Die jüngste Erhöhung des Kindergelds war überflüssig, kritisiert eine Elterninitiative. Nun spenden sie den Differenzbetrag, um die Kitas und Schulen ihrer Kinder zu verbessern.Interview: SIMONE SCHMOLLACK

Die Kindergelderhöhung spenden – gut oder schlecht? Bild: naliaschwarz/photocase
taz: Herr Mittler, Sie verwenden die 20 Euro, die Ihnen die Regierung jetzt jeden Monat als erhöhtes Kindergeld schenkt, nicht für Ihre eigene Familie, sondern spenden es der Kita Ihrer Tochter. Warum?
Daniel Mittler: Die Kindergelderhöhung ist unsinnig, die meisten Eltern haben das Geld nicht nötig. Gleichzeitig fehlt es aber in den Kitas und Schulen an allen Ecken und Enden. Und diejenigen, die es wirklich brauchen - Hartz-IV-Empfänger zum Beispiel -, haben gar nichts davon, weil es ihnen von den anderen staatlichen Leistungen wieder abgezogen wird.
Betrügen Sie nicht Ihre Tochter?
Nein, die Regierung betrügt unsere Kinder. Die 4,2 Milliarden Euro erhöhtes Kindergeld fehlen bei der Bildung. Aber genau da gehört das Geld hin. Auch für die Zukunft meiner Tochter.
Sie haben Ihre Aktion im Internet bekannt gemacht. Haben sich schon Eltern gemeldet?
Der Aufruf stand kaum im Netz, und schon hatten wir Briefe und Kommentare von Eltern aus der gesamten Bundesrepublik. Die geben jetzt die 20 Euro an Kitas, Schulen und andere Kinderprojekte in ihrer Umgebung. Aber auch Organisationen, die sich für Kinderrechte einsetzen, wie der Kinderschutzbund und das Berliner Kita-Bündnis, profitieren von unserer Aktion.
Welche Wirkung wird Ihre Aktion haben?
Wir wissen, dass wir damit das generelle Problem, dass der Staat unsinnige Geschenke verteilt, statt sie in Bildung zu investieren, nicht lösen können. Uns kommt es daher auf den symbolischen Akt an: Wir sagen Nein zu einer unsinnigen Politik. Und wir zeigen, dass es uns ernst ist, indem wir das Geld nicht für uns behalten. Wir wollen politischen Druck ausüben. Es muss eine Wende in der Familienpolitik geben: Weg von der Geldverteilung per Gießkannenprinzip und hin zu sinnvollen Investitionen.
Wie können Eltern bei Ihnen mitmachen?
Einfach auf unsere Homepage kindergeld-richtig-investiert.de gehen, einen Leserbrief schreiben und per Kommentar sagen, wohin das Geld gehen soll.
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Leserkommentare
09.01.2010 20:00 | Jürgen Müller
Soweit ich weiß investieren die skandinavischen Länder den selben Prozentsatz ihres BIP wie die BRD in "Bildung" und deren ...
09.01.2010 12:30 | Hausmeister Krausse
Steuern "senken" im Bund, Abgaben und Gebühren erhöhen in der Kommune. Beim besten Willen kann ich mir nicht vorstellen, da ...
08.01.2010 21:44 | Jojo
Hat Mal jemand daran gedacht , dass Kinder besonders in der Krippe und im Kindergarten die Chance haben auf ca. das gleiche ...