• 16.06.2009

Gigantisches Solarprojekt geplant

400 Milliarden Euro für Wüstenstrom

Es soll die größte Ökostrom-Initiativen aller Zeiten werden: 20 Konzerne planen in Nordafrika Solarkraftwerke im Wert von bis zu 400 Milliarden Euro. Sie sollen Deutschland mit Strom versorgen.von Bernward Janzing

  • 20.06.2009 10:11 Uhr

    von Norbert Hecker:

    --Blinde Solarspigel--
    Wenn die erste milliarde Euros in der Wüste durch einen Sandsturm, der die Sonnenspiegel erblinden läßt, vernichtet ist werden uns die Großkonzerne erst einmal sagen, daß Sonnenenergienutzung doch keine gute Idee ist. Der Verlust wird abgeschrieben und der Strompreis in Europa erhöht. Schon bei GROWIAN wußte die Industrie, daß sich Windenergienutzung nicht lohnt! Warum glauben wir nicht endlich das, was uns die Industrie rät?

  • 19.06.2009 01:06 Uhr

    von buckelwal:

    was mich wundert, ist z.b, dass bei der website von desertec allen ernstes ein button "donate" für geldspenden ist.

    ist der für die leute gedacht, die in den letzten jahrzehnten tausende milliarden dollar gewinne aus dem erdölverkauf akkumuliert haben?????

    immerhin sind ja bei der karte von desertec viele standorte genau in gebieten wo etliche dieser herren (vielleicht auch wenige damen) beheimatet sind.

    was mich auch wundert, ist, dass zwar auch ein paar windradsymbole eingezeichnet sind, aber ausgerechnet in ganz norwegen und schweden und finnland kein einziges, und das obwohl sich dort mehrere tausend(!) km² der weltweit besten standorte für windenergie befinden. offshore wka können z.b. so aussehen: www.ecogeek.org/content/view/1397/ und mit wellenkraftanlagen kombiniert werden. auch ganz schottland, teile nordenglands, küstengebiete von irland und nordirland zählen zu den weltbesten windkraftstandorten. auch dort sind nur relativ wenige windradsymbole auf der desertec karte.

    soll das projekt vielleicht doch auf kosten des ausbaus erneuerbarer energien gehen, die einigen leuten von desertec dann weniger gewinne einbrächten, weil für strom aus kuwait, saudiarabien etc. nicht im selben umfang bedarf bestünde????? dieser verdacht liegt meines erachtens leider sehr nahe!

    auch für solarenergie in südeuropa wären viel mehr kapazitäten, als es das projekt offenbar andenkt. vielleicht investieren sogar etliche rüstungsfirmen in desertec, weil sie dann weiter ihre panzer etc nach saudi-arabien etc verkaufen können, denn die braucht man dann geostrategisch evtl. zur absicherung!

    fazit: wüstenstrom, ja, bitte, v.a. unbedingt anstatt der kernkraftwerke, die sarkozy u.a. im mittelmeerraum verkaufen will;
    a b e r auf keinen fall mit einer derartigen unterbelichtung von in europa selbst erzeugter elektrizität.

    p.s. die erdölmilliardäre der welt (auch die in texas natürlich) sollten der weltgemeinschaft wegen ihrer profite aus der klimaerwärmung einige billionen entschädigung zahlen, v.a. den am meisten betroffenen menschen, also in afrika, asien u.s.w. und erneuerbaren energieausbau auch dezentral finanzieren - evtl. über einen fonds der vereinten nationen!

  • 17.06.2009 15:51 Uhr

    von Bernhard H. Johannes Wagner:

    Um die von buckelwal und anderen erwähnten Alternativen noch zu ergänzen:

    Allein die weniger als 200 m tiefen Gewässer Europas sind weit über als 100.000 km² und noch gar nicht mitgezählt sind dabei die hier erwähnten Kapazitäten: http://www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/uneinig-in-die-katastrophe/

    An den davon windreichsten Standorten, mit ausreichend weiter Streuung, ließen sich z. B. Windkraftanlagen dieses Typs installieren:
    http://www.ecogeek.org/content/view/1397/
    Diese Windkraft-Bojen sind in vieler Hinsicht vorteilhafter als sonst bisher oft übliche Modelle.

    Das könnte dann die aus Desertec importierten Mengen z. B. auch für Deutschland auf unter 15% halten.

  • 17.06.2009 15:26 Uhr

    von esop:

    @ taz-Genosse: Guter Hinweis, dieses transnational-renewables ... -Modell.

    @ buckelwal: Ja, allein mit Geothermie wären schon so viel dort bis ca. 2020 installierbar,
    v. a. in der kaspischen Senke. Zusätzlich mit Windrädern oder Solarteppichen (siehe einen meiner Links zu anderen taz Kommentarseiten) natürlich noch viel mehr. Und Kasachstan ist da nur ein besonders Beispiel (also nicht exklusiv gemeint!).

  • 17.06.2009 14:48 Uhr

    von buckelwal:

    Hallo "esop": Beziehen sich die von Dir erwähnten 16 GW installierbare Leistung in Kasachstan bis 2020
    allein auf Geothermie oder auf EE insgesamt?

    Hallo "@Mustafa". In Deinem Beitrag am 16.06.2009 um 12:54 Uhr, sind ein paar Irrtümer: Die Beleuchtungsenergie im Winter ist eine der kleinsten Faktoren. Im Sommer werden für Straßenbau, Zementherstellung und dergleichen ein Vielfachse davon an Energie 'verbraucht', auch elektrische, und so manches, was eigtl. auch direkt solarthermisch oder geothermisch gemacht werden könnte, wird heute (noch) elektrisch gemacht. Außderem könnten in Europa vom Ural bis in die Pyrenäen durchaus noch einige Pumpspeicherkraftwerke gebaut werden, die durchaus problemlos in der Lage wären, die Energie vom Sommer bis in den Winter zu speichern. Ähnliches gilt für Akkus, Druckluftspeicher, Brennstoffzellen oder Wasserstoffsalzen etc., allerdings mit bisher (noch) geringererm Wirkungsgrad als mit Pumpspeicherkraftwerken.

  • 17.06.2009 00:30 Uhr

    von daniel:

    "Ich kann mit zwar nicht recht vorstellen, wie man den Strom dann nach Europa transportiert"

    Das ist, zumindest technisch gesehen, über HGÜs (Hoch-Gleichstrom-Übertragungen) kein Problem, allerdings muss beachtet werden, dass auch innerhalb Europas die Höchstspannungsnetzte evtl. ausgebaut werden müssen. Der Strom wird nunmal nicht nur in Südspanien gebraucht...

  • 17.06.2009 00:08 Uhr

    von taz-Genosse:

    Diejenigen, die das Projekt vorrangig kritisch sehen, seien gefragt, ob ihnen lieber ist, wenn diese Konzerne ihr Geld in Kohle- und Atomkraftwerken investieren.

    Bernward Janzig und die taz-Ökoredaktion sei gefragt, wann er bzw. sie denn endlich mal die Arbeiten von G. Czisch (Kassel) vorstellen wird. Czisch hat schon 2001 ein Konzept für die großräumige Vernetzung Erneuerbarer Energien entwickelt. Mit einem Strommix aus Windenergie, vor allem von den Küsten von Nordafrika bis Skandinavien, von Schottland bis Nordrussland, von Solarenergie a la Desertec aus Nordafrika, von Wasserkraft (vor allem als Reserve) aus Nordskandinavien und den Alpen etc. kommt er auf einen Strompreis von ca. 4,5 Cent/kwh einschließlich aller Transportkosten bei Einspeisung ins deutsche Drehstromnetz
    http://www.transnational-renewables.org/Gregor_Czisch/veroeffentlichungen.html

    Mit Czischs Konzepten + Desertec könnten, ergänzt durch den Ausbau dezentraler Photovoltaic- und Windnutzung, innerhalb weniger Jahre alle Atom- und Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. Das müsste doch auch für die taz Anlass sein, sich damit breit auseinanderzusetzen ...

  • 16.06.2009 22:38 Uhr

    von Karsten Schade:

    Baute man diese Anlagen auf eigenem Territorium, ist zwar eine geringere Energie-Effizienz gegeben (Sonne steht niedriger) - man hat aber den enormen Vorteil, dass selbige auch vor Ort produziert und konsumiert werden kann. Das bringt wieder Vorteile bezüglich des Wirkungsgrades mit sich.
    Ein großer Fehler wäre es, darauf zu hoffen, dass nicht irgendjemand auf die Idee kommt, die Kabel von Afrika nach Europa zu kappen - etwa um noch ein wenig mehr Geld herausschlagen zu können.
    Die Abhängigkeiten bei solch langfristigen Projekten müssen so klein wie möglich gehalten werden, um eine stabile und effiziente Versorgung gewährleisten zu können.
    Natürlich sollen auch hier keine Solar-Anlagen im Kleinstformat gebaut werden. Es sind die gleichen Anlagen, die auch für Afrika gebaut werden sollen.
    Leicht modifiziert kann mit einer Gesamtfläche (ca. 3-Fache Größe des Saarlandes) der Strombedarf von Europa gedeckt werden. Standorte sind vorzugsweise in südlichen Ländern (z.B. Spanien) zu suchen.
    Das schafft vor Ort Arbeitsplätze und bringt den Standort Europa in die Lage sich langfristig von fossilen und atomaren Energieträgern und den dazu gehörigen Abhängigkeiten zu trennen.

  • 16.06.2009 19:10 Uhr

    von esop:

    Um die Abhängigkeiten von Herrn Gaddafi und anderen gering zu halten und zugleich für Afrika selbst den Nutzen zu vergrößern, sind Erneuerbare Energien auch an anderen Standorten auszubauen:

    Aufdachsolaranlagen (ganz besonders in Südeuropa), Windkraft (z. B. in Nordirland, Schottland, Dänemark u.s.w.), Wellenkraft (v. a. offshore)
    und Geothermie. Allein z. B. in Kasachstan könnten bis 2020 mehr als 20 GW installiert werden.

    Ein lesenswertes Konzept bzgl. Windenergie ist meines Erachtens außerdem:
    http://www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/kommentarseite/1/uneinig-in-die-katastrophe/kommentare/1/1/
    und zu Solarenergie:
    http://www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/kommentarseite/1/alles-koechelt-auf-sparflamme/kommentare/1/1/

    Nicht zu vergessen ist eine Studie der FH Onsnabrück, Sun Area ..., die belegt,
    dass sogar im "dunkleren" Deutschland in einer Stadt wie Osnabrück
    100% des Strombedarfs von Privathaushalten auf weniger als 1/4 der Dachflächen erzeugbar wären
    (Speichertechnik auszubauen dabei sicher mitgedacht).

    Übrigens: Millionen Tonnen Beton und Asphalt, Nitratkunstdünger und andere Dinge werden in Europa jährlich mit sehr hohem Energieaufwand hergestellt, die durchaus nicht alle dringend wären;
    z. B. sollten die meisten Autobahn- und Flughafen-Ausbauten gestoppt und Nitratkunstdünger sehr hoch besteuert werden, mindestens solange der Anteil der Energieerzeugung durch regenerative Technik deutlich höher ist, als heute.

  • 16.06.2009 18:49 Uhr

    von navajo joe:

    Greenpeace und einige andere grundsätzliche BefürworterInnen sind aber - und das kommt im Artikel missverständlich rüber - der Meinung, dass gleichzeitig
    auch an a n d e r e n Standorten Erneuerbare Energien ausgebaut werden müssen,

    und dass nur 10 bis maximal 15% des deutschen Strombedarfs aus Wüstenstrom gedeckt werden müssten.

    vgl. z. B. http://www.greenpeace.org speziell http://www.greenpeace.org/international/news/energy-revolution-now271008 Dort auch ein Link zum Download des 212 seitigen Plan B und zu einer 16 seitigen Zusammenfassung desselben.

  • 16.06.2009 18:13 Uhr

    von peter kelczynski:

    immerhin kommen in eurem artikel bedenkenträger zu wort, die das nicht nur technisch sehen. die berichterstattung von greenpeace ist ausschliesslich technikeuphorisch mit einem ruch von gutsherrenart geprägt.

    http://www.greenpeace.de/themen/energie/nachrichten/artikel/400_milliarden_euro_fuer_wuestenstrom_kraftwerke/

    schlimm!

    peter kelczynski


  • 16.06.2009 16:29 Uhr

    von Bare bel:

    "Bereits 2050...", ne- is klar!

  • 16.06.2009 14:28 Uhr

    von Michael:

    Es soll ja noch Leute geben, die kein Eigenheim besitzen. Außerdem ist da noch die Industrie, welche mit der Leistung aus Windkraftwerken auch nicht wirklich weit kommt. Es bleibt also noch genug Bedarf für ökologisch hergestellte Energie.
    Ich kann mit zwar nicht recht vorstellen, wie man den Strom dann nach Europa transportiert, aber wenn das funktioniert, ist es doch eine schöne Sache, wenn man damit eine Menge, sich auch im Fadenkreuz der Umweltverbände befindender konventioneller Kraftwerke ersetzen kann.

  • 16.06.2009 14:15 Uhr

    von Iro:

    Wir werden leider auch weiterhin von den Stromkonzernen abhängig sein. Aber die Solaranlage auf dem Dach kann das deutlich abmildern.

    Auch wenn das Projekt gut klingt muss man die Sache genau beobachten. Solche Großanlagen müssen gewartet werden und müssen jahrzehntelang betrieben werden um rentabel zu sein. Und Nordafrika ist ganz sicher nicht für seine Stabilität bekannt.

    Außerdem muss die Energie von A nach B transportiert werden. Man sollte aufpassen dass der Staat nicht irgendwelche Garantien unterschreibt und dann alle Risiken am Steuerzahler hängen bleiben.

  • 16.06.2009 13:35 Uhr

    von Krause:

    "Alles nach den Plänen der Kolonialherren".

    Was soll der Westen den machen, wenn es die "Eingeborenen" nicht selbst hinkriegen. Niemand hindert die Sahara-Länder selbst so etwas zu entwicklen außer der eigenen Inkompetenz. Im übrigen werden sich auch ein paar Euro für die "Eingeborenen" dabei rausspringen - ganz zu schweigen von dem politischen Druckmittel, sobald die Anlagen erstmal installiert sind.

  • 16.06.2009 13:31 Uhr

    von de Menz:

    Die Idee ist bestechend.

    Bisher sind wir von den arabischen Öllieferanten abhängig - in Zukunft von den arabischen Stromerzeugern.
    Ein echter Befreiungsschlag!

  • 16.06.2009 12:54 Uhr

    von @Mustafa:

    Das Problem bei Solaranlagen auf dem Dach ist nur, dass dann wenn man sie am meisten braucht sie zu wenig Strom liefern. Nämlich im Winter. Jede Dachanlage braucht auch Strom von außerhalb und kann nur im Sommer einen Überschuss produzieren, den man aber nicht für den Winter aufheben kann.

    Projekte in einer Wüste werden sich nur von Großkonzernen stemmen lassen, insbesondere wenn man einen wirtschaftlichen Strompreis möchte.

  • 16.06.2009 12:17 Uhr

    von Mustafa:

    Wieso soll man in Zeiten des Solarstroms von Stromkonzernen abhängig sein?

    Wenn das wenigstens den Erzeugerländern helfen würde.
    Das bezweifle ich stark, wenn Stromkonzerne, wie EON oder RWE sich daran beteiligen.

    Wer heute ein Haus baut, kann besser seine eigene Solaranlage installieren lassen. Auch wenn es auf den ersten Blick viel Geld ist, wird es sich in den Jahren, in denen man keinen Strom und keine Heizungskosten zahlt schnell rentieren.

    Waffenexporte aus Deutschland blühen. Und nun gibt es für uns Solarstrom aus der Wüste. Alles nach Plänen der Kolonialherren.

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