Grundeinkommen? Ein Dorf in Namibia macht's vor: Neun Euro im Monat brachten seinen Bewohnern Würde, Arbeit, regelmäßige Mahlzeiten und 30 Fernseher.von Martina Schwikowski
Im Gegensatz zu Dir, "Kinnal" kann ich nicht nur lesen sondern verstehe auch etwas von Volkswirtschaft. In der Dissertation werden Teile des Einkommens (hier das BGE) mit der Konsumsteuer "verrechnet", um den Schein einer Steuerprogression zu erzeugen. Und das geschieht auch noch unter der Annahme des Vollkonsums ohne Sparquote oder Geldfluss ins Ausland (Frisst der Reiche etwa 20 Schnitzel am Tag?). Das ist Schwachsinn! Ziel der Steuerpolitik ist die gerechte Besteuerung des Einkommens nicht des Binnenkonsums. Ebenso wäre diese Art der Besteuerung kein konjunkturpolitisches Instrument.
02.04.2010 00:19 Uhr
von Mariechaon:
@ Löffelstiel: oder folgende:
Die Natur von Realität und die Realität von Natur:
Was wirklich "real" ist und was nicht bedürfte einer (sicher sehr spannenden)tiefgründigeren Untersuchung, man kann aber sicher folgendes festhalten: Wer genau beobachten und analysieren kann ist im Vorteil.
Daraus könnte man lernen:
1. Jeder erlebte Moment, jedes Ereignis in diesem Universum beruht nach eingehender Untersuchung (Bitte: Mir das einfach zu glauben zeugt von relativ hoher Dummheit. Es selber zu untersuchen von relativ hoher Intelligenz!) auf diversen Ursachen und hat diverse Auswirkungen auf kommende Momente und Ereignisse. In _diesem_ Sinn ist «Sein» nicht bedingungslos sondern in Gegenteil eine unendliche Serie von sich einander bedingenden Bedingungen.
2. Politik „bezeichnet jegliche Art der Einflussnahme und Gestaltung sowie die Durchsetzung von Forderungen und Zielen, sei es in privaten oder öffentlichen Bereichen.“ (Definition Wikipedia). Sie hat also keinerlei kausalen Zusammenhang mit "durchgereichter Realität". Sie ist selber da (real?). Sie findet im Hier und Jetzt statt (in der "Realität"?). Aber sie reicht vor allem "Einflussnahme und Gestaltung sowie die Durchsetzung von Forderungen und Zielen" durch, sicher nicht Realität!
3. Evolutionäre Realität ist, dass der Homo sapiens sapiens bei seiner Entwicklung durch seine Intelligenz immer mehr Arbeit mit weniger Aufwand verrichten konnte. Gleichzeitig wächst die globale Bevölkerung. Es hat also immer mehr Menschen, die mit immer weniger Arbeit mehr produzieren und dienstleisten können (vgl. z.B. Industrialisierung). Da ist die _logische_ Folge, dass irgendwann einmal für einen Teil der Menschen die Arbeit – zumindest die existenziell überlebenswichtige – ausgeht, da wenige soviel Überfluss generieren, dass der für mehr als nur sich selber reicht. Das Grundeinkommen ist also eine fast schon folgerichtige, sinnvolle, unabwendbare Realität :)
02.04.2010 00:17 Uhr
von Mariechaon:
@ Löffelstiel: Ich möchte zu ihrer Bemerkung noch ein paar Gedanken einstreuen. Zum Beispiel folgende:
Pflanzen wachsen ohne zu arbeiten. Und tragen nicht selten auch Früchte!
Daraus könnte man lernen:
1. Die Energie auf der Erde nimmt konstant zu durch einen einzigen Faktor: Sonnenlicht.
2. Ein Grossteil dieser Energie wird auf unserem Planeten vielfach und auf vielfältige Weise umgewandelt, gespeichert und teilweise verbraucht. Aber die Energie an sich ist tagtäglich kostenlos.
3. Eine Gorillagruppe arbeitet also nicht sehr viel am Tag: sie ziehen weiter, bauen neue Nester, essen, kopulieren und schlafen.
4. Das Essen erhalten sie bedingungslos. Der Überlebenskampf um die Energie ist teils Arbeit (z.B. Territoriumsverteidigung für geeignetere Lebensräume), teils aber auch (z.B.) Synergie oder Symbiose (Die Planzen profitieren nach dem Essen ihrer Früchte durch Gorillas von der Verbreitung ihrer Samen). Allerdings bleibt der Arbeitsaufwand um zu überleben für intelligente Wesen sehr, sehr klein. Und macht, nicht immer, aber meistens auch noch Spass: Sex, Essen, Schlafen...
5. Es entsteht also ein Mehrwert durch Arbeit, aber der grosse Anteil der Energie zum Überleben kommt tagtäglich durch Sonnenenergie gratis auf unseren Planeten und kann von jedem Lebewesen (noch, zumindest solange gierige Manager sie nicht privatisieren und vermarkten) frei genossen werden.
01.04.2010 13:33 Uhr
von Kinnal:
@denninger:
Eine Konsumsteuer plus Grundeinkommen ist niemals linear, sondern immer progressiv (Rechenbeispiel in der Dissertation auf Seite 77: 100% MwSt plus 1000 € Grundeinkommen).
Eine Einkommensteuer Flat Tax auf alle Einkommen plus Grundeinkommen ist genauso progressiv (z.B. 50% plus 800 € Grundeinkommen - zu lesen ab Seite 85).
Hättest du mal in die Dissertation des "Doktoranten" hineingeschaut, wüsstest du das auch.
Wer lesen kann, ist im Vorteil! ;-)
01.04.2010 10:07 Uhr
von denninger:
Ja um Gottes willen, Herr "Dr. Ludwig Paul Häußner", unsozialer geht es wohl kaum. Dem Herrn Doktor und seinem Doktoranten ist offenbar nicht bewusst, dass die progressive Einkommensteuer nicht nur soziale Gerechtigkeit schafft sondern auch ein Instrument der staatlichen Konjunkturpolitik ist. Beide Funktionen erfüllt die lineare Mehrwertsteuer nicht. Das bedeutet dann dass Arme und Reiche mit dem selben Steuersatz besteuert werden. Da freut sich die Oberschicht und kauft im Ausland ein. PS Falls das ein 01. Apris Scherz sein soll bin ich zu humorlos um ihn witzig zu finden.
01.04.2010 01:39 Uhr
von Petra Raab:
Über das Grundeinkommen wird wie über das 8. Weltwunder diskutiert. Es ist selbstverständlich, dass jeder im Volk ohne zu betteln und ohne zu etwas gezwungen zu werden, ein Grundeinkommen bekommt, es mangelt nicht an Ressourcen. Es mangelt an der "Opferbereitschaft" der herrschenden Klasse, dass dies auch umgesetzt wird.
01.04.2010 01:04 Uhr
von Loeffelstiel:
1 Mensch auf einer einsamen Insel. Wuerde er von Grundeinkommen leben muessen und sich dazu entschliessen lieber sozialistische Figuerchen in den Sandstrand zu malen statt fischen zu gehen, waere er bald tot.
Daraus koennte man lernen:
1. Politik reicht in erster Linie Realitaet durch. 2. Die Realitaet funktioniert prinzipiell nicht bedingungslos. 3. Es ist nicht egal, ob und wie sich der Mensch entfaltet/beschaeftigt. Ist es das falsche, geht es "zwingend" nach hinten los.
Das bedingungslose Grundeinkommen unterminiert folglich eine Ausregelung/Korrektiv gegenueber der hinterstehenden Realitaet, die sich weder fuer Ideologien interessiert noch irgendwie verschwinden wird.
01.04.2010 00:52 Uhr
von Henrik Wittenberg:
Pressespiegel über die derzeit stattfindende Informationsreise zum Grundeinkommensprojekt in Namibia: http://bgekoeln.ning.com/profiles/blogs/pressespiegel-ueber-die
31.03.2010 19:03 Uhr
von Bohrah:
Das eın armes Dorf ın Afrıka es uns vormachen muss ıst schon traurıg. Wır könnten wenıgstens es probeweıse ın eınem Bundesland laufen lassen, aber das wırd nıe passıeren... .
31.03.2010 17:48 Uhr
von Mellow Dramatic:
Bevor hier weitere Loblieder auf die Übertragbarkeit des Grundeinkommes nach D gesungen werden, bitte folgende Rahmenbedingungen berücksichtigen:
Das BIG wird faktisch extern finanziert und man möge bitte die Volumen beachten:
BIG: 9 Euro kleine Rente: 40 Euro Einkommen durch Brotbacken: 340 Euro
Das Grundeinkomen beträgt also weniger als ein Viertel einer kleinen Rente und ein 35stel (ca. 3 %) eines Arbeitseinkommens.
Na, dafür kann ich sicherlich Viele erwärmen, einfach 200 oder gar nur 60 Euro im Monat statt Sozialhilfe oder Hartz 4 zu zahlen.
BGE in Deutschland ist sektiererischer Unsinn, genau so wie die fixe Idee, mit breiten Steuersenkungen staatliche Mehreinnahmen zu erwirtschaften. Das ist Voodoo, aber kein seriöser politischer Ansatz.
31.03.2010 16:22 Uhr
von Roland Kulke:
Ich habe mich sehr gefreut an so prominenter Stelle in der TAZ über dieses wundervolle Projekt zu lesen. 4/5 des Artikels sind sehr interessant und ausgewogen. Danach wird es traurig...
Es ist das altbekannte Vorurteil gegenüber den Armen: Die sind arm, weil sie ja eben nicht mit Geld umgehen können und deswegen nicht investieren, sondern saufen und sich noch mehr verschulden... anders kann ich mir zumindest nicht erklären, warum dies im Artikel aufgewärmt wird.
Ärgerlich wird es, dass Martina Schwikowski ihren Artikel mit den Äußerungen von Rigmar Osterkamp schliesst. Namibia ist ein Land der Dritten Welt. Dort finden sich komplett andere polit-ökonomische Bedingungen vor, als in Europa. Während die politische Ökonomie der Dritte-Welt Staaten von ökonomischen Renten dominiert ist, basiert diejenige Europas auf Profit. Das "BIG" kann schlicht als ein wunderbarer Kunstgriff angesehen werden, dem Marktmechanismus in Namibia auf die Beine zu helfen (mit einem absoluten Minimum an Chancen der Elite sich an diesen Mitteln zu bereichern). Dies funktioniert über eine breite Nachfrage nach lokal herstellbaren Produkten.
Deswegen ist die Äußerung von Osterkamp eigenartig, dass er eine so leichte Übertragung der positiven Ergebnisse von Namibia auf Deutschland befürchtet. Aber vielleicht ist dies ja auch nur folgerichtig: schliesslich hat er am IFO-Institut gearbeitet und von dessen Chef Sinn sind wir ja auch nur verquere "Analysen" à la Basar-Ökonomie gewohnt.
Nur hätte ich eben mehr von der TAZ erwartet...
31.03.2010 15:28 Uhr
von Dr. Ludwig Paul Häußner:
Grundeinkommen in Deutschland ist finanzierbar
-----------------------------------------------
Der Staat stellt Menschen ohne eigenes Einkommen nahezu jenen finanziell gleich, die wenig verdienen, aber ihren Lebensunterhalt aus eigener Kraft bestreiten. Ist das gerecht? Einige Ökonomen glauben, ein staatlich garantiertes Grundeinkommen – etwa in Form des von der FDP propagierten Bürgergelds – könne den Spagat zwischen sozialer Verantwortung und Arbeitsanreizen besser lösen als das etablierte Hartz-IV-System. Chancen haben diese Konzepte aber nur, wenn vorher klar ist, was sie kosten. „Ein Grundeinkommen wäre kaum teurer als Hartz IV“, sagt jetzt André Presse vom Interfakultativen Institut für Entrepreneurship (IEP) an der Universität Karlsruhe. In seiner Dissertation*, die im April veröffentlicht wird, hat sich der Wirtschaftswissenschaftler mit alternativen Sozialstaatskonzepten beschäftigt; finanziert durch eine höhere Mehrwertsteuer.
Dieses Konzept hat Presse einem Praxistest unterzogen. Sein Ergebnis: Verglichen mit Hartz IV würden zehn bis 20 Milliarden Euro Mehrkosten auf den Staatshaushalt zukommen. Datenbasis ist die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe, die das Statistische Bundesamt alle fünf Jahre für die Bundesrepublik erhebt. Die letzen verfügbaren Zahlen beziehen sich auf 2003. Presse packt die deutsche Einkommensverteilung in eine Formel, die auf den englischen Ökonomen Ian Pen zurückgeht. Der hatte in den Siebzigerjahren eine als Pen’s Parade bezeichnete mathematische Kurve definiert. Diese entsteht, wenn sich die Bürger eines Landes der Größe nach aufstellen, wobei jeder Einzelne so groß wird wie sein Einkommen. Arme erscheinen als Zwerge, Reiche als Riesen.
Mithilfe dieses Ansatzes hat Presse berechnet, wie viel es kostet, die untersten Einkommen bis auf ein kulturelles Existenzminimum von monatlich 900 Euro aufzustocken. Anders als das FDP-Bürgergeld orientiert sich Presse nicht an der Einkommen-, sondern an der Umsatzsteuer, auf die er das gesamte deutsche Steuersystem schrittweise umstellen will. Dabei schießt der Mehrwertsteuersatz in die Höhe, doch das Preisniveau bleibt laut Presse konstant, wenn im Gegenzug in den Nettopreisen enthaltene direkte Steuern wegfallen. Das Finanzamt erstattet dann jedem Bürger die auf seine lebensnotwendigen Ausgaben anfallende Mehrwertsteuer. Was die Umsetzung erleichtert: Seit 2008 vergibt der Fiskus an jeden Deutschen eine lebenslang gültige Steuernummer. Die Beamten könnten daher die Ansprüche auf Grundeinkommen verwechslungsfrei prüfen und auszahlen.
Die Bundesrepblik Deutschland sollte erst mal Entschädigungszahlungen an die Herero und die Nama zahlen, bevor es sich an die Entwicklungshilfe in Südwestafrika ranmacht. Dort wartet man bis heute auf folgendes:
Entschuldigung und Wiedergutmachung dafür: Als Namibia noch die Kolonie Deutsch-Südwestafrika war haben die militaristischen Deutchen ein völkermordartiges Massaker am namibischen Volk angerichtet. Mit Entwicklungshilfe können wir uns nicht rausreden. Die Bundesrepublik sollte sich kulturell und wirtschaftlich stärker in den ehemaligen Kolonien engagieren, sie ist es den ehemals unterdrückten Völkern schuldig.
In Namibia, wo Deutsch Nationalsprache ist, und wo es bis 1994 sogar Amtsaprache war, müssten die Deutschen sich auch personell engagieren und für Schulen mit Deutschunterricht sorgen. Nur so - mit Bildung und nicht mit Entwicklungshilfe - kann eine gute Basis für die wirtschaftliche Entwicklung gewährleistet werden. Namibia ist eines der reichsten Länder des afrikanischen Kontinents, das vermögen ist jedoch nirgendwo sonst so ungleich verteilt wie hier (die ehemaligen deutschen Kolonisten besitzen sozosagen ''alles''). Deshalb sollte man auch die Afrikanisierungskampagnen des derzeitigen Präsidenten unterstützen.
31.03.2010 11:49 Uhr
von kamy:
Entschuldigung, aber das war kein bedingungsloses Grundeinkommen, das waren Almosen. Oder, wenn man es positiv formulieren will, waren dies die ersten Ansätze einer Sozialpolitik.
Was Grundeinkommen theoretisch definiert ist ihre Selbstfinanzierung aus den Einkommen des Landes und keine Prüfung von Bedürftigkeit. Nun, in diesen verarmten Dörfern in Namibia ist eine Bedürftigkeitsprüfung überflüssig - die sind es. Also war es einfach der Versuch einer Simulation von Sozialhilfe ... gesponsert von Hilfsorganisationen, sprich, Almosen. Man sollte es auch so nennen und nicht als Versuchsfeld für das Grundeinkommen bezeichnen.
31.03.2010 11:21 Uhr
von Andreas:
Kleiner Fehler in der Bildunterschrift: Nicht 9 Euro am Tag, 9 Euro im Monat!
(An die prüfenden RedakteurInnen: Eher als Hinweis, lege keinen Wert auf Veröffentlichung)
Leserkommentare
05.04.2010 22:27 Uhr
von denninger:
Im Gegensatz zu Dir, "Kinnal" kann ich nicht nur lesen sondern verstehe auch etwas von Volkswirtschaft.
In der Dissertation werden Teile des Einkommens (hier das BGE) mit der Konsumsteuer "verrechnet", um den Schein einer Steuerprogression zu erzeugen.
Und das geschieht auch noch unter der Annahme des Vollkonsums ohne Sparquote oder Geldfluss ins Ausland (Frisst der Reiche etwa 20 Schnitzel am Tag?).
Das ist Schwachsinn!
Ziel der Steuerpolitik ist die gerechte Besteuerung des Einkommens nicht des Binnenkonsums.
Ebenso wäre diese Art der Besteuerung kein konjunkturpolitisches Instrument.
02.04.2010 00:19 Uhr
von Mariechaon:
@ Löffelstiel: oder folgende:
Die Natur von Realität und die Realität von Natur:
Was wirklich "real" ist und was nicht bedürfte einer (sicher sehr spannenden)tiefgründigeren Untersuchung, man kann aber sicher folgendes festhalten: Wer genau beobachten und analysieren kann ist im Vorteil.
Daraus könnte man lernen:
1. Jeder erlebte Moment, jedes Ereignis in diesem Universum beruht nach eingehender Untersuchung (Bitte: Mir das einfach zu glauben zeugt von relativ hoher Dummheit. Es selber zu untersuchen von relativ hoher Intelligenz!) auf diversen Ursachen und hat diverse Auswirkungen auf kommende Momente und Ereignisse. In _diesem_ Sinn ist «Sein» nicht bedingungslos sondern in Gegenteil eine unendliche Serie von sich einander bedingenden Bedingungen.
2. Politik „bezeichnet jegliche Art der Einflussnahme und Gestaltung sowie die Durchsetzung von Forderungen und Zielen, sei es in privaten oder öffentlichen Bereichen.“ (Definition Wikipedia). Sie hat also keinerlei kausalen Zusammenhang mit "durchgereichter Realität". Sie ist selber da (real?). Sie findet im Hier und Jetzt statt (in der "Realität"?). Aber sie reicht vor allem "Einflussnahme und Gestaltung sowie die Durchsetzung von Forderungen und Zielen" durch, sicher nicht Realität!
3. Evolutionäre Realität ist, dass der Homo sapiens sapiens bei seiner Entwicklung durch seine Intelligenz immer mehr Arbeit mit weniger Aufwand verrichten konnte. Gleichzeitig wächst die globale Bevölkerung. Es hat also immer mehr Menschen, die mit immer weniger Arbeit mehr produzieren und dienstleisten können (vgl. z.B. Industrialisierung). Da ist die _logische_ Folge, dass irgendwann einmal für einen Teil der Menschen die Arbeit – zumindest die existenziell überlebenswichtige – ausgeht, da wenige soviel Überfluss generieren, dass der für mehr als nur sich selber reicht. Das Grundeinkommen ist also eine fast schon folgerichtige, sinnvolle, unabwendbare Realität :)
02.04.2010 00:17 Uhr
von Mariechaon:
@ Löffelstiel: Ich möchte zu ihrer Bemerkung noch ein paar Gedanken einstreuen. Zum Beispiel folgende:
Pflanzen wachsen ohne zu arbeiten. Und tragen nicht selten auch Früchte!
Daraus könnte man lernen:
1. Die Energie auf der Erde nimmt konstant zu durch einen einzigen Faktor: Sonnenlicht.
2. Ein Grossteil dieser Energie wird auf unserem Planeten vielfach und auf vielfältige Weise umgewandelt, gespeichert und teilweise verbraucht. Aber die Energie an sich ist tagtäglich kostenlos.
3. Eine Gorillagruppe arbeitet also nicht sehr viel am Tag: sie ziehen weiter, bauen neue Nester, essen, kopulieren und schlafen.
4. Das Essen erhalten sie bedingungslos. Der Überlebenskampf um die Energie ist teils Arbeit (z.B. Territoriumsverteidigung für geeignetere Lebensräume), teils aber auch (z.B.) Synergie oder Symbiose (Die Planzen profitieren nach dem Essen ihrer Früchte durch Gorillas von der Verbreitung ihrer Samen). Allerdings bleibt der Arbeitsaufwand um zu überleben für intelligente Wesen sehr, sehr klein. Und macht, nicht immer, aber meistens auch noch Spass: Sex, Essen, Schlafen...
5. Es entsteht also ein Mehrwert durch Arbeit, aber der grosse Anteil der Energie zum Überleben kommt tagtäglich durch Sonnenenergie gratis auf unseren Planeten und kann von jedem Lebewesen (noch, zumindest solange gierige Manager sie nicht privatisieren und vermarkten) frei genossen werden.
01.04.2010 13:33 Uhr
von Kinnal:
@denninger:
Eine Konsumsteuer plus Grundeinkommen ist niemals linear, sondern immer progressiv (Rechenbeispiel in der Dissertation auf Seite 77: 100% MwSt plus 1000 € Grundeinkommen).
Eine Einkommensteuer Flat Tax auf alle Einkommen plus Grundeinkommen ist genauso progressiv (z.B. 50% plus 800 € Grundeinkommen - zu lesen ab Seite 85).
Hättest du mal in die Dissertation des "Doktoranten" hineingeschaut, wüsstest du das auch.
Wer lesen kann, ist im Vorteil! ;-)
01.04.2010 10:07 Uhr
von denninger:
Ja um Gottes willen, Herr "Dr. Ludwig Paul Häußner", unsozialer geht es wohl kaum.
Dem Herrn Doktor und seinem Doktoranten ist offenbar nicht bewusst, dass die progressive Einkommensteuer nicht nur soziale Gerechtigkeit schafft sondern auch ein Instrument der staatlichen Konjunkturpolitik ist.
Beide Funktionen erfüllt die lineare Mehrwertsteuer nicht.
Das bedeutet dann dass Arme und Reiche mit dem selben Steuersatz besteuert werden. Da freut sich die Oberschicht und kauft im Ausland ein.
PS Falls das ein 01. Apris Scherz sein soll bin ich zu humorlos um ihn witzig zu finden.
01.04.2010 01:39 Uhr
von Petra Raab:
Über das Grundeinkommen wird wie über das 8. Weltwunder diskutiert.
Es ist selbstverständlich, dass jeder im Volk ohne
zu betteln und ohne zu etwas gezwungen zu werden, ein
Grundeinkommen bekommt, es mangelt nicht an
Ressourcen.
Es mangelt an der "Opferbereitschaft" der herrschenden
Klasse, dass dies auch umgesetzt wird.
01.04.2010 01:04 Uhr
von Loeffelstiel:
1 Mensch auf einer einsamen Insel.
Wuerde er von Grundeinkommen leben muessen und sich dazu entschliessen lieber sozialistische Figuerchen in den Sandstrand zu malen statt fischen zu gehen, waere er bald tot.
Daraus koennte man lernen:
1. Politik reicht in erster Linie Realitaet durch.
2. Die Realitaet funktioniert prinzipiell nicht bedingungslos.
3. Es ist nicht egal, ob und wie sich der Mensch entfaltet/beschaeftigt. Ist es das falsche, geht es "zwingend" nach hinten los.
Das bedingungslose Grundeinkommen unterminiert folglich eine Ausregelung/Korrektiv gegenueber der hinterstehenden Realitaet, die sich weder fuer Ideologien interessiert noch irgendwie verschwinden wird.
01.04.2010 00:52 Uhr
von Henrik Wittenberg:
Pressespiegel über die derzeit stattfindende Informationsreise zum Grundeinkommensprojekt in Namibia:
http://bgekoeln.ning.com/profiles/blogs/pressespiegel-ueber-die
31.03.2010 19:03 Uhr
von Bohrah:
Das eın armes Dorf ın Afrıka es uns vormachen muss ıst schon traurıg. Wır könnten wenıgstens es probeweıse ın eınem Bundesland laufen lassen, aber das wırd nıe passıeren... .
31.03.2010 17:48 Uhr
von Mellow Dramatic:
Bevor hier weitere Loblieder auf die Übertragbarkeit des Grundeinkommes nach D gesungen werden, bitte folgende Rahmenbedingungen berücksichtigen:
Das BIG wird faktisch extern finanziert und man möge bitte die Volumen beachten:
BIG: 9 Euro
kleine Rente: 40 Euro
Einkommen durch Brotbacken: 340 Euro
Das Grundeinkomen beträgt also weniger als ein Viertel einer kleinen Rente und ein 35stel (ca. 3 %) eines Arbeitseinkommens.
Na, dafür kann ich sicherlich Viele erwärmen, einfach 200 oder gar nur 60 Euro im Monat statt Sozialhilfe oder Hartz 4 zu zahlen.
BGE in Deutschland ist sektiererischer Unsinn, genau so wie die fixe Idee, mit breiten Steuersenkungen staatliche Mehreinnahmen zu erwirtschaften. Das ist Voodoo, aber kein seriöser politischer Ansatz.
31.03.2010 16:22 Uhr
von Roland Kulke:
Ich habe mich sehr gefreut an so prominenter Stelle in der TAZ über dieses wundervolle Projekt zu lesen. 4/5 des Artikels sind sehr interessant und ausgewogen. Danach wird es traurig...
Es ist das altbekannte Vorurteil gegenüber den Armen: Die sind arm, weil sie ja eben nicht mit Geld umgehen können und deswegen nicht investieren, sondern saufen und sich noch mehr verschulden... anders kann ich mir zumindest nicht erklären, warum dies im Artikel aufgewärmt wird.
Ärgerlich wird es, dass Martina Schwikowski ihren Artikel mit den Äußerungen von Rigmar Osterkamp schliesst. Namibia ist ein Land der Dritten Welt. Dort finden sich komplett andere polit-ökonomische Bedingungen vor, als in Europa. Während die politische Ökonomie der Dritte-Welt Staaten von ökonomischen Renten dominiert ist, basiert diejenige Europas auf Profit.
Das "BIG" kann schlicht als ein wunderbarer Kunstgriff angesehen werden, dem Marktmechanismus in Namibia auf die Beine zu helfen (mit einem absoluten Minimum an Chancen der Elite sich an diesen Mitteln zu bereichern). Dies funktioniert über eine breite Nachfrage nach lokal herstellbaren Produkten.
Deswegen ist die Äußerung von Osterkamp eigenartig, dass er eine so leichte Übertragung der positiven Ergebnisse von Namibia auf Deutschland befürchtet. Aber vielleicht ist dies ja auch nur folgerichtig: schliesslich hat er am IFO-Institut gearbeitet und von dessen Chef Sinn sind wir ja auch nur verquere "Analysen" à la Basar-Ökonomie gewohnt.
Nur hätte ich eben mehr von der TAZ erwartet...
31.03.2010 15:28 Uhr
von Dr. Ludwig Paul Häußner:
Grundeinkommen in Deutschland ist finanzierbar
-----------------------------------------------
Der Staat stellt Menschen ohne eigenes Einkommen nahezu jenen finanziell gleich, die wenig verdienen, aber ihren Lebensunterhalt aus eigener Kraft bestreiten. Ist das gerecht? Einige Ökonomen glauben, ein staatlich garantiertes Grundeinkommen – etwa in Form des von der FDP propagierten Bürgergelds – könne den Spagat zwischen sozialer Verantwortung und Arbeitsanreizen besser lösen als das etablierte Hartz-IV-System. Chancen haben diese Konzepte aber nur, wenn vorher klar ist, was sie kosten.
„Ein Grundeinkommen wäre kaum teurer als Hartz IV“, sagt jetzt André Presse vom Interfakultativen Institut für Entrepreneurship (IEP) an der Universität Karlsruhe. In seiner Dissertation*, die im April veröffentlicht wird, hat sich der Wirtschaftswissenschaftler mit alternativen Sozialstaatskonzepten beschäftigt; finanziert durch eine höhere Mehrwertsteuer.
Dieses Konzept hat Presse einem Praxistest unterzogen. Sein Ergebnis: Verglichen mit Hartz IV würden zehn bis 20 Milliarden Euro Mehrkosten auf den Staatshaushalt zukommen. Datenbasis ist die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe, die das Statistische Bundesamt alle fünf Jahre für die Bundesrepublik erhebt. Die letzen verfügbaren Zahlen beziehen sich auf 2003. Presse packt die deutsche Einkommensverteilung in eine Formel, die auf den englischen Ökonomen Ian Pen zurückgeht. Der hatte in den Siebzigerjahren eine als Pen’s Parade bezeichnete mathematische Kurve definiert. Diese entsteht, wenn sich die Bürger eines Landes der Größe nach aufstellen, wobei jeder Einzelne so groß wird wie sein Einkommen. Arme erscheinen als Zwerge, Reiche als Riesen.
Mithilfe dieses Ansatzes hat Presse berechnet, wie viel es kostet, die untersten Einkommen bis auf ein kulturelles Existenzminimum von monatlich 900 Euro aufzustocken. Anders als das FDP-Bürgergeld orientiert sich Presse nicht an der Einkommen-, sondern an der Umsatzsteuer, auf die er das gesamte deutsche Steuersystem schrittweise umstellen will. Dabei schießt der Mehrwertsteuersatz in die Höhe, doch das Preisniveau bleibt laut Presse konstant, wenn im Gegenzug in den Nettopreisen enthaltene direkte Steuern wegfallen. Das Finanzamt erstattet dann jedem Bürger die auf seine lebensnotwendigen Ausgaben anfallende Mehrwertsteuer. Was die Umsetzung erleichtert: Seit 2008 vergibt der Fiskus an jeden Deutschen eine lebenslang gültige Steuernummer. Die Beamten könnten daher die Ansprüche auf Grundeinkommen verwechslungsfrei prüfen und auszahlen.
Hier der Link zur Publikation:
http://uvka.ubka.uni-karlsruhe.de/shop/isbn/978-3-86644-485-0
L.P.Häußner, KA
31.03.2010 14:58 Uhr
von Dschoardsch Dabbäljuh Bhousche:
Die Bundesrepblik Deutschland sollte erst mal Entschädigungszahlungen an die Herero und die Nama zahlen, bevor es sich an die Entwicklungshilfe in Südwestafrika ranmacht. Dort wartet man bis heute auf folgendes:
Entschuldigung und Wiedergutmachung dafür:
Als Namibia noch die Kolonie Deutsch-Südwestafrika war haben die militaristischen Deutchen ein völkermordartiges Massaker am namibischen Volk angerichtet. Mit Entwicklungshilfe können wir uns nicht rausreden. Die Bundesrepublik sollte sich kulturell und wirtschaftlich stärker in den ehemaligen Kolonien engagieren, sie ist es den ehemals unterdrückten Völkern schuldig.
In Namibia, wo Deutsch Nationalsprache ist, und wo es bis 1994 sogar Amtsaprache war, müssten die Deutschen sich auch personell engagieren und für Schulen mit Deutschunterricht sorgen. Nur so - mit Bildung und nicht mit Entwicklungshilfe - kann eine gute Basis für die wirtschaftliche Entwicklung gewährleistet werden. Namibia ist eines der reichsten Länder des afrikanischen Kontinents, das vermögen ist jedoch nirgendwo sonst so ungleich verteilt wie hier (die ehemaligen deutschen Kolonisten besitzen sozosagen ''alles''). Deshalb sollte man auch die Afrikanisierungskampagnen des derzeitigen Präsidenten unterstützen.
31.03.2010 11:49 Uhr
von kamy:
Entschuldigung, aber das war kein bedingungsloses Grundeinkommen, das waren Almosen. Oder, wenn man es positiv formulieren will, waren dies die ersten Ansätze einer Sozialpolitik.
Was Grundeinkommen theoretisch definiert ist ihre Selbstfinanzierung aus den Einkommen des Landes und keine Prüfung von Bedürftigkeit. Nun, in diesen verarmten Dörfern in Namibia ist eine Bedürftigkeitsprüfung überflüssig - die sind es. Also war es einfach der Versuch einer Simulation von Sozialhilfe ... gesponsert von Hilfsorganisationen, sprich, Almosen. Man sollte es auch so nennen und nicht als Versuchsfeld für das Grundeinkommen bezeichnen.
31.03.2010 11:21 Uhr
von Andreas:
Kleiner Fehler in der Bildunterschrift: Nicht 9 Euro am Tag, 9 Euro im Monat!
(An die prüfenden RedakteurInnen: Eher als Hinweis, lege keinen Wert auf Veröffentlichung)
LG