Ex-SED-Zeitung "Thüringer Allgemeine"
Der oberste Geschmacksbestimmer
Radakteure mit Stasi-Vergangenheit, wandelfähige Altkader, sibirische Gulags: Wie Sergej Lochthofen aus einer SED-Zeitung ein unabhängiges Blatt machte – die "Thüringer Allgemeine".von Kai Schlieter
Leserkommentare
04.12.2009 10:49 Uhr
von Franz Gessner Thüringen:
In Thüringen hat seit 1990 nach einer dubiosen Übernahme die WAZ-Gruppe in Form der Zeitungsgruppe Thüringen (ZGT) das Meinungsmonopol mit ca. 90% Auflage der regionalen Tageszeitungen im Land. Zwanzig Jahre nach der Wende wird es Zeit, die Krake ZGT zu entflechten. Vielleicht kann die TAZ mit Rat und Tat helfen mit der Ausgründung der TA-Mitarbeiter in eine unabhängige Thüringer Tageszeitung den Demokratisierungsprozess im Land zu unterstützen. Ich bin sicher viele Sympathisanten würden die ZGT boykottieren und beim Austragen der "Neuen TA" helfen. Gute Journalisten gibt es ja bei der alten TA und Eigeninitiative hat den Redakteuren schon einmal geholfen.
30.11.2009 19:48 Uhr
von Dr. Karsten Riedel:
Kaum ist der Rausschmiss ausgesprochen, zeigt die WAZ, wie sehr ihr eine unabhängige TA-Redaktion am Herzen liegt und zensiert die gemeinsame Erklärung der Redaktionsmitarbeiter, in welcher der Verbleib des Chefredakteurs gefordert wurde. Besser kann man die Machtverhältnisse in Erfurt und die geforderte künftige Arbeitsweise gar nicht mehr illustrieren.
http://www.thueringerblogzentrale.de/2009/11/30/thuringer-allgemeine-zensiert-erklarung-der-mitarbeiter/
29.11.2009 23:28 Uhr
von G. Luckner:
Lochthofen schimpft jetzt über Stalinismus. Er selbst hat ihn praktiziert. Kleines Beispiel. Drehorgel-Rolf hat sich auf einem Ilmenauer Stadtfest 1993 mal abfällig über die TA geäussert. Seitdem verordnete Lochthofen Schreibverbot. Als D-ROLF dann 1994 in der Rallye Paris -Dakar mit seinem Trabi Probleme bekam wurde ein falscher u. absolut ehrverletzender Artikel in die TA lanciert.
G L
28.11.2009 17:57 Uhr
von janja:
Die TA ist das Kind der Lochthofens.
Sie haben es geboren, erzogen, gelehrt und ihm Werte vermittelt.
Ich werde die Zeitung in Zukunft nur dann kaufen, wenn die Kollegen um die Chefredaktion Lochthofen/Lochthofen kämpfen.
27.11.2009 23:04 Uhr
von IWerner Wühst:
Daß die Lochthofen-Rausschmiß-Meldung zeitgleich mit der neuen Ausgabe der Zeit und ihren ausgezeichneten Beiträgen zur Situation in deutschen Zeitungsverlagen auf meinen Tisch geriet, ist ein sehr lebensnaher Zufall.
Der Rausschmiß ist nicht das Problem, vielmehr die Inthronisierung eines Braunschweiger Chefredakteurs. Damit werden zwei Jahrzehnte nach der Wende zwei der drei WAZ-Zeitungen in Thüringen von Wessis geführt. Gratulation.
01.08.2009 16:08 Uhr
von Bernd:
Immer wieder interessant wie mancher sich seine eigene Vergangenheit zurechtbiegt.
Zum Thema "Keine Partei" fällt mir nur eine Frage ein: War die KPDSU etwa keine Partei???
Es wäre Herrn Lochthoven doch ein Leichtes gewesen, in dem zitierten Interview "keine SED" zu sagen.
Im übrigen waren Sowjet-Bürger in der DDR keineswegs unterprivilegiert, wie hier suggeriert wird.
31.07.2009 15:33 Uhr
von Martin:
Heute ist die Zeitung quasi das Zentralorgan der CDU. Leider fehlt das in der Berichterstattung völlig.
31.07.2009 14:50 Uhr
von Thomas Beer:
Der Schreiber ist offenbar jemand, der diese Zeitung nicht zu lesen braucht und den Chefredakteur vor der WAZ-Gruppe schützen will. Dabei würde es höchste Zeit, dass das Imperium Lochthofen/Lochthofen beerdigt wird.
31.07.2009 14:44 Uhr
von NEC:
Liebe Taz,
vielen Dank für diesen Artikel. Diese relativ raren Einblicke in die Abläufe des alles-außer-sich-selbst-beleuchtenden und reflektierenden Mediendschungels, sind ein weiterer Grund Taz zu lesen! Bitte, bitte mehr und zwar viel mehr davon.
Interessant wäre natürlich hier auch mal das Spannungsfeld, in dem ihr euch bei solchen Artikeln bewegt zu behandeln. Zwischen Information und Nestbeschmutzung etc. Wie problematisch gestaltet sich die Recherche bei sowas? "Rächen" sich Kollegen für negativ konnotierte Artikel?
Schön fände ich es auch wenn ihr an einigen größeren Entwicklungen in diesem Bereich auch ein wenig längerfristig dranbleiben würdet (hust Montgomery hust), um auch die größeren Linien abseits von eindimensionalem "Die bösen Hedgefonds machen die tolle unabhängige Presse kaputt" zu beleuchten.
Weiter so! Bei solchen Artikeln verkriecht sich das "Sommerloch" bibbernd in der Ecke!
31.07.2009 13:49 Uhr
von Bodo Bender:
Ein exzellenter Artikel! Hat Spaß gemacht, ihn zu lesen! Lochthofen macht vor, wie man mit ständig frisch gelüftetem Hirn aus einem SED-Bezirksblättchen eine (ziemlich) kritsche (Dieter Althaus und seine unsäglichen "Schuld"-Ausweichmanöver!), unabhängige Zeitung machen kann.
Als Potsdamer kenne ich ein Gegenbeispiel: die "Märkische Allgemeine" (MAZ), einst ebenfalls SED-Bezirksblatt, das von der FAZ übernommen wurde, die dann einen sich als letzten Konservativen gebenden Herausgeber aus der FAZ-Hinterstube nach Potsdam strafversetzt hat: Alexander Gauland, ein CDU-Protegee, der als proportionaler angeblicher Ostler immer wieder mal die Pressclub-Sendungen langweilte - im Gegensatz zu dem immer muntereren anregenden Lochthofen, bei dem man dann wieder hinhörte. Herausgekommen ist in Potsdam / Brandenburg das miefige Provinzblatt "MAZ".