Die Privatuni Witten-Herdecke versteht die Welt nicht mehr: Studenten wollen freiwillig mehr Gebühren zahlen, doch das Land NRW streicht ihnen die Förderung.von Pascal Beucker
Unter der nachfolgenden Adresse können Interessierte erleben, welche Anstrengungen derzeit im Umfeld der Universität Witten/Herdecke unternommen werden, um die drohende Insolvenz doch noch abzuwenden: www.deutschlandbrauchtwitten.de.
20.12.2008 01:15 Uhr
von gutbetuchter Student:
@ weg damit...
Hm: Also irgendwie kommt mir ihr Bild der Uni WH doch etwas sehr verschoben vor.
Die Wittener Studenten haben das Modell des umgekehten Generationenvertrages in Deutschland etabliert - ein Konzept, welches z.B. von den Hamburger Hochschulen übernommen wurde. Ihrem allgemeinen Informationsstand zur Folge ist es wahrscheinlich notwendig, wenn ich das Modell hier erläutere: Kurz: Wer nach dem Studium mehr verdient, zahlt mehr, wer wenig verdient, weniger und wer nichts verdient, zahlt nichts. Das Modell der Mediziner sieht eine Rückfinanzierung über 10% des Gehaltes über 10 Jahre vor. Natürlich gibt es an dieser Uni auch einen Anteil an sofortzahlenden Studenten. Aber die zahlen übrings auch nicht weniger, als die Späterzahler, sondern zinsbereinigt den Schnitt, den die Späterzahler zahlen. Achso: Was für die meisten Staatlichen Unis utopisch klingt: Wir können über dieses Modell ohne die direkte Belastung durch Studiengebühren, wie sie an einer staatlichen gezahlt würden, studieren - und brauchen uns die mittel nicht auf dem Kapitalmarkt mit den damit verbundenen Risiken selbst organisieren. (Die Kfw verlangt für einen Kredit, der die staatlichen Gebühren deckt, auch mal ebent 25 000 Euro im Schnitt zurück).
Wären unsere Eltern alle Millionäre, würden wir bestimmt nicht nach 4,7 Mio schrein, sondern uns einfach mal alle kein neues Pferd zu Weihnachten wünschen. Wären wir alle Reich, würd die Uni auch nicht im wunderbaren Witten stehen, sondern in München.
Das ein großer Teil der Wittener Studenten den Eindruck macht, sie hätten mehr Geld, kann eventuell daran liegen, dass bei einer Bewerbung Bewerber mit einer bereits abgeschlossenen Berufsausbildung (->Praxiserfahrung) bevorzugt werden - diese Studenten haben natürlich andere Einkünfte, als jemand, der sich mit studentischen Aushilfsjobs rumschlagen muss - aber auch davon gibt es genug Studierende.
Das man in Witten kein Bafög erhält, ist absoluter Nonsense. Die Studierendenschaft ist von ihrer finanziellen Herkunft ähnlich geschichtet, wie eine andere Uni auch. Klar, dass Kinder von Ärzten oft den selben Beruf anstreben (weil se nix anderes kennen) kann man nicht abstreiten und ich denke auch, dass Banker, Pfleger, Künstler ihren Kindern ihre Berufsbilder zu einem bestimmten Anteil "vererben". Das Bild, die Uni Witten/Herdecke wäre eine Institution der besser Betuchten und die Studenten wüsten eh nicht hin mit ihrer Kohle, entspricht (in der aktuellen Situation möchte man FAST schon "leider" sagen) nicht der Realität.
Die Uni wollte schon von jeher die "Kopfelite" anziehen und nicht die "Finanzelite" - also halt eben den Fokus auf die Ausbildung von hochmotivierten, engagierten, politsch-aktiven, interessanten Menschen und NICHT auf die Kinder-Reicher-Eltern richten - wäre letztes der Fall, würde sich wohl kein Student für die Uni so ins Zeug legen, wie es im Moment der Fall ist, denn: Papa würde ja schon einen neuen Beruf finden ;)
19.12.2008 00:08 Uhr
von Weg damit!:
Ich begrüße das!
Eine Privatuniversität, deren Besuch sich nur die Kinder von Millionären leisten können, keine BaföG-Berechtigten und Mittelstandskinder, muss eben auch privat finanziert werden und nicht vom Steuerzahler!
Meinetwegen kann diese "Universität" schließen, der "Geldadel" kann auch woanders studieren.
18.12.2008 21:26 Uhr
von UWH Ehemalige:
@Beobachter: Im Unterschied zur WHU und EBS hat die UWH ihren Schwerpunkt nicht auf den wirtschaftlichen Faechern, sondern bietet auch die kostenintensiven Studiengaenge Medizin und Zahnmedizin an. Ein grosser Teil der Studenten und ehemaligen verdient daher eben keine Spitzengehaelter wie sie in der Wirtschaft gezahlt werden. Noch eine weitere Sache: Alle Kindergaerten und Schulen, die von den Kirchen in Deutschland finanziert werden, sind in privater Hand. Da aber Bildung ein Staatsauftrag ist, erhalten auch diese Institutionen staatliche Mittel. Insofern ist es kein Widerspruch, wenn eine private Hochschule staatliche Mittel erhaelt.
18.12.2008 18:32 Uhr
von FMH:
Man muss es sehen wie es ist: Wenn sich eine Einrichtung als "privat" bezeichnen will, dann muss sie fähig sein ohne stetige Finanzspritzen des Staates zu überleben. So gesehen, war der Stopp der Zuschüsse also gerechtfertigt. Andererseits war er es nicht, wenn er -was ja wohl nicht anzunehmen ist- wirklich so unerwahrtet und ohne Vorwarnung kam. Hinzu kommt, dass mit Subventionen sowieso umgegangen wird wie mit Werbekugelschreibern. Möchte nicht wissen für wie viele windige Unternehmen NRW (auch noch?) Millionen vergibt. Wahrscheinlich hat man einfach auf's gerade Wohl eines herausgesucht, bei dessen Schließung mit den geringsten Folgeerscheinungen zu rechen wäre um etwas Geld zu sparen.
18.12.2008 18:18 Uhr
von Christof Jung:
Guten Abend, aus gegebenem Anlass liegt uns viel daran, die Notwendigkeit der Existenz der Universität Witten/Herdecke aus der persönlichen Sicht zweier betroffener Studenten zu schildern. Wir beide (Christof Jung und Malte Molitor) studieren im ersten Semester Humanmedizin an der Uni Witten/Herdecke und sind von dieser Universität und der Atmosphäre begeistert.
Vor Beginn des Studiums absolvierte einer von uns 2 Semester Biochemie an der Universität Bern (CH), der Andere machte eine Ausbildung zum Rettungsassistenten und arbeitete anschließend einige Zeit im Rettungsdienst.
Die Entscheidung für ein Studium an der Universität Witten/Herdecke wurde von uns beiden sehr bewusst getroffen.
Die Universität vereint in ihrer Lehre Aspekte, die in der deutschen Hochschullandschaft einzigartig und absolut erhaltenswert sind.
Die praxisnahe Medizinerausbildung im Modellstudiengang, die sowohl Problemorientiertes Lernen, wöchentlich stattfindende Untersuchungskurse als auch eine frühe Praxiseinbindung bereits ab dem ersten Semester bietet, gibt es in dieser Form an keiner anderen Universität. Die Intensität mit der wir hier die Möglichkeit haben, uns auch mit Problemen zu beschäftigen die zentrale Punkte des späteren ärztlichen Handelns sind, macht dieses Studium zu etwas sehr Besonderem. Wir beschäftigen uns mit alltäglichen Problemen aus Bereichen der Gesundheitsökonomie, der Arzt- Patienten- Kommunikation und der Ethik ärztlichen Handelns. Dies gibt uns die Möglichkeit uns nicht nur zu guten Medizinern sondern auch zu guten Ärzten zu entwickeln.
Neben dem bereits Erwähnten wird uns hier durch das ebenfalls einzigartige Studium Fundamentale die Chance gegeben weitere Qualitäten zu entwickeln, die es uns möglich machen Wissen auch außerhalb unseres eigentlichen Studienfaches zu erlangen. Der so erweiterte Horizont ermöglicht das Einnehmen von diversen Perspektiven und damit das interdisziplinäre Arbeiten im späteren Berufsleben.
Durch jahrelangen interkulturellen Austausch und durch Partnerschaften mit zahlreichen Universitäten anderer Länder gibt es bei uns heute vielfältige Möglichkeiten sein Studium international zu gestalten, dies spiegelt sich auch in der Studentenschaft der Uni wieder. Es ist ein ganz besonderes Gefühl in diesem Rahmen mit interessanten und hoch motivierten Kommilitonen zusammen dieses besondere Studium, dass zusätzlich durch einen engen Kontakt zu unseren Professoren geprägt ist zu bestreiten.
Nach unseren zuvor beschriebenen Ausführungen ist es uns noch ein besonderes Anliegen den freien Zugang zur Universität Witten/Herdecke hervor zu heben, da ohne diesen freien Zugang alle genannten Argumente für die Uni hinfällig wären. Obwohl es eine private Universität ist, besteht trotz der anfallenden Studiengebühren für JEDEN die Möglichkeit durch das Modell des hier entwickelten Umgekehrten-Generationenvertrags sein Studium zu finanzieren. So findet keine finanzielle Selektion statt und das Studium ist nicht von der Geldbörse der Eltern abhängig. Die Studierenden hier werden ausschließlich durch ein aufwendiges Verfahren ausgewählt, das persönliche Merkmale und die besondere Motivation zum Studium zu Grunde legt.
Mit diesem Schreiben möchten wir Ihnen auch einmal persönliche Eindrücke von studierenden der Universität Witten/Herdecke schildern und hoffen Ihnen eine weitere Perspektive im Gesamtdiskurs dargestellt zu haben.
Mit freundlichen Grüßen,
Christof Jung und Malte Molitor
18.12.2008 17:59 Uhr
von Federhut:
Die WHU und die EBS sind kein Vergleichsmaßstab für die Universität Witten/Herdecke. Es handelt sich dabei um Business Schools und um keine Volluniversitäten wie Witten/Herdecke. Die Kosten für einen Medizinstudiengang sind mit den Kosten für Geistes- und Sozialwissenschaftliche Studiengänge nicht vergleichbar. Hinzu kommen in Witten/Herdecke die Anforderungen an die Intensität und breite Ausrichtung der Forschung, denn die UW/H ist bis heute die einzige privat getragene Universität in Deutschland. Dieser Hintergrund ist für die Bewertung der derzeitigen Situation, auch in ihrer bildungspolitischen Dimension, notwendig. Zudem hängt die Universität Witten/Herdecke nicht "am Tropf" des Staates, sondern sie fordert einen finanziellen Ausgleich für die dem Staat eingesparten Kosten für Studienplätze, welche nun an einer privaten Universität in Anspruch genommen werden. Im Fall NRW sind das im Jahr 2002 knapp 7000 €. Bei 1100 Studenten könnte die UW/H mit gutem Recht 7,70 Mio an jährlicher Landesförderung beantragen, denn es ist ein Irrglaube, dass staatliche Studienplätze nichts kosten. Doch von diesem Bewusstsein für die Gleichstellung privat getragener Bildung ist Deutschland wohl noch weit entfernt.
18.12.2008 17:23 Uhr
von Ullrich F.J. Mies:
Man muss sich die Argumentation dieser Landesregierung einmal "auf der Zunge zergehen" lassen, denn hier offenbaren sich die neoliberalen Ideologen auf der ganzen Linie:
Die Hochschule müsse einen "ausgeglichenen" Haushalt vorlegen.
Keine Bildungseinrichtung, der es um Bildung geht, kann einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Bildung ist Staatsaufgabe, Bildung kostet Geld. Dafür zahlen die zu Kunden herabgewürdigten Bürger Steuern.
Ziele der neoliberalen Ideologen ist, die Hochschulen zu Wirtschaftsunternehmen umzufunktionieren, um alles der Verwertbarkeit des Marktes zu unterstellen. Das ist aber keine Bildung.
18.12.2008 15:34 Uhr
von Beobachter:
Ich verstehe nicht, warum es der UWH nach mehr als 25 Jahren immer noch nicht gelungen ist, eine hinreichend leistungsfähige Trägerstiftung aufzubauen, obwohl sie doch schon so viele Alumni hat und über ein hohes Ansehen in Wirtschaft und Gesellschaft verfügt. Klar, dass die Begeisterung der etablierten Wissenschaft in Deutschland über Witten-Herdeckes alternative Suchprozesse mit Studenten als besonders wichtigem Element der Hochschule begrenzt ist. Aber die klassischen Wissenschaftszünfte brauchen doch auch nicht zu finanzieren. Warum ist es den anderen beiden Wegbereitern des privaten Hochschulgedankens in Deutschland, der 1971/72 gegründeten EBS und der 1983/84 gegründeten WHU in Koblenz/Vallendar, der ersten privaten Stiftungshochschule in Deutschland, eigentlich gelungen, hinreichend potente Stifter nicht nur zu finden, sondern auch nachhaltig einzubinden? Und warum gelingt das den Verantwortlichen in Witten-Herdecke nicht, zumindest nicht dauerhaft? EBS und WHU beweisen doch überdeutlich, dass auch mit massgeblichen Stiftern die akademische Freiheit bewahrt werden kann. Haben die UWH-Wissenschaftler hier nicht genügend Selbstvertrauen? Und noch etwas: Verdient eine Hochschule am Finanzierungstropf des Staates wirklich das Etikett privat?
18.12.2008 14:17 Uhr
von Haas:
Interessant die Einigkeit der Parteien, dass Hochschulbildung nicht in private Hand gehört! Die Frage ist doch, was kostet es den Staat, dieses Studienplätze und die Angestellten selbst zu finanzieren? Ist da der geplante Zuschuß, oder noch etwas mehr, nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein? Oder geht es im Hintergrund gar etwa um die weltanschaulichen Prinzipien unter denen hier Studierende ausgebildet werden, d.h. vielleicht die Chance haben, Medizin in einer wirklich den Menschen umfassenden Sicht zu studieren und kennen zu lernen!
18.12.2008 14:02 Uhr
von Ihr Name Wilh. Sälzer:
Es ist einfach nicht zu glauben welche Kurzsichtigkeit viele unserer Politiker besitzen. Immer mehr Staat, mögl. noch mehr Beamte.Wo bleibt da die Steigerung der Bildungspolitik. Armes Deutschland, wenn dieses kleinkarriert Denken nicht endlich aufhört. Tee
Leserkommentare
21.12.2008 12:14 Uhr
von Niklas Georg:
Unter der nachfolgenden Adresse können Interessierte erleben, welche Anstrengungen derzeit im Umfeld der Universität Witten/Herdecke unternommen werden, um die drohende Insolvenz doch noch abzuwenden: www.deutschlandbrauchtwitten.de.
20.12.2008 01:15 Uhr
von gutbetuchter Student:
@ weg damit...
Hm:
Also irgendwie kommt mir ihr Bild der Uni WH doch etwas sehr verschoben vor.
Die Wittener Studenten haben das Modell des umgekehten Generationenvertrages in Deutschland etabliert - ein Konzept, welches z.B. von den Hamburger Hochschulen übernommen wurde.
Ihrem allgemeinen Informationsstand zur Folge ist es wahrscheinlich notwendig, wenn ich das Modell hier erläutere:
Kurz: Wer nach dem Studium mehr verdient, zahlt mehr, wer wenig verdient, weniger und wer nichts verdient, zahlt nichts.
Das Modell der Mediziner sieht eine Rückfinanzierung über 10% des Gehaltes über 10 Jahre vor.
Natürlich gibt es an dieser Uni auch einen Anteil an sofortzahlenden Studenten. Aber die zahlen übrings auch nicht weniger, als die Späterzahler, sondern zinsbereinigt den Schnitt, den die Späterzahler zahlen.
Achso:
Was für die meisten Staatlichen Unis utopisch klingt: Wir können über dieses Modell ohne die direkte Belastung durch Studiengebühren, wie sie an einer staatlichen gezahlt würden, studieren - und brauchen uns die mittel nicht auf dem Kapitalmarkt mit den damit verbundenen Risiken selbst organisieren. (Die Kfw verlangt für einen Kredit, der die staatlichen Gebühren deckt, auch mal ebent 25 000 Euro im Schnitt zurück).
Wären unsere Eltern alle Millionäre, würden wir bestimmt nicht nach 4,7 Mio schrein, sondern uns einfach mal alle kein neues Pferd zu Weihnachten wünschen. Wären wir alle Reich, würd die Uni auch nicht im wunderbaren Witten stehen, sondern in München.
Das ein großer Teil der Wittener Studenten den Eindruck macht, sie hätten mehr Geld, kann eventuell daran liegen, dass bei einer Bewerbung Bewerber mit einer bereits abgeschlossenen Berufsausbildung (->Praxiserfahrung) bevorzugt werden - diese Studenten haben natürlich andere Einkünfte, als jemand, der sich mit studentischen Aushilfsjobs rumschlagen muss - aber auch davon gibt es genug Studierende.
Das man in Witten kein Bafög erhält, ist absoluter Nonsense. Die Studierendenschaft ist von ihrer finanziellen Herkunft ähnlich geschichtet, wie eine andere Uni auch. Klar, dass Kinder von Ärzten oft den selben Beruf anstreben (weil se nix anderes kennen) kann man nicht abstreiten und ich denke auch, dass Banker, Pfleger, Künstler ihren Kindern ihre Berufsbilder zu einem bestimmten Anteil "vererben".
Das Bild, die Uni Witten/Herdecke wäre eine Institution der besser Betuchten und die Studenten wüsten eh nicht hin mit ihrer Kohle, entspricht (in der aktuellen Situation möchte man FAST schon "leider" sagen) nicht der Realität.
Die Uni wollte schon von jeher die "Kopfelite" anziehen und nicht die "Finanzelite" - also halt eben den Fokus auf die Ausbildung von hochmotivierten, engagierten, politsch-aktiven, interessanten Menschen und NICHT auf die Kinder-Reicher-Eltern richten - wäre letztes der Fall, würde sich wohl kein Student für die Uni so ins Zeug legen, wie es im Moment der Fall ist, denn: Papa würde ja schon einen neuen Beruf finden ;)
19.12.2008 00:08 Uhr
von Weg damit!:
Ich begrüße das!
Eine Privatuniversität, deren Besuch sich nur die Kinder von Millionären leisten können, keine BaföG-Berechtigten und Mittelstandskinder, muss eben auch privat finanziert werden und nicht vom Steuerzahler!
Meinetwegen kann diese "Universität" schließen, der "Geldadel" kann auch woanders studieren.
18.12.2008 21:26 Uhr
von UWH Ehemalige:
@Beobachter: Im Unterschied zur WHU und EBS hat die UWH ihren Schwerpunkt nicht auf den wirtschaftlichen Faechern, sondern bietet auch die kostenintensiven Studiengaenge Medizin und Zahnmedizin an. Ein grosser Teil der Studenten und ehemaligen verdient daher eben keine Spitzengehaelter wie sie in der Wirtschaft gezahlt werden.
Noch eine weitere Sache: Alle Kindergaerten und Schulen, die von den Kirchen in Deutschland finanziert werden, sind in privater Hand. Da aber Bildung ein Staatsauftrag ist, erhalten auch diese Institutionen staatliche Mittel. Insofern ist es kein Widerspruch, wenn eine private Hochschule staatliche Mittel erhaelt.
18.12.2008 18:32 Uhr
von FMH:
Man muss es sehen wie es ist: Wenn sich eine Einrichtung als "privat" bezeichnen will, dann muss sie fähig sein ohne stetige Finanzspritzen des Staates zu überleben. So gesehen, war der Stopp der Zuschüsse also gerechtfertigt.
Andererseits war er es nicht, wenn er -was ja wohl nicht anzunehmen ist- wirklich so unerwahrtet und ohne Vorwarnung kam.
Hinzu kommt, dass mit Subventionen sowieso umgegangen wird wie mit Werbekugelschreibern. Möchte nicht wissen für wie viele windige Unternehmen NRW (auch noch?) Millionen vergibt.
Wahrscheinlich hat man einfach auf's gerade Wohl eines herausgesucht, bei dessen Schließung mit den geringsten Folgeerscheinungen zu rechen wäre um etwas Geld zu sparen.
18.12.2008 18:18 Uhr
von Christof Jung:
Guten Abend,
aus gegebenem Anlass liegt uns viel daran, die Notwendigkeit der Existenz der Universität Witten/Herdecke aus der persönlichen Sicht zweier betroffener Studenten zu schildern.
Wir beide (Christof Jung und Malte Molitor) studieren im ersten Semester Humanmedizin an der Uni Witten/Herdecke und sind von dieser Universität und der Atmosphäre begeistert.
Vor Beginn des Studiums absolvierte einer von uns 2 Semester Biochemie an der Universität Bern (CH), der Andere machte eine Ausbildung zum Rettungsassistenten und arbeitete anschließend einige Zeit im Rettungsdienst.
Die Entscheidung für ein Studium an der Universität Witten/Herdecke wurde von uns beiden sehr bewusst getroffen.
Die Universität vereint in ihrer Lehre Aspekte, die in der deutschen Hochschullandschaft einzigartig und absolut erhaltenswert sind.
Die praxisnahe Medizinerausbildung im Modellstudiengang, die sowohl Problemorientiertes Lernen, wöchentlich stattfindende Untersuchungskurse als auch eine frühe Praxiseinbindung bereits ab dem ersten Semester bietet, gibt es in dieser Form an keiner anderen Universität.
Die Intensität mit der wir hier die Möglichkeit haben, uns auch mit Problemen zu beschäftigen die zentrale Punkte des späteren ärztlichen Handelns sind, macht dieses Studium zu etwas sehr Besonderem. Wir beschäftigen uns mit alltäglichen Problemen aus Bereichen der Gesundheitsökonomie, der Arzt- Patienten- Kommunikation und der Ethik ärztlichen Handelns. Dies gibt uns die Möglichkeit uns nicht nur zu guten Medizinern sondern auch zu guten Ärzten zu entwickeln.
Neben dem bereits Erwähnten wird uns hier durch das ebenfalls einzigartige Studium Fundamentale die Chance gegeben weitere Qualitäten zu entwickeln, die es uns möglich machen Wissen auch außerhalb unseres eigentlichen Studienfaches zu erlangen.
Der so erweiterte Horizont ermöglicht das Einnehmen von diversen Perspektiven und damit das interdisziplinäre Arbeiten im späteren Berufsleben.
Durch jahrelangen interkulturellen Austausch und durch Partnerschaften mit zahlreichen Universitäten anderer Länder gibt es bei uns heute vielfältige Möglichkeiten sein Studium international zu gestalten, dies spiegelt sich auch in der Studentenschaft der Uni wieder.
Es ist ein ganz besonderes Gefühl in diesem Rahmen mit interessanten und hoch motivierten Kommilitonen zusammen dieses besondere Studium, dass zusätzlich durch einen engen Kontakt zu unseren Professoren geprägt ist zu bestreiten.
Nach unseren zuvor beschriebenen Ausführungen ist es uns noch ein besonderes Anliegen den freien Zugang zur Universität Witten/Herdecke hervor zu heben, da ohne diesen freien Zugang alle genannten Argumente für die Uni hinfällig wären. Obwohl es eine private Universität ist, besteht trotz der anfallenden Studiengebühren für JEDEN die Möglichkeit durch das Modell des hier entwickelten Umgekehrten-Generationenvertrags sein Studium zu finanzieren. So findet keine finanzielle Selektion statt und das Studium ist nicht von der Geldbörse der Eltern abhängig. Die Studierenden hier werden ausschließlich durch ein aufwendiges Verfahren ausgewählt, das persönliche Merkmale und die besondere Motivation zum Studium zu Grunde legt.
Mit diesem Schreiben möchten wir Ihnen auch einmal persönliche Eindrücke von studierenden der Universität Witten/Herdecke schildern und hoffen Ihnen eine weitere Perspektive im Gesamtdiskurs dargestellt zu haben.
Mit freundlichen Grüßen,
Christof Jung und Malte Molitor
18.12.2008 17:59 Uhr
von Federhut:
Die WHU und die EBS sind kein Vergleichsmaßstab für die Universität Witten/Herdecke. Es handelt sich dabei um Business Schools und um keine Volluniversitäten wie Witten/Herdecke. Die Kosten für einen Medizinstudiengang sind mit den Kosten für Geistes- und Sozialwissenschaftliche Studiengänge nicht vergleichbar. Hinzu kommen in Witten/Herdecke die Anforderungen an die Intensität und breite Ausrichtung der Forschung, denn die UW/H ist bis heute die einzige privat getragene Universität in Deutschland. Dieser Hintergrund ist für die Bewertung der derzeitigen Situation, auch in ihrer bildungspolitischen Dimension, notwendig. Zudem hängt die Universität Witten/Herdecke nicht "am Tropf" des Staates, sondern sie fordert einen finanziellen Ausgleich für die dem Staat eingesparten Kosten für Studienplätze, welche nun an einer privaten Universität in Anspruch genommen werden. Im Fall NRW sind das im Jahr 2002 knapp 7000 €. Bei 1100 Studenten könnte die UW/H mit gutem Recht 7,70 Mio an jährlicher Landesförderung beantragen, denn es ist ein Irrglaube, dass staatliche Studienplätze nichts kosten. Doch von diesem Bewusstsein für die Gleichstellung privat getragener Bildung ist Deutschland wohl noch weit entfernt.
18.12.2008 17:23 Uhr
von Ullrich F.J. Mies:
Man muss sich die Argumentation dieser Landesregierung einmal "auf der Zunge zergehen" lassen, denn hier offenbaren sich die neoliberalen Ideologen auf der ganzen Linie:
Die Hochschule müsse einen "ausgeglichenen" Haushalt vorlegen.
Keine Bildungseinrichtung, der es um Bildung geht, kann einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Bildung ist Staatsaufgabe, Bildung kostet Geld. Dafür zahlen die zu Kunden herabgewürdigten Bürger Steuern.
Ziele der neoliberalen Ideologen ist, die Hochschulen zu Wirtschaftsunternehmen umzufunktionieren, um alles der Verwertbarkeit des Marktes zu unterstellen. Das ist aber keine Bildung.
18.12.2008 15:34 Uhr
von Beobachter:
Ich verstehe nicht, warum es der UWH nach mehr als 25 Jahren immer noch nicht gelungen ist, eine hinreichend leistungsfähige Trägerstiftung aufzubauen, obwohl sie doch schon so viele Alumni hat und über ein hohes Ansehen in Wirtschaft und Gesellschaft verfügt. Klar, dass die Begeisterung der etablierten Wissenschaft in Deutschland über Witten-Herdeckes alternative Suchprozesse mit Studenten als besonders wichtigem Element der Hochschule begrenzt ist. Aber die klassischen Wissenschaftszünfte brauchen doch auch nicht zu finanzieren. Warum ist es den anderen beiden Wegbereitern des privaten Hochschulgedankens in Deutschland, der 1971/72 gegründeten EBS und der 1983/84 gegründeten WHU in Koblenz/Vallendar, der ersten privaten Stiftungshochschule in Deutschland, eigentlich gelungen, hinreichend potente Stifter nicht nur zu finden, sondern auch nachhaltig einzubinden? Und warum gelingt das den Verantwortlichen in Witten-Herdecke nicht, zumindest nicht dauerhaft? EBS und WHU beweisen doch überdeutlich, dass auch mit massgeblichen Stiftern die akademische Freiheit bewahrt werden kann. Haben die UWH-Wissenschaftler hier nicht genügend Selbstvertrauen? Und noch etwas: Verdient eine Hochschule am Finanzierungstropf des Staates wirklich das Etikett privat?
18.12.2008 14:17 Uhr
von Haas:
Interessant die Einigkeit der Parteien, dass Hochschulbildung nicht in private Hand gehört!
Die Frage ist doch, was kostet es den Staat, dieses Studienplätze und die Angestellten selbst zu finanzieren?
Ist da der geplante Zuschuß, oder noch etwas mehr, nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein?
Oder geht es im Hintergrund gar etwa um die weltanschaulichen Prinzipien unter denen hier Studierende ausgebildet werden, d.h. vielleicht die Chance haben, Medizin in einer wirklich den Menschen umfassenden Sicht zu studieren und kennen zu lernen!
18.12.2008 14:02 Uhr
von Ihr Name Wilh. Sälzer:
Es ist einfach nicht zu glauben welche Kurzsichtigkeit viele unserer Politiker besitzen.
Immer mehr Staat, mögl. noch mehr Beamte.Wo bleibt da die Steigerung der Bildungspolitik.
Armes Deutschland, wenn dieses kleinkarriert
Denken nicht endlich aufhört.
Tee