Gehörlose Parlamentarierin
"Ich bin kein leiser Typ"
Die Wienerin Helene Jarmer hört nichts, seit sie zwei Jahre alt ist. Seit Juli sitzt sie für die Grünen in Österreichs Parlament und zeigt den Abgeordneten, wie reich Gehörlosensprache sein kann.von Waltraud Schwab
Leserkommentare
26.09.2009 10:36 Uhr
von Wille Felix Zante:
Sehr schöner Artikel, der mal endlich vom üblichen "aber die Gebärdensprache ist eine eigenständige Sprache"-Blubb abweicht, aber trotzdem wieder einfach so einen Spruch dazwischen schleudert, (gemeint ist die Blind-/Taubheit-Vergleichsphrase) der erkennen lässt, dass für viele Hörende immer noch die Meinung vorherrscht, dass der Gehörlose ja mit seiner eigenen Sprache ausgesorgt und somit überhaupt keine Probleme mehr hätte. Quatsch! Nach wie vor gilt:
- Es gibt keine flächendeckende Versorgung mit Gebärdensprachdolmetschern
- Die Beantragung von Dolmetschern, etwa fürs Studium ist ein - um es gelinde auszudrücken - schwieriger Vorgang, mit extrem viel Papierkram und löst immer noch nicht alle Probleme, sondern zieht vielmehr einen ganzen Rattenschwanz an Problemen hinter sich her, die den Rahmen hier sprengen würden.
- Die Untertitelung im Fernsehen ist nach wie vor miserabel. Die wenigsten Filme werden untertitelt, und wenn, dann fasst die Untertitelung ganze Dialoge zu einfachen Wörtern zusammen.
- In Sachen Kino ist die Untertitelsituation noch schlimmer und wird allem Anschein nach stetig schlimmer: Immer weniger Filme werden untertitelt. Warum? Keine Ahnung, aber früher konnte man (in Berlin) noch fast jeden Blockbuster in der Original-mit-Untertitel-Fassung gucken. Jetzt nur noch Arthouse-Filme. Wir erinnern uns an den im Artikel beschriebenen niedrigen Bildungsstand eines Großteils der Gehörlosen... zur Zuspitzung und Veranschaulichung: Guckt ein Hauptschüler oder Analphabet Godard?
- Die ganz alltägliche Kommunikationssituation: Als Gehörloser kann man nicht einfach nach dem Weg fragen. Als Gehörloser wird man blöd angemacht, ignoriert oder mitleidig belächelt, wenn man seine Unfähigkeit zu hören zu verstehen gibt. Als Gehörloser hat man in dieser Gesellschaft, wo ansonsten jede Treppe zur Rampe, jede Rille zum Blindenleitsystem wird, zum Großteil die Arschkarte gezogen.
Es ist eben nicht so einfach, nach dem Gießkannenprinzip gesetzliche Anerkennung von Gebärdensprachen zu verteilen. Ströbele in Ehren, aber ein Abgeordneter einer Minderheit im Parlament ist kein Erfolg. Flächendeckende Untertitelung und unbürokratischere Dolmetscherbeschaffung schon. Und auch das kann dann nur ein Anfang sein.
26.09.2009 08:10 Uhr
von Yanneck:
Imponierend. Die Frau gefällt mir, sie kommt sehr natürlich und engagiert rüber.
26.09.2009 01:24 Uhr
von vic:
Klasse Frau. Mit diesem Handicap in einem Klima der Ignoranz eine solche Vita zu schreiben, muss unvorstellbar mühsam sein.