Muttermilchersatznahrung ist nicht so gut, wie die Hersteller das in der Werbung suggerieren. Zweifelhafte Gesundheitsversprechen rufen nun Kinderärzte auf den Plan.von Kathrin Burger
Für mich war und ist Kunstmilch - wie ich die Säuglingsnahrung nenne - seit jeher ein viertklassiges Produkt, um das Kind satt zu bekommen. Mehr nicht.
Ich hatte meiner Tochter sehr lange das Beste geben, was mein Körper produzierte.
Mir stößt jedes Mal sauer auf, wenn unerfahrene Mütter suggeriert bekommen "nach dem Abstillen (ja wann denn?) müsse das Kind vor den bösen Keimen mit (überflüssiger) Folgemilch" ernährt werden.
So nach dem Motto "schön, dass Sie gestillt haben. Aber jetzt nach 6 Monaten taugt Ihre Milch nichts mehr".
Unsere Gesellschaft ist oft so, dass es ein dickes Fell braucht, stillt man länger als die empfohlene Stillzeit.
Ich wünschte mir, dass gerade Kinderärzte - die sich ja um die Gesundheit der Kinder kümmern (sollten) - bei Still- oder besser Laktationsberater - Nachhilfeunterricht nehmen würden. Denn noch zu viele Mütter glauben dem Herrn Doktor / der Frau Doktorin zu viele Dinge, die definitiv falsch sind.
06.12.2011 22:30 Uhr
von Philipp Sandermann:
Es ist sicher richtig, dass Muttermilch die beste Nahrung für Säuglinge ist. Gleichwohl kann einem manchmal übel werden, wenn man sich die ideologische Schärfe ansieht, mit der hier für ein unbedingtes Stillen solange wie möglich eingetreten wird. Gerade wenn dies dann den entscheidenden Müttern bedingungslos aufoktroyiert wird. Ob das dazu führt, dass in Extrembeispielen manche Mütter ihre Kinder bis zum Alter von 8 Jahren stillen wollen und auch glauben dies zu müssen, sei hier mal dahingestellt. Aber der Druck dem Mütter in Fragen des Stillens in den lketzten Jahrzehnten gerade von sog. "alternativer" Seite ausgesetzt sind ist schon erschreckend. Zur Frage der Konzernverantwortung: Natürlich ist es falsch, wenn Produkte unverhältnismäßig beworben werden und dem Verbraucher suggerieren, etwas bieten zu können was nicht Realität, sondern ein ideales Fernziel ist. Gleichzeitig sollte sich auch die Gegenseite der extremen Stillbefürworter von Zeit zu Zeit fragen, mit welcher Schärfe und Grundsätzlichkeit hier argumentiert wird. Bspw. schon mal an die zahlreichen Mütter gedacht, die auf Medikamenteneinnahme angewiesen sind und deswegen lieber Ersatznahrung geben als medikamentös durchwirkte Muttermilch? Oder auch mal bedacht, in welches konservative Horn man stößt, wenn man Mütter partout unter Druck setzt unbedingt solange zu stillen wie möglich - und damit auch die Mutter-Kind-Dyade ideologisch bis zum Exzess überhöht (oftmals übrigens auch zu Lasten der Vater-Kind-Dyade, denn Väter mit Kindern, die ab einem gewissen Alter - bspw. ab 3 Monaten - Flaschennahrung erhalten, können sehr viel unabhängiger voll erziehungsverantwortlich mit den Kleinen agieren als wenn man alle 3-4 Stunden zu Mama muss). Auch dies hat eine politische Dimension, und ganz so einfach wie oft suggeriert, ist die Sache dabei leider nicht. Deshalb bitte mehr Differenziertheit und weniger Pauschal(ver)urteil(ungen) bei diesem Thema! Auf Müttern, Kindern und 9individuell-familialen Entscheidungen rumgehackt wird nämlich ohnehin schon genug. Um dessen gewahr zu werden muss man nur mal mit einem weinenden Kind in den Bus einsteigen und sich die dortigen Blicke, Kommentare und "Ratschläge" zu Gemüte führen.
25.11.2011 10:40 Uhr
von Sabine Weick:
Muttermilch ist die optimale Ernährung für den Säugling. Große Industriekonzerne, Wissenschaftler und die Agrarlobby versuchen dennoch mit Werbung oder Forschung ständig neue Wege zu entwickeln, wie sie auch Kuhmilch für das Menschenbaby anpreisen können. Argentinische Wissenschaftler haben sogar eine Klon-Kuh „erschaffen“, die zwei menschliche Gene und damit die Fähigkeit besitzt, menschenähnliche Milch zu produzieren. PETA Deutschland e.V. kritisiert heftig, dass die Molkereiwirtschaft jährlich weit über 200 Millionen Euro für Marketingzwecke ausgibt, die Kindern und Eltern suggerieren sollen, wie gesund die Milch sei und wie gerne die Kuh ihre Milch uns Menschen anstatt ihrem eigenen Kalb gibt. Tatsächlich jedoch ernährt die Muttermilch den Säugling bereits mit der optimalen Nährstoffkombination. Laut wissenschaftlichen Erkenntnissen sind ausschließlich mit Muttermilch ernährte Babys in späteren Jahren weniger anfällig für Übergewicht oder Allergien. Laut dem Robert Koch Institut hat Muttermilch zahlreiche Vorteile für die Gesundheit von Mutter und Kind. Sie ist richtig temperiert und hygienisch einwandfrei. Aufgrund der Vorzüge des Stillens empfiehlt die Nationale Stillkommission am Bundesinstitut für Risikoforschung den Müttern, ihre Kinder bis zu sechs Monate ausschließlich zu stillen und auch mit der Einführung der Beikost nicht sofort abzustillen. Die Muttermilch gibt es kostenlos und ganz ohne Verpackung. Gerade Mütter können gut nachvollziehen, wie schrecklich es sein muss, kurz nach der Geburt von ihrem Baby getrennt zu werden. PETA möchte daran erinnern, dass dies bei jeder industriellen Milchproduktion der Fall ist. Die Kälbchen werden entweder selbst wieder als Milchproduzent missbraucht oder kommen nach nur wenigen Monaten zum Schlachter. Mehr Informationen zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Milch und der industriellen Milchproduktion finden Sie unter www.peta.de/milch.
Sabine Weick Ökotrophologin bei PETA Deutschland e.V.
Leserkommentare
03.03.2012 21:24 Uhr
von Marlene:
Für mich war und ist Kunstmilch - wie ich die Säuglingsnahrung nenne - seit jeher ein viertklassiges Produkt, um das Kind satt zu bekommen. Mehr nicht.
Ich hatte meiner Tochter sehr lange das Beste geben, was mein Körper produzierte.
Mir stößt jedes Mal sauer auf, wenn unerfahrene Mütter suggeriert bekommen "nach dem Abstillen (ja wann denn?) müsse das Kind vor den bösen Keimen mit (überflüssiger) Folgemilch" ernährt werden.
So nach dem Motto "schön, dass Sie gestillt haben. Aber jetzt nach 6 Monaten taugt Ihre Milch nichts mehr".
Unsere Gesellschaft ist oft so, dass es ein dickes Fell braucht, stillt man länger als die empfohlene Stillzeit.
Ich wünschte mir, dass gerade Kinderärzte - die sich ja um die Gesundheit der Kinder kümmern (sollten) - bei Still- oder besser Laktationsberater - Nachhilfeunterricht nehmen würden. Denn noch zu viele Mütter glauben dem Herrn Doktor / der Frau Doktorin zu viele Dinge, die definitiv falsch sind.
06.12.2011 22:30 Uhr
von Philipp Sandermann:
Es ist sicher richtig, dass Muttermilch die beste Nahrung für Säuglinge ist. Gleichwohl kann einem manchmal übel werden, wenn man sich die ideologische Schärfe ansieht, mit der hier für ein unbedingtes Stillen solange wie möglich eingetreten wird. Gerade wenn dies dann den entscheidenden Müttern bedingungslos aufoktroyiert wird. Ob das dazu führt, dass in Extrembeispielen manche Mütter ihre Kinder bis zum Alter von 8 Jahren stillen wollen und auch glauben dies zu müssen, sei hier mal dahingestellt. Aber der Druck dem Mütter in Fragen des Stillens in den lketzten Jahrzehnten gerade von sog. "alternativer" Seite ausgesetzt sind ist schon erschreckend. Zur Frage der Konzernverantwortung: Natürlich ist es falsch, wenn Produkte unverhältnismäßig beworben werden und dem Verbraucher suggerieren, etwas bieten zu können was nicht Realität, sondern ein ideales Fernziel ist. Gleichzeitig sollte sich auch die Gegenseite der extremen Stillbefürworter von Zeit zu Zeit fragen, mit welcher Schärfe und Grundsätzlichkeit hier argumentiert wird. Bspw. schon mal an die zahlreichen Mütter gedacht, die auf Medikamenteneinnahme angewiesen sind und deswegen lieber Ersatznahrung geben als medikamentös durchwirkte Muttermilch? Oder auch mal bedacht, in welches konservative Horn man stößt, wenn man Mütter partout unter Druck setzt unbedingt solange zu stillen wie möglich - und damit auch die Mutter-Kind-Dyade ideologisch bis zum Exzess überhöht (oftmals übrigens auch zu Lasten der Vater-Kind-Dyade, denn Väter mit Kindern, die ab einem gewissen Alter - bspw. ab 3 Monaten - Flaschennahrung erhalten, können sehr viel unabhängiger voll erziehungsverantwortlich mit den Kleinen agieren als wenn man alle 3-4 Stunden zu Mama muss). Auch dies hat eine politische Dimension, und ganz so einfach wie oft suggeriert, ist die Sache dabei leider nicht. Deshalb bitte mehr Differenziertheit und weniger Pauschal(ver)urteil(ungen) bei diesem Thema! Auf Müttern, Kindern und 9individuell-familialen Entscheidungen rumgehackt wird nämlich ohnehin schon genug. Um dessen gewahr zu werden muss man nur mal mit einem weinenden Kind in den Bus einsteigen und sich die dortigen Blicke, Kommentare und "Ratschläge" zu Gemüte führen.
25.11.2011 10:40 Uhr
von Sabine Weick:
Muttermilch ist die optimale Ernährung für den Säugling. Große Industriekonzerne, Wissenschaftler und die Agrarlobby versuchen dennoch mit Werbung oder Forschung ständig neue Wege zu entwickeln, wie sie auch Kuhmilch für das Menschenbaby anpreisen können. Argentinische Wissenschaftler haben sogar eine Klon-Kuh „erschaffen“, die zwei menschliche Gene und damit die Fähigkeit besitzt, menschenähnliche Milch zu produzieren. PETA Deutschland e.V. kritisiert heftig, dass die Molkereiwirtschaft jährlich weit über 200 Millionen Euro für Marketingzwecke ausgibt, die Kindern und Eltern suggerieren sollen, wie gesund die Milch sei und wie gerne die Kuh ihre Milch uns Menschen anstatt ihrem eigenen Kalb gibt.
Tatsächlich jedoch ernährt die Muttermilch den Säugling bereits mit der optimalen Nährstoffkombination. Laut wissenschaftlichen Erkenntnissen sind ausschließlich mit Muttermilch ernährte Babys in späteren Jahren weniger anfällig für Übergewicht oder Allergien. Laut dem Robert Koch Institut hat Muttermilch zahlreiche Vorteile für die Gesundheit von Mutter und Kind. Sie ist richtig temperiert und hygienisch einwandfrei. Aufgrund der Vorzüge des Stillens empfiehlt die Nationale Stillkommission am Bundesinstitut für Risikoforschung den Müttern, ihre Kinder bis zu sechs Monate ausschließlich zu stillen und auch mit der Einführung der Beikost nicht sofort abzustillen. Die Muttermilch gibt es kostenlos und ganz ohne Verpackung. Gerade Mütter können gut nachvollziehen, wie schrecklich es sein muss, kurz nach der Geburt von ihrem Baby getrennt zu werden. PETA möchte daran erinnern, dass dies bei jeder industriellen Milchproduktion der Fall ist. Die Kälbchen werden entweder selbst wieder als Milchproduzent missbraucht oder kommen nach nur wenigen Monaten zum Schlachter. Mehr Informationen zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Milch und der industriellen Milchproduktion finden Sie unter www.peta.de/milch.
Sabine Weick
Ökotrophologin bei PETA Deutschland e.V.