Vor eineinhalb Jahren floh Sadegh Amiri von Iran nach Deutschland. Seitdem wartet er auf eine Entscheidung über seinen Asylantrag. So wie Tausende andere. von Kristin Oeing
1. Was hätte er denn deiner Meinung nach tuen sollen? Wirklich in Griechenland bleiben? Ich zitiere mal eine andere Stelle aus dem Artikel zu den Lebensumständen in Griechenland: "Die Versorgung der Flüchtlinge sei katastrophal. Das UN-Flüchtlingshochkommissariat unterstützt diese Ansicht. Es berichtet von unmenschlichen Zuständen für Asylsuchende, den Menschen drohe Gefahr für Leib und Leben." Das ist auch nicht weiter verwunderlich denn dank der EU-Regelung müssen die Länder, die die Flüchtlinge zuerst betreten haben, diese auch aufnehmen. Mit dem Resultat das Italien und Griechenland, nicht gerade die finanzstärksten Länder, für einen Großteil der Flüchtlinge aufkommen muss. Eine ziemlich beschränkte Regelung wie ich finde, die eben ihren Teil dazu beiträgt, dass dort völlig inhumane und z.T Lebensbedrohlichen Bedingungen für Flüchtlinge herrschen.
2. Was den Therapieplatz angeht, den man auch nach Jahren nicht bekäme: Ist das nur Polemik oder kennst du tatsächlich einen Fall? Sicher die Wartezeiten sind für alle lang, egal ob deutsch oder nicht. Wie lang hängt aber z.T. sehr vom Therapeuten bei dem man anfragt und auch von der Stadt ab in der man lebt.
3. Der Artikel suggeriert es ginge bei der Therapie um die Aufarbeitung der Erlebnisse im Iran und auf der Flucht. Ich möchte dazu anmerken dass auch die Lebensumstände als Asylsuchender in Deutschland einen Menschen in die Depression treiben können: - Ständig mit der Ungewissheit leben zu müssen ob man hier bleiben darf oder nicht (eine sehr existenzielle Frage) bei dem gleichzeitigem Gefühl den Behörden völlig ausgeliefert zu sein - Die Trennung von der eigenen Familie - Die Isolation von der Gesellschaft (Sprachbarriere, Asylbewerberheime liegen meist außerhalb von Wohngebieten) - Die tägliche Monotonie im Asylbewerberheim - Das Gefühl nicht gebraucht und nicht gewollt zu sein (das tödlich sein kann für die eigene Selbstachtung) - Stress durch das räuml. sehr enge Zusammenleben mit vielen Menschen im Asylbewerberheim (siehe Beschreibung im Artikel) All die diese Bedingungen sind geeignet einen Menschen psychisch krank zu machen. Und ich finde es nicht nachvollziehbar warum Asylsuchenden (und ich meine nicht nur diesen einen Menschen aus dem Artikel) in Deutschland so etwas zugemutet wird (Egal ob illegal eingereist oder nicht).
14.02.2011 15:53 Uhr
von Gunter:
"Mit einem bulgarischen Pass und einer gefälschten Bordkarte floh er aus Griechenland. Über zwei Monate nach den iranischen Wahlen landet der Iraner am Berliner Flughafen Tegel, wo ihn die Grenzpolizei mit Handschellen empfing." steht in dem TAZ Artikel und die polemische Überschrift noch dazu. Der Mann ist illegal hier und muss wieder zurück nach Griechenland, einem EU Land und einer Demokratie, sie wurde dort sogar erfunden. Das er hier inhaftiert war, verstehe wer will, so etwas darf nicht passieren. Wozu gibt es die Außengrenzen der EU, wenn alle möglichen Flüchtlinge, mit allen möglichen Gründen, die zwar nachvollziehbar sind illegal herkommen ? Wenn man so einfach zu einem bulgarischen Paß und einem Ticket nach Deutschland kommen kann mit gefälschten Dokumenten ? Andererseits wird wegen Terrorgefahr kontrolliert bis zum Abwinken, auch bei Deutschen und einen Therapieplatz bekommt man auch als Deutscher oft auch nach Jahren nicht. Er hat sich selbst in die Illegalität befördert und gebeugtes Recht gibt es nicht.
14.02.2011 15:29 Uhr
von vic:
In Europa werden Parteien gewählt, nicht obwohl, sondern weil sie so handeln. Doch künftig werden sie entweder Mitgefühl zeigen müssen, oder die humanitäre Tarnkappe endgültig abnehmen. Denn es hat noch nicht einmal richtig begonnen.
Leserkommentare
15.02.2011 03:01 Uhr
von Miriam:
@Gunter:
1. Was hätte er denn deiner Meinung nach tuen sollen? Wirklich in Griechenland bleiben? Ich zitiere mal eine andere Stelle aus dem Artikel zu den Lebensumständen in Griechenland: "Die Versorgung der Flüchtlinge sei katastrophal. Das UN-Flüchtlingshochkommissariat unterstützt diese Ansicht. Es berichtet von unmenschlichen Zuständen für Asylsuchende, den Menschen drohe Gefahr für Leib und Leben." Das ist auch nicht weiter verwunderlich denn dank der EU-Regelung müssen die Länder, die die Flüchtlinge zuerst betreten haben, diese auch aufnehmen. Mit dem Resultat das Italien und Griechenland, nicht gerade die finanzstärksten Länder, für einen Großteil der Flüchtlinge aufkommen muss. Eine ziemlich beschränkte Regelung wie ich finde, die eben ihren Teil dazu beiträgt, dass dort völlig inhumane und z.T Lebensbedrohlichen Bedingungen für Flüchtlinge herrschen.
2. Was den Therapieplatz angeht, den man auch nach Jahren nicht bekäme: Ist das nur Polemik oder kennst du tatsächlich einen Fall? Sicher die Wartezeiten sind für alle lang, egal ob deutsch oder nicht. Wie lang hängt aber z.T. sehr vom Therapeuten bei dem man anfragt und auch von der Stadt ab in der man lebt.
3. Der Artikel suggeriert es ginge bei der Therapie um die Aufarbeitung der Erlebnisse im Iran und auf der Flucht. Ich möchte dazu anmerken dass auch die Lebensumstände als Asylsuchender in Deutschland einen Menschen in die Depression treiben können:
- Ständig mit der Ungewissheit leben zu müssen ob man hier bleiben darf oder nicht (eine sehr existenzielle Frage) bei dem gleichzeitigem Gefühl den Behörden völlig ausgeliefert zu sein
- Die Trennung von der eigenen Familie
- Die Isolation von der Gesellschaft (Sprachbarriere, Asylbewerberheime liegen meist außerhalb von Wohngebieten)
- Die tägliche Monotonie im Asylbewerberheim
- Das Gefühl nicht gebraucht und nicht gewollt zu sein (das tödlich sein kann für die eigene Selbstachtung)
- Stress durch das räuml. sehr enge Zusammenleben mit vielen Menschen im Asylbewerberheim (siehe Beschreibung im Artikel)
All die diese Bedingungen sind geeignet einen Menschen psychisch krank zu machen. Und ich finde es nicht nachvollziehbar warum Asylsuchenden (und ich meine nicht nur diesen einen Menschen aus dem Artikel) in Deutschland so etwas zugemutet wird (Egal ob illegal eingereist oder nicht).
14.02.2011 15:53 Uhr
von Gunter:
"Mit einem bulgarischen Pass und einer gefälschten Bordkarte floh er aus Griechenland. Über zwei Monate nach den iranischen Wahlen landet der Iraner am Berliner Flughafen Tegel, wo ihn die Grenzpolizei mit Handschellen empfing." steht in dem TAZ Artikel und die polemische Überschrift noch dazu. Der Mann ist illegal hier und muss wieder zurück nach Griechenland, einem EU Land und einer Demokratie, sie wurde dort sogar erfunden. Das er hier inhaftiert war, verstehe wer will, so etwas darf nicht passieren. Wozu gibt es die Außengrenzen der EU, wenn alle möglichen Flüchtlinge, mit allen möglichen Gründen, die zwar nachvollziehbar sind illegal herkommen ? Wenn man so einfach zu einem bulgarischen Paß und einem Ticket nach Deutschland kommen kann mit gefälschten Dokumenten ? Andererseits wird wegen Terrorgefahr kontrolliert bis zum Abwinken, auch bei Deutschen und einen Therapieplatz bekommt man auch als Deutscher oft auch nach Jahren nicht. Er hat sich selbst in die Illegalität befördert und gebeugtes Recht gibt es nicht.
14.02.2011 15:29 Uhr
von vic:
In Europa werden Parteien gewählt, nicht obwohl, sondern weil sie so handeln.
Doch künftig werden sie entweder Mitgefühl zeigen müssen, oder die humanitäre Tarnkappe endgültig abnehmen. Denn es hat noch nicht einmal richtig begonnen.