Bereits unter den Gründungsvätern der Odenwaldschule – Paul Geheeb und Gustav Wyneken – herrschte sexuelle Gier, organisatorisches Chaos und Kameradschaft als Falle.von Christian Füller
Sie schreiben: "von Susan: @ Therese Kosowski Bitte lesen Sie (nochmal?) den im März erschienen taz-Artikel von Meike Sophia Baader: Das Ende des Schweigens. (...) 17 Gedanken zur Missbrauchsdebatte."
Ich bin auch von Fach. Auch habe ich genauestens "Symposion" (Das Gastmahl) von Platon studiert, was ich Ihnen auch empfehle. Verraten kann ich Ihnen nur, dass "Symposion" mehrere Schichten hat und man sich durch diese bis zum Kern durcharbeiten muss.
Gruß
11.07.2010 11:23 Uhr
von systemix:
@Rita: dieser Begriff des "pädagogischen Eros" hat für mich etwas von Naturapostel mit Kneippsandalen, Klampfe und Jugendburg incl. Lesung mit Hans Blüher. Gehört habe ich ihn als Schüler in der 11. Klasse aus dem Munde eines Vaters, der natürlich ein strenger Psychoanalytiker war. Da kommt der Begriff hergelaufen, aus dem verstaubten Zeitalter Sigmund Freuds. Dort sollte er auch archiviert bleiben, wie eben auch die veraltete Psychoanalyse.
Heute erkennt die Psychologie eben die Kommunikation als Bindeglied zwischen Menschen an. Es gibt verschiedene wissenschaftliche Methoden und Kriterien Kommunikation zu beurteilen und zu fördern. Ohne eine intensive Kommunikation zwischen Schüler und Lehrer ist kein Lernen möglich. Die Neoliberalen, welche heute die Bildungspolitik dominieren, wollen natürlich nur reine Wissensvermittlung, die die zukünftigen Untergebenen zu einem betriebswirtschaftlich optimalen Arbeitsergebnis führt. Dummerweise wird dabei immer der Faktor Mensch vergessen, der schon manchem "top aufgestelltem" Unternehmen eine Insolvenz bescherte.
Ebenso ist der pädagogische Ertrag besonders an die Tiefe und Authenzität einer Kommunikation zwischen Schüler und Lehrer geknüpft. Die derzeitige Kampagne zielt eher auf eine gezielte Verunglimpfung und Hetze den Lehrerstand betreffend, weil im Schulunterricht neben dem kaufmännischen auch gesellschaftskritisches Wissen vermittelt wird. Das ist aber für die Neoliberalen gefährlicher als islamistischer Terrorismus.
Wem das alles zu abgehoben ist, dem sei gesagt, dass auf mich meine Grundschullehrerin bis zur 6. Klasse, Mutter von sieben Kindern, den prägendsten Einfluss hatte und von der ich mir auch vieles abgeschaut habe, was ich heute im Unterricht anwende. Ihre Art kam der jetzt so beschimpften Reformpädagogik sehr nahe. Wir Kinder wurden von ihr ernst genommen und hatten auch früh Verantwortung zu übernehmen für uns selbst und unsere Klassenkameraden. Wie in einer Großfamilie halt.
09.07.2010 12:07 Uhr
von Susan:
@ Therese Kosowski Bitte lesen Sie (nochmal?) den im März erschienen taz-Artikel von Meike Sophia Baader: Das Ende des Schweigens. (...) 17 Gedanken zur Missbrauchsdebatte.
Die Autorin ist Professorin für Allgemeine Erziehungswissenschaft an der Universität Hildesheim, also vom Fach. Eindrucksvoll zeichnet sie die Geschichte der Idee vom "pädagogischen Eros" nach und entlarvt ihn als das, was er leider nicht ist und niemals war: die beste Voraussetzung für eine konstruktive Lernathmosphäre. Im Gegenteil! Und das muss endlich verstanden werden!
09.07.2010 10:08 Uhr
von cif:
@xyz da haben sie nicht richtig geguckt: die wahrheit hat open end
08.07.2010 13:33 Uhr
von BIFFF...:
... und wieder werden beim Stichwort "Verführung" die intensiven Beziehungen Geheebs zu herausragenden Nazi-Ideologen verschwiegen. Selbst Näf musste sich darüber erst von uns belehren lassen: http://www.bifff-berlin.de/McBIFFF_14.html
07.07.2010 21:33 Uhr
von Therese Kosowski:
Der pädagogische Eros ist in seinem Wesen die hohe Gefühlslage zwischen dem Schüler und seinem Lehrer, die eine Voraussetzung dafür ist, dass der Schüler lernen mag und es dem Lehrer wichtig ist, dem Schüler das Wissen zu vermitteln. Ohne diese Gefühle, die unmittelbar Einfluss auf die Motivation sowohl des Lehrers als auch des Schülers nehmen, sind Erziehung und Didaktik nicht möglich.
Der „pädagogische Eros“, jedoch verstanden als „körperliche Anziehung“, ist zu einem Element der deutschen Reformpädagogik – einer Erziehungskunst! – geworden: Überschreiten der Grenze zur Päderastie war geradezu zwangsläufig, und über viele Jahre gängige Praxis. Fatale Fehldeutung des Begriffs Eros!
07.07.2010 18:11 Uhr
von ixmox:
" Verwahrlosung " unter Becker, das ist mal wieder reißerischer Blödsinn der allein auf Quote, sprich Auflage aus ist. Also ehrlich ... hat die taz das nötig ? Bin gespannt auf die Artikel nach der 100 Jahrfeier ... was kramt die taz dann wohl aus ? Vielleicht, das Beate Uhse, immerhin Altschülerin, schon damals dort Ihren Trieb ausgelebt hat ... ?
07.07.2010 17:37 Uhr
von gutzibau:
Die Vorwürfe gegenüber Gerold Becker betreffend des sexuellen Missbrauchs stehen ausser Frage, ihm aber gleichzeitig zu unterstellen, er hätte die Odenwaldschule verwahrlosen lassen, entspringt wieder einmal journalistisch-TAZ'scher Selbstgefälligkeit. Hört sich aber gut an...
07.07.2010 17:26 Uhr
von Rita:
Ist nicht das Grundproblem der reformpädagogischen Strömungen immer schon dieses völlig überidealisierte Menschenbild gewesen? In einer Arbeit über die Waldorfpädagogik hat der Psychoanalytiker und Schulpsychologe Fritz Beckmannshagen diese Problematik sehr eingehend beleuchtet. Die Schattenseite wird so stark geleugnet, dass am Ende nicht sein kann, was nicht sein darf.
In der Odenwaldschule führte die Idealisierung der Vaterfiguren zur Leugnung, dass "Superpädagogen" gleichzeitig auch Ausnutzer und Übergreifer sein konnten. Der Mensch ist eben nicht nur gut und auch die "Pädagogik vom Kind her" ist nicht automatisch immer nur gut. Der Begriff ist ohnehin völlig schwammig, weil darunter von verschiedenen Strömungen teilweise völlig unterschiedliche Konzepte verstanden werden, die sich teilweise wiederum widersprechen.
07.07.2010 17:24 Uhr
von xyz:
Laut programm 1 stunde wahrheit am freitag.Wenn man jetzt noch die redezeit von herrn deckers und frau tillman bedenkt rechnet man wohl nicht mit all zuviel wahrheit bzw. statements.
Leserkommentare
24.07.2010 20:46 Uhr
von Therese Kosowski:
@ Susan:
Sie schreiben:
"von Susan:
@ Therese Kosowski
Bitte lesen Sie (nochmal?) den im März erschienen taz-Artikel von Meike Sophia Baader: Das Ende des Schweigens. (...) 17 Gedanken zur Missbrauchsdebatte."
Ich bin auch von Fach. Auch habe ich genauestens "Symposion" (Das Gastmahl) von Platon studiert, was ich Ihnen auch empfehle. Verraten kann ich Ihnen nur, dass "Symposion" mehrere Schichten hat und man sich durch diese bis zum Kern durcharbeiten muss.
Gruß
11.07.2010 11:23 Uhr
von systemix:
@Rita: dieser Begriff des "pädagogischen Eros" hat für mich etwas von Naturapostel mit Kneippsandalen, Klampfe und Jugendburg incl. Lesung mit Hans Blüher. Gehört habe ich ihn als Schüler in der 11. Klasse aus dem Munde eines Vaters, der natürlich ein strenger Psychoanalytiker war. Da kommt der Begriff hergelaufen, aus dem verstaubten Zeitalter Sigmund Freuds. Dort sollte er auch archiviert bleiben, wie eben auch die veraltete Psychoanalyse.
Heute erkennt die Psychologie eben die Kommunikation als Bindeglied zwischen Menschen an. Es gibt verschiedene wissenschaftliche Methoden und Kriterien Kommunikation zu beurteilen und zu fördern. Ohne eine intensive Kommunikation zwischen Schüler und Lehrer ist kein Lernen möglich. Die Neoliberalen, welche heute die Bildungspolitik dominieren, wollen natürlich nur reine Wissensvermittlung, die die zukünftigen Untergebenen zu einem betriebswirtschaftlich optimalen Arbeitsergebnis führt. Dummerweise wird dabei immer der Faktor Mensch vergessen, der schon manchem "top aufgestelltem" Unternehmen eine Insolvenz bescherte.
Ebenso ist der pädagogische Ertrag besonders an die Tiefe und Authenzität einer Kommunikation zwischen Schüler und Lehrer geknüpft. Die derzeitige Kampagne zielt eher auf eine gezielte Verunglimpfung und Hetze den Lehrerstand betreffend, weil im Schulunterricht neben dem kaufmännischen auch gesellschaftskritisches Wissen vermittelt wird. Das ist aber für die Neoliberalen gefährlicher als islamistischer Terrorismus.
Wem das alles zu abgehoben ist, dem sei gesagt, dass auf mich meine Grundschullehrerin bis zur 6. Klasse, Mutter von sieben Kindern, den prägendsten Einfluss hatte und von der ich mir auch vieles abgeschaut habe, was ich heute im Unterricht anwende. Ihre Art kam der jetzt so beschimpften Reformpädagogik sehr nahe. Wir Kinder wurden von ihr ernst genommen und hatten auch früh Verantwortung zu übernehmen für uns selbst und unsere Klassenkameraden. Wie in einer Großfamilie halt.
09.07.2010 12:07 Uhr
von Susan:
@ Therese Kosowski
Bitte lesen Sie (nochmal?) den im März erschienen taz-Artikel von Meike Sophia Baader: Das Ende des Schweigens. (...) 17 Gedanken zur Missbrauchsdebatte.
http://www.taz.de/1/zukunft/bildung/artikel/1/das-ende-des-schweigens/
Die Autorin ist Professorin für Allgemeine Erziehungswissenschaft an der Universität Hildesheim, also vom Fach. Eindrucksvoll zeichnet sie die Geschichte der Idee vom "pädagogischen Eros" nach und entlarvt ihn als das, was er leider nicht ist und niemals war: die beste Voraussetzung für eine konstruktive Lernathmosphäre. Im Gegenteil! Und das muss endlich verstanden werden!
09.07.2010 10:08 Uhr
von cif:
@xyz da haben sie nicht richtig geguckt: die wahrheit hat open end
08.07.2010 13:33 Uhr
von BIFFF...:
... und wieder werden beim Stichwort "Verführung" die intensiven Beziehungen Geheebs zu herausragenden Nazi-Ideologen verschwiegen. Selbst Näf musste sich darüber erst von uns belehren lassen:
http://www.bifff-berlin.de/McBIFFF_14.html
07.07.2010 21:33 Uhr
von Therese Kosowski:
Der pädagogische Eros ist in seinem Wesen die hohe Gefühlslage zwischen dem Schüler und seinem Lehrer, die eine Voraussetzung dafür ist, dass der Schüler lernen mag und es dem Lehrer wichtig ist, dem Schüler das Wissen zu vermitteln. Ohne diese Gefühle, die unmittelbar Einfluss auf die Motivation sowohl des Lehrers als auch des Schülers nehmen, sind Erziehung und Didaktik nicht möglich.
Der „pädagogische Eros“, jedoch verstanden als „körperliche Anziehung“, ist zu einem Element der deutschen Reformpädagogik – einer Erziehungskunst! – geworden: Überschreiten der Grenze zur Päderastie war geradezu zwangsläufig, und über viele Jahre gängige Praxis. Fatale Fehldeutung des Begriffs Eros!
07.07.2010 18:11 Uhr
von ixmox:
" Verwahrlosung " unter Becker, das ist mal wieder reißerischer Blödsinn der allein auf Quote, sprich Auflage aus ist. Also ehrlich ... hat die taz das nötig ? Bin gespannt auf die Artikel nach der 100 Jahrfeier ... was kramt die taz dann wohl aus ?
Vielleicht, das Beate Uhse, immerhin Altschülerin, schon damals dort Ihren Trieb ausgelebt hat ... ?
07.07.2010 17:37 Uhr
von gutzibau:
Die Vorwürfe gegenüber Gerold Becker betreffend des sexuellen Missbrauchs stehen ausser Frage, ihm aber gleichzeitig zu unterstellen, er hätte die Odenwaldschule verwahrlosen lassen, entspringt wieder einmal journalistisch-TAZ'scher Selbstgefälligkeit. Hört sich aber gut an...
07.07.2010 17:26 Uhr
von Rita:
Ist nicht das Grundproblem der reformpädagogischen Strömungen immer schon dieses völlig überidealisierte Menschenbild gewesen? In einer Arbeit über die Waldorfpädagogik hat der Psychoanalytiker und Schulpsychologe Fritz Beckmannshagen diese Problematik sehr eingehend beleuchtet. Die Schattenseite wird so stark geleugnet, dass am Ende nicht sein kann, was nicht sein darf.
In der Odenwaldschule führte die Idealisierung der Vaterfiguren zur Leugnung, dass "Superpädagogen" gleichzeitig auch Ausnutzer und Übergreifer sein konnten. Der Mensch ist eben nicht nur gut und auch die "Pädagogik vom Kind her" ist nicht automatisch immer nur gut. Der Begriff ist ohnehin völlig schwammig, weil darunter von verschiedenen Strömungen teilweise völlig unterschiedliche Konzepte verstanden werden, die sich teilweise wiederum widersprechen.
07.07.2010 17:24 Uhr
von xyz:
Laut programm 1 stunde wahrheit am freitag.Wenn man jetzt noch die redezeit von herrn deckers und frau tillman bedenkt rechnet man wohl nicht mit all zuviel wahrheit bzw. statements.