Die Finanzkrise ist im Verlagswesen angekommen. Kookbooks sucht nach einem Mäzen. Urs Engeler Editor stellt die Produktion ein. Alle berichten von Umsatzeinbußen.von Jörg Sundermeier
alles wird immer schlechter und man selber immer aelter, ja, das ist echt deprimierend! und frueher? ... musil hat versucht, mit kritiken geld zu verdienen, am ende war er trotzdem pleite. balzacs glaeubigerfluchten sind beruehmt ... es gibt endlos viele beispiele, von kuenstlern und anderen "enthusiasten", die geldprobleme hatten und teilweise daran gescheitert sind. aber es gibt auch andere beispiele, leute, die sich das geld woanders verdient oder organisiert haben. ich kann mit diesen klagen ueber die schlechte welt wenig anfangen. aergerlich finde ich den MAINSTREAM und das alle mitmachen; langweilige buecher (und deren verlage); langweilige kritiker und die (teils maechtigen) medien, die alle ueber und das gleiche reden und schliesslich langweilige buchlaeden, ohne gesicht, ohne seele - ohne sinn. die schuld auf "das publikum" und "die zeit" zu schieben, ist zu einfach und zu billig. und vor allem zu selbstgefaellig. von LYRIK beispielsweise hat noch nie jemand leben koennen, weder lyriker, noch verleger (ausnahmen wie DYLAN bestaetigen die regel!), da musste man sich schon immer etwas einfallen lassen, um sich zu finanzieren. was gibt es da zu beklagen? benn hat als arzt geld verdient und abends ein bier an der ecke getrunken. heiner mueller antwortete auf mein lob seiner gedichte nur trocken: "steckste 'n finger in arsch, biste dichter!" so, und jetzt an die arbeit, denkt euch was TOLLES aus! ach ja, das letzte wort: ich gebe ein: "keks"! (sehr gut!)
19.06.2009 22:02 Uhr
von erika oczipka:
Es tut mir selbst weh, aber ich muss die Idealisten mal etwas fragen: Wo steht geschrieben, dass ein Unternehmer, der seit Jahren Kunststoffteile für die Automobilindustrie produziert, darauf Anspruch hat für alle Zeiten? Heute oder morgen muss er der Nachfrage wegen seine Maschinen auf Klobürsten umrüsten, oder aufgeben. Und meinen Vorschreiber 'Huhn', der so bestürzt ist, ergänze ich: In U-Bahn, Bus, Straßenbahn und Zug sehe ich den Leuten immer auf die Finger: Frauen lesen die sog. Bestseller von Dan Brown und Konsorten, Männer lesen Fach-/Sachbücher; wenn sie jünger sind, auch mal Comics oder ein Reclam-Heftchen. Ich erlebe es in kleinen Buchhandlungen immer wieder, dass pot. Kunden nach Büchern fragen und wenn sie diese nicht sofort mitnehmen können, doch eben ins Zentrum zu den Großen fahren oder bei Amazon und Co. bestellen, wo man inzwischen auch keine Versandkosten mehr zu zahlen hat. Und das Schlimme ist - ich gebe es zu - ich gehöre manchmal auch zu denen, zumal viele "gebrauchte" Bücher preiswert und neuwertig angeboten werden. Wenn es ums Geld geht - und das ist zunehmend so - wird dort gekauft, wo es am günstigsten ist. Und hör' mir einer auf mit Gonski, Mayersche und dergl.! Befragen Sie mal deren Mitarbeiter, wenn es Ihnen privat möglich ist, zu dem Begriff "Ausbeutung". Und dann die Bestseller-Listen: Eine mit mir befreundete selbständige Buchhändlerin in Köln klagt ihr Leid, welchen Schund sie gezwungener Maßen lesen muss, um die Nachfragen der Kunden bedienen zu können. Ihre eigenen Interessen oder Ansprüche an Literatur kann sie aus Zeitgründen gar nicht mehr durchsetzen und damit erfolgreich an andere Käufer vermitteln. Und sie ist kein Einzelfall. Es hat sich wohl auch schon herum gesprochen: In Wohnungsvermieterkreisen werden selbständige Buchhändler schon gar nicht mehr als infrage kommende Mieter berücksichtigt. Vorgelegte Steuerbescheide sagen für die Zukunft nicht viel aus (Begründung: die konjunkturelle Lage). Zur Verdeutlichung des Eigenanteils, den wir alle als über die Situation jammernden an der Entwicklung haben, folgendes Beispiel: In einer Kleinstadt geben in letzter Zeit alteingesessene (schreckliches Wort) Geschäfte auf. Neulich treffe ich eine Frau, die bedauert, dass das Porzellanfachgeschäft A. auch aufgibt, denn dort habe es immer so gute Qualität gegeben. Auf meine Frage, wann sie das letzte Mal und was sie dort gekauft habe, sagte sie, es sei länger her und es wären zwei Tischkerzen gewesen. Ich brauchte nicht weiter zu sprechen. Und wenn die Feuilletons angesprochen werden, schließen Sie sich (taz) aus? Na? Also, das Thema ist komplexer als wir denken. Soziale Marktwirtschaft hat nicht unbedingt mit Qualität zu tun und "sozial" meint eben nicht das stille und elitäre Nischendasein, das sich viele wünschen. Und dann sollten die Nischen auch noch komfortabel sein. Und das alles - sagen wir es einfach - wird noch schöner, wenn die Urheberrechte unterwandert werden und Google uns alle, die mit, durch oder von Büchern leben, in der Tasche hat. Schade, aber wo ist der Ausweg?
14.06.2009 15:42 Uhr
von Stefan Weidle:
Ich kann mich den Worten von Jörg Sundermeier und den Kollegen nur anschließen: Derzeit sieht es echt verdammt schlecht aus. Und ich weiß nicht so recht, woher eine Besserung kommen sollte, denn der junge Leser ist so etwas wie eine contradictio in adiecto. Das sammeln von Büchern, der Aufbau einer Bibliothek: Das stirbt aus. Früher gehörte eine gutsortierte Bibliothek zum Status des Bildungsbürgers. Auch der stirbt aus. Heute heißt es naßforsch: Say it loud, I'm dumb and proud. Man kann nur den Verfall verlangsamen, neue Leserschichten gewinnen kann man nicht. Am dringlichsten erscheint mir die Förderung der unabhängigen Buchhandlungen mit gutem Sortiment, analog der Förderung der Programmkinos; beide stemmen sich doch gleichermaßen gegen den Kulturverfall. Die Buchkaufhäuser sind der Untergang der kleinen Verlage, weil sie unsere Bücher nicht ans Lager nehmen, dagegen kann man nur vorgehen, indem man die literarisch qualifizierte Konkurrenz fördert.
12.06.2009 15:05 Uhr
von Meinolf Reul:
Lieber Herr Sundermeier,
ja, das ist sehr traurig, daß der Enthusiasmus und Buchverstand der Independents so abgewürgt wird. Und wer, wenn nicht die Großbuchhandlungen, könnte sich Mäzenatentum gestatten? Bei Gonski in Köln konnte man noch Bücher der winzigen parasitenpresse finden (zum Beispiel), da arbeiteten auch noch Buchhändler, die etwas mit Literatur anfangen konnten. (Bei den Ketten gibt's die auch, klar, aber sie haben einen schweren Stand.) Die kleinen literaturorientierten Sortimente stehen wahrscheinlich selbst nicht besser da als irgendein freier Künstler und haben wenig Möglichkeiten, sich auf tätige Weise mit den selbstausbeuterisch arbeitenden Verlagen solidarisch zu zeigen. Es gibt aber auch einfach zu wenig entdeckungsfreudige Leser, die sich ein Buch von X oder Y greifen, sich sagen: Hab ich noch nie von gehört - mal ausprobieren! Stattdessen: Das Vorgekaute wird nachgekaut. So viele Leser sind Babys! Wie kriegt man sie erwachsen?!
12.06.2009 15:04 Uhr
von Meinolf Reul:
Lieber Herr Sundermeier,
ja, das ist sehr traurig, daß der Enthusiasmus und Buchverstand der Independents so abgewürgt wird. Und wer, wenn nicht die Großbuchhandlungen, könnte sich Mäzenatentum gestatten? Bei Gonski in Köln konnte man noch Bücher der winzigen parasitenpresse finden (zum Beispiel), da arbeiteten auch noch Buchhändler, die etwas mit Literatur anfangen konnten. (Bei den Ketten gibt's die auch, klar, aber sie haben einen schweren Stand.) Die kleinen literaturorientierten Sortimente stehen wahrscheinlich selbst nicht besser da als irgendein freier Künstler und haben wenig Möglichkeiten, sich auf tätige Weise mit den selbstausbeuterisch arbeitenden Verlagen solidarisch zu zeigen. Es gibt aber auch einfach zu wenig entdeckungsfreudige Leser, die sich ein Buch von X oder Y greifen, sich sagen: Hab ich noch nie von gehört - mal ausprobieren! Stattdessen: Das Vorgekaute wird nachgekaut. So viele Leser sind Babys! Wie kriegt man sie erwachsen?!
29.05.2009 01:54 Uhr
von Andreas Schneider:
Mal um die Leserecke herum geschaut und gedeutet: Neulich ist mir passiert, dass ich in der U-Bahn genauer geschaut habe, was eine Frau da auf der Fahrt wohl liest. Ich sah aus dem Wunschdenken heraus den Namen "Brecht". Beim zweiten Hinschauen habe ich festgestellt, der Autor heißt "Precht".
Damit sollte eigentlich schon das ganze Dilemma beschrieben und beschrieen sein: Wir bekommen die Autor/innen, die wir uns verdienen. Und zwar ganz erlesen. Wobei Richard David Precht sicherlich kein Antagonist ist, aber eben auch kein Protagonist.
Ich finde Enthusiasmus wunderbar und bin bestürzt, dass ein Urs Engeler seine Edition aufgeben muss. Aber er wusste um das Risiko, dass ein Mäzen kein Blankoscheckgeber für alle Zeiten ist. Und wenn jetzt Daniela Seel nach Mäzenentum schreit: Bitte. Sie sagte einmal vor einiger Zeit, ihre Autor/innen würden in Zukunft zu den bedeutenden Literaten oder Lyrikern gehören. Das klingt gut, aber wann beginnt diese Zukunft? Und für wen?
Und ja, ich gebe jetzt das Wort ein, das im Bild (neudeutsch Capture) angezeigt wird, weil ich sonst alles umsonst geschrieben hätte. Es laudatiot derzeit: huhn
Leserkommentare
24.10.2009 00:01 Uhr
von alexander wewerka:
alles wird immer schlechter und man selber immer aelter, ja, das ist echt deprimierend! und frueher? ... musil hat versucht, mit kritiken geld zu verdienen, am ende war er trotzdem pleite. balzacs glaeubigerfluchten sind beruehmt ... es gibt endlos viele beispiele, von kuenstlern und anderen "enthusiasten", die geldprobleme hatten und teilweise daran gescheitert sind. aber es gibt auch andere beispiele, leute, die sich das geld woanders verdient oder organisiert haben. ich kann mit diesen klagen ueber die schlechte welt wenig anfangen.
aergerlich finde ich den MAINSTREAM und das alle mitmachen; langweilige buecher (und deren verlage); langweilige kritiker und die (teils maechtigen) medien, die alle ueber und das gleiche reden und schliesslich langweilige buchlaeden, ohne gesicht, ohne seele - ohne sinn.
die schuld auf "das publikum" und "die zeit" zu schieben, ist zu einfach und zu billig. und vor allem zu selbstgefaellig.
von LYRIK beispielsweise hat noch nie jemand leben koennen, weder lyriker, noch verleger (ausnahmen wie DYLAN bestaetigen die regel!), da musste man sich schon immer etwas einfallen lassen, um sich zu finanzieren. was gibt es da zu beklagen? benn hat als arzt geld verdient und abends ein bier an der ecke getrunken. heiner mueller antwortete auf mein lob seiner gedichte nur trocken: "steckste 'n finger in arsch, biste dichter!" so, und jetzt an die arbeit, denkt euch was TOLLES aus!
ach ja, das letzte wort: ich gebe ein: "keks"! (sehr gut!)
19.06.2009 22:02 Uhr
von erika oczipka:
Es tut mir selbst weh, aber ich muss die Idealisten mal etwas fragen: Wo steht geschrieben, dass ein Unternehmer, der seit Jahren Kunststoffteile für die Automobilindustrie produziert, darauf Anspruch hat für alle Zeiten? Heute oder morgen muss er der Nachfrage wegen seine Maschinen auf Klobürsten umrüsten, oder aufgeben.
Und meinen Vorschreiber 'Huhn', der so bestürzt ist, ergänze ich: In U-Bahn, Bus, Straßenbahn und Zug sehe ich den Leuten immer auf die Finger: Frauen lesen die sog. Bestseller von Dan Brown und Konsorten, Männer lesen Fach-/Sachbücher; wenn sie jünger sind, auch mal Comics oder ein Reclam-Heftchen.
Ich erlebe es in kleinen Buchhandlungen immer wieder, dass pot. Kunden nach Büchern fragen und wenn sie diese nicht sofort mitnehmen können, doch eben ins Zentrum zu den Großen fahren oder bei Amazon und Co. bestellen, wo man inzwischen auch keine Versandkosten mehr zu zahlen hat. Und das Schlimme ist - ich gebe es zu - ich gehöre manchmal auch zu denen, zumal viele "gebrauchte" Bücher preiswert und neuwertig angeboten werden. Wenn es ums Geld geht - und das ist zunehmend so - wird dort gekauft, wo es am günstigsten ist.
Und hör' mir einer auf mit Gonski, Mayersche und dergl.! Befragen Sie mal deren Mitarbeiter, wenn es Ihnen privat möglich ist, zu dem Begriff "Ausbeutung".
Und dann die Bestseller-Listen: Eine mit mir befreundete selbständige Buchhändlerin in Köln klagt ihr Leid, welchen Schund sie gezwungener Maßen lesen muss, um die Nachfragen der Kunden bedienen zu können. Ihre eigenen Interessen oder Ansprüche an Literatur kann sie aus Zeitgründen gar nicht mehr durchsetzen und damit erfolgreich an andere Käufer vermitteln. Und sie ist kein Einzelfall. Es hat sich wohl auch schon herum gesprochen: In Wohnungsvermieterkreisen werden selbständige Buchhändler schon gar nicht mehr als infrage kommende Mieter berücksichtigt. Vorgelegte Steuerbescheide sagen für die Zukunft nicht viel aus (Begründung: die konjunkturelle Lage).
Zur Verdeutlichung des Eigenanteils, den wir alle als über die Situation jammernden an der Entwicklung haben, folgendes Beispiel:
In einer Kleinstadt geben in letzter Zeit alteingesessene (schreckliches Wort) Geschäfte auf. Neulich treffe ich eine Frau, die bedauert, dass das Porzellanfachgeschäft A. auch aufgibt, denn dort habe es immer so gute Qualität gegeben. Auf meine Frage, wann sie das letzte Mal und was sie dort gekauft habe, sagte sie, es sei länger her und es wären zwei Tischkerzen gewesen. Ich brauchte nicht weiter zu sprechen.
Und wenn die Feuilletons angesprochen werden, schließen Sie sich (taz) aus? Na?
Also, das Thema ist komplexer als wir denken. Soziale Marktwirtschaft hat nicht unbedingt mit Qualität zu tun und "sozial" meint eben nicht das stille und elitäre Nischendasein, das sich viele wünschen. Und dann sollten die Nischen auch noch komfortabel sein.
Und das alles - sagen wir es einfach - wird noch schöner, wenn die Urheberrechte unterwandert werden und Google uns alle, die mit, durch oder von Büchern leben, in der Tasche hat.
Schade, aber wo ist der Ausweg?
14.06.2009 15:42 Uhr
von Stefan Weidle:
Ich kann mich den Worten von Jörg Sundermeier und den Kollegen nur anschließen: Derzeit sieht es echt verdammt schlecht aus. Und ich weiß nicht so recht, woher eine Besserung kommen sollte, denn der junge Leser ist so etwas wie eine contradictio in adiecto. Das sammeln von Büchern, der Aufbau einer Bibliothek: Das stirbt aus. Früher gehörte eine gutsortierte Bibliothek zum Status des Bildungsbürgers. Auch der stirbt aus. Heute heißt es naßforsch: Say it loud, I'm dumb and proud.
Man kann nur den Verfall verlangsamen, neue Leserschichten gewinnen kann man nicht. Am dringlichsten erscheint mir die Förderung der unabhängigen Buchhandlungen mit gutem Sortiment, analog der Förderung der Programmkinos; beide stemmen sich doch gleichermaßen gegen den Kulturverfall. Die Buchkaufhäuser sind der Untergang der kleinen Verlage, weil sie unsere Bücher nicht ans Lager nehmen, dagegen kann man nur vorgehen, indem man die literarisch qualifizierte Konkurrenz fördert.
12.06.2009 15:05 Uhr
von Meinolf Reul:
Lieber Herr Sundermeier,
ja, das ist sehr traurig, daß der Enthusiasmus und Buchverstand der Independents so abgewürgt wird. Und wer, wenn nicht die Großbuchhandlungen, könnte sich Mäzenatentum gestatten? Bei Gonski in Köln konnte man noch Bücher der winzigen parasitenpresse finden (zum Beispiel), da arbeiteten auch noch Buchhändler, die etwas mit Literatur anfangen konnten. (Bei den Ketten gibt's die auch, klar, aber sie haben einen schweren Stand.) Die kleinen literaturorientierten Sortimente stehen wahrscheinlich selbst nicht besser da als irgendein freier Künstler und haben wenig Möglichkeiten, sich auf tätige Weise mit den selbstausbeuterisch arbeitenden Verlagen solidarisch zu zeigen.
Es gibt aber auch einfach zu wenig entdeckungsfreudige Leser, die sich ein Buch von X oder Y greifen, sich sagen: Hab ich noch nie von gehört - mal ausprobieren!
Stattdessen: Das Vorgekaute wird nachgekaut.
So viele Leser sind Babys! Wie kriegt man sie erwachsen?!
12.06.2009 15:04 Uhr
von Meinolf Reul:
Lieber Herr Sundermeier,
ja, das ist sehr traurig, daß der Enthusiasmus und Buchverstand der Independents so abgewürgt wird. Und wer, wenn nicht die Großbuchhandlungen, könnte sich Mäzenatentum gestatten? Bei Gonski in Köln konnte man noch Bücher der winzigen parasitenpresse finden (zum Beispiel), da arbeiteten auch noch Buchhändler, die etwas mit Literatur anfangen konnten. (Bei den Ketten gibt's die auch, klar, aber sie haben einen schweren Stand.) Die kleinen literaturorientierten Sortimente stehen wahrscheinlich selbst nicht besser da als irgendein freier Künstler und haben wenig Möglichkeiten, sich auf tätige Weise mit den selbstausbeuterisch arbeitenden Verlagen solidarisch zu zeigen.
Es gibt aber auch einfach zu wenig entdeckungsfreudige Leser, die sich ein Buch von X oder Y greifen, sich sagen: Hab ich noch nie von gehört - mal ausprobieren!
Stattdessen: Das Vorgekaute wird nachgekaut.
So viele Leser sind Babys! Wie kriegt man sie erwachsen?!
29.05.2009 01:54 Uhr
von Andreas Schneider:
Mal um die Leserecke herum geschaut und gedeutet: Neulich ist mir passiert, dass ich in der U-Bahn genauer geschaut habe, was eine Frau da auf der Fahrt wohl liest. Ich sah aus dem Wunschdenken heraus den Namen "Brecht". Beim zweiten Hinschauen habe ich festgestellt, der Autor heißt "Precht".
Damit sollte eigentlich schon das ganze Dilemma beschrieben und beschrieen sein: Wir bekommen die Autor/innen, die wir uns verdienen. Und zwar ganz erlesen. Wobei Richard David Precht sicherlich kein Antagonist ist, aber eben auch kein Protagonist.
Ich finde Enthusiasmus wunderbar und bin bestürzt, dass ein Urs Engeler seine Edition aufgeben muss. Aber er wusste um das Risiko, dass ein Mäzen kein Blankoscheckgeber für alle Zeiten ist. Und wenn jetzt Daniela Seel nach Mäzenentum schreit: Bitte. Sie sagte einmal vor einiger Zeit, ihre Autor/innen würden in Zukunft zu den bedeutenden Literaten oder Lyrikern gehören. Das klingt gut, aber wann beginnt diese Zukunft? Und für wen?
Und ja, ich gebe jetzt das Wort ein, das im Bild (neudeutsch Capture) angezeigt wird, weil ich sonst alles umsonst geschrieben hätte. Es laudatiot derzeit: huhn