtigung über den Bürgerentscheid "PRO IKEA", die den Altonaer Haushalten zum Jahresausklang vom Bezirksamt Altona zugeschickt wurde, heißt es in der Information zur Vorlage des Bürgerbegehrens:
    1. Das Frappant muss weg.
    2. 350 neue Arbeitsplätze werden geschaffen.
    3. Die Nahversorgung der Bevölkerung wird
    erheblich verbessert.
    4. Interessante Einzelhandelsgeschäfte werden sich
    in Folge der IKEA-Ansiedlung hier wieder
    etablieren.
    5. Der ganze Stadtteil wird wieder attraktiver und
    belebter.
    6. Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr
    ist sehr gut. Das sollten wir für ein
    umsatzstarkes Einrichtungshaus nutzen.

    Zu 1. Zur Zeit wohnen und arbeiten viele Menschen im alten Karstadt-Gebäude, u.a. Künstler, Architekten etc. Eine sehr illustre Gesellschaft! Die "Bausünde der 1970er Jahre" könnte - aufgefrischt durch einen "individuellen" Anstrich, als eine Art Kulturdenkmal erhalten bleiben und dürfte für weitere kreative Menschen ein neuer und bezahlbarer (Mieten!) Arbeitsplatz werden.
    Zu 2. Arbeitsplätze "um jeden Preis" werden vielleicht geschaffen - aber "zu welchem Preis"? Was würden die neuen Mitarbeiter verdienen? Hier wie überall wird die Forderung nach Mindestlöhnen laut (oder - noch besser - ein Bedingungsloses Grundeinkommen -, damit "Lohnsklaverei" von vornherein unterbunden wird).
    Zu 3. Welche Nahversorgung soll verbessert werden? In Hamburg gibt es zwei große Ikea-Geschäfte, die für die Nahversorgung bereits bestens sorgen.
    Zu 4. Inwieweit Einzelhandelsgeschäfte sich tatsächlich etablieren, bleibt abzuwarten. Das ist völlig offen, denn möglicherweise wollen Menschen nur bei Ikea einkaufen, vielleicht dort noch etwas essen (weil es billig ist) - um dann sofort wieder von dannen zu ziehen. Andere Sachen werden möglicherweise ganz woanders gekauft und nicht unbedingt in Altona.
    Zu 5. Der Stadtteil wird in der Tat "belebt", aber nicht attraktiver oder beliebter! Es werden täglich tausende Kunden erwartet. Viele von ihnen lassen ihr liebstes Stück, das Auto, nicht in der Garage stehen. Also: Eine "Belebung" mit viel Lärm, Gedrängel, Stress und Abgasen, die vor allem die Anwohner zu spüren bekommen.
    Zu 6. Viele Käufer werden den öffentlichen Nahverkehr nicht nutzen, sondern aus Gründen der Bequemlichkeit ihre Einkäufe mit dem Auto tätigen. Viele Straßen der Umgebung werden zugeparkt, der Ikea eigene Parkplatz (850) könnte sehr schnell überfordert sein.
    7. Last but not least: Das neue Gebäude von Ikea soll viel größer und höher werden als das jetzige Frappant. Ein gigantischer, gelber Riese! Möchten Sie, liebe Leser, dort wohnen? Nein! Aber dort wohnen bereits viele Menschen! Die Frage lautet: Cui bono - für wen lohnt sich das Ganze in erster
    Linie? Für Ingvar Kamprad, den Ikea-Gründer! Wie heißt es doch so treffend in einem sehr bekannten Buch: "Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat" (Matth. 13,12).

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