Guan Jianzhong von Ratingagentur Dagong
"Ideologie ist kein Maßstab"
Die drei US-Rating-Agenturen haben ihre Legitimität verloren, sagt Guan Jianzhong von der chinesischen Agentur Dagong. In China bewerte man die Kreditwürdigkeit von Staaten anders.von JUTTA LIETSCH
Leserkommentare
26.07.2011 11:38 Uhr
von guntherkummerlande:
Die Chinesen sollten als stimmrechtslose
Kommanditen stille Teilhaber neuer
europäischer und amerikanischer Unternehmen sein
mit einer nicht ausbaufähigen Minderheitenbeteiligung.
So würde jeder Unternehmensbesitzer sich
selbst mehr schaden als den Chinesen, wenn er
sein Unternehmen schlecht führt.
Andererseits gewinnt er an Unabhängigkeit
gegenüber den durch Hedge-Fonds und Derivaten
manipulationsanfälligen Markt und hat ein
Druckmittel gegenüber Banken, die trotz niedrigsten
Leitzinsen(USA) überhöhte Kreditzinsen verlangen.
Sie hätten quasi die Funktion der "Golden Angels"
in Kalifornien. 50% der inflationsverursachenden
Kapitalmasse sollte in diese Unternehmungen
investiert werden.
30% sollten in den IWF, UNO, UNHCR, Rotes Kreuz,
WWF,Greenpeace,Amnesty International ohne
Bedingungen zu gleichen Teilen transferiert werden.
Schließlich haben die auch China vital unterstützt,
als sie vor den Abgrund standen.
10% sollte für untoxische Energiegewinnung
eingesetzt werden
und nocheinmal 10% als Devisenreserven angelegt und über eine Finanzmarkttransferkapitalsteuer eingezogen werden.
26.07.2011 11:19 Uhr
von ghkannes@t-online.de:
Wer bis jetzt nicht kapiert hat, dass
sowohl eine Inflation als auch eine
Deflation die Folgen unterlassenen finanzpolitischen
Handeln sind, hat letzlich nichts von
der Finanzpolitik des 19. und 20. Jahrhunderts
begriffen. Die Strafe ist dann zu Recht die
die Rezession.
Bei einer Deflation aufgrund
weggebrochener Märke, die pleite gingen muss das Geld in Auslandinvestitionen in diese weggebrochenen
Märkte oder in alternative mindestens
gleichvolumige Gesamt-Märkte fließen.
Eine Ausfallrisikominimierungsstrategie ist
anzustreben.
Sinnvollerweise investiert man so, dass man
die Stärken des Handelspartner nutzt und ihn
dabei eine Nische zuteilt, die der eigenen
Industrie nützlich ist.
Man achtet darauf das die Außenhandelsbilanzen
beider Vertragsparteien unter Berücksichtigung
aller bekannten Handelsbeziehungen mindestens
ausgeglichen sind.
Bei einer Inflation ist das letzlich ähnlich.
Hätte man bei der großen Inflation von
1923 das Geld an unabhängige Drittweltländer an ihre prognostizierten Rohstoffvorkommen und Minenschürf-
rechte gekoppelt und das eigene
überschüssige Inflations- Geld den Einwohnern
des besagten Landes
zugeteilt, wäre durch die Deckung und die
Ersatznachfrage der tiefe Fall der Reichsmark
stark abgebremst bis aufgehoben worden.
So verbrannte das Geld zuhause völlig sinnlos.
Der Kapitalismus schließt aus finanzmathematischer
Sicht Menschlichkeit mit ein.
Leider ist bisher niemand dahinter gekommen.
25.07.2011 13:18 Uhr
von Conrado:
Innovative Artikel sind ja schoen und gut, aber die TAZ sollte m.E. lieber bei Themen bleiben, bei denen die Redakteure beurteilen koennen, ob Unsinn geredet wird, oder nicht. Herr Guan ist ein Blender und mit ziemlicher Sicherheit auch ein gut geschulter kommunistischer Kader. Er versucht dem Gegner durch haltlose Unterstellungen den Ideologie-Sticker anzuheften. Ein interviewender Journalist muss da dagegenhalten koennen. Ohne Fachkenntnisse ist das schwer. Also: Lieber Haende weg.
Ich produziere seit 20 Jahren Laenderratings. Methodisch betrachtet gibt es keine "westlichen" Ratingagenturen, es gibt nur gute und schlechte. Moody's etc. beurteilen natuerlich die Wirtschaftskraft eines Landes nicht allein nach BIP pro Kopf, wie Herr Guan unterstellt. Bei der Zahlungsfahigkeit kommt es natuerlich auf Entwicklungen in der Zukunft an, wie etwa Staatseinnahmen und -ausgaben, Aussenhandelsentwicklung und so weiter. Da ist nicht viel Platz fuer Ideologie. Und hohe Waehrungsreserven sind als Puffer natuerlich immer ein Pluspunkt. Das muessen Moody's, S&P, und Fitch nicht von China lernen. Einfach lachhaft. Die Vorstellung von einer internationalen Koordination von Ratingargenturen ist ebenfalls lachhaft. Das weiss selbst der "von der Chinesischen Regierung unabhaengige", "Privatunternehmer" Guan. Das Interview ist ein Witz. Leider ein schlechter.
25.07.2011 13:02 Uhr
von ghkannes@t-online.de:
Wenn ein zentralistisch geführtes hochautoritäres Land Kreditgeber und gleichzeitig
Bewerter der Liquidität ist, ist das unglaubwürdig!
Für wie dumm halten sie denn den Westen?
Natürlich würde dann China die Liquidität
Europas und der USA schlecht einschätzen
und wahnsinnig hohe Aufschlagszinsen verlangen.
Damit würde die Liquidität des Westens noch
weiter eingeschränkt. Staatsanleihen anderer
Länder+ Ratingagenturen+
staatlich festgeschrieben Währungskurs= Einschränkung
der Unabhängigkeit der Länder= angestrebtes
Monopol auf den Welthandel=Weltherrschaft.
Nicht mit uns!
Und Überschüsse in Devisenreserven anzulegen
ist dumm, wenn man nicht auf die dortigen Staaten
massiven Einfluss nehmen will.
Dieses Kapital sollte vorrangig für die Verbesserung
des Lebensstandards der Chinesen oder für
Zukunftsprojekte investiert werden.
Denn wenn die USA drastisch abwerten müssen!!!, dann
kann China als Dumpingproduzent mit festgeschriebener
Währung nicht die USA für die chinesische
Fehlinvestition verantwortlich machen, denn
die haben die Chinesen selber getätigt.
Außerdem hätten die Chinesen nicht ständig
Kredite gewährt, hätte China nicht soviel in
die USA exportieren können und es wären
nicht soviele Industriearbeitsplätze in den
USA verloren gegangen.
Ich behaupte, die Chinesen haben genau gewußt auf
welche Risiken sie sich eingelasssen haben.
Und Sie waren klug diese einzugehen, denn
die chinesische Infrastruktur und Wohnhäuser
und Industrie steht.
Sie sind der eigentliche
Realwert der aus den Exportgeschäften heraus
entstanden ist. Die Devisenanleihen, die
bei China zur Disposition stehen sind
ein Klacks gegenüber den Schulden der Amerikaner
plus den industriellen Rückbau und Werteverlust
der Amerikaner. Alle Investmentbankinggewinne und Staatsschulden der USA
und Devisenreserven der Chinesen sind virtuell.
Die Chinesen sollten sehr dankbar sein,
letzlich, den Wiederaufbau Chinas von der EU und
von den USA bezahlt bekommen zu haben.
Obwohl dieser Handel für die beteiligten
westlichen Volkswirtschaften stark verlustbehaftet war.
Selbst bei massiver Abwertung der Devisenreserven
durch die USA bleiben die Amerikaner die
Verlierer des Handels mit China.
China hat seinen Hauptkonsumenten halbtot
geschröpft. Es hätte statt nur Devisenreserven
zu kaufen, in die USA und EU investieren sollen.
Das wäre auch richtig, um die eigene Inflation
zu stoppen.
Leider denkt es nur an sich.
25.07.2011 12:57 Uhr
von egghat:
Tolles Interview!
Wird empfohlen!