Heiner Flassbeck zur Finanzkrise
"Wir sind in einer dramatischen Lage"
Auch die Europäische Zentralbank muss die Geldpresse anwerfen, sagt Heiner Flassbeck, Chefökonom der UN-Welthandels- und Entwicklungskonferenz. Eine Inflation drohe aber nicht.von Ulrike Herrmann
Leserkommentare
31.03.2009 19:03 Uhr
von F. D.:
Die Geldpolitik sollte ausschließlich für die Geldwertstabilität verantwortlich sein und sonst nichts. Leider ist dies immer noch nicht verstanden worden. Die jetzige Wirtschaftkrise ist eine Verschuldungskrise, hervorgerufen durch eine unkontrollierte Kreditexpansion. Die Ursache dieser Kreditexpansion beruht auf der Fähigkeit der Geldschöpfung durch die Geschäftbanken. Genau hier setzt das Vollgeld nach Prof. Huber an. Ohne die Verschuldungsorgie hätten wir die jetzigen Probleme nicht. Man sollte daher auf keinen Fall die Probleme mit der Notenpresse lösen wollen. Wenn die Produktion jetzt einbricht, so bedeutet dies schlicht ein Fehlen von Nachfrage. Um den Hang zur Liquidität zu beseitigen braucht jedoch nicht, wie Ludwig Paul Häußner glaubt, die Inflation gesteigert zu werden. Es bedarf eines Anreizes das Geld auszugeben. Die Abwrackprämie zeigt hier in die richtige Richtung. Wer eigens Geld ausgibt bekommt von Staat einen Zuschuss. Diesen Zuschuss muss der Staat durch STEUERN finanziert werden. Die Abwrackprämie wird durch die Mehrwertsteuer beim Kauf eines Neuwagens finanziert. Ein Konjunkturprogramm kann somit auch ohne Verschuldung finanziert werden.
Vollgeld nach Prof. Huber
http://www.soziologie.uni-halle.de/publikationen/pdf/0405.pdf
20.03.2009 12:08 Uhr
von Thomas Adler:
Irrtum, neues Geld ist keine Schuld. Eine Erhöhung der Geldmenge senkt den Wert des Geldes und somit auch den Wert der Schulden. Und wie sagte schon Helmut Schmidt: "Mir sind 5% Inflation lieber als 5% Arbeitslosigkeit."
20.03.2009 09:48 Uhr
von Ludwig Paul Häußner:
Raus aus dem Vorhof einer verheerenden Deflation!
Ich kann Herrn Flassbecks Äußerungen im Großen und Ganzen zustimmen. Doch ausgehend von der Fisherschen Verkehrsgleichung gibt es Möglichkeiten die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise durch eine Geld-, Steuer- und Bodenreform zu überwinden:
G X U = H x P (Fishersche Verkehrsgleichung):
G = Geldmenge, U = Umlaufgeschindigkeit des Geldes, H = Handelsvolumen und P = Preisniveau.
Annahme 1 (Ausgangslage): G = 5 und U = 4 - so muss das Produkt aus H x P = 20 sein.
Annahme 2 (derzeitige Lage): G = 6 und U = 3 - so muss das Produkt aus H x P = 18 sein.
Tja und dann sind wir in der DEFLATION. Die Null-Zinspolitik der Notenbanken versagt - auch weil der Hang zu Liquidität (Keynes) zunimmt - was sich im Sinken von U und damit in sinkender Nachfrage, nicht ausgelasteten Produktionskapazitäten und einer sprunghaft steigenden Arbeitslosigkeit ausdrückt.
Wir leiden Not bei gefüllten Warenregalen und nicht ausgelasteten Fabriken!
Und hier setzt STAMP SCRIPT des schon verstorbenen US-Nationalökonomen, Irving Fisher, an. Alle kurzfristigen Bankeinlagen bis zu vier Jahren Laufzeit werden von den Notenbanken mit einer Umlaufsicherungsgebühr belegt. Das Geldregal ist wieder zu 100% bei den Notenbanken. Ein aktueller Vorschlag zum Gedregal ist der von Prof. Joseph Huber: VOLLGELD.
Die Zentralbankgewinne aus der Umlaufsicherungsgebühr erhält der jeweilige Staat bzw. dessen Finanzminister oder - ganz innovativ - jederR BürgerIn in Form eines "Zentralbankbonus" über seine/ihre persönliche Steuernummer ausgezahlt. Damit ist auch eine gleichmäßigere Einkommensverteilung verbunden!
Die Initialzündung kommt durch eine schrittweise höhere MwSt von derzeit 19%, auf 21%, 23% bis hin zu den EU-konformen 25%. Damit werden Inflationserwartungen induziert und so die U erhöht - und folglich ein größeres Handelsvolumen realisiert. Auch die MwSt-Mehreinnahmen könnten als MwSt-Bonus pro BürgerIn über die Steueridentifikationsnummer rückvergütet werden.
Von Fisher zu Keynes: Um den Hang zur Liquidität entgegenzuwirken muss ein langfristiges Inflationsziel von 5 - 4 % von den Zentralbanken ausgerufen werden - als Sicherheitsabstand zur Deflation!!!
Flankierend wäre eine reine Bodenwertsteuer, statt der verfassungswidrigen Grundsteuer, einzuführen, die die Spekulationsgewinne auf Bodenwertsteigerungen - bedingt durch niedrige Zinssätze - zu 100% besteuern würde. In der unheiligen Allianz von Boden und dessen Kreditierbarkeit durch Hypothekendarlehen liegt der tiefere Grund für die Immoblienblase - wie Immobilienkrise.
Beispiel: Bei einer jährlichen Zinslast von 10.000 Euro bei einem Zinssatz von 5% kann man 200.000,-- Euro an Darlehenssumme erhalten.
Bei gleicher Belastung und einem Zinssatz von 2,5% kann man ein Darlehen in Höhe von 400.000,-- Euro erhalten. In der Kapitalisierbarkeit des Bodens liegt der wahre Grund für die Scheinwerte der Immobilien. Steigen die Zinsen wieder, dann sind die Hypothenschuldner nicht mehr in der Lage die dann höheren Zinsen zu tragen. Im Gegenzug müssen die Immobilienwerte fallen - und die Banken müssen diese Schein-Werte abschreiben und machen dadurch Verluste oder gehen ganz Pleite.
Auch die Staatseinnahmen aus einer reinen Bodenwertsteuer können pro BürgerIn über die Steueridentnummer rückvergütet werden.
Neues Denken ist also gefragt, um eine nachaltige Konjunktur zu gewährleisten.
Ludwig Paul Häußner, Universität Karlsruhe (TH) - IEP
20.03.2009 08:15 Uhr
von Dummheit muss bestraft werden:
Das ist eines der allerbesten Besipiele für die Dummheit der Gesellschaft. Gibt es eine Steigerung von Dumm? Ich glaube nicht.
Die Mehrheit ist bis zum Hals verschuldet. Und was soll dagegen getan werden? Eien noch größere Verschuldung, denn die Geldpreesse druckt ja kein gedl als Geschenk. Jeder Schein ist eine Schuld, der zurückgezahlt werden muss. Und nicht nur dieser Schein, sondern auch seine Zinsen!
Jede Geldspritze wäre nur ein kurzes Aufatmen mit einem darauf folgendem noch tieferen Absturz.
Was ist aus dem Mensch geworden? Sagt man ihm nicht Intelligenz und logisches Denken zu? Müßten wir unsere Politiker und die vielen Ökonomen nicht auslachen wegen dieser totalen Gedankenpleite?