Gründe für den Putsch in Honduras
Das Establishment schlägt zurück
Honduras Präsident Zelaya hat versucht, Hugo Chavez zu kopieren. So hat er das Volk für sich gewinnen können - und Im oligarchischen Honduras hat ihm das viel Ärger eingebracht.von Toni Keppeler
Leserkommentare
08.07.2009 01:21 Uhr
von Silvan:
Links oder Rechts? - wenn wir uns zu Schulzeiten nicht einig waren wohin es gehen sollte, dann haben wir damals gelernt abzustimmen.
Die Mehrheit entschied dann, wohin es gehen sollte, die Abstimmungen waren anonym, niemand brauchte also Angst zu haben, für seine Stimme verantwortlich gemachtzu werden - Minderheitenschutz.
Ich wundere mich manchmal, wie wenig sich Politiker (mit Macht, ob recht oder links ist egal) in Krisenzeiten um Stimmen aus dem Volk scheren. Das Volk ist schließlich der Souverän in jeder Demokratie, ob präsidial oder repräsentativ.
In so wichtigen und wilden Zeiten, wie gerade in Honduras, MUSS abgestimmt werden.
Zur Zeit klammert sich ein politische Klasse mithilfe des Militärs an die Macht, die inländischen Medien zensieren sich selbst und werden zensiert und Demonstranten werden daran gehindert zu demonstrieren, obwohl es ihr gutes Recht ist. Das Militär spielt dabei eine wichtige Rolle und verzerrt so die Meinungsbildung in Honduras. In Deutschland wollen wir es aus guten Gründen vermeiden, das Militär im Inland einzusetzen. Das Militär ist ja auch nicht das Volk.
Also, ihr politischen Klassen, rauft euch zusammen und fragt die, die eure (begrenzte) Macht legitimieren, die Wahlbeteiligung wird bestimmt gut. Und - ich finde, das Volk zu befragen ist nicht im geringsten sozialistisch, es ist zutiefst demokratisch.
Hier noch ein Interview vom letzten Sonntag (05.07.) aus der guatemaltekischen Prensa Libre mit der Vizekanzlerin des Interimsregimes:
http://www.prensalibre.com.gt/pl/2009/julio/05/326167.html
01.07.2009 06:13 Uhr
von Jo Mueller:
Leider ist die internationale Berichterstattung sehr einseitig. Es wird von gewalttätigen Protesten der Zelaya-Anhänger berichtet. Diese sind jedoch die absolute Minderheit. Am Dienstag fand eine friedliche(!) Kundgebung von 15.000 Honduranern hier in Tegucigalpa statt, die alle den Machtwechsel befürworten! Selbstverständlich ist die Art und Weise des Sturzes aufs schärfste zu verurteilen. Ich hoffe nicht, dass der internationale Druck des Auslands zu einer Wiedereinsetzung Zelayas führt- dann wäre die Sicherheit aller Menschen, die sich hier in Honduras befinden in Gefahr!!
30.06.2009 20:55 Uhr
von Jared J. Myers:
Lieber Herr Keppeler,
das war seit langem (und im Vergleich mit anderen Presse-Organen) der beste Artikel zur aktuellen Situation in Honduras. Während "Spiegel" und "Zeit" sich bemühen, die Pro-Micheletti-Demonstranten als disziplinierte "Zehntausende" gegen chaotische und auf Polizisten schießende "Hunderte" von Pro-Zelaya-Demonstranten aufzuhübschen, schreiben Sie ein wenig von den Hintergründen . Interessante Ergänzung wäre das Interview, das Zelaya noch am 28.06. der wahrhaftig nicht sozialismus-verdächtigen "El País" aus Spanien gegeben hat:
http://www.elpais.com/articulo/internacional/jefe/Ejercito/desobedecio/comandante/soy/elpepuint/20090628elpepiint_3/Tes
Der Gute hat die Erwartungen, die seine Herkunft nahe legte, nicht erfüllt - also werfen ihn die Herrschaften 'raus (unter dem Beifall der Friedrich-Naumann-Stiftung und einiger Neocons).
@Sr. Lang: Seguro ud . se ha enterado de la situación laboral en el campo y conoce la gente de esas zonas. ¡Pregúnteles, por favor, si comparten el favor de sus patrones respecto a los golpistas!
30.06.2009 17:53 Uhr
von Oliver Lang:
Der Witz ist ja, dass es hier gar nicht so um rechts oder links geht. Hier in Honduras gibt es kein schwarz oder weiss - eher Schattierungen unterschiedlichen Graus.
Z.B. wer ist dieser Mel Zelaya? Es wird immer wieder betont, dass er gegen das Establishment, gegen die Oligarchie und gegen die Reichen anginge. Mel Zelaya ist aber selbst ein Grossgrundbesitzer aus dem Osten des Landes, besitzt riesige Laendereien und eine millionenschwere Pferdezucht. Vor kurzem legte er einen Auftritt hin in Cowboystiefeln, die mehr kosten als der Jahresverdienst eines Arbeiters... seine Gefolgschaft zu Chavez ist eher Opportunismus als Ueberzeugung.
Heute wird ueberall ueber Demonstrationen berichtet, die fuer seine Rueckkehr eintreten. Verschwiegen wird, dass es nur ein paar hundert (gewaltbereite) sind. Dass in den letzten Wochen ZEHNTAUSENDE gegen Zelaya auf der Strasse waren, wird geflissentlich uebersehen...
30.06.2009 14:23 Uhr
von Marti:
@ Rolf E
Klar, wenn es gegen das Establishment geht, ist natürlich alles erlaubt.
Links = gut und moralisch überlegen, so einfach ist die Welt!
Demokratische Regeln gelten natürlich nur für "Rechte", wenn Linke die Möglichkeit haben, die Macht, egal auf welche Weise, zu erobern oder zu behalten, ist das zu unterstützen.
Kuba, Nordkorea, Weißrussland zeigen ja schon seit langer Zeit, dass der Sozialismus überlegen ist.
Chavez ist auch schon auf dem Weg ins Paradies, hat aber hat bisher das Ziel noch nicht ganz erreicht, leider
Also Genossen, venceremos!
30.06.2009 11:16 Uhr
von Rolf E:
Wie sich die Zeiten ändern: Vor einigen Jahren wurde über die taz für Waffen für die Guerilla in El Salvador gesammelt - heute begrüßt ein Großteil der eingesendeten Leserbriefe einen Militärputsch in einem lateinamerikanischen Land. Und findet Proteste gg. den Putsch "bedenklich". Dass Präsident Zelaya gg. "seine" liberale Partei (der Großgrundbesitzer) agiert: unerhört.
Der Inhalt des politischen Prozesses in Honduras - eine partielle Entmachtung der traditionellen Eliten und Militärs - spielt offensichtlich gar keine Rolle. Das ist ja schlimmer als das, was sich in den Leserbriefspalten der FAz abspielt.
30.06.2009 05:03 Uhr
von Oliver Lang:
Ich lebe und arbeite (als Angestellter) hier in Honduras und bekomme gerade einen Eindruck davon, wie sich Galilei gefuehlt haben muss: ich sehe hier vor Ort etwas und hoere und lese von allen Seiten das genaue Gegenteil...
Manuel Zelaya hat versucht, gegen die Verfassung, das Oberste Gericht, das Parlament und seine eigene Partei zu regieren und wurde deshalb auf Anordnung des Obersten Gerichtshofes und in Einklang mit der Verfassung abgesetzt.
Das wuerde in jedem anderen demokratischen Staat aehnlich gehandhabt. Und entgegen Herrn Kepplers Behauptung ging ein Aufatmen der Erleichterung durch das Land! Zelaya hat mitnichten die Mehrheit des Volkes hinter sich, was sich auch an der geringen Zahl der Pro-Zelaya-Demonstranten zeigt.
29.06.2009 22:47 Uhr
von Karumpel:
Vllt kann mich hier jemand mit mehr Wissen über Honduras aufklären. Ist das "oberste Gericht" sowas wie das deutsche BVG? Dann würde es natürlich über dem Präsidenten stehen. Mir geht es hier nicht um Bewertung (und ja, ich fänds auch schlimm, wenn sich die BW in der Innenpolitik als Verfassungsschützer aufspielen würde) sondern erstmal um Hintergrundwissen. Das im Artikel vermittelte ...äh.."Hintergrundwissen" ist ja erbärmlich. Da freue ich mich über den Titel "Gründe für den Putsch in Honduras": Und? "sind eh alle oligarchisch". BILD-Niveau. Ich Trottel hatte mir wirklich Hintergrundwissen über die "Gründe" erhofft. Aber als Student kenn ich das. Wenn einem bei einer Hausarbeit echt nix einfällt, nimmt man einfach den plumpsten Titel und schwallert bedeutungslos um den heißen Brei. Allerdings sind dann die Karma-Punkte (CreditPoints) gefährdet. Ich wechsel dann mal wieder zu google, um hoffentlich was informatives zu finden
29.06.2009 19:01 Uhr
von Mart:
Ich halte es für eine durchaus intelligente Regelung, dass Präsidenten nur eine oder zwei Amtsperioden zugestanden werden, besonders in Gegenden, wo die Demokratie nicht immer gefestigt ist.
Aber auch bei uns wären acht Jahre und nicht mehr eine gute Regelung.
Wer das nicht gut findet, aber ein aufrichtiger Demokrat ist, sollte den verfassungsmäßigen Weg zu einer Änderung beschreiten, egal ob er nun eher links- oder rechtsgerichtet ist.
Und wenn es dabei nicht um die eigene Person ginge, wäre es auch glaubwürdiger.
Die Vorstellung, dass einem, nur weil er eben links ist, zugestanden wird, sich nicht an die demokratischen Spielregeln zu halten, finde mehr als ich bedenklich.
Und besonders bedenklich finde ich die internationalen Kommentare von Regierungen und Medien zu diesen Fall.