Francesco Schettino wird in die Geschichte der Seefahrt eingehen: Als Kommandant, der vor, während und nach dem Unglück so ziemlich alles falsch gemacht hat.von Michael Braun

Francesco Schettino war wohl erst waghalsig und am Ende feige. Bild: reuters
ROM taz | Bis zuletzt habe er korrekt gehandelt, sagte Kapitän Francesco Schettino unmittelbar nach dem Kentern der Costa Concordia. "Wir waren die letzten, die das Schiff verließen," behauptete er kühn. Doch der 52-Jährige wird wohl in die Geschichte der Seefahrt eingehen als ein Kommandant, der vor, während und nach dem Unglück so ziemlich alles falsch gemacht hat, was falsch zu machen war.
Dabei fehlte Schettino vor allem eins nicht: Erfahrung. Er stammt aus Sorrent an der Amalfiküste, seine Mutter gehört zur Familie der Cafiero – einer in Neapel seit Generationen bekannten Reedersfamilie. Seit mittlerweile elf Jahren war Schettino Chef auf den Kommandobrücken der Costa-Kreuzfahrtriesen.
Vorher hatte er für die große italienische Fährgesellschaft Tirrenia gearbeitet, dann war er Kapitän auf den Erdöltankern der AGIP, ehe er schließlich mit dem Job bei Costa Crociere die höchste Sprosse auf der Kapitäns-Karriereleiter erklomm.
In der Unglücksnacht am Freitag aber zeigte sich Schettino völlig überfordert. Erst waghalsig und draufgängerisch, dann kopflos und zaudernd, am Ende schließlich war sein Verhalten feige. Nur 150 Meter von der Küste entfernt sei die Costa Concordia der Isola del Giglio vorbeigefahren, stellte der ermittelnde Staatsanwalt fest.
Das soll der Kapitan mit voller Absicht getan haben, berichtet die Zeitung Corriere della Sera, um dem Oberkellner Antonello Tievoli einen Gefallen zu tun. Der hatte eigentlich frei, musste aber wegen Personalproblemen an Bord bleiben.
Um ihm eine Freude zu machen, habe der Kapitän den Kellner auf die Kommandobrücke gerufen. "Antonello, schau mal, wir sind ganz nahe an deinem Giglio", habe er zu dem Kellner gesagt, zitierte das Blatt Zeugen. Daraufhin habe Tievoli gewarnt: "Vorsicht, wir sind extrem nahe am Ufer." Unmittelbar darauf lief das Schiff auf Felsen auf.
Danach ließ Schettino der Katastrophe ihren Lauf. Dann mussten erst Passagiere vom Schiff aus die Polizei anrufen, musste die Küstenwache den Kapitän förmlich beknien, ehe der einen Alarmruf absetzte. Aus seiner Sicht hatte das Schiff bloß ein "kleines Problem".
Auch die Evakuierung musste ihm schließlich von der Küstenwache befohlen werden – gut eine Stunde, nachdem die Katastrophe ihren Lauf genommen hatte. Dann aber konnte es Schettino nicht schnell genug gehen. Schon um Mitternacht saß er selbst in einer Schaluppe. Auf Nachfrage der Hafenkapitanerie, wieviele Menschen noch an Bord seien, sprach er von 200-300 – in Wirklichkeit wares es noch rund 4000 Personen.
Die Aufforderung, umgehend an Bord zurückzukehren, ignorierte er; er koordiniere die Rettungsmaßnahmen "von der Schaluppe aus", war seine Antwort. Deshalb sitzt Schettino jetzt in Haft.
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Leserkommentare
16.01.2012 18:55 | miri
Ach, der Kapitän hat also vorher *Öltanker* gefahren? *Dieser* Kapitän??? Wer weiß, was uns noch alles erspart geblieben is ...
16.01.2012 17:19 | Ma Dalton
LOL ich nehme an, diese enge Beziehung Kapitän-Oberkellner ist ein alter italienischer Seemannsbrauch ;-)
16.01.2012 16:04 | Costas Cordalis
Was'n mit der Crew, die Ende der 90er vor Paros auf Riff fuhr und damit 78 Leute tötete, weil die Offiziere Fußball guckten ...