Der US-amerikanische Todeskandidat Romell Broom wurde zwei Stunden malträtiert, bis die Henker vorerst aufgaben. Der Grund: Sie fanden keine geeignete Vene.von SEBASTIAN ERB

Vorhang auf für die Horrorshow: Liege in Lucasville. Bild: ap
Dass Romell Broom früher Drogen nahm, rettet ihm vielleicht das Leben. Die Henker im Gefängnis von Lucasville im US-Bundesstaat Ohio fanden keine Vene, die stark genug war für die Todesspritze. Nach mehr als zwei Stunden gaben sie auf. Jetzt wurde bekannt, wie sehr der 53-Jährige bei der misslungenen Hinrichtung am 15. September leiden musste. Broom war verurteilt worden, weil er vor 25 Jahren eine 14-Jährige vergewaltigt und ermordet haben soll - er bestreitet die Tat bis heute.
Seine eigene Hinrichtung beschrieb er unter Eid. Das Protokoll, das AFP vorliegt, zeigt schmerzlich, wie grausam die Todesstrafe ist, an der 35 von 50 US-Bundesstaaten festhalten.
Broom wird auf der Liege festgeschnallt und wartet auf den tödlichen Medikamentenmix. Doch die Wärter finden weder am linken noch am rechten Arm eine Vene für die Kanüle. Dann sticht die Krankenschwester wieder in den linken Arm. "Sie muss einen Muskel getroffen haben. Ich habe vor Schmerz geschrien", berichtete Broom. Der nächste Versuch scheint zu klappen. Doch der Katheter bricht ab, Blut läuft über seinen Arm. "Die Einstiche taten furchtbar weh, und ich konnte meine Arme kaum bewegen." Einer der Wärter sagte ihm, er solle sich entspannen. Kurz darauf trafen sie mit der Nadel einen Knochen. Bevor Broom mit angeschwollenen Armen und 18 Einstichen den Hinrichtungsraum verlassen durfte, war der Schmerz schier unerträglich.
In den vergangenen Jahren hat es in den USA immer wieder verpfuschte Hinrichtungen gegeben, aber meist war am Ende der Verurteilte tot. Noch nie seit Wiedereinführung der Todesstrafe im Jahr 1976 wurde eine missglückte Hinrichtung wiederholt. Menschenrechtler fordern, Broom zu begnadigen. Auch er selbst wehrt sich gegen einen zweiten Tötungsversuch. Ein solcher verstoße gegen das Verfassungsverbot grausamer Bestrafung. Die Behörden überlegen nun, ob sie in Zukunft das Gift grundsätzlich ins Knochenmark oder den Muskel injizieren.
Broom darf nun ein paar Wochen länger leben. Der Oberste Gerichtshof Ohios wird am 30. November über seinen Fall beraten. Auch die Hinrichtung zweier weiterer Todeshäftlinge wurde aufgeschoben.
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Leserkommentare
11.10.2009 12:31 | Wolf
Ich erwarte von dem frischen Friedensnobelpriesträger, dass er jetzt beginnt, im eigenen Land aufzuräumen und diese antiqui ...
08.10.2009 18:42 | macarena
@stimpy: In den USA wird die Hinrichtung selbstverständlich NICHT vom Gefängnisarzt vorgenommen, sonst wäre ja nicht von ei ...
08.10.2009 16:05 | anke
Zurück im Namen Gottes! ...