Europa wiederholt die Fehler der ersten Weltwirtschaftskrise. Nur Italien macht es richtig: Dort werden nun reiche Steuersünder verfolgt und Luxusjachten beschlagnahmt.
Eigentlich gefallen mir die Kommentare von Frau Herrmann gut. Sie sind durch eine bemerkenswerte Unaufgeregtheit gekennzeichnet und meistens gründlich recherchiert. Am Schluss dieses Artikel wird allerdings ein wenig zu grobschlächtig argumentiert, könnte man doch den Schluss ziehen durch Reichensteuer und Konjunkturprogramme sei die US-Wirtschaft während des New Deal wieder in die Gänge gekommen. Die Fakten sehen deutlich anders aus: Erst 1940, 7 Jahre nach Beginn des New Deal, erreichte das Bruttoinlandsprodukt der USA in etwa wieder den Stand von 1929 und über 8 Millionen Menschen hatten keine Arbeit, 1929 waren es ungefähr 1,5 Millionen. Zufällig hob im Herbst 1939 der Kongress die Ausfuhrsperre für Kriegsgerät auf und 1941 traten die USA ja in den Zweiten Weltkrieg ein. Damals waren immer noch 5,5 Millionen Menschen arbeitslos. Mag sein, dass der New Deal die Rezession gemildert hat, aber der Boom kam erst nach dem Kriegseintritt der USA zustande - ein Konjunkturprogramm auf das ich verzichten kann.
28.05.2010 09:40 Uhr
von das säggl:
also in der taz, ausgerechnet, muß ich lesen, daß berlusconi, ausgerechnet der, gegen steuerbetrug in italien vorgeht. es gibt keinen größeren und erfolgreichen steuerhinterzieher als berlusconi, nicht in italien und in ganz europa nicht. wenn hier wirklich eine jacht beschlagnahmt ist worden, dann nicht von der italienischen regierung, sondern von den behörden, den carabinieri, den guardia di finanza. was hat das mit berlusconi zu tun? für steuerhinterzieher werden hier die tore aufgemacht, weiter gehts überhaupt nicht mehr. für 5% konnten milliarden ins in-und ausland transferierte summen legalisiert werden, ohne herkunftsnachweis und ohne daß ein muks von der eu kam, geschweige ein eingreifen. gesetzpakete zur entkriminalisierung von betrug, bilanzfälschung, kürzere verjährungsfristen, jetzt auch praktische eleminierung der abhörmöglichkeiten der polizei, völlig irre, und das soll vorbild für europa sein? buona notte.
27.05.2010 22:29 Uhr
von Guillem:
Das ist klar, aber einfacher gesagt als getan. Das Kapital war vor 70 Jahre nicht so mobil wie jetzt. Um das erfolgreich umzusetzen sollten diese Massnahmen eine ganze Währungsregion umfassen, und das nicht vor die alle Steueroase abzuschalten. Machbar? ja, aber wo ist unserer Roosevelt? versteuert wird heutzutage lieber was nicht weg kann...
27.05.2010 20:04 Uhr
von A.Grech:
"Die US-Regierung ist von dem europäischen Sparwahn derart alarmiert, dass sie jetzt Finanzminister Timothy Geithner nach Großbritannien und Deutschland entsandt hat."
Also wenn wir von einem Land KEINE Ratschläge annehmen sollten, dann von den USA. Letzten Endes war es dieses Land bzw. dessen Notenbank, dass mit seinem permanenten Geld-Doping die Kreditblasen - und in dessen Folge die Blasen am Aktienmarkt und später Immobilienmarkt - zu verantworten hat, mit den bekannten Konsequenzen.
27.05.2010 19:38 Uhr
von Der Clown:
Wenn Frau Herrmann hier wirklich das Italien des Herrn Berlusconi als Musterbeispiel für effektive Steuererhebung darstellen will, dann hat sie von den italienischen Verhältnissen so viel Ahnung wie der Blinde von der Farbe. Effekthaschende Aktionen sind die Spezialität von Berlusconi, die nachhaltige Substanz tendiert gewöhnlich gegen Null, wie auch hier.
27.05.2010 19:17 Uhr
von end.the.occupation:
>> Die Besteuerung der Reichen birgt das geringste Risiko, eine Rezession zu provozieren.
Genau.
Es gibt nur ein Problem. Die Reichen kontrollieren die Medien - offensichtlich gibt es auch den ein oder anderern Journalisten, der auf ein Leben nach der taz, auf einen weicheren Sessel wartet - sie kontrollieren die Parteien - siehe den Fall Mövenpick und die vielen Politiker, die wie Koch auf einen Aufsichtsrats- oder Beraterposten warten - und sie haben auch ihre Finger direkt in den Ministerien - in der Exekutive.
Also spricht alles dafür, dass die Reichen die letzten sein werden, die untergehen werden.
Leserkommentare
28.05.2010 11:23 Uhr
von Klohr-Bürger:
Eigentlich gefallen mir die Kommentare von Frau Herrmann gut. Sie sind durch eine bemerkenswerte Unaufgeregtheit gekennzeichnet und meistens gründlich recherchiert.
Am Schluss dieses Artikel wird allerdings ein wenig zu grobschlächtig argumentiert, könnte man doch den Schluss ziehen durch Reichensteuer und Konjunkturprogramme sei die US-Wirtschaft während des New Deal wieder in die Gänge gekommen. Die Fakten sehen deutlich anders aus: Erst 1940, 7 Jahre nach Beginn des New Deal, erreichte das Bruttoinlandsprodukt der USA in etwa wieder den Stand von 1929 und über 8 Millionen Menschen hatten keine Arbeit, 1929 waren es ungefähr 1,5 Millionen. Zufällig hob im Herbst 1939 der Kongress die Ausfuhrsperre für Kriegsgerät auf und 1941 traten die USA ja in den Zweiten Weltkrieg ein. Damals waren immer noch 5,5 Millionen Menschen arbeitslos. Mag sein, dass der New Deal die Rezession gemildert hat, aber der Boom kam erst nach dem Kriegseintritt der USA zustande - ein Konjunkturprogramm auf das ich verzichten kann.
28.05.2010 09:40 Uhr
von das säggl:
also in der taz, ausgerechnet, muß ich lesen, daß berlusconi, ausgerechnet der, gegen steuerbetrug in italien vorgeht. es gibt keinen größeren und erfolgreichen steuerhinterzieher als berlusconi, nicht in italien und in ganz europa nicht. wenn hier wirklich eine jacht beschlagnahmt ist worden, dann nicht von der italienischen regierung, sondern von den behörden, den carabinieri, den guardia di finanza. was hat das mit berlusconi zu tun? für steuerhinterzieher werden hier die tore aufgemacht, weiter gehts überhaupt nicht mehr. für 5% konnten milliarden ins in-und ausland transferierte summen legalisiert werden, ohne herkunftsnachweis und ohne daß ein muks von der eu kam, geschweige ein eingreifen. gesetzpakete zur entkriminalisierung von betrug, bilanzfälschung, kürzere verjährungsfristen, jetzt auch praktische eleminierung der abhörmöglichkeiten der polizei, völlig irre, und das soll vorbild für europa sein? buona notte.
27.05.2010 22:29 Uhr
von Guillem:
Das ist klar, aber einfacher gesagt als getan. Das Kapital war vor 70 Jahre nicht so mobil wie jetzt. Um das erfolgreich umzusetzen sollten diese Massnahmen eine ganze Währungsregion umfassen, und das nicht vor die alle Steueroase abzuschalten. Machbar? ja, aber wo ist unserer Roosevelt? versteuert wird heutzutage lieber was nicht weg kann...
27.05.2010 20:04 Uhr
von A.Grech:
"Die US-Regierung ist von dem europäischen Sparwahn derart alarmiert, dass sie jetzt Finanzminister Timothy Geithner nach Großbritannien und Deutschland entsandt hat."
Also wenn wir von einem Land KEINE Ratschläge annehmen sollten, dann von den USA. Letzten Endes war es dieses Land bzw. dessen Notenbank, dass mit seinem permanenten Geld-Doping die Kreditblasen - und in dessen Folge die Blasen am Aktienmarkt und später Immobilienmarkt - zu verantworten hat, mit den bekannten Konsequenzen.
27.05.2010 19:38 Uhr
von Der Clown:
Wenn Frau Herrmann hier wirklich das Italien des Herrn Berlusconi als Musterbeispiel für effektive Steuererhebung darstellen will, dann hat sie von den italienischen Verhältnissen so viel Ahnung wie der Blinde von der Farbe. Effekthaschende Aktionen sind die Spezialität von Berlusconi, die nachhaltige Substanz tendiert gewöhnlich gegen Null, wie auch hier.
27.05.2010 19:17 Uhr
von end.the.occupation:
>> Die Besteuerung der Reichen birgt das geringste Risiko, eine Rezession zu provozieren.
Genau.
Es gibt nur ein Problem. Die Reichen kontrollieren die Medien - offensichtlich gibt es auch den ein oder anderern Journalisten, der auf ein Leben nach der taz, auf einen weicheren Sessel wartet -
sie kontrollieren die Parteien - siehe den Fall Mövenpick und die vielen Politiker, die wie Koch auf einen Aufsichtsrats- oder Beraterposten warten -
und sie haben auch ihre Finger direkt in den Ministerien - in der Exekutive.
Also spricht alles dafür, dass die Reichen die letzten sein werden, die untergehen werden.
Vorher kommen Millionen anderer dran.
Dagegen würden nur radikal Irre helfen.