• 11.06.2008

Falsche Lichtblick-Werbung entlarvt

Korrekt, aber nicht sauber

Mit "100 Prozent Öko" wirbt Ökostromanbieter Lichtblick. Doch tatsächlich kauft das Unternehmen auch Dreckstrom auf der Strombörse ein, um Schwankungen auszugleichen.von Bernward Janzing

  • 15.06.2008 18:43 Uhr

    von Zeichengeber:

    Au Mann und Au Frau, manche Reinst-Ökos (wie leben die eigentlich in unserer Welt) haben Sorgen. Regen sich über 0,5 - 2 % technischer Abweichung auf, rauchen sich zur Beruhigung erst mal eine Krebsstange, fahren dann in ihrem Diesel in den Urlaub oder jetten mal eben mit der Billig-Städtreise nach Rom, New York, London. Haben die das Recht sich so aufzuregen?
    Das ist kein Hirngespinst, sondern ich kenne einige. Und jetzt die Gretchenfrage: Wer von denen, die sich jetzt aufblasen, hat denn schon selbst auf die Öko-Seite gewechselt? Mal rechnen:
    400.000 Lichtblick, 70.000 EWS, 70.000 Greenpeace, 23.000 Naturstrom = 563.000.
    Grünwähler sagen wir bei 5 % Stimmenanteil einfach mal 2.000.000. Fällt etwas auf???
    Aber LichtBlick gibt mir jetzt einen Grund nicht zu wechseln und bleibe bei RWE, E-on, Vattenfall und EnBW. Oder ich wechsele zu e-wie einfach (E-on), Yello (EnBW - mit dem größten Anteil an Atomstrom).
    Es gibt schon Pharisäer.

    Zeichengeber

    PS: Bitte verschont mich bei dem Rechenbeispiel mit Zahlenkorrekturen. Es geht nur um die Tendenz.

  • 13.06.2008 11:15 Uhr

    von lilo:

    liebe taz,

    würde mir jemand von ihnen in diesem zusammenhang erklären wieso sie sich entschieden haben gerade der firma vattenfall in der taz einen anzeige-platz zu verkaufen?

  • 13.06.2008 09:28 Uhr

    von christophe:

    Man sieht bei diesen Diskussionen immer in erster Linie eines: die meisten haben keine Ahnung wo ihr Strom herkommt...
    Denken die, man legt eine Leitung zu einem Windrad von ihrem Haus, sobald sie Naturstrom kaufen?
    Das ist ein großes Netz, niemand bekommt "Ökostrom geliefert"!
    Der Kunde verbraucht Strom und der Ökostromanbieter ersetzt das sozusagen.

    Aus der Steckdose kommt so oder so auch der Strom aus AKWs, was wichtig ist, ist wer alles am Produzieren ist. Je mehr Ökostromanbieter, desto weniger andere bei gleichem Verbrauch (deswegen ist auch Kritik an Wachstumsstrategien ein bisschen absurd).
    Aber eben, auch ein Ökostromanbieter muss seinen Kunden ja auch irgendetwas verrechnen können wenn die grad mehr verbrauchen als er in das Netz einpumpt...

    Schlecht ist wohl in erster Linie die Kommunikation... Aber wnn es jemanden freuen sollt: wenn Lichtblick zuviel produziert kaufen das auch die AKW-Kunden :-)

  • 12.06.2008 10:53 Uhr

    von Tom:

    Es wiedert mich mittlerweile an, dass Geschäftsfüher und sogenannte Marketingfachleute immer wieder die Entscheidung treffen, das bestimmte Sachverhalte angeblich dem Kunden nicht zu vermitteln sind. Wie ja dargelegt wurde, ist der Slogan 100% Ökostrom durchaus haltbar, es hätte nur in einem Glossar einer Erklärung zu den Mechanismen des Strommarktes bedurft, mehr nicht. Da diese Erklärung der Bedarfsschwankungen werder neu, noch besonders kompliziert ist, ist es noch weniger zu verstehen,warum dies nicht gemacht wurde. Ich hoffe, dass die Verantwortlichen für diese Entscheidung ihren Job verlieren, und es den anderen eine Leere ist.

  • 12.06.2008 10:41 Uhr

    von cwaffel:

    Interessant bei dem Onlineartikel ist die beiläufig platzierte Werbung eines Konkurrenzunternehmes.

  • 12.06.2008 10:31 Uhr

    von Agnieszka:

    ..könnte man sich in diesem Artikel auch die Frage stellen, wer von dem Skandal profitieren könnte......

  • 12.06.2008 09:28 Uhr

    von abc:

    Die Diskussion ist doch absurd: Wie der Strom tatsächlich erzeugt wird, der konkret aus der Steckdose kommt, kann man doch überhaupt nicht feststellen. Es geht doch darum, wie er erzeugt wird. Und deshalb spielt es selbstverständlich auch keine Rolle, wenn Lichtblick am einen Tag konventionellen Strom dazukauft und am anderen Tag dafür Ökostrom verkauft, insgesamt wurde gleich viel Ökostrom produziert. Ich finde, dass die Aussage "100% Ökostrom" damit nicht falsch wird.

    Außerdem finde ich es schon etwas bedenklich, wenn die taz in einem Artikel einen Ökostromabieter extrem kritisiert und nebendran Werbung für die Kooperation der taz mit einem anderen Ökostromanbieter macht, und das sogar noch, ohne im Artikel auf den eventuellen Interessenskonflikt hinzuweisen. Dieses Niveau ist man eher von der "Bild" gewöhnt und weniger von der taz.

  • 12.06.2008 09:23 Uhr

    von Dietmar Pahlseck:

    Man kann sich leicht vorstellen, welche Lobbyarbeiter mit ihren gewohnt guten Drähten zur FTD die Meldung dort lanciert haben. Fallt nicht auf diese Art der medialen Interessendurchsetzun herein. In dieser monopolisierten Branche wird mit allen Tricks gearbeitet. Und der Artikel hier in der taz zeigt ja auch zum Glück die echten Zusammenhänge auf - ein Lichtblick!

  • 12.06.2008 09:07 Uhr

    von technokrat:

    Muahuahuahuaha, was für eine Nachricht. War ja nach der Überschrift fast geschockt, aber nach lesen des Artikels... 2%...boah, ey, ich fühle mich ja sowas von über den Tisch gezogen. "Seit zehn Jahren ist bekannt, dass das so läuft", aber die Taz hat wohl heute keinen Aufhänger. Schon Sommerloch?
    Wir leben nunmal in einer Übergangszeit, mich ficht diese Praxis nicht soweit an, das ich mich von Lichtblick trennen würde. Ich schreib nichmal ne mail.

    "drei anderen großen Ökostromanbieter Naturstrom, Greenpeace Energy und Elektrizitätswerke Schönau (EWS) _eigenen_ _Angaben_ _zufolge_ mit den Schwankungen ganz ohne die Strombörse zurechtkommen."
    "Nach eigenen Angaben" ging das bei Lichtblick bisher auch. Ein Schelm wer böses dabei denkt.

    Ansonsten kommt aus euren Steckdosen ebenfalls feinster Atomstrom. Das hängt mit dem Strompool zusammen und wird sich nicht ändern lassen, bis das letzte Ukrainische AKW abgeschaltet ist. So what?
    Lichtblick hat nicht ausreichend informiert. Das ist doof. Mehr aber eigentlich auch nicht.
    Was das Thema Fehlinformationen und Greenpeace angeht: ich sage mal "Brant Spar". Da hat Greenpeace absichtlich falsche Tatsachen behauptet "um die Leute zu mobilisieren". Ist gelungen. Ein letztes Mal.
    Weltrettungs GmbH... ts, ts, ts, was würde David sagen?

  • 12.06.2008 08:31 Uhr

    von René Kobald:

    Was mich persönlich besonders berührt ist, das Lichtblick sich einen Stamm von freien Mitarbeitern hält, die nur auf einer geringen Provisionsbasis bezahlt werden. Da der Strommarkt sowieso hart umkämpft wird müssen die freien Mitarbeiter nun auch noch diese Pille schlucken. Da das Geschäft eh so schwierig ist kann ich mir vorstellen, wer jetzt noch nicht gekündigt hat, tut es aufgrund der neuen Sachlage spätestens jetzt.
    MfG René

  • 12.06.2008 00:49 Uhr

    von mheiber:

    Danke für diesen etwas ausgewogeneren, informativen Artikel. Das Tagesspiegel zeigt im Gegenzug mal wieder, wie man es nicht macht (dpa Mitteilungen ungekürzt und ohne Gegenrecherche abdrucken). Lob für die taz!

    Das was Lichtblick hier angelastet wird, ist gängige Praxis. Ohne eine Zukauf von 0,5 - 2% bei Belastungsspitzen säßen wir entweder im Dunklen oder aber würden mehr bezahlen. Entweder man akzeptiert also den Preis von Lichtblick (der im Moment keineswegs der günstigste unter den Ökostromanbietern ist), dann muss man damit vorlieb nehmen, dass man eventuell zu den 0,5 oder auch 2% gehört, denen dann doch eventuell Atomstrom in Rechnung gestellt wird. Oder man wechselt einfach zu einem anderen Anbieter (ist ja relativ einfach und geht schnell). Jeder, der sich hier beschwert, kann gerne eine der beiden Optionen ziehen.

    Mal ganz davon ist die Informationspolitik seitens Lichtblicks nicht wirklich gelungen. Umfangreiche Information und Vertrauen sind gerade in dieser Branche oberstes Gebot; denn soviel Geld man auch damit machen möchte: Ökostrombezieher sind keine BILD-Leser und Hummer-Fahrer, sondern meistens umweltbewusste Verbraucher, denen das Gewissen, bei einem Unternehmen seine Energie zu beziehen, welches sich dem Erhalt der Umwelt verschrieben hat, das extra an Geld wert ist, welches man heute noch für Strom aus erneuerbaren, natürlichen Quellen zahlen muss. Und sobald man das Vertrauen der Verbraucher, sei es durch Fehlinformation oder Klüngelei, verliert, kann man meistens den Laden dicht machen.

    Vorsicht Lichtblick! Lasst euch das eine Warnung sein; lernt aus euren Fehlern. Ihr seit zwar der größte am Markt für Ökostrom. Aber das muss nicht immer so bleiben.

  • 12.06.2008 00:25 Uhr

    von vic:

    Ihren Kommentar hier eingebenSelbstverständlich hätte Lichblick darauf hinweisen müssen, auch bei 0,5%.
    Andererseits fühle ich mich als Kunde nicht betrogen und dort noch immer in guten Händen.
    Dass nun die Dreckstromlobbyisten allenthalben aus den Löchern kriechen um ihre gar nicht so klammheimliche Schadenfreude zu äußern, halte ich für ebenso sebstverständlich. Dick aufgetragen ist allerdings eine Schlagzeile in der Süddeutschen: "Atomstrom statt Ökostrom".

  • 11.06.2008 23:23 Uhr

    von Michael Fritsch:

    98,5 % Ökostrom ist doch wesentlich besser, als 10 %, oder 15 %. Das Schwankungen durch Zukäufe ausgeglichen werden müssen, erscheint mir logisch und ist m. e. auch legitim. Trotzdem sollte diese Realität eindeutig beschrieben werden.
    Das die FTD, oder andere Zeitungen diese "Tatsache" so hart bewerten, ist doch reine Stimmungsmache. Wenn alle auch nur 80% Ökostrom beziehen würden, hätten wir keine Energieprobleme mehr und könnten auch auf alle AKW´S verzichten. Das wäre doch mal was.

  • 11.06.2008 22:12 Uhr

    von Johannes:

    Wenn der Werbeslogan einer Firma - für die das Ansehen bei den Kunden Kapital ist! - "100% Ökostrom" lautet... sollte man das eigentlich ernst nehmen dürfen. Oder nicht?
    Übrigens... wisst ihr, welchen Großkunden lichtblick auf ihrer Startseite an prominenter Stelle als "Referenz" nennen?
    ...die taz.

  • 11.06.2008 21:47 Uhr

    von andi:

    @Björn:
    Ist doch toll, wenn durch so ein Unternehmen dann auch der Bildleser dem "Klimahype" verfällt und wenigstens diesen Ökostrom kauft. (und zwar was seinen Stromverbrauch betrifft über Lichtblick, zwar verteilt, aber im Endeffekt doch zu 100%)

  • 11.06.2008 19:43 Uhr

    von Leo:

    Sicherlich hat sich Lichtblick mit der Nicht-Information über die Zukäufe an der EEX nicht gerade einen Gefallen getan. Soll ich deswegen meinen am Montag gestellten Antrag sausen lassen? Nein! Allerdings muss Lichtblick jetzt alles auf den Tisch legen. Mir graust es nur vor den Kommentaren in anderen Zeitungen, nach dem Motto: Wir haben es ja schon immer gewusst!

  • 11.06.2008 17:08 Uhr

    von Matthias Hufnagel:

    Ich bin Lichtblick Kunde. Ich bin ein Atomkraftgegner. Ich vetraue Lichtblick. Ich misstraue vor allem diesem aus meiner Sicht schon fast pathologischen Reinheitskomplex, der in solchen Diskussionen immer wieder seine Zähne blitzen lässt zutiefst. Dieses "Lieber sterben als einmal einen Nicht-Bio-Apfel essen"
    Ich habe kein Problem mit Lichtblick. Mich stören ein paar Prozent Realität aus der Steckdose nicht die Bohne. Die wirklich wichtige Mischung für die Zukunft sind 100% Pragmatismus und 0% Dogmatismus. Mein Vertrauen In Lichtblick ist ungestört.

  • 11.06.2008 14:36 Uhr

    von Björn Ahaus:

    Gerade beim Ökostrom ist Ehrlichkeit ein besonders hohes Gut. Deswegen begrüße ich es, dass die TAZ, wenn auch plakativ, darauf hinweist. Schließlich gibt es noch die anderen drei unabhängigen Ökostromer Greenpeace Energy, Naturstrom und EWS, die allerdings noch deutlich kleiner sind als Lichtblick. Vielleicht liegt dies darin begründet, dass sie weniger oportunistisch als Lichtblick ein ehrlicheres Geschäft betreiben. Lichtblick hat den Klimahype im letzten Jahr und die damit verbundene Ökostrommode ausgenutzt, seinen Strom in Bild als "Bild-Ökostrom" vermarktet und betreibt agressives Door-to-Door-Marketing, außerdem ist die Firma bereits vor einigen Monaten wegen der Verwendung der umstrittenen RECS-Zertifikate in die Kritik geraten. Vielleicht ist bei der Expansion die Ehrlichkeit auf der Strecke geblieben.
    Das ist allerdings kein Grund, die Idee des Ökostroms grundsätzlich in Frage zu stellen. Warum nicht einfach zu einem der anderen Anbieter wechseln?
    Greenpeace Energy z.B. widerspricht Lichtblick und betont, keinen Strom an der Strombörse zu kaufen. Außerdem veröffentlicht die Firma als einzige, die Kraftwerke, welche den Strom liefern.
    Deshalb: Augen auf beim Ökostromkauf.

  • 11.06.2008 13:28 Uhr

    von LichtblickschmerztimGeldbeutelundlügtauchnoch:

    Auf der einen Seite ist es zwar nicht verwunderlich, dass eine hundertprozentige Versorgung noch nicht erfolgen kann, da auf regenerative Energien ja noch nicht allzu lange gesetzt wird. Die Informationspolitik lässt allerdings doch sehr zu wünschen übrig und erinnert eher an Konsorten wie RWE und Vattenfall. Schade. Bei einem monatlichen Abschlag von ca. 60 Euro und zusätzlichen Gaskosten bei Lichtblick von 35 Euro- also ungleich mehr als bei anderen Energieversorgern, möchte ich doch sichergehen können, dass die Angaben auch stimmen.

  • 11.06.2008 12:25 Uhr

    von Stefan Karst:

    Reißerischer Artikel

    Lichtblick liefert also nicht, wie beworben, 100% Ökostrom, sondern nur 98,5%? Und dafür diese eher an die BILD erinnernde Überschrift samt Artikel?
    Ich meine, gut finde ich diese Praxis von Lichtblick (und anscheinend auch von den anderen Ökostromanbietern) nicht, die Kunden darüber nicht zu informieren. Ein kurzer Absatz auf der Homepage zur Erklärung der gängigen Praxis des stromzukaufens an der EEX würde ja schon reichen.
    Aber eigentlich sollte jedem Kunden klar sein, das er nicht wirklich zu jeder Zeit 100% erneuerbare Energien geliefert bekommt, sondern das es auch kurzfristig Abweichungen gibt. Genauso wie man sich darüber im klaren sein sollte, das auch Bioprodukte nicht 100% Bio sein müssen, sondern es vielleicht nur zu 98% sind...
    Darüber so einen Artikel zu schreiben finde ich doch übertrieben...

    Gruß, Stefan Karst

  • 11.06.2008 11:24 Uhr

    von palindrom:

    Bei diesem extremen Wachstumskurs von Lichtblick verwundert es ja nicht wirklich, daß die durchaus gewinnorientierte Firma konventionellen Strom hinzukauft. "Ökostrom" bedeutet im Umkehrschluß eben nicht, daß der Gewinnmaximierungsgedanke und die moralische Integrität automatisch funktionieren. Schade nur, daß es gerade diese eigentlich sinnvolle Branche trifft.

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