Elefantenrunde nach Olympiabefragung

„Hier atmet der Geist noch“

Wäre eine Wahl so ausgegangen wie die Olympiabefragung, hätten sich Hamburg und Berlin sicher so geäußert.

Das ist Alfons Hörmann, der Chef des DOSB, der Entscheider über Olympia. Bild: dpa

Elefantenrundefrager: Herr Berlin, 55 Prozent sind ein – man kann es nicht anders sagen – niederschmetterndes Ergebnis.

Berlin: Zuerst möchte ich allen, die uns unterstützt haben, aufrichtig danken. Wir freuen uns über diese Bereitsschaft, Olympia in Berlin haben zu wollen, und dieses Ergebnis ist ein eindeutiges Zeichen dafür, dass die Stadt auf dem richtigen Weg ist.

Herr Hamburg, Gratulation, Sie wissen fast eine Zweidrittelmehrheit hinter sich.

Hamburg: Ich bin stolz und glücklich über meine Hamburger. Dies ist ein wirklich überwältigender Vertrauensbeweis. Wir haben gezeigt, dass die Stadt wirklich den Olympischen Geist atmet und der Funke der Fackel übergesprungen ist: Hier wird nicht gemäkelt, hier wird gemacht. Dabei sein ist alles! Und ich danke auch allen meinen Mitstreitern, die diesen wunderbaren Erfolg möglich gemacht haben.

Es ist nicht nur das Gesamtergebnis: Auch ist in Hamburg der Zuwachs im Vergleich zur letzten Umfrage im September mit elf Prozentpunkten größer als in Berlin mit sieben.

Hamburg: Das ist ein weiterer Beleg für unseren Erfolg. Und eigentlich würde ich Berlin raten, nun zurückzuziehen.

In Berlin steht wie in Hamburg eine Mehrheit hinter einer Olympiabewerbung. Nach einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) sind es hier 55 Prozent, in Hamburg 64 Prozent. Damit bleiben bis zur Entscheidung des DOSB-Präsidiums nächsten Montag beide im Rennen. Der DOSB hatte nur ausgeschlossen, mit einer Stadt anzutreten, in der es dafür keine Mehrheit gibt. Im Herbst war das in Berlin noch der Fall. Bekommt die Hauptstadt den Zuschlag, ist für den 13. September eine Bürgerbefragung vorgesehen, die politisch verbindlich sein soll.

Olympiabefürworter werteten das Ergebnis durchweg als Erfolg für Berlin, während Olympiagegnern die Unterstützung nicht ausreichte. Für Regierungschef Michael Müller (SPD) und CDU-Fraktionschef Florian Graf sind 55 Prozent Unterstützung "eine klare Mehrheit der Berliner". Linksfraktionschef Udo Wolf sah nur ein "Fast-Fifty-fifty-Ergebnis", das kein Nachweis von besonderer Olympiabegeisterung sei, Martin Delius (Piraten) "ein knappes Ergebnis". Der Grünen-Landesvorstand kommentierte: "Eine breite Mehrheit sieht anders aus."

Berlin: Moment, Moment. Zahlen, die kann man so und so sehen. In Berlin hat eine Mehrheit für Olympia in der Hauptstadt gestimmt – ich betone, in der Hauptstadt – und eine Mehrheit ist eine Mehrheit ist eine Mehrheit. Mehr braucht es nicht. Ich gehe deswegen davon aus, dass der Deutsche Olympische Sportbund am Montag natürlich für Berlin stimmt. Weil Berlin das bessere Konzept hat, mehr Hotelbetten, und ich sage es noch mal: weil es die Hauptstadt ist. Wer in der Welt kennt schon Hamburg?!

Hamburg: Die Welt wird uns schon kennenlernen.

Herr Hamburg, worauf führen Sie Ihren Erfolg zurück?

Hamburg: Ich habe nie an unserem Erfolg gezweifelt, und das hat sich ausgezahlt. Und zu Berlin muss ich sagen: Das wird doch ein zweites Leipzig!

Berlin: Unser Erfolg besteht darin, dass wir wieder einmal alle Erwartungen übertroffen haben. Früher hätte man gesagt: arm, aber sexy!

Hamburg: Sehen Sie, da ist sie wieder: die Berliner Großmäuligkeit. Machen Sie erstmal Ihre Hausaufgaben, und dann reden wir gerne über Olympia – 2036!

.

„Richtig schön multikulti“ – Erkundungen im Kiez rund um den taz Neubau:

Die Kommentarfunktion verabschiedet sich über die Feiertage und wünscht allen Kommune-User*innen ein tolles Osterwochenende in der analogen Welt!

-

Genießt die Sonne,
Eure Kommune