• 29.10.2009

Grüne und Linkspartei fremdeln

Die Mär vom linken Lager

Am Ende des Wahljahrs gibt es neue Koalitionen – nur keine rot-rot-grüne. Das liegt an der tiefen Kluft, die Grüne und Linkspartei trennt: Es fremdelt zwischen Hedonisten und Betriebsräten.von Ralph Bollmann

  • 30.10.2009 02:00 Uhr

    von Sado-Hedonist:

    Aha, der Öko-Polizist, der uns Mülltrennung in fünf Eimerchen vorschreibt, und ein Opfer für einen bizarren Gott abverlangend, uns mit 30 durch die Innenstädte schleichen lässt, das sind für Bollmann die Hedonisten.

    Und die Betriebsräte, die ihre Kolleginnen und Kollegen vor dem 24/7/365-Zugriff des Kapitals schützen, das sind die verbissenen.

    Diesen Hedonismus tausche ich gerne gegen ein wenig verbissen erkämpfte Freizeit ein, mit der ich machen kann, was ich will.

    'Latente Fremdenfeindlichkeit', gehts noch? Schon mal im Programm der Partei 'Die Linke' nachgeschaut? Ach so, zählt nicht, nur Papier.

    Und wenn der Traumkoalitionspartner Ronald Schill und sein hanseatischer Stammtisch das tun, dann ist das ja auch was gaaanz anderes. Und wenn die CDU dann zum Machterhalt doch lieber mit den Grünen koalieren, wird aus dem Stammtischkoalitionspartner ein supermodernes Ding, geradezu eine Revolution! Da kann sich einfach keiner mehr vor diesem widerlichen Opportunisten Ole von Beust ekeln.

    Ich bin beeindruckt, dass man als Journalist der Taz so einen schweren Rucksack voller Ressentiments und Doppelmoral herumschleppen kann.

  • 29.10.2009 22:41 Uhr

    von Daniel:

    Ich gebe Ralph Bollmann Recht. Zwischen dem Grünen und dem Arbeitermilieu liegen einfach Welten - hier das Gewerkschaftsfest, wo der Bratwurstduft weht, dort der vegane Öko-Falafel auf dem Grüne Fest. Die wesentlichen Wertvorstellungen, die dahinter liegen, sind teilweise diamentral verschieden.

  • 29.10.2009 19:11 Uhr

    von Münchnerin, katholisch, wertkonservativ, deshalb Linksparteiwählerin !:

    Da möchte ich mal Marc-Uwe Kling zitieren:

    .....doch die Blumenkinder, wer konnt´das ahnen
    gingen den Weg aller Bananen:

    heute Grün und morgen Gelb und übermorgen Schwarz...

    ....unsere Fahne hängen wir in den Wind, weil wir so ökologisch sind.....

  • 29.10.2009 18:16 Uhr

    von Enrico Radünzel:

    Warum wird immer wieder unterstellt, dass die Grünen quasi per Automatismus zum "linken Lager" dazugehören? Wie sich mittlerweile zeigt, ist das keineswegs so automatisch der Fall.

    Wer wie ich die Grünen von Beginn an kennt (einige Anfangsjahre war ich Mitglied) und ihre Entwicklung beobachtet hat, wundert sich über die derzeige Entwicklung nicht.

    Das Millieu, aus dem sie entstanden sind, war zu großen Teilen ein eher antibürgerliches Protest- und Posthippiemillieu. Die SPD galt als Spiesserpartei und die spätere Zusammenarbeit mit ihr, beginnend in Hessen, eine pure Notlösung. Eine wirkliche Nähe zu Arbeitern, Gewerkschaften und Betriebsräten gab es nicht.

    Der Gegensatz zur CDU war aber zu groß und dies vor allem wegen ihrer zur Schau getragenen Konventionalität und Konformität.

    Die Wurzeln der Grünen sind also durchaus bürgerlich und dies begründet auch, warum sie heute mit der Linkspartei gar nichts anfangen können. Gleichzeitig hat sich die CDU inzwischen sehr gewandelt, nicht zuletzt dank Frau Merkel.

    Somit erscheinen Koalitionen von Grünen und CDU durchaus naheliegend.

  • 29.10.2009 14:31 Uhr

    von Mär-chen:

    "Die Mär vom linken Lager"? Selbst verständlich gibt es ein linkes Lager: Die Linke und die Nichtwähler (okay, nur ein Großteil der Nichtwähler).
    Auf der anderen Seite das rechte Lager: FDP, CDU, SPD und Grüne. All diese Parteien haben Kurs auf einen Wirtschafts-Darwinismus genommen, oder behalten. Für die, die dabei vom Aussterben bedroht sind, hält man sich einen "Hartz 4"-Zoo.
    Wo bleibt eigentlich der Artikel: "Die Mär von der Mitte"? Denn diese gibt es nicht und genau deshalb werden sich SPD und Grüne entscheiden müssen: Rechts bleiben oder nach links rücken.

  • 29.10.2009 12:04 Uhr

    von Dr. Allesklar:

    Eine "Revolution"? Sicherlich nicht. In Berlin gibt es die sechsjährige Grundschule schon viel länger, ganz ohne unsympathische schwarz-grüne Koalitionen.

  • 29.10.2009 10:23 Uhr

    von tageslicht:

    6-jährige Grundschule eine Revolution? Die gibt es bei uns in Brandenburg schon seit der Wende. Traurig ist eigemtlich nur, dass wir damit bisher ziemlich alleine dastanden.

    Ansonsten hat der Autor die Lage der Grünen recht präzise erfasst: Eigentlich nur kleinbürgerliche Großstadt-Yuppies mit hohem Einkommen, die politisch eher der FDP nahestehen.

  • 29.10.2009 10:22 Uhr

    von Meik:

    Naja, das es zwischen den Cem'istischen Grünen, den Neogrünen, die die Bezeichnung 'Links' allerspätestens seit ihrem Abnicken der Agenda 2010 nicht mehr verdienen, und der Partei 'die Linke' fremdelt, darf nicht verwundern.

  • 29.10.2009 09:44 Uhr

    von Dr. Ludwig Paul Häußner:

    Sechjährige Grundschule gleicht einer Revolution!
    -------------------------------------------------

    Ich kann Herrn Bollmann nur zustimmen: die sechsjährige Grundschule von schwarz-grün in Hamburg ist eine strukturelle Revolution im deutschen Schulwesen. Damit hat Hamburg und schwarz-grün Leuchtturmfunktion gerade für Länder wie Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und das Saarland.

    Eins sechsjährige Grundschule ermöglicht auch eine darauf aufbauende zweigliedriges Schulstruktur.

    Wünschenswert und sinnvoll wäre ein daran anschließendes sechsjähriges Aufbaugymnasium, wie es diese in BW bereis gibt und eben eine völlig neu konzipierte - ebenfals sechsjährige - Kollegschule, die allgemeinbildend, profilbildend und berufsbildend ist und damit gleichwertig zum neuhumanistischen Bildungsideal der Gymnasien.

    Dr. Ludwig Paul Häußner, Karlsruhe
    www.unternimm-die-schule.de

  • 29.10.2009 09:34 Uhr

    von Pissflitsche:

    Was ist ein Hedonist? Und was ein Betriebsrat? Die gibt es doch im fortschreitenden Kapitalismus gar nicht mehr, oder doch?

    Die Grünen werden die neue FDP, die ihr Fähnchen in den Wind hält und die ehemals Linken der Partei werden herausgedrängt von Latte Machiato Yuppies aus grünen Wohlfühlinseln.

  • 29.10.2009 08:01 Uhr

    von Fred:

    Mal wieder weitestgehend ein typischer Hetzartikel der mittlerweile durch und durch neoliberalen taz nach dem Motto "Die böse Linke hat immer schuld und die Grünen haben immer Recht".

    Ein wahrer Kern steckt allerdings wirklich drin in dem Artikel nämlich dass in Teilen des grünen Wählermillieus mit Verachtung auf die Unterschicht herabgeblickt wird und man sich für was besseres hält.

    Da dieses mit Teilen der CDU Wählerschaft und der Wählerschaft der FDP geteilt wird sind Jamaika Koalitionen nur die logische Konsequenz wo dann auch eine Politik für die "besseren feinen bürgerlichen Menschen" gemacht werden kann und der "asozialen faulen Unterschicht" diesen nutzlosen Menschen zweiter Klasse endlich mal gezeigt werden kann wo der Hammer hängt.

    Schlimm ist allerdings dass die taz mittlerweile diese Verachtung für sozial Schwache auch übernimmt und durch und durch ausstrahlt.

  • 28.10.2009 19:40 Uhr

    von Gusch:

    Bitte vergessen Sie nicht: Es ist nicht nur die Kluft zwischen Hedonisten und Betriebsräten. Es ist auch die Kluft zwischen Bündnis 90 und SED.

  • 28.10.2009 18:49 Uhr

    von hedonistischer Betriebsrat:

    So eine hirnrissige Einleitung: Es fremdelt zwischen Hedonisten und Betriebsräten...
    mensch taz

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